Corona in Sachsen

Vorwort

Als ich “Sklaverei in Massachusetts” übersetzte, fiel mir auf, dass dieser Text unsere heutige Situation in Deutschland mehr betrifft, als jeder andere Text von Henry David Thoreau.

Was passiert, wenn man “Sklaverei” durch “Corona-Verodnungen” ersetzt, “Sklaven” durch “unter den Corona-Verordnungen leidende” und “Sklavenhalter” durch “Fans der Corona-Verordnungen”? Der Text wird erstaunlich aktuell.

Zusätzlich habe ich ihn nach Deutschland verlegt und die enthaltenen Orte, Zeitungen, etc. durch deutsche ersetzt. Aus “Gouverneur” wurde “Ministerpräsident” und aus den Soldaten wurden Polizisten, da zu Thoreaus Zeiten, die Soldaten die Verhaftungen vornahmen und nicht die Polizei. Zudem hat ein Ministerpräsident nur die Hoheit über die Polizei, nicht über das Militär.

Nach Sachsen verlegte ich ihn, weil ich einen Ort brauchte, an welchem Menschen für ihre Freiheit kämpften und eventuell noch heute stolz darauf sind. Deutschland hat da leider keine große Auswahl zu bieten. In Leipzig befindet sich nicht nur die Nikolaikirche, auch die Völkerschlacht zu Leipzig könnte man als “Befreiung” deuten. So dass sie eine Stadt, mit einer großen Historie ist.

Viel Spaß beim Lesen und beim Entdecken, wie aktuell Henry David Thoreau heute immer noch ist!

Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat

Civil Disobedience” ist die wichtigste Schrift zum gewaltfreien Widerstand und über unsere Verantwortung als Bürger.

Statt eines Vorwortes: Gandhi und M.L. King

Mohandas K. Gandhi über diese Schrift:

“[…] ich habe ‘Walden’ [von Henry David Thoreau] zuerst 1906 in Johannesburg in Südafrika gelesen, und seine Ideen haben mich stark beeinflusst. Ich übernahm einige davon und empfahl das Studium von Thoreau allen meinen Freunden, die an der Sache der indischen Unabhängigkeit mitarbeiteten. Das ist der Grund, warum ich den Namen meiner Bewegung eigentlich von Thoreaus Essay ‘Über die Pflicht des [zivilen] Ungehorsams’ übernommen habe, der vor etwa achtzig Jahren geschrieben wurde. Bis ich diesen Aufsatz las, habe ich nie eine passende englische Übersetzung für mein indisches Wort Satyagraha gefunden. Sie erinnern sich, dass Thoreau die Idee des zivilen Ungehorsams in Concord, Massachusetts, erfunden und praktiziert hat, als er sich aus Protest gegen die Regierung der Vereinigten Staaten weigerte, seine Kopfsteuer zu zahlen. Er ging auch ins Gefängnis. Es besteht kein Zweifel, dass Thoreaus Ideen meine Bewegung in Indien stark beeinflusst haben”. (Quelle: University of North Florida, Thoreau’s Table)

“Thoreau war ein großer Schriftsteller, Philosoph, Dichter und gleichzeitig ein sehr praktischer Mann, das heißt, er lehrte nichts, was er nicht selbst zu tun bereit war. Er war einer der größten und moralischsten Männer, die Amerika hervorgebracht hat. Zur Zeit der Abschaffung der Sklavenbewegung schrieb er seinen berühmten Essay “Über die Pflicht des zivilen Ungehorsams”. Er ging um seiner Prinzipien und der leidenden Menschheit Willen ins Gefängnis1. Sein Essay ist daher durch das Leiden geweiht2 worden. Mehr noch, ist es zeitlos geworden3. Seine einschneidende Logik ist unbeantwortbar”. (Agyei und “For Passive Resisters” von Mahandas K. Gandhi; 1907)

Martin Luther King über diese Schrift:

“Hier, in der Weigerung dieses mutigen Neuengländers seine Steuern zu zahlen, und das Gefängnis zu wählen, anstatt einen Krieg zu unterstützen, der das Gebiet der Sklaverei bis nach Mexiko ausdehnen würde, kam ich zum ersten Mal mit der Theorie des gewaltlosen Widerstands in Berührung. Fasziniert von der Idee, die Zusammenarbeit mit einem bösen System zu verweigern, war ich so tief bewegt, dass ich das Werk mehrmals wieder las.
Ich kam zu der Überzeugung, dass die Nicht-Zusammenarbeit mit dem Bösen ebenso eine moralische Verpflichtung ist, wie die Zusammenarbeit mit dem Guten. Kein anderer hat sich so wortgewandt und leidenschaftlich dafür eingesetzt, diese Idee zu vermitteln, wie Henry David Thoreau.

Aufgrund seiner Schriften und seines persönlichen Zeugnisses sind wir die Erben eines Vermächtnisses des kreativen Protests. Die Lehren von Thoreau wurden in unserer Bürgerrechtsbewegung lebendig; sie sind sogar lebendiger als je zuvor. Ob sie sich an einem Sitzstreik bei der Essenstheke4, einer Freiheitsfahrt nach Mississippi5, einem friedlichen Protest in Albany, Georgia6, einem Busboykott in Montgomery, Alabama7, äußern – dies sind Auswüchse von Thoreaus Beharren darauf, dass man dem Bösen widerstehen muss und dass kein moralischer Mensch sich geduldig an Ungerechtigkeit anpassen kann.” (M. L. King, Autobiographie)

Anmerkungen

1Original: “He went to gaol for the sake of his principles and suffering humanity. “

2Original: “sanctified”. Bedeutet auch “geheiligt”. Durch seine Tat zeigte Thoreau, wie ernst es ihm mit dem, was er sagte, war. Deshalb war es eine Art “Weihe” seines Werkes, nach meinem Verständnis.

3Original: “Moreover, it is written for all time.”

4Hier ist das “Greensboro sit-in” gemeint. So genannte “Afroamerikaner” weigerten sich bei Woolworth ihre Plätze an der Theke zu verlassen, nachdem sie ihr Mittagessen bekommen hatten.

5Original: “freedom ride into Mississippi”. Der “Freedom Ride” nach Mississippi fand am 25. Mai 1961 statt, als eine Gruppe von elf “Schwarzen” und einem “Weißen” mit dem Bus von Montgomery (in Alabama) nach Jackson (in Mississippi) fuhren und dort ins Wartezimmer für Weiße gingen.

6Seit etwa 1. November 1961 gab es regelmäßig friedliche Proteste in Albany durch das “Albany Movement”, also die Albany-Bwegung.

7Nachdem Rosa Parks sich am 1. Dezember 1955 geweigert hatte, sich im Bus nach hinten zu sitzen, auf die Plätze für “Schwarze”, kam es in Montgomery am 5. Dezember zum Boykott der Busse, also des öffentlichen Nahverkehrs.

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Verantwortung und Anstand

Eine Vorrede zu Thoreaus Civil Disobedience

Die Texte “Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat” (Deutsch) und “On the Duty of Civil Disobedience” (Englisch) finden Sie beim Klicken auf die jeweiligen Titel. Eine kurze Geschichte über Henry David Thoreau gibt es hier.

In Thoreaus „Civil Disobedience“ habe ich einiges aus meinem Leben wiedergefunden, vor allem das Unverständnis darüber, wie man einfach nur gehorchen kann, ohne sein Gehirn einzuschalten oder sein Gewissen.

„Darf ein Bürger auch nur für einen Moment oder auch nur um ein Jota sein Gewissen dem Gesetzesgeber übereignen? Warum hat jeder Mensch dann überhaupt ein Gewissen? Ich glaube, wir sollten zuerst Menschen sein, und dann erst Untertanen.“ (Thoreau)

Unsere Welt ist durchgeplant mit Verboten und Erlaubnissen. Kinder sollen nicht mehr selbst denken, wenn sie über eine Straße gehen, nicht mehr nach rechts und links schauen, sondern nur noch dämlich ein Lichtlein anblicken, das ihnen das Denken abnimmt. Autofahrer sollen sich nach Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, die niemand nachvollziehen kann – gerade beim Autofahren fällt es mir immer wieder auf, wie sich Menschen stur an eine völlig unsinnige Geschwindigkeitsbegrenzung halten aus Angst vor Strafe.

„Es ist hart, einen Aufseher aus dem Süden zu haben; es ist schlimmer, einen nordstaatlichen zu haben; am schlimmsten von allem ist es jedoch, wenn du dein eigener Sklavenhalter bist.“
(Thoreau)

Henry David Thoreau hinterfragt diese Welt der Schranken und der Folgsamkeit und setzt ihr ein Gewissen und eine Verantwortung gegenüber. Sein Buch beeindruckte nicht umsonst Martin Luther King oder Mohandas K. Ghandi. Es erzählt vom notwendigen Widerstand wenn Recht zu Unrecht wird und wenn Menschen zu Maschinen werden, die nur noch das tun, was ein Gesetz, ein Verkehrsschild oder eine Autorität möchte. Es erzählt davon, was es bedeutet Mensch zu sein. Man kann manchmal nur ein Mensch sein, statt einer folgsamen Maschine, wenn man sich widersetzt und „Nein!“ sagt.

Das ist nicht immer einfach. Es bedeutet Verantwortung zu übernehmen und das macht manchen Angst. Viele wollen „damit“ nichts zu tun haben. Sicherlich ist es meist einfacher kein Gewissen zu haben oder es auszuschalten. Lieber folgsame Maschine zu sein, statt ein denkender Mensch mit einem Gewissen. Man kann sich etwas vormachen, wie Martin Niemöller, der als Pfarrer wegschaute und die bekannten Zeilen sprach:

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“1

Man kann sich herausreden, das wäre zu einer anderen Zeit gewesen, doch zeigt es ein wichtiges Problem: Wer steht hinter mir, wenn ich Probleme habe, wenn ich nicht hinter anderen stehe?

Doch zurück zum Thema Verantwortung. Wenn ich da bin für andere und Verantwortung übernehme für mein Handeln, für die Welt, die ich gemeinsam mit anderen hervorbringe, denn wir alle gemeinsam sind die Welt, werde ich frei. Verantwortung zu übernehmen, nicht einfach wegzusehen, bedeutet Freiheit, weil es etwas bedeutet, wie ich mich entscheide. Es ist nicht belanglos, denn meine Entscheidung ändert etwas. Wahre Freiheit ist immer Entscheidungsfreiheit, die umso bedeutungsloser ist, je bedeutungsloser die Entscheidung ist. Bedeutungslose Freiheit ist keine Freiheit.

Doch nicht nur die Freiheit wird bedeutungslos, wenn wir nicht bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Ein Mensch, der nur bedeutungslose Entscheidungen fällt, wird bedeutungslos. Wenn es egal ist, was er tut, wenn es „keine Rolle spielt“, wird er selbst egal, spielt er selbst keine Rolle mehr im Spiel des Lebens. Es wird egal, ob er lebt oder tot ist.

Doch das Leben gehört uns, diese Welt gehört uns und es macht keinen Sinn, hier nicht mitreden zu wollen.

„Wenn ich in einen Krieg einberufen werde, ist dieser Krieg mein Krieg, weil ich jederzeit mich ihm hätte entziehen können, durch Selbstmord oder Fahnenflucht: Diese äußersten Möglichkeiten sind diejenigen, die uns immer gegenwärtig sein müssen, wenn es darum geht, eine Situation ins Auge zu fassen. Da ich mich ihm nicht entzogen habe, habe ich ihn gewählt.“
(Sartre)2

Gerade jetzt sehen wir, dass wir manchmal nicht wählen können. Wir befinden uns inmitten der größten Klimakatastrophe seit dem Aussterben der Saurier. Wir können sie leugnen, aber egal, was wir tun, wir sind mitten drin, verursachen sie. Wir sind immer verantwortlich – egal, wie wir uns entscheiden. Ob wir wollen oder nicht. Wer sich enthält, stimmt dem Status Quo zu.

Doch es geht noch weiter: Die Klimakatastrophe sorgt für Wassermangel, Missernten, hungernde Menschen und Flüchtlingsströme.

Die gleichzeitige Sorge ums Öl und Erdgas sorgt für Kriege und Umsturzversuche in den Ländern, die viel davon haben, wie Venezuela oder dem Iran.

Reiche werden reicher, Arme ärmer. Noch nie gab es so viele Superreiche.

Menschenverachtende Gesinnungen nehmen zu, Hetze, Lügen.

Und wir sind mittendrin, sind ein Teil davon.

Man kann sich nicht gerade beklagen über einen Mangel an Möglichkeiten Verantwortung zu übernehmen, Anstand zu zeigen, sich gegen den Strom zu stellen, ein Mensch zu sein und „Nein!“ zu sagen.

Tun wirs!

„Wage es, dich aus deiner selbst verschuldeten Unmündigkeit zu befreien!“

Es ist unsere Welt und wir sollten bestimmen, wie wir darin leben wollen. Bestimmen wir nicht mit, so sind wir belanglos, machen wir mit, so können wir sie gemeinsam gestalten.

Christina Schieferdecker

Fußnoten

1„‚Als die Nazis die Kommunisten holten…..‘ – Martin Niemöller Stiftung“.

2Guinebert, Hörigkeit als Selbstboykott.

On the Duty of Civil Disobedience

by Henry David Thoreau (die deutsche Übersetzung finden Sie hier)

[1849, original title: Resistance to Civil Government]

I heartily accept the motto, “That government is best which governs least”; and I should like to see it acted up to more rapidly and systematically. Carried out, it finally amounts to this, which also I believe—”That government is best which governs not at all”; and when men are prepared for it, that will be the kind of government which they will have. Government is at best but an expedient; but most governments are usually, and all governments are sometimes, inexpedient. The objections which have been brought against a standing army, and they are many and weighty, and deserve to prevail, may also at last be brought against a standing government. The standing army is only an arm of the standing government. The government itself, which is only the mode which the people have chosen to execute their will, is equally liable to be abused and perverted before the people can act through it. Witness the present Mexican war, the work of comparatively a few individuals using the standing government as their tool; for in the outset, the people would not have consented to this measure.

This American government—what is it but a tradition, though a recent one, endeavoring to transmit itself unimpaired to posterity, but each instant losing some of its integrity? It has not the vitality and force of a single living man; for a single man can bend it to his will. It is a sort of wooden gun to the people themselves. But it is not the less necessary for this; for the people must have some complicated machinery or other, and hear its din, to satisfy that idea of government which they have. Governments show thus how successfully men can be imposed upon, even impose on themselves, for their own advantage. It is excellent, we must all allow. Yet this government never of itself furthered any enterprise, but by the alacrity with which it got out of its way. It does not keep the country free. It does not settle the West. It does not educate. The character inherent in the American people has done all that has been accomplished; and it would have done somewhat more, if the government had not sometimes got in its way. For government is an expedient, by which men would fain succeed in letting one another alone; and, as has been said, when it is most expedient, the governed are most let alone by it. Trade and commerce, if they were not made of india-rubber, would never manage to bounce over obstacles which legislators are continually putting in their way; and if one were to judge these men wholly by the effects of their actions and not partly by their intentions, they would deserve to be classed and punished with those mischievous persons who put obstructions on the railroads.

But, to speak practically and as a citizen, unlike those who call themselves no-government men, I ask for, not at once no government, but at once a better government. Let every man make known what kind of government would command his respect, and that will be one step toward obtaining it.

After all, the practical reason why, when the power is once in the hands of the people, a majority are permitted, and for a long period continue, to rule is not because they are most likely to be in the right, nor because this seems fairest to the minority, but because they are physically the strongest. But a government in which the majority rule in all cases can not be based on justice, even as far as men understand it. Can there not be a government in which the majorities do not virtually decide right and wrong, but conscience?—in which majorities decide only those questions to which the rule of expediency is applicable? Must the citizen ever for a moment, or in the least degree, resign his conscience to the legislator? Why has every man a conscience then? I think that we should be men first, and subjects afterward. It is not desirable to cultivate a respect for the law, so much as for the right. The only obligation which I have a right to assume is to do at any time what I think right. It is truly enough said that a corporation has no conscience; but a corporation of conscientious men is a corporation with a conscience. Law never made men a whit more just; and, by means of their respect for it, even the well-disposed are daily made the agents on injustice. A common and natural result of an undue respect for the law is, that you may see a file of soldiers, colonel, captain, corporal, privates, powder-monkeys, and all, marching in admirable order over hill and dale to the wars, against their wills, ay, against their common sense and consciences, which makes it very steep marching indeed, and produces a palpitation of the heart. They have no doubt that it is a damnable business in which they are concerned; they are all peaceably inclined. Now, what are they? Men at all? or small movable forts and magazines, at the service of some unscrupulous man in power? Visit the Navy Yard, and behold a marine, such a man as an American government can make, or such as it can make a man with its black arts—a mere shadow and reminiscence of humanity, a man laid out alive and standing, and already, as one may say, buried under arms with funeral accompaniment, though it may be,

“Not a drum was heard, not a funeral note,
As his corse to the rampart we hurried;
Not a soldier discharged his farewell shot
O’er the grave where our hero was buried.”

The mass of men serve the state thus, not as men mainly, but as machines, with their bodies. They are the standing army, and the militia, jailers, constables, posse comitatus, etc. In most cases there is no free exercise whatever of the judgment or of the moral sense; but they put themselves on a level with wood and earth and stones; and wooden men can perhaps be manufactured that will serve the purpose as well. Such command no more respect than men of straw or a lump of dirt. They have the same sort of worth only as horses and dogs. Yet such as these even are commonly esteemed good citizens. Others—as most legislators, politicians, lawyers, ministers, and office-holders—serve the state chiefly with their heads; and, as they rarely make any moral distinctions, they are as likely to serve the devil, without intending it, as God. A very few—as heroes, patriots, martyrs, reformers in the great sense, and men—serve the state with their consciences also, and so necessarily resist it for the most part; and they are commonly treated as enemies by it. A wise man will only be useful as a man, and will not submit to be “clay,” and “stop a hole to keep the wind away,” but leave that office to his dust at least:

“I am too high born to be propertied,
To be a second at control,
Or useful serving-man and instrument
To any sovereign state throughout the world.”

He who gives himself entirely to his fellow men appears to them useless and selfish; but he who gives himself partially to them is pronounced a benefactor and philanthropist.

How does it become a man to behave toward the American government today? I answer, that he cannot without disgrace be associated with it. I cannot for an instant recognize that political organization as my government which is the slave’s government also.

All men recognize the right of revolution; that is, the right to refuse allegiance to, and to resist, the government, when its tyranny or its inefficiency are great and unendurable. But almost all say that such is not the case now. But such was the case, they think, in the Revolution of ’75. If one were to tell me that this was a bad government because it taxed certain foreign commodities brought to its ports, it is most probable that I should not make an ado about it, for I can do without them. All machines have their friction; and possibly this does enough good to counter-balance the evil. At any rate, it is a great evil to make a stir about it. But when the friction comes to have its machine, and oppression and robbery are organized, I say, let us not have such a machine any longer. In other words, when a sixth of the population of a nation which has undertaken to be the refuge of liberty are slaves, and a whole country is unjustly overrun and conquered by a foreign army, and subjected to military law, I think that it is not too soon for honest men to rebel and revolutionize. What makes this duty the more urgent is that fact that the country so overrun is not our own, but ours is the invading army.

Paley, a common authority with many on moral questions, in his chapter on the “Duty of Submission to Civil Government,” resolves all civil obligation into expediency; and he proceeds to say that “so long as the interest of the whole society requires it, that is, so long as the established government cannot be resisted or changed without public inconvenience, it is the will of God . . . that the established government be obeyed—and no longer. This principle being admitted, the justice of every particular case of resistance is reduced to a computation of the quantity of the danger and grievance on the one side, and of the probability and expense of redressing it on the other.” Of this, he says, every man shall judge for himself. But Paley appears never to have contemplated those cases to which the rule of expediency does not apply, in which a people, as well as an individual, must do justice, cost what it may. If I have unjustly wrested a plank from a drowning man, I must restore it to him though I drown myself. This, according to Paley, would be inconvenient. But he that would save his life, in such a case, shall lose it. This people must cease to hold slaves, and to make war on Mexico, though it cost them their existence as a people.

In their practice, nations agree with Paley; but does anyone think that Massachusetts does exactly what is right at the present crisis?

“A drab of stat,
a cloth-o’-silver slut,
To have her train borne up,
and her soul trail in the dirt.”

Practically speaking, the opponents to a reform in Massachusetts are not a hundred thousand politicians at the South, but a hundred thousand merchants and farmers here, who are more interested in commerce and agriculture than they are in humanity, and are not prepared to do justice to the slave and to Mexico, cost what it may. I quarrel not with far-off foes, but with those who, near at home, co-operate with, and do the bidding of, those far away, and without whom the latter would be harmless. We are accustomed to say, that the mass of men are unprepared; but improvement is slow, because the few are not as materially wiser or better than the many. It is not so important that many should be good as you, as that there be some absolute goodness somewhere; for that will leaven the whole lump. There are thousands who are in opinion opposed to slavery and to the war, who yet in effect do nothing to put an end to them; who, esteeming themselves children of Washington and Franklin, sit down with their hands in their pockets, and say that they know not what to do, and do nothing; who even postpone the question of freedom to the question of free trade, and quietly read the prices-current along with the latest advices from Mexico, after dinner, and, it may be, fall asleep over them both. What is the price-current of an honest man and patriot today? They hesitate, and they regret, and sometimes they petition; but they do nothing in earnest and with effect. They will wait, well disposed, for other to remedy the evil, that they may no longer have it to regret. At most, they give up only a cheap vote, and a feeble countenance and Godspeed, to the right, as it goes by them. There are nine hundred and ninety-nine patrons of virtue to one virtuous man. But it is easier to deal with the real possessor of a thing than with the temporary guardian of it.

All voting is a sort of gaming, like checkers or backgammon, with a slight moral tinge to it, a playing with right and wrong, with moral questions; and betting naturally accompanies it. The character of the voters is not staked. I cast my vote, perchance, as I think right; but I am not vitally concerned that that right should prevail. I am willing to leave it to the majority. Its obligation, therefore, never exceeds that of expediency. Even voting for the right is doing nothing for it. It is only expressing to men feebly your desire that it should prevail. A wise man will not leave the right to the mercy of chance, nor wish it to prevail through the power of the majority. There is but little virtue in the action of masses of men. When the majority shall at length vote for the abolition of slavery, it will be because they are indifferent to slavery, or because there is but little slavery left to be abolished by their vote. They will then be the only slaves. Only his vote can hasten the abolition of slavery who asserts his own freedom by his vote.

I hear of a convention to be held at Baltimore, or elsewhere, for the selection of a candidate for the Presidency, made up chiefly of editors, and men who are politicians by profession; but I think, what is it to any independent, intelligent, and respectable man what decision they may come to? Shall we not have the advantage of this wisdom and honesty, nevertheless? Can we not count upon some independent votes? Are there not many individuals in the country who do not attend conventions? But no: I find that the respectable man, so called, has immediately drifted from his position, and despairs of his country, when his country has more reasons to despair of him. He forthwith adopts one of the candidates thus selected as the only available one, thus proving that he is himself available for any purposes of the demagogue. His vote is of no more worth than that of any unprincipled foreigner or hireling native, who may have been bought. O for a man who is a man, and, as my neighbor says, has a bone in his back which you cannot pass your hand through! Our statistics are at fault: the population has been returned too large. How many men are there to a square thousand miles in the country? Hardly one. Does not America offer any inducement for men to settle here? The American has dwindled into an Odd Fellow—one who may be known by the development of his organ of gregariousness, and a manifest lack of intellect and cheerful self-reliance; whose first and chief concern, on coming into the world, is to see that the almshouses are in good repair; and, before yet he has lawfully donned the virile garb, to collect a fund to the support of the widows and orphans that may be; who, in short, ventures to live only by the aid of the Mutual Insurance company, which has promised to bury him decently.

It is not a man’s duty, as a matter of course, to devote himself to the eradication of any, even to most enormous wrong; he may still properly have other concerns to engage him; but it is his duty, at least, to wash his hands of it, and, if he gives it no thought longer, not to give it practically his support. If I devote myself to other pursuits and contemplations, I must first see, at least, that I do not pursue them sitting upon another man’s shoulders. I must get off him first, that he may pursue his contemplations too. See what gross inconsistency is tolerated. I have heard some of my townsmen say, “I should like to have them order me out to help put down an insurrection of the slaves, or to march to Mexico—see if I would go”; and yet these very men have each, directly by their allegiance, and so indirectly, at least, by their money, furnished a substitute. The soldier is applauded who refuses to serve in an unjust war by those who do not refuse to sustain the unjust government which makes the war; is applauded by those whose own act and authority he disregards and sets at naught; as if the state were penitent to that degree that it hired one to scourge it while it sinned, but not to that degree that it left off sinning for a moment. Thus, under the name of Order and Civil Government, we are all made at last to pay homage to and support our own meanness. After the first blush of sin comes its indifference; and from immoral it becomes, as it were, unmoral, and not quite unnecessary to that life which we have made.

The broadest and most prevalent error requires the most disinterested virtue to sustain it. The slight reproach to which the virtue of patriotism is commonly liable, the noble are most likely to incur. Those who, while they disapprove of the character and measures of a government, yield to it their allegiance and support are undoubtedly its most conscientious supporters, and so frequently the most serious obstacles to reform. Some are petitioning the State to dissolve the Union, to disregard the requisitions of the President. Why do they not dissolve it themselves—the union between themselves and the State—and refuse to pay their quota into its treasury? Do not they stand in same relation to the State that the State does to the Union? And have not the same reasons prevented the State from resisting the Union which have prevented them from resisting the State?

How can a man be satisfied to entertain an opinion merely, and enjoy it? Is there any enjoyment in it, if his opinion is that he is aggrieved? If you are cheated out of a single dollar by your neighbor, you do not rest satisfied with knowing you are cheated, or with saying that you are cheated, or even with petitioning him to pay you your due; but you take effectual steps at once to obtain the full amount, and see to it that you are never cheated again. Action from principle, the perception and the performance of right, changes things and relations; it is essentially revolutionary, and does not consist wholly with anything which was. It not only divided States and churches, it divides families; ay, it divides the individual, separating the diabolical in him from the divine.

Unjust laws exist: shall we be content to obey them, or shall we endeavor to amend them, and obey them until we have succeeded, or shall we transgress them at once? Men, generally, under such a government as this, think that they ought to wait until they have persuaded the majority to alter them. They think that, if they should resist, the remedy would be worse than the evil. But it is the fault of the government itself that the remedy is worse than the evil. It makes it worse. Why is it not more apt to anticipate and provide for reform? Why does it not cherish its wise minority? Why does it cry and resist before it is hurt? Why does it not encourage its citizens to put out its faults, and do better than it would have them? Why does it always crucify Christ and excommunicate Copernicus and Luther, and pronounce Washington and Franklin rebels?

One would think, that a deliberate and practical denial of its authority was the only offense never contemplated by its government; else, why has it not assigned its definite, its suitable and proportionate, penalty? If a man who has no property refuses but once to earn nine shillings for the State, he is put in prison for a period unlimited by any law that I know, and determined only by the discretion of those who put him there; but if he should steal ninety times nine shillings from the State, he is soon permitted to go at large again.

If the injustice is part of the necessary friction of the machine of government, let it go, let it go: perchance it will wear smooth—certainly the machine will wear out. If the injustice has a spring, or a pulley, or a rope, or a crank, exclusively for itself, then perhaps you may consider whether the remedy will not be worse than the evil; but if it is of such a nature that it requires you to be the agent of injustice to another, then I say, break the law. Let your life be a counter-friction to stop the machine. What I have to do is to see, at any rate, that I do not lend myself to the wrong which I condemn.

As for adopting the ways of the State has provided for remedying the evil, I know not of such ways. They take too much time, and a man’s life will be gone. I have other affairs to attend to. I came into this world, not chiefly to make this a good place to live in, but to live in it, be it good or bad. A man has not everything to do, but something; and because he cannot do everything, it is not necessary that he should be doing something wrong. It is not my business to be petitioning the Governor or the Legislature any more than it is theirs to petition me; and if they should not hear my petition, what should I do then? But in this case the State has provided no way: its very Constitution is the evil. This may seem to be harsh and stubborn and unconcilliatory; but it is to treat with the utmost kindness and consideration the only spirit that can appreciate or deserves it. So is all change for the better, like birth and death, which convulse the body.

I do not hesitate to say, that those who call themselves Abolitionists should at once effectually withdraw their support, both in person and property, from the government of Massachusetts, and not wait till they constitute a majority of one, before they suffer the right to prevail through them. I think that it is enough if they have God on their side, without waiting for that other one. Moreover, any man more right than his neighbors constitutes a majority of one already.

I meet this American government, or its representative, the State government, directly, and face to face, once a year—no more—in the person of its tax-gatherer; this is the only mode in which a man situated as I am necessarily meets it; and it then says distinctly, Recognize me; and the simplest, the most effectual, and, in the present posture of affairs, the indispensablest mode of treating with it on this head, of expressing your little satisfaction with and love for it, is to deny it then. My civil neighbor, the tax-gatherer, is the very man I have to deal with—for it is, after all, with men and not with parchment that I quarrel—and he has voluntarily chosen to be an agent of the government. How shall he ever know well that he is and does as an officer of the government, or as a man, until he is obliged to consider whether he will treat me, his neighbor, for whom he has respect, as a neighbor and well-disposed man, or as a maniac and disturber of the peace, and see if he can get over this obstruction to his neighborlines without a ruder and more impetuous thought or speech corresponding with his action. I know this well, that if one thousand, if one hundred, if ten men whom I could name—if ten honest men only—ay, if one HONEST man, in this State of Massachusetts, ceasing to hold slaves, were actually to withdraw from this co-partnership, and be locked up in the county jail therefor, it would be the abolition of slavery in America. For it matters not how small the beginning may seem to be: what is once well done is done forever. But we love better to talk about it: that we say is our mission. Reform keeps many scores of newspapers in its service, but not one man. If my esteemed neighbor, the State’s ambassador, who will devote his days to the settlement of the question of human rights in the Council Chamber, instead of being threatened with the prisons of Carolina, were to sit down the prisoner of Massachusetts, that State which is so anxious to foist the sin of slavery upon her sister—though at present she can discover only an act of inhospitality to be the ground of a quarrel with her—the Legislature would not wholly waive the subject of the following winter.

Under a government which imprisons unjustly, the true place for a just man is also a prison. The proper place today, the only place which Massachusetts has provided for her freer and less despondent spirits, is in her prisons, to be put out and locked out of the State by her own act, as they have already put themselves out by their principles. It is there that the fugitive slave, and the Mexican prisoner on parole, and the Indian come to plead the wrongs of his race should find them; on that separate but more free and honorable ground, where the State places those who are not with her, but against her—the only house in a slave State in which a free man can abide with honor. If any think that their influence would be lost there, and their voices no longer afflict the ear of the State, that they would not be as an enemy within its walls, they do not know by how much truth is stronger than error, nor how much more eloquently and effectively he can combat injustice who has experienced a little in his own person. Cast your whole vote, not a strip of paper merely, but your whole influence. A minority is powerless while it conforms to the majority; it is not even a minority then; but it is irresistible when it clogs by its whole weight. If the alternative is to keep all just men in prison, or give up war and slavery, the State will not hesitate which to choose. If a thousand men were not to pay their tax bills this year, that would not be a violent and bloody measure, as it would be to pay them, and enable the State to commit violence and shed innocent blood. This is, in fact, the definition of a peaceable revolution, if any such is possible. If the tax-gatherer, or any other public officer, asks me, as one has done, “But what shall I do?” my answer is, “If you really wish to do anything, resign your office.” When the subject has refused allegiance, and the officer has resigned from office, then the revolution is accomplished. But even suppose blood should flow. Is there not a sort of blood shed when the conscience is wounded? Through this wound a man’s real manhood and immortality flow out, and he bleeds to an everlasting death. I see this blood flowing now.

I have contemplated the imprisonment of the offender, rather than the seizure of his goods—though both will serve the same purpose—because they who assert the purest right, and consequently are most dangerous to a corrupt State, commonly have not spent much time in accumulating property. To such the State renders comparatively small service, and a slight tax is wont to appear exorbitant, particularly if they are obliged to earn it by special labor with their hands. If there were one who lived wholly without the use of money, the State itself would hesitate to demand it of him. But the rich man—not to make any invidious comparison—is always sold to the institution which makes him rich. Absolutely speaking, the more money, the less virtue; for money comes between a man and his objects, and obtains them for him; it was certainly no great virtue to obtain it. It puts to rest many questions which he would otherwise be taxed to answer; while the only new question which it puts is the hard but superfluous one, how to spend it. Thus his moral ground is taken from under his feet. The opportunities of living are diminished in proportion as that are called the “means” are increased. The best thing a man can do for his culture when he is rich is to endeavor to carry out those schemes which he entertained when he was poor. Christ answered the Herodians according to their condition. “Show me the tribute-money,” said he—and one took a penny out of his pocket—if you use money which has the image of Caesar on it, and which he has made current and valuable, that is, if you are men of the State, and gladly enjoy the advantages of Caesar’s government, then pay him back some of his own when he demands it. “Render therefore to Caesar that which is Caesar’s and to God those things which are God’s”—leaving them no wiser than before as to which was which; for they did not wish to know.

When I converse with the freest of my neighbors, I perceive that, whatever they may say about the magnitude and seriousness of the question, and their regard for the public tranquility, the long and the short of the matter is, that they cannot spare the protection of the existing government, and they dread the consequences to their property and families of disobedience to it. For my own part, I should not like to think that I ever rely on the protection of the State. But, if I deny the authority of the State when it presents its tax bill, it will soon take and waste all my property, and so harass me and my children without end. This is hard. This makes it impossible for a man to live honestly, and at the same time comfortably, in outward respects. It will not be worth the while to accumulate property; that would be sure to go again. You must hire or squat somewhere, and raise but a small crop, and eat that soon. You must live within yourself, and depend upon yourself always tucked up and ready for a start, and not have many affairs. A man may grow rich in Turkey even, if he will be in all respects a good subject of the Turkish government. Confucius said: “If a state is governed by the principles of reason, poverty and misery are subjects of shame; if a state is not governed by the principles of reason, riches and honors are subjects of shame.” No: until I want the protection of Massachusetts to be extended to me in some distant Southern port, where my liberty is endangered, or until I am bent solely on building up an estate at home by peaceful enterprise, I can afford to refuse allegiance to Massachusetts, and her right to my property and life. It costs me less in every sense to incur the penalty of disobedience to the State than it would to obey. I should feel as if I were worth less in that case.

Some years ago, the State met me in behalf of the Church, and commanded me to pay a certain sum toward the support of a clergyman whose preaching my father attended, but never I myself. “Pay,” it said, “or be locked up in the jail.” I declined to pay. But, unfortunately, another man saw fit to pay it. I did not see why the schoolmaster should be taxed to support the priest, and not the priest the schoolmaster; for I was not the State’s schoolmaster, but I supported myself by voluntary subscription. I did not see why the lyceum should not present its tax bill, and have the State to back its demand, as well as the Church. However, at the request of the selectmen, I condescended to make some such statement as this in writing: “Know all men by these presents, that I, Henry Thoreau, do not wish to be regarded as a member of any incorporated society which I have not joined.” This I gave to the town clerk; and he has it. The State, having thus learned that I did not wish to be regarded as a member of that church, has never made a like demand on me since; though it said that it must adhere to its original presumption that time. If I had known how to name them, I should then have signed off in detail from all the societies which I never signed on to; but I did not know where to find such a complete list.

I have paid no poll tax for six years. I was put into a jail once on this account, for one night; and, as I stood considering the walls of solid stone, two or three feet thick, the door of wood and iron, a foot thick, and the iron grating which strained the light, I could not help being struck with the foolishness of that institution which treated me as if I were mere flesh and blood and bones, to be locked up. I wondered that it should have concluded at length that this was the best use it could put me to, and had never thought to avail itself of my services in some way. I saw that, if there was a wall of stone between me and my townsmen, there was a still more difficult one to climb or break through before they could get to be as free as I was. I did nor for a moment feel confined, and the walls seemed a great waste of stone and mortar. I felt as if I alone of all my townsmen had paid my tax. They plainly did not know how to treat me, but behaved like persons who are underbred. In every threat and in every compliment there was a blunder; for they thought that my chief desire was to stand the other side of that stone wall. I could not but smile to see how industriously they locked the door on my meditations, which followed them out again without let or hindrance, and they were really all that was dangerous. As they could not reach me, they had resolved to punish my body; just as boys, if they cannot come at some person against whom they have a spite, will abuse his dog. I saw that the State was half-witted, that it was timid as a lone woman with her silver spoons, and that it did not know its friends from its foes, and I lost all my remaining respect for it, and pitied it.

Thus the state never intentionally confronts a man’s sense, intellectual or moral, but only his body, his senses. It is not armed with superior wit or honesty, but with superior physical strength. I was not born to be forced. I will breathe after my own fashion. Let us see who is the strongest. What force has a multitude? They only can force me who obey a higher law than I. They force me to become like themselves. I do not hear of men being forced to live this way or that by masses of men. What sort of life were that to live? When I meet a government which says to me, “Your money or your life,” why should I be in haste to give it my money? It may be in a great strait, and not know what to do: I cannot help that. It must help itself; do as I do. It is not worth the while to snivel about it. I am not responsible for the successful working of the machinery of society. I am not the son of the engineer. I perceive that, when an acorn and a chestnut fall side by side, the one does not remain inert to make way for the other, but both obey their own laws, and spring and grow and flourish as best they can, till one, perchance, overshadows and destroys the other. If a plant cannot live according to nature, it dies; and so a man.

The night in prison was novel and interesting enough. The prisoners in their shirtsleeves were enjoying a chat and the evening air in the doorway, when I entered. But the jailer said, “Come, boys, it is time to lock up”; and so they dispersed, and I heard the sound of their steps returning into the hollow apartments. My room-mate was introduced to me by the jailer as “a first-rate fellow and clever man.” When the door was locked, he showed me where to hang my hat, and how he managed matters there. The rooms were whitewashed once a month; and this one, at least, was the whitest, most simply furnished, and probably neatest apartment in town. He naturally wanted to know where I came from, and what brought me there; and, when I had told him, I asked him in my turn how he came there, presuming him to be an honest man, of course; and as the world goes, I believe he was. “Why,” said he, “they accuse me of burning a barn; but I never did it.” As near as I could discover, he had probably gone to bed in a barn when drunk, and smoked his pipe there; and so a barn was burnt. He had the reputation of being a clever man, had been there some three months waiting for his trial to come on, and would have to wait as much longer; but he was quite domesticated and contented, since he got his board for nothing, and thought that he was well treated.

He occupied one window, and I the other; and I saw that if one stayed there long, his principal business would be to look out the window. I had soon read all the tracts that were left there, and examined where former prisoners had broken out, and where a grate had been sawed off, and heard the history of the various occupants of that room; for I found that even there there was a history and a gossip which never circulated beyond the walls of the jail. Probably this is the only house in the town where verses are composed, which are afterward printed in a circular form, but not published. I was shown quite a long list of young men who had been detected in an attempt to escape, who avenged themselves by singing them.

I pumped my fellow-prisoner as dry as I could, for fear I should never see him again; but at length he showed me which was my bed, and left me to blow out the lamp.

It was like traveling into a far country, such as I had never expected to behold, to lie there for one night. It seemed to me that I never had heard the town clock strike before, not the evening sounds of the village; for we slept with the windows open, which were inside the grating. It was to see my native village in the light of the Middle Ages, and our Concord was turned into a Rhine stream, and visions of knights and castles passed before me. They were the voices of old burghers that I heard in the streets. I was an involuntary spectator and auditor of whatever was done and said in the kitchen of the adjacent village inn—a wholly new and rare experience to me. It was a closer view of my native town. I was fairly inside of it. I never had seen its institutions before. This is one of its peculiar institutions; for it is a shire town. I began to comprehend what its inhabitants were about.

In the morning, our breakfasts were put through the hole in the door, in small oblong-square tin pans, made to fit, and holding a pint of chocolate, with brown bread, and an iron spoon. When they called for the vessels again, I was green enough to return what bread I had left, but my comrade seized it, and said that I should lay that up for lunch or dinner. Soon after he was let out to work at haying in a neighboring field, whither he went every day, and would not be back till noon; so he bade me good day, saying that he doubted if he should see me again.

When I came out of prison—for some one interfered, and paid that tax—I did not perceive that great changes had taken place on the common, such as he observed who went in a youth and emerged a gray-headed man; and yet a change had come to my eyes come over the scene—the town, and State, and country, greater than any that mere time could effect. I saw yet more distinctly the State in which I lived. I saw to what extent the people among whom I lived could be trusted as good neighbors and friends; that their friendship was for summer weather only; that they did not greatly propose to do right; that they were a distinct race from me by their prejudices and superstitions, as the Chinamen and Malays are; that in their sacrifices to humanity they ran no risks, not even to their property; that after all they were not so noble but they treated the thief as he had treated them, and hoped, by a certain outward observance and a few prayers, and by walking in a particular straight though useless path from time to time, to save their souls. This may be to judge my neighbors harshly; for I believe that many of them are not aware that they have such an institution as the jail in their village.

It was formerly the custom in our village, when a poor debtor came out of jail, for his acquaintances to salute him, looking through their fingers, which were crossed to represent the jail window, “How do ye do?” My neighbors did not thus salute me, but first looked at me, and then at one another, as if I had returned from a long journey. I was put into jail as I was going to the shoemaker’s to get a shoe which was mended. When I was let out the next morning, I proceeded to finish my errand, and, having put on my mended shoe, joined a huckleberry party, who were impatient to put themselves under my conduct; and in half an hour—for the horse was soon tackled—was in the midst of a huckleberry field, on one of our highest hills, two miles off, and then the State was nowhere to be seen.

This is the whole history of “My Prisons.”

I have never declined paying the highway tax, because I am as desirous of being a good neighbor as I am of being a bad subject; and as for supporting schools, I am doing my part to educate my fellow countrymen now. It is for no particular item in the tax bill that I refuse to pay it. I simply wish to refuse allegiance to the State, to withdraw and stand aloof from it effectually. I do not care to trace the course of my dollar, if I could, till it buys a man or a musket to shoot one with—the dollar is innocent—but I am concerned to trace the effects of my allegiance. In fact, I quietly declare war with the State, after my fashion, though I will still make use and get what advantages of her I can, as is usual in such cases.

If others pay the tax which is demanded of me, from a sympathy with the State, they do but what they have already done in their own case, or rather they abet injustice to a greater extent than the State requires. If they pay the tax from a mistaken interest in the individual taxed, to save his property, or prevent his going to jail, it is because they have not considered wisely how far they let their private feelings interfere with the public good.

This, then, is my position at present. But one cannot be too much on his guard in such a case, lest his actions be biased by obstinacy or an undue regard for the opinions of men. Let him see that he does only what belongs to himself and to the hour.

I think sometimes, Why, this people mean well, they are only ignorant; they would do better if they knew how: why give your neighbors this pain to treat you as they are not inclined to? But I think again, This is no reason why I should do as they do, or permit others to suffer much greater pain of a different kind. Again, I sometimes say to myself, When many millions of men, without heat, without ill will, without personal feelings of any kind, demand of you a few shillings only, without the possibility, such is their constitution, of retracting or altering their present demand, and without the possibility, on your side, of appeal to any other millions, why expose yourself to this overwhelming brute force? You do not resist cold and hunger, the winds and the waves, thus obstinately; you quietly submit to a thousand similar necessities. You do not put your head into the fire. But just in proportion as I regard this as not wholly a brute force, but partly a human force, and consider that I have relations to those millions as to so many millions of men, and not of mere brute or inanimate things, I see that appeal is possible, first and instantaneously, from them to the Maker of them, and, secondly, from them to themselves. But if I put my head deliberately into the fire, there is no appeal to fire or to the Maker of fire, and I have only myself to blame. If I could convince myself that I have any right to be satisfied with men as they are, and to treat them accordingly, and not according, in some respects, to my requisitions and expectations of what they and I ought to be, then, like a good Mussulman and fatalist, I should endeavor to be satisfied with things as they are, and say it is the will of God. And, above all, there is this difference between resisting this and a purely brute or natural force, that I can resist this with some effect; but I cannot expect, like Orpheus, to change the nature of the rocks and trees and beasts.

I do not wish to quarrel with any man or nation. I do not wish to split hairs, to make fine distinctions, or set myself up as better than my neighbors. I seek rather, I may say, even an excuse for conforming to the laws of the land. I am but too ready to conform to them. Indeed, I have reason to suspect myself on this head; and each year, as the tax-gatherer comes round, I find myself disposed to review the acts and position of the general and State governments, and the spirit of the people to discover a pretext for conformity.

“We must affect our country as our parents,
And if at any time we alienate
Out love or industry from doing it honor,
We must respect effects and teach the soul
Matter of conscience and religion,
And not desire of rule or benefit.”

I believe that the State will soon be able to take all my work of this sort out of my hands, and then I shall be no better patriot than my fellow-countrymen. Seen from a lower point of view, the Constitution, with all its faults, is very good; the law and the courts are very respectable; even this State and this American government are, in many respects, very admirable, and rare things, to be thankful for, such as a great many have described them; seen from a higher still, and the highest, who shall say what they are, or that they are worth looking at or thinking of at all?

However, the government does not concern me much, and I shall bestow the fewest possible thoughts on it. It is not many moments that I live under a government, even in this world. If a man is thought-free, fancy-free, imagination-free, that which is not never for a long time appearing to be to him, unwise rulers or reformers cannot fatally interrupt him.

I know that most men think differently from myself; but those whose lives are by profession devoted to the study of these or kindred subjects content me as little as any. Statesmen and legislators, standing so completely within the institution, never distinctly and nakedly behold it. They speak of moving society, but have no resting-place without it. They may be men of a certain experience and discrimination, and have no doubt invented ingenious and even useful systems, for which we sincerely thank them; but all their wit and usefulness lie within certain not very wide limits. They are wont to forget that the world is not governed by policy and expediency. Webster never goes behind government, and so cannot speak with authority about it. His words are wisdom to those legislators who contemplate no essential reform in the existing government; but for thinkers, and those who legislate for all time, he never once glances at the subject. I know of those whose serene and wise speculations on this theme would soon reveal the limits of his mind’s range and hospitality. Yet, compared with the cheap professions of most reformers, and the still cheaper wisdom an eloquence of politicians in general, his are almost the only sensible and valuable words, and we thank Heaven for him. Comparatively, he is always strong, original, and, above all, practical. Still, his quality is not wisdom, but prudence. The lawyer’s truth is not Truth, but consistency or a consistent expediency. Truth is always in harmony with herself, and is not concerned chiefly to reveal the justice that may consist with wrong-doing. He well deserves to be called, as he has been called, the Defender of the Constitution. There are really no blows to be given him but defensive ones. He is not a leader, but a follower. His leaders are the men of ’87. “I have never made an effort,” he says, “and never propose to make an effort; I have never countenanced an effort, and never mean to countenance an effort, to disturb the arrangement as originally made, by which various States came into the Union.” Still thinking of the sanction which the Constitution gives to slavery, he says, “Because it was part of the original compact—let it stand.” Notwithstanding his special acuteness and ability, he is unable to take a fact out of its merely political relations, and behold it as it lies absolutely to be disposed of by the intellect—what, for instance, it behooves a man to do here in American today with regard to slavery—but ventures, or is driven, to make some such desperate answer to the following, while professing to speak absolutely, and as a private man—from which what new and singular of social duties might be inferred? “The manner,” says he, “in which the governments of the States where slavery exists are to regulate it is for their own consideration, under the responsibility to their constituents, to the general laws of propriety, humanity, and justice, and to God. Associations formed elsewhere, springing from a feeling of humanity, or any other cause, have nothing whatever to do with it. They have never received any encouragement from me and they never will.”1

They who know of no purer sources of truth, who have traced up its stream no higher, stand, and wisely stand, by the Bible and the Constitution, and drink at it there with reverence and humanity; but they who behold where it comes trickling into this lake or that pool, gird up their loins once more, and continue their pilgrimage toward its fountainhead.

No man with a genius for legislation has appeared in America. They are rare in the history of the world. There are orators, politicians, and eloquent men, by the thousand; but the speaker has not yet opened his mouth to speak who is capable of settling the much-vexed questions of the day. We love eloquence for its own sake, and not for any truth which it may utter, or any heroism it may inspire. Our legislators have not yet learned the comparative value of free trade and of freedom, of union, and of rectitude, to a nation. They have no genius or talent for comparatively humble questions of taxation and finance, commerce and manufactures and agriculture. If we were left solely to the wordy wit of legislators in Congress for our guidance, uncorrected by the seasonable experience and the effectual complaints of the people, America would not long retain her rank among the nations. For eighteen hundred years, though perchance I have no right to say it, the New Testament has been written; yet where is the legislator who has wisdom and practical talent enough to avail himself of the light which it sheds on the science of legislation.

The authority of government, even such as I am willing to submit to—for I will cheerfully obey those who know and can do better than I, and in many things even those who neither know nor can do so well—is still an impure one: to be strictly just, it must have the sanction and consent of the governed. It can have no pure right over my person and property but what I concede to it. The progress from an absolute to a limited monarchy, from a limited monarchy to a democracy, is a progress toward a true respect for the individual. Even the Chinese philosopher was wise enough to regard the individual as the basis of the empire. Is a democracy, such as we know it, the last improvement possible in government? Is it not possible to take a step further towards recognizing and organizing the rights of man? There will never be a really free and enlightened State until the State comes to recognize the individual as a higher and independent power, from which all its own power and authority are derived, and treats him accordingly. I please myself with imagining a State at last which can afford to be just to all men, and to treat the individual with respect as a neighbor; which even would not think it inconsistent with its own repose if a few were to live aloof from it, not meddling with it, nor embraced by it, who fulfilled all the duties of neighbors and fellow men. A State which bore this kind of fruit, and suffered it to drop off as fast as it ripened, would prepare the way for a still more perfect and glorious State, which I have also imagined, but not yet anywhere seen.

(This English text is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this text or online at www.gutenberg.net)

1 These extracts have been inserted since the lecture was read -HDT

Henry David Thoreau

(Vorbemerkung: Dies ist ein Text von meiner alten Website. Damals vergaß ich Quellenangaben zu machen. Sorry. Einen Kommentar zu Thoreau habe ich auch verfasst, sowie die Texte “On the Duty of Civil Disobedience” und “Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat”, für alle, deren Interesse ich hoffentlich durch folgenden Text geweckt habe)

    “Ich habe so oft den Frühling, Sommer, Herbst und Winter durchlebt, als hätte ich nichts anderes zu tun, als zu leben. Ich hätte den ganzen Herbst damit zubringen können, die sich wandelnde Färbung des Laubes zu beobachten.”

Henry David Thoreau wurde am 12. Juli 1817 im amerikanischen Städtchen Concord im Staat Massachusetts geboren. Damals, 1817, hatte Concord etwa 2000 Einwohner. Henry David Thoreau sollte – abgesehen von ein paar Reisen – sein ganzes Leben lang in Concord verbleiben. Der Vater von Henry David Thoreau, sein Name war John Thoreau, scheiterte etwa im Geburtsjahr von Henry David mit einem Krämerladen und versuchte sich von da an als Bleistiftfabrikant. Zusätzliche Einnahmen bekam die Familie Thoreau durch die Aufnahme von Pensionsgästen. Concord war damals zwar nur ein kleines Städtchen, aber historisch berühmt. In Concord und in einem Städtchen in der Nähe davon, hatte es den ersten bewaffneten Widerstand gegen die damalige Kolonialmacht England gegeben. Am 19. April 1775, also etwa 30 Jahre vor Henry Davids Geburt, hatten amerikanische Milizen ein britisches Strafbataillon in die Flucht geschlagen, das Munitionsvorräte und Proviant in Concord beschlagnahmen sollte. Dieser Sieg amerikanischer Milizen galt landesweit als ein Signal für den Beginn des Kampfes um die Unabhängigkeit. Vielleicht hatte ja auch Henry David Thoreau etwas von diesem Geiste des Widerstands und des Bestrebens nach Unabhängigkeit aufgesogen.

Henry David Thoreau hatte eine glückliche Kindheit im Städtchen Concord.

    »Mein Leben war Seligkeit. In der Jugend, als ich noch keinen meiner Sinne eingebüßt hatte, so erinnere ich mich, war ich voller Leben, mein Leib war von unaussprechlichem Vergnügen erfüllt; Müdigkeit und Erholung, beides erschien mir süß. Diese Erde war das herrlichste Musikinstrument, und ich war ganz Ohr für seine Weisen.«

Die Erde sollte ihm auch im weiteren Leben ein herrliches Musikinstrument sein. Immer wieder zog es Henry David Thoreau in die Einsamkeit zurück und immer wieder schwärmte er in seinem Leben von den Klängen der Natur. Er führte ein Leben als Einzelgänger, unverheiratet, Querkopf und Querdenker, Gesellschaftskritiker und Naturbeobachter. Henry David Thoreau war unangepasst, weil er nicht anders konnte, bedürfnislos, was Geld und Besitz angeht, sensibel und geduldig. Seine Sehnsucht nach der unberührten Natur, seine Neugier und sein Forscherdrang brachten ihn immer wieder dazu der Arbeit zu entfliehen um in der Natur zu sich zu finden.

    “Solange ich die Freundschaft der Jahreszeiten genieße, vertraue ich darauf, dass mir das Leben nicht gänzlich zur Last werden kann.”,

schrieb er in sein Tagebuch. Und diese Haltung war charakteristisch für sein ganzes Leben.

Von 1833 bis 1837, also von seinem 16 bis 19. Lebensjahr, studierte Henry David Thoreau an der Harvard University. Er studierte Rhetorik, Philosophie, Mathematik und Wissenschaften, wie man es damals nannte.

Bereits während seines Studiums war Henry David Thoreau kurze Zeit als Lehrer tätig und setzte diese Arbeit auch nach dem Beenden seines Studiums zunächst fort. Da Henry David Thoreau sich jedoch weigerte, die Prügelstrafe an zu wenden, überwarf er sich mit der Leitung seiner Schule und verließ diese. Zunächst half er seinem Vater in dessen kleiner Bleistiftfabrik. Henry David war ein geschickter Handwerker und Tüftler. Aber er merkte schnell, dass die Laufbahn als Arbeiter  nicht seine Sache war. Nachdem alle Versuche, eine Stelle im öffentlichen Dienst oder als Hauslehrer zu finden,  gescheitert waren, machte Henry David Thoreau aus der Not eine Tugend und gründete 1838, also im Alter von 21 Jahren, eine eigene Schule, gemeinsam mit seinem Bruder John. John hatte zwar einen Job, .gab diesen jedoch auf und wirkte an der Privatschule mit. Den Brüdern Thoreau war es schon damals wichtig, dass Unterricht nicht nur aus Theorie, sondern auch aus Anschauung und Erfahrung besteht. So gehörten zum Unterricht bei den Thoreau-Brüdern auch Spaziergänge in der Natur und Besuche der ortsansässigen Geschäfte und Betriebe.

»Wer macht am Ende eines Monats die größeren Fortschritte: der Junge, der sich sein eigenes Taschenmesser aus dem Erz herstellt, das er selbst ausgegraben und geschmolzen und nur das hierfür Notwendigste gelesen hat – oder derjenige, der sich Vorlesungen über Metallurgie an der Hochschule anhört und dann von seinem Vater ein teures Taschenmesser geschenkt bekommt?«

Als John, der Bruder von Henry David Thoreau 1941 an Tuberkulose erkrankte und nicht mehr unterrichten konnte, musste die Schule nach nicht ganz 3 jahren geschlossen werden. 1942 starb schließlich Henry Davids Bruder an Tuberkulose.

Henry David Thoreau hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt etwa dreimal verliebt – um immer endete es in einer Enttäuschung. Schließlich entschied er sich, dass Verliebtheit nur zur Geistesträgheit führe und entschloss sich fortan als Junggeselle zu leben.

“Keuschheit ist die Blüte des Menschen, und was Genius, Heroismus, Heiligkeit und dergleichen genannt wird, sind nur die verschiedenen Früchte, die daraus folgen… Es gibt nur eine Sinnlichkeit, mag sie auch viele Formen annehmen, und es gibt nur eine Reinheit. Es ist dasselbe, ob ein Mensch in lüsterner Weise ißt, trinkt, Geschlechtsverkehr hat oder schläft. Dies alles entspringt derselben Begehrlichkeit, und wir brauchen einem Menschen nur bei einer dieser Handlungen zuzusehen, um zu wissen, wie sinnlich er ist… Für den Schüler ist Sinnlichkeit gleichbedeutend mit Geistesträgheit.”

Bereits während seines Studiums lernte Henry David Thoreau den Dichter und Philosophen Ralph Waldo Emerson kennen, der ebenfalls in Concord wohnte. Ralph Waldo Emerso war beeindruckt von Henry David Thoreau und machte ihn mit einem Kreis von Schriftstellern und Intellektuellen bekannt. Zwischen den beiden, Thoreau und Emmerson, entwickelte sich eine enge Freundschaft. 1941 nach der Schließung der Privatschule, war Henry David Thoreau wieder auf Jobsuche. Emerson stellte ihn ein. Und so kam es, Dass Henry David Thoreau die nächsten 2 Jahre für Ralph Waldo Emerson arbeitete, wo er als Gärtner, Hausmeister, Bibliothekar, Erzieher und Redakteur der von Ralph Waldo Emerson herausgegebenen Zeitschrift Dial wirkte. Ralph Waldo Emerson, war zudem sehr froh, einen so begabten und geschickten Menschen, wie Henry David Thoreau, in seinem Domizil nach dem Rechten sehen zu lassen, zumal sich seine Vortragsreisen häuften. Es hätte eine glückliche Zeit im Hause Emerson sein können, doch oft genug stieß Henry David Thoreau seine Freunde absichtlich durch ungehöriges Benehmen vor den Kopf.

»Die Menschen sind gemeinhin verdorben durch ihr Wohlwollen und ihre Höflichkeit. Sie sind so konziliant und entschlossen, mit dir übereinzustimmen, dass sich ein Gespräch mit ihnen nicht lohnt. In einer kurzen Unterhaltung legen sie eine solche Langmut und Freundlichkeit an den Tag. Ich möchte jemandem begegnen, der provoziert und befremdet, so dass wir Gast und Wirt sein können und einander erfrischen. Es kann geschehen, dass ein Mensch völlig in seinen Umgangsformen verschwindet, sich in ihnen auflöst. Den tausendundein Gentlemen, die ich treffe, begegne ich mit Verzweiflung und nur, um mich wieder von ihnen zu trennen, denn sie wecken in mir keinerlei Hoffnung auf eine Ungehörigkeit. Ein ärgerlicher, grober, exzentrischer Mensch, ein Schweigsamer, ein Mensch, der sich nicht gut drillen lässt – der gibt zur Hoffnung Anlass. Eure feinen Herren sind alle gleich.«

So konnten Unstimmigkeiten  im Zusammenleben mit Henry David Thoreau auf die Dauer  nicht ausbleiben. Da es immer häufiger zu Auseinandersetzungen kam, konnte und wollte Henry David Thoreau nicht länger bei Ralph Waldo Emerson wohnen. Dieser verschaffte ihm daraufhin einen anderen Job in Staten Island. Doch Staten Island war so gar nicht nach Henry David Thoreaus Geschmack. Es waren ihm zu viele verschiedene Menschen an einem Ort. Er sehnte sich zurück nach seinem kleinen Städtchen Concord und den Wäldern und Seen seiner Heimat. Schon nach kurzer Zeit kam er wieder zurück.

Wir haben das Jahr 1943. Henry David ist jetzt 26 Jahre alt. Zurück in Concord half er seinem Vater wieder in der kleinen Bleistiftmanufaktur. Auch wenn es nicht die Arbeit war, für die sich Henry David Thoreau geboren fühlte, entwickelte er den Ehrgeiz, eine noch bessere Bleistiftmine zu entwickeln, eine Mine, die weniger häufig bricht. Und er schaffte es. Henry David Thoreau entwickelte in dieser Zeit ein Verfahren, bei dem feine Löcher ins Holz gebohrt wurden, durch welche sich, die Minenmasse hineinpressen ließ. Die Folge davon: Die Stifte waren jetzt nur noch aus einem Stück und zerbrachen nicht mehr so leicht, wie bisher. Mit diesem neuen Verfahren und den nun hervorragenden Bleistiften, schaffte es die kleine Bleistiftmanufaktur der Thoreaus eine Landesweit erfolgreiche Bleistiftfirma zu werden.

Doch Henry David Thoreau hielt es nie lange an einem Ort aus und Dinge wie Erfolg oder Geld bedeuteten ihm nicht viel. Als Sohn eines jetzt erfolgreichen Bleistiftfabrikanten hätte sich Henry David einiges leisten können, zumal er der Alleinerbe nach dem Tode seines Bruders war. Doch Henry David Thoreau war es nach anderem, als daran Geld auszugeben, um sich dem Mühsal und den Vergnügungen hin zu geben. Henry David Thoreau wollte leben, das Leben erfahren und sich selbst erfahren. Nach diesem Erfolg mit der Erfindung einer neuen Bleistiftherstellung erfüllte er sich deshalb einen schon lange gehegten Traum.

Am 4. Juli 1845, am amerikanischen Unabhängigkeitstag, bezog Henry David Thoreau eine selbstgebaute Blockhütte am Walden-See, in der Nähe seines Wohnortes Concord. Das Gründstück, auf welchen die Blockhütte stand, gehörte Ralph Waldo Emerson.

“Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.”

Im Film Der Club der toten Dichter wird dieses Zitat als Eröffnungsspruch zu jeder “Sitzung” des Clubs von allen Mitgliedern gemeinsam rezitiert.

In der Blockhütte am Walden-See lebte er dann etwa zwei Jahre. Henry David Thoreau lebte dort zwar alleine und selbständig, aber nicht abgeschieden. Das Städtchen Concord war in der Nähe, das er regelmäßig besuchte und Ralph Waldo Emerson, versorgte ihn, wenn nötig, mit Nahrungsmitteln oder einfachen Arbeiten, um etwas Geld zu verdienen. Über sein Leben am Walden-See führte Henry David Thoreau Tagebuch. Aus diesen Tagebucheinträgen machte er später ein Buch, das unter dem Titel: “Walden – oder ein Leben in den Wäldern” erschien. In seinem Werk Walden beschrieibt Henry David Thoreau sein einfaches Leben am See und seine Erlebnisse in und mit der Natur, aber er schreibt auch über Themen, wie Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Hier einmal ein paar Ausschnitte aus seinem Buch Walden:

“Ein Farmer erklärte mir: ‘Sie können nicht von Pflanzenkost allein leben, denn sie enthält nichts für den Knochenbau’, …; und während er mir vordoziert, geht er hinter seinen Ochsen her, die mit ihren vegetarisch aufgebauten Knochen ihn mitsamt seinem wackeligen Pflug über alle Hindernisse hinwegziehen.”

“Ein See ist der schönste und ausdrucksvollste Zug einer Landschaft. Er ist das Auge der Erde. Wer hineinblickt, ermisst an ihm die Tiefe seiner eigenen Natur. Die Bäume dicht am Ufer, welche sein Wasser saugen und in ihm zerfließen, sind die schlanken Wimpern, die es umsäumen, und die waldigen Hügel und Felsen die Augenbrauen, die es überschatten.”

“Die unaufhörliche Aufregung und Sorge vieler Menschen ist eine fast unheilbare Krankheitsform. Wir übertreiben die Wichtigkeit von allen, was wir tun, und wie vieles geschieht doch ohne uns!”

“So heftig fühlen wir den Drang zu leben, dass wir das Leben anbeten und die Möglichkeit einer Änderung leugnen.”

Und dennoch, so beeindruckend Walden auch ist, Henry David Thoreau machte dieses Experiment ganz alleine für sich. Er wollte es nicht als Beispiel für andere tun oder als Rat, wie man leben solle.

“Ich möchte um keinen Preis, dass irgend jemand meine Lebensweise befolge; denn abgesehen davon, dass ich, ehe er sie ordentlich erlernt hat, schon wieder eine andere für mich gefunden haben kann, wünsche ich auch, dass es soviel verschiedene Menschen als möglich in der Welt geben möge; ich möchte nur, dass jeder recht sorgfältig trachtete, seinen eigenen Weg zu finden und nicht statt dessen den seines Vaters, seiner Mutter oder seines Nachbarn.”

Am 6. September 1847, nach über zwei Jahren, brach Henry David Thoreau sein Experiment am Walden-See einfach ab. Wie wir schon vorher erfahren haben, hielt er es nie lange irgendwo aus, machte keine Arbeit für länger, stets zog es ihn weiter, weiter zu neuem, zu neuen Erfahrungen.

Schon etwas früher, im Sommer 1846, während er noch in Walden lebte, weigerte er sich, die  sogenannte “Kopfsteuer” zu entrichten, die dazu diente, den Krieg der Vereinigten Staaten gegen Mexiko zu finanzieren.

“Muss der Bürger auch nur einen Augenblick, auch nur ein wenig, sein Gewissen dem Gesetzgeber überlassen? Wozu hat denn dann jeder Mensch ein Gewissen? Ich finde, wir sollten erst Menschen sein, und danach Untertanen. Man sollte nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit”

Die konsequente Verweigerung der  Zahlung der Kopfsteuer, brachte Henry David Thoreau ins Gefängnis.

“Ich wurde ins Gefängnis gesteckt, als ich gerade auf dem Weg zum Schuster war, um eine geflickten Schuh dort abzuholen. Als ich am nächsten Morgen herauskam, setzte ich diesen Gang fort, zog meine geflickten Schuh an und stieß zu einer Gruppe von Heidelbeersammlern, die schon darauf warteten, von mir angeführt zu werden.”

Die Nacht im Gefängnis, das Erlebnis eingesperrt zu werden, brachte ihn zu folgender Erkenntnis:

“Da sie mich nicht fassen konnten, beschlossen sie, meinen Körper zu bestrafen. Mit dem inneren Wesen, sei es intellektuell oder moralisch, kann der Staat sich also niemals auseinandersetzen, sonder nur mit dem Körper, mit den Sinnen. Er verfügt weder über größere Vernunft noch Ehrlichkeit, sondern nur über größere physische Gewalt.”

Doch Henry David Thoreau kam bereits nach einer Nacht wieder frei, weil sein alter Freund Ralph Waldo Emerson die Steuern für ihn bezahlte. Doch die eine Nacht im Gefängnis hatte tiefgreifende Folgen. Inspiriert durch die Nacht im Gefängnis verfasste Henry David Thoreau den Essay Resistance to Government, welcher unter dem späteren Titel Civil Disobedience bekannt wurde und in Deutschland unter dem Titel “Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat” veröffentlicht wurde. Die Schrift wurde zum Standardwerk und Namensgeber des Zivilen Ungehorsams vor allem durch Mahatma Gandhi und Martin Luther King. Mahatma Gandhi und Martin Luther King lasen beide die Schrift “Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat”. Sie gab ihnen den Mut und die Gewissheit das Richtige zu tun.

“Es gibt Tausende, die im Prinzip gegen Krieg und Sklaverei sind und die doch praktisch nichts unternehmen, um sie zu beseitigen…”

“Ein kluger Mensch wird die Frage der Gerechtigkeit nicht dem Zufall überlassen, er wird auch nicht wollen, dass sie durch die Macht der Mehrheit wirksam werde. Denn in den Handlungen von Menschenmassen ist die Tugend selten zu Hause.”

“Eine Minderheit ist machtlos, wenn sie sich der Mehrheit anpasst; sie ist dann noch nicht einmal eine Minderheit; unwiderstehlich aber ist sie, wenn sie ihr ganzes Gewicht einsetzt.”

Henry David Thoreau stellt den Menschen über den Staat. Ein Gesetz und ein Staat muss dem Menschen dienen, nicht umgekehrt.

“Die Mehrzahl der Menschen dient also dem Staat mit ihren Körpern nicht als Menschen, sondern als Maschinen. Sie bilden das stehende Heer und die Miliz, die Gefängniswärter, die Konstabler, Gendarmen etc. In den meisten Fällen bleibt kein Raum mehr für Urteil oder moralisches Gefühl.”

Sind Gesetze falsch, dann muss man sich nicht an sie halten, sondern sollte sie sogar bewusst brechen.

“Wenn das Gesetz dich zum Arm des Unrechts macht, dann, sage ich, brich das Gesetz”.

Mit diesen Sätzen legitimiert er jeden gewaltfreien Widerstand gegen Staat und Gesetz. Henry david Thoreau mistraut einem Staat, der sich zu sehr in ihm lebenden menschen zu sehr bevormunden will. Denn Wie gesagt, ein Staat und seine Regierung muss für die Bürger da sein, nicht umgekehrt.

“Die beste Regierung ist die, welche gar nicht regiert”; und wenn die Menschen einmal reif dafür sein werden, wird dies die Form ihrer Regierung sein.”

“Ich will sachlich reden, und nicht wie die Leute, die sich überhaupt gegen jede Regierung erklären. Ich sage nicht: von jetzt an keine Regierung mehr, sondern von jetzt an eine bessere Regierung.”

“Ich mache mir das Vergnügen, mir einen Staat vorzustellen, der es sich leisten kann, zu allen Menschen gerecht zu sein, und der das Individuum achtungsvoll als Nachbarn behandelt; einen Staat, der es nicht für unvereinbar mit seiner Stellung hielte, wenn einige ihm fernblieben, sich nicht mit ihm einließen und nicht von ihm einbezogen würden, solange sie nur alle nachbarlichen, mitmenschlichen Pflichten erfüllten. Ein Staat, der solche Früchte trüge, und sie fallen ließe, sobald sie reif sind, würde den Weg für einen vollkommeneren und noch ruhmreicheren Staat freigeben – einen Staat, den ich mir auch vorstellen kann, den ich bisher aber noch nirgends gesehen habe.”

Nach der Beendigung seines Aufenthaltes 1947 am Waldensee verbrachte Henry David Thoreau zunächst wieder ein Jahr in Ralph Waldo Emersons Haus. Da dieser für ein Jahr ins Ausland ging, sollte Henry David Thoreaur ihn als Hausherrn vertreten. 1948 las er zum ersten Mal öffentlich aus seinem Werk “ziviler Ungehorsam” vor. Ab 1849 verdiente H.D. Thoreau seinen Lebensunterhalt als Landvermesser, Gelegenheitsarbeiter und Vortragsreisender. Damals konnte man mit Vorträgen sogar Geld verdienen Bei seinen Vorträgen wetterte er immer wieder gegen soziale Ungerechtigkeit und Sklaverei. 1854 wurde Walden veröffentlich, mit 1000 Exemplaren, die sich gut verkauften. Henry David Thoreau hatte sein erstes Buch verkauft. Außerdem schrieb er 1854, er war jetzt 37 Jahre alt, seinen Essay Leben ohne Prinzipien. Dieser Essay “Leben ohne Prinzipien” handelte von der Armut der Reichen, von ihrem moralischen Bankrott und der Selbstausbeutung der meisten Menschen. Auch Henry David Thoreau klagte, wie Karl Marx später, dass die Menschen ihre Arbeitskraft zu einer Ware haben verkommen lassen.

“Wenn ich der Gesellschaft meine Vormittage und meine Nachmittage verkaufte, wie es offenbar die meisten tun, würde für mich gewiss nichts mehr übrigbleiben, für das es sich zu leben lohnt.”

1854 kam es zu einem Gesetz, das die Duldung der Sklaverei den einzelnen Staaten überließ.  So wurde es jetzt auch möglich, dass nicht nur in den so genannten Südstaaten Sklaven gehalten werden konnten, sondern in der ganzen heutigen USA.

Nur einen Tag nach der Verabschiedung dieses Gesetzes ereignete sich in Boston ein schwerer Zwischenfall. Ein entflohener Sklave, Anthony Burns, war in Boston von seinem Herrn wiedererkannt worden und wurde unter gewaltigem militärischen Schutz auf ein Schiff verschleppt. Eine aufgebrachte Menschenmenge wurde Zeuge dieser »Zwangseintreibung«, konnte aber angesichts des großen Aufgebots der Staatsmiliz nichts unternehmen. Allerdings wurde Burns später von Bostoner Bürgern freigekauft.

Spätestens von diesem Tage an begann Henry David Thoreau, sich konkret in die Politik – und vor allem in die Sklavenpolitik – einzumischen. Sein Engagement hatte sich bereits drei Jahre zuvor bei einem ähnlichen Fall gezeigt. Der siebzehnjährige entflohene Sklave Thomas Sims war damals an Georgia ausgeliefert worden. In Georgia wurde er zur Strafe beinahe zu Tode ausgepeitscht. Der Fall dieser Abschiebung hatte Henry David Thoreau ungemein erregt und ihn veranlasst, in Wort und Tat die Sache der Sklavereigegner zu unterstützen. Es muss ein schwerer Schock für Henry David gewesen sein, von dieser Geschichte zu hören. Er, der stets das Einzelgängertum liebte, schloss sich plötzlich einer Gruppe an. So unterstützte er die Abolitionisten, wie sich die Sklavereigegner damals nannten und beteiligte sich am Ausbau ihres Fluchthilfe-Netzwerks. Am 1. Oktober 1851 verhalf er persönlich einem Sklaven mit Namen Henry Williams zur Flucht.

Nach den vorher geschilderten Ereignissen um Anthony Burns hielt Henry David Thoreau am 4. Juli 1854, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, eine scharfe Anklagerede, die unter dem Titel “Sklaverei in Massachusetts” angekündigt war. Auf dieser Protestversammlung verbrannte der damalige Abolitionistenführer William Lloyd Garrison öffentlich ein Exemplar der amerikanischen Verfassung, mit der sich die Sklavenhaltung ja legitimieren ließ. Henry David Thoreau ging es in seinem Vortrag darum, seine Mitbürger zum Widerstand gegen die Beteiligung der eigenen Regierung an der Sklavenauslieferung auf zu fordern. Gleichzeitig kritisierte er gleichermaßen die sklavischen Arbeitsbedingungen der weißen Fabrikarbeiter im Norden; vor allem aber stellte er schonungslos jeden einzelnen Menschen an den Pranger. Der »selbstverschuldeten Unmündigkeit« galt Henry David Thoreaus schärfste Kritik.

“Es ist hart, einen Aufseher aus dem Süden zu haben; es ist schlimmer, einen nordstaatlichen zu haben; am schlimmsten von allem ist es jedoch, wenn du dein eigener Sklaventreiber bist.”

Und in sein Tagebuch schreibt er:

“Geschwätz von Sklaverei! Sie ist keineswegs die besondere Einrichtung des Südens. Sie existiert vielmehr überall dort, wo Menschen gekauft und verkauft werden, wo immer ein Mensch es zulässt, dass er wie ein bloßes Ding oder Instrument behandelt wird, und seine unveräußerlichen Rechte der Vernunft und des Gewissens aufgibt. Diese Art von Sklaverei ist in der Tat umfassender als diejenige, die allein den Körper versklavt.”

Schon in seiner Schrift zum zivilen Ungehorsam schrieb er:

“Dieses Volk muss aufhören Sklaven zu halten und gegen Mexiko Krieg zu führen, auch wenn es seine Existenz als Volk kosten sollte”

Am 3. Februar 1957 starb Henry Davids Vater und Henry David Thoreau musste die Bleistiftfabrik übernehmen.

Im März 1957 hielt John Brown einen Vortrag in Concord. So lernte Henry David Thoreau 1857 den Guerillakämpfer für die Sklavenbefreiung John Brown kennen. John Brown kämpfte gegen Ungerechtigkeit und war, als Widerstandskämpfer, in vielen Dingen ein Mensch im Sinne Thoreaus.

“Darf der Bürger auch nur einen Augenblick und im geringsten Grad sein Gewissen dem Gesetzgeber überlassen? Wozu hat denn jeder Mensch ein Gewissen?”

John Brown ordnete sein Gewissen eindeutig nicht dem Gesetz unter. John Brown handelte, nach eigenem Gewissen um ein besseres Leben für andere zu erreichen. Seit 1834 kämpfte John Brown unerbittlich gegen die Sklaverei. Seinen ersten ihn bekannter machenden Auftritt hatte er in der Nacht vom 24. auf den 25. Mai 1856 als er mit acht Männern fünf Sklavereibefürworter überfiel und tötete. Eine größere Bekanntheit erlangte er drei Jahre später, am 16. Oktober 1859, als er mit 21 Männern eine Stadt in Virginia überfiel. Sein Plan war es, durch die Eroberung des dort befindlichen Waffenarsenals der US-Armee, einen Sklavenaufstand zu ermöglichen. Mit den eroberten Waffen hätte John Brown eine Revolutionsarmee zur Sklavenbefreiung aufstellen können. Doch der Plan scheiterte. Insgesamt starben zehn von John Browns Anhängern und zwei seiner Söhne. John Brown selbst wurde verwundet und festgenommen und zwei Monate später, am 2. Dezember, wegen Mordes, Anzettelung eines Sklavenaufstandes und Landesverrats gehenkt. Die sieben Wochen zwischen seiner Verhaftung und seiner Hinrichtung waren überall in Amerika von aufgewühlten Emotionen beherrscht. Die so genannte öffentliche Meinung verurteilte John Brown als Staatsfeind und Gewalttäter; auch viele Sklavereigegner distanzierten sich von John Brown.

Ganz anders Henry David Thoreau. Wie kaum ein anderer verteidigte er John Brown von Anfang an, feierte ihn als tapferen Streiter wider das Böse und bewunderte seine Bereitschaft, märtyrerhaft »für eine ewige Wahrheit auf dem Schafott zu sterben«. Auch Henry David Thoreau äußerte seine Bereitschaft, für Gerechtigkeit und Menschenrechte auch zu sterben.

»Wenn es jetzt notwendig ist, dass ich mein Leben hingebe, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun, dass ich mein Blut vermische mit dem meiner Kinder und dem von Millionen von Wesen, deren Rechte durch die Sklaverei grausam verletzt sind, so füge ich mich. Möge es geschehen!«

Am 30. Oktober 1859, also einen Monat vor der Hinrichtung John Browns, hielt Henry David Thoreau eine seiner heftigsten und packendsten Reden in Concords Stadthalle. Die Stadtväter hatten ihm von einer Veranstaltung zugunsten John Browns abgeraten, da sie zum damaligen Zeitpunkt ein öffentliches Ärgernis war und mit Gegendemonstrationen zu rechnen war. Auch die offiziellen Sklavereigegner sprachen sich gegen eine öffentliche Rede von Henry David Thoreau aus, weil sie befürchteten, eine Verteidigung John Browns würde ihrer Sache schaden. Doch Henry David Thoreau hielt noch nie sehr viel von Gesellschaftlicher Bevormundung. Er sprach nicht nur von Zivilcourage, er lebte sie auch. In dieser Rede, Ende Oktober 1859, würdigte Henry David Thoreau John Brown als einen Menschen, der seinen Weg ging. Henry David Thoreau war schon immer ein Gegner der Gewalt, doch angesichts eines derart barbarischen Staates, der kein Problem damit hat, Millionen von Menschen auf grausamste Art und weise zu töten, konnte auch er sich vorstellen zur Waffe zu greifen.

»Ich will nicht töten oder getötet werden, aber ich kann Umstände vorhersehen, unter denen diese beiden Dinge für mich unvermeidlich wären.«

Laut Ralph Waldo Emerson gelang es Henry David Thoreau erstaunlicherweise die Vorurteile der zahlreichen Zuhörer in Nachdenklichkeit und Sympathie für John Browns zu wandeln. Henry David Thoreau wiederholte sein Plädoyer noch mehrfach auch in anderen Städten, doch hatte er dort meist nicht so viel Erfolg.

Am 2. Dezember 1859 wurde John Brown schließlich hingerichtet. Wenige Monate nach seiner Hinrichtung wurde John Brown zu einer mythischen Figur; im Bürgerkrieg sangen die Soldaten des Nordens “John Browns Body”. Während des Bürgerkrieges avancierte der bald nach seiner Hinrichtung komponierte Marsch John Browns body schnell zum beliebtesten Kampflied der Unionstruppen.

Die Menschen und wie sie miteinander umgingen, machten Henry David Thoreau krank. Er verstand nicht, wie man nur mit derart wenig Achtung vor der Würde des Anderen leben konnte. Nach seinem starken Engagement für John Brown und für die Sklavenbefreiung brauchte er etwas Erholung von den Menschen und es zog ihn wieder für längere Zeit in die Natur, in die Wälder. Henry David Thoreau wollte eine Naturgeschichte seiner Heimatstadt verfassen und trug alles zusammen, was er an Literatur über Indianer fand. Doch Henry David wollte nicht Wissenschaftler sein. Er wollte sein Wissen vermehren, aber er wollte auch nicht müde werden, die Natur wahrlich in sich auf zu saugen.

»Mein Verlangen nach Wissen setzt zeitweilig aus, dagegen habe ich ein unentwegtes, beständiges Verlangen danach, meinen Kopf in der frischen Luft einer Gegend zu baden, in die mich meine Füße bisher nicht getragen haben. Das Höchste, was wir erreichen können, ist nicht Wissen, sondern Einklang, verbunden mit Einsicht. Ich weiß nicht, ob sich aus diesem höheren Wissen etwas Bestimmteres ergeben wird als die neue, große Überraschung, die plötzliche Offenbarung, wie unzulänglich all das ist, was wir zuvor Wissen nannten, die Entdeckung, dass es zwischen Himmel und Erde mehr Dinge gibt, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt. Es ist, wie wenn das Sonnenlicht den Nebel erhellt.«

Der Wissenschaftler war für ihn oft “ein Wurm, der es sich im Keim einer Frucht gemütlich gemacht hat, sie aber lediglich verdirbt und zerfrisst, ohne sie jemals wirklich zu schmecken.” Auch die Tötung zu Forschungszwecken lehnte er ab, das Skelett eines Eichhörnchens in Spiritus galt ihm als Absurdität, pulsierendes Leben war ihm heilig. Als er einmal gefragt wurde, ob er jemals einen Vogel abgeschossen habe, um ihn zu untersuchen, gab er zur Antwort:

»Meinen Sie, ich sollte Sie erschießen, wenn ich vorhätte, Sie zu untersuchen?«

Henry David Thoreau respektierte den Indianer, den Fischer und Jäger, zu deren Leben auch das Töten von Tieren gehörte – aber er empfand es als unnötig grausam, wenn ein Tier aus purer Lust am Töten umgebracht wurde.

1861 verschlimmerte sich Henry David Thoreaus Lungenleiden, das er schon seit längerem mit sich herumschleppte. Auch die politische Situation in Amerika verschlimmerte sich. Im April 1961 begann der Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten.

Am 6. Mai 1862 stirbt Henry David Thoreau an den Folgen der Tuberkulose. Henry David Thoreau wurde 44 Jahre alt. Einen Monat seinem Tode, am 19. Juni 1862 wird die Sklaverei in den USA offiziell abgeschafft.

“Das eine wenigstens lernte ich bei meinem Experimente: Wenn jemand vertrauensvoll in der Richtung seiner Träume vorwärts schreitet und danach strebt, das Leben, das er sich einbildete, zu leben, so wird er Erfolge haben, von denen er sich in gewöhnlichen Stunden nichts träumen ließ. Er wird mancherlei hinter sich lassen, wird eine unsichtbare Grenze überschreiten. Neue, allgemeine und freiere Gesetze werden sich um ihn und in ihm bilden oder die alten werden ausgedehnt und zu seinen Gunsten in freierem Sinne ausgelegt werden.”