Schule und Pädagogik: Zwei unvereinbare Gegensätze

Lehrer sind keine Pädagogen

Leider bedeutet vor allem „Schule“ immer noch eine Reise in die Vergangenheit uralter Ansichten, die schon seit hunderten von Jahren nicht mehr zeitgemäß sind. Schule hat den Wandel der Zeiten und Gesellschaften überstanden und ist als Institution fast unveränderlich in der Zeit stehen geblieben. Schule hat nichts, aber auch gar nichts mehr mit Pädagogik im weitesten Sinne zu tun. Deshalb unterrichten Lehrerinnen und Lehrer und keine Pädagoginnen und Pädagogen. Dass sie sich teilweise noch so nennen, ist wohl eher das Bedürfnis, etwas Besseres zu sein, als bloß Lehrer, wobei das Lehrerdasein sehr anspruchsvoll ist und man sich eigentlich nicht als Pädagoge bezeichnen muss, auch, weil man ja keiner ist.

Pädagogik ist nicht Unterrichten

„Pädagogik“ war noch nie „unterrichten“. Jemanden zu unterrichten bedeutet, ihm etwas mitzuteilen. Mehr nicht. Die Pädagogik geht weit darüber hinaus, weil mit ihr immer ein Ziel verfolgt wird, immer ein Ideal erreicht werden soll auf Grund eines bestimmten Menschenbildes.

Der Unterschied zwischen Unterrichten und Pädagogik wird vielleicht klarer, wenn ich es an einem Beispiel verdeutliche. Nehmen wir einmal das Fach Mathematik. Ein Lehrer steht an der Tafel, erklärt, wie etwas gemacht wird, fordert die Schülerinnen und Schüler auf, es nach zu machen oder stellt Fragen. So lief der Unterricht schon im alten Rom ab, wie auch zur Zeit des Nationalsozialismus, bis heute. Daran hat sich wenig geändert.

Geändert haben sich die Rahmenbedingungen des Unterrichtens und die Macht der Lehrkraft. Schläge sind heute verboten, doch Strafen für Fehlverhalten sind immer noch normal. Es gibt zwar keine Stöcke mehr, um auf die Hände zu schlagen, aber dafür gibts seitenlange Strafarbeiten bis die Finger bluten. Ok, ganz so krass ist es nicht, dennoch. Die Heftigkeit der Strafen hat sich verändert, nicht jedoch das Grundprinzip. Es gibt eine Lehrkraft, die Schülerinnen und Schüler haben zu gehorchen, tun sie es nicht, gibts Abmahnungen, Strafarbeiten, etc.

Sicherlich könnte man diesem Ganzen ein pädagogisches Konzept andichten, aber es ist keines. Es ist nur das ewig Alte in neuem Gewand. Man macht das nach, was andere schon seit Jahrtausenden vorgemacht haben und versucht dieses zu rechtfertigen. Das nennen sie dann: Pädagogik. Ist es aber nicht, es ist „Unterrichten“, oder einfacher ausgedrückt: Müll, der Bequemlichkeit zweiter Vorname.

Was ist Pädagogik?

Ursprünglich war es in etwa „Die Kunst der Kinderführung“. Pädagogen sind also die Menschen, die wissen, wie man mit Kindern umgeht und sie „führen“ können. Ursprünglich waren es Menschen, die Kinder von einem Ort zu einem anderen brachten. Erst viel später, etwa im 18. Jahrhundert, taucht der Begriff als Wissenschaft auf und behandelt den Gedanken, wie man Kinder dahin „führt“, gute Mitglieder der Gesellschaft zu werden.

Inzwischen wird die Bezeichnung Pädagogik jedoch auch für Erwachsene verwendet, in der sogenannten „Erwachsenen-Pädagogik“, so dass sich der Begriff von seiner ursprünglichen auf Kinder bezogenen Bedeutung völlig gelöst hat. Pädagogik ist zu einem eigenständigen Begriff geworden.

Leider hat damit aber auch der Missbrauch des Begriffes begonnen, Ein Begriff, dessen einstige Bedeutung nicht mehr gilt, der keine klare eindeutige Definition mehr hat, kann neu gedeutet werden, wodurch z.B. plötzlich aus Lehrern Pädagogen werden und Didaktik (muss man nicht kennen) und andere sinnfreie Ideen plötzlich zum Teil der Pädagogik werden. Es ist unglaublich, mit welchem Mist man zugetextet wird, wenn man Pädagogik studiert.

Während meines Studiums gab es zwei verfeindete Professoren. Wenn der eine ein Seminar anbot, bot der andere ein Gegenseminar an, das zeigen sollte, dass der andere Unrecht hat. So kann eine Hochschule zum Kindergarten verkommen und man fragt sich, wo die verdammte Erzieherin hin ist und warum sie ihre Professoren nicht im Griff hat.

Pädagogik kann man wissenschaftlich und logisch betreiben. Man muss keine Spielchen spielen. Es geht nicht darum, wer den Längsten hat oder wer den größten Klugscheißhaufen setzt, sondern es geht um Menschen. Manche scheinen dies ganz vergessen zu haben. Vielleicht sollte man es umbenennen in Athropagogik (anthropos = Mensch), wobei wahrscheinlich das größte Problem immer noch die Ignoranz der Wissenschaft und der veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse darstellt.

Pädagoge sein, heißt scheitern

Die Geschichte der Pädagogik ist eine Geschichte des Scheiterns. Man kann sagen, dass alle großen Pädagogen an der deutschen Bürokratie und Verbohrtheit scheiterten.

Nehmen wir zum Beispiel Johann Heinrich Pestalozzi. Zu seinen Lebzeiten wurde ihm viel Ehre und Bewunderung zu Teil, doch am Ende war er pleite und kein Land übernahm seine Ideen in die Schulpädagogik. „Er wurde am alten Schulhaus in Birr vom Ortspfarrer und den Schullehrern beerdigt, weil wegen hohen Schnees Freunde und Angehörige nicht rechtzeitig anreisen konnten oder gar nicht von Pestalozzis Tod gehört hatten.“2 So traurig kann der Tod eines großen Pädagogen sein.

Wilhelm von Humboldt haben wir unser modernes Schul- und Universitätssystem zu verdanken. Dafür war er nur knapp über ein Jahr im Amt und kündigte dann aus Enttäuschung. Er war reich, doch sein pädagogisches Wirken war vorbei.

Jean-Jacques Rousseau veröffentlichte viele Werke. Seit Emile (seinem „pädagogischen Hauptwerk“) war er auf der Flucht, weil er schrieb, was man nicht schreiben sollte. Emile wurde in vielen Ländern verboten. Er schrieb noch viele weitere Bücher, doch das Bildungssystem beeinflusste er nur gering. Seine Ideen waren und sind den Mächtigen doch etwas zu freiheitlich.

Seneca war zwar ein Klugscheißer, aber auch Lehrer von Kaiser Nero im alten Rom – und letzten Endes musste er den Giftbecher trinken.

Henry David Thoreau war zeitweise Lehrer und warf den Beruf dann hin, weil seine Vorstellung von Pädagogik nicht in die des Schulsystems passte.

Das Schulsystem ist bildungsresistent.

The Times they are a changing

Die Zeiten ändern sich. Unser Schulsystem rutsch in den PISA-Studien immer weiter nach unten, Rechtsradikale bekommen Zuwachs, die Erde ist dabei den Bach runter zu gehen. Vielleicht ist es Zeit für ein Umdenken.

So vieles verändert sich. Wir wollen, dass es unseren Kindern einmal besser geht – wollen wir das wirklich?

Vieles verändert sich. Vieles wird besser. Dennoch scheint es normal zu sein gegenüber seinen Kindern zu denken: Was für mich gut war, kann für dich nicht schlecht sein. Vieles soll sich ändern, aber nicht der Umgang mit unseren Kindern, nicht in den Institutionen, die sie für uns aufbewahren sollen, so lange wir arbeiten.

Eltern ist es wichtiger, dass eine Schule eine Nachmittagsbetreuung anbietet, statt einer guten Pädagogik, statt eine gute Schule zu sein. Kinder sollen aufbewahrt werden. Sie sollen es nicht besser haben, schon gar nicht in der Schule.

Warum nicht?

Autos haben inzwischen Airbags, sind teurer geworden und bieten mehr Sicherheit. Das ist wichtig, denn unsere Autos sind uns wichtig.

Wo hat die Sicherheit in der Schule zugenommen, die Sicherheit, einen guten Abschluss zu machen, anzukommen? Wo sind wir bereit das Geld, das wir in unsere Autos stecken, auch in unsere Kinder, unsere Schulen und Kindergärten zu stecken?

Auch sie könnten besser werden. Auch sie könnten Sicherheit vermitteln und geben. Man könnte sich in ihnen wohlfühlen, in diesen verrotteten Aufbewahrungsanstalten.

Doch es geht auch um uns alle.

In welcher Welt wollen wir leben?

Wollen wir als das gesehen werden, was wir sind, oder wollen wir mit anderen in einen Topf geworfen werden? Wollen wir absolut gleich sein, oder wollen wir, dass unsere individuellen Eigenschaften und Stärken etwas Besonderes und Wertvolles sind? Wollen wir, dass andere über uns bestimmen, oder wollen wir selbst entscheiden können? Möchten wir hören: Sei wie die anderen! Oder lieber: Sei ganz du selbst, denn so ist es ok, denn du bist ok? Wollen wir Rücksicht auf alles Lebendige, oder lieber Umweltzerstörung für Profitinteressen?

Und wenn wir eine Welt wollen, die positiv ist, wo jeder Mensch geachtet und respektiert wird, warum schaffen wir sie dann nicht? Wir könnten z.B. in den Schulen anfangen.

School (Supertramp)1

I can see you in the morning when you go to school
Don’t forget your books, you know you’ve got to learn the golden rule
Teacher tells you stop your play and get on with your work
And be like Johnnie too-good, don’t you know he never shirks

He’s coming along

After School is over you’re playing in the park
Don’t be out too late, don’t let it get too dark
They tell you not to hang around and learn what life’s about
And grow up just like them, won’t you let it work it out

And you’re full of doubt

Don’t do this and don’t do that
What are they trying to do
Make a good boy of you
Do they know where it’s at
Don’t criticise, they’re old and wise
Do as they tell you to
Don’t want the devil to
Come and put out your eyes

Maybe I’m mistaken expecting you to fight
Or maybe I’m just crazy, I don’t know wrong from right
But while I am still living I’ve just got this to say
It’s always up to you if you want to be that
Want to see that
Want to see it that way

You’re coming along

1Supertramp, School, LP, Crime of the Century (A&M, 1974).

2„Johann Heinrich Pestalozzi“, in Wikipedia, 30. August 2019, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Johann_Heinrich_Pestalozzi&oldid=191813394.

Mehr dazu:

Greta, oder: Sind wir noch Menschen?

(Diesen Text schrieb ich schon im August, hatte ihn aber noch nicht veröffentlicht)

Es ist August 2019. Ich lese Nachrichten, in denen darüber diskutiert wird, ob Greta Thunberg nicht den Friedensnobelpreis bekommen sollte. Breite Zustimmung, lese ich. Auch ich fände es gut, weil es ein großartiges Signal wäre: Eine 16-jährige bekommt den Friedensnobelpreis.

Es würde erneut die Möglichkeit geben die Frage aufzuwerfen, warum Menschen unter 18 eigentlich nicht wählen dürfen. Politische Verantwortung können sie übernehmen, mit Fridays For Future zeigen sie auch, dass sie sich Gedanken machen und bereit sind, sich für etwas einzusetzen. Junge Menschen von der Mitbestimmung auszuschließen – was wir auf fast allen Ebenen tun – ist eigentlich eine Menschenrechtsverletzung. Jemanden von der Mitbestimmung auszuschließen, ist demütigend und macht klar: Du bist unfähig! Es ist eine überhebliche Arroganz der Älteren.

Wir wissen, dass Kinder, also Menschen unter 18 Jahren, zu absoluten Höchstleistungen fähig sind, körperlich, wie geistig. Wir wissen, sie interessieren und engagieren sich und hätten einen Chance auf einen Friedensnobelpreis. Warum also, beteiligen wir sie nicht mehr?

Ich wünsche mir eine Welt, in der alle Menschen über ihre Zukunft und ihre Lebensumwelt mitbestimmen dürfen. Junge Menschen sollten wählen dürfen. Mein Vorschlag: Wahlalter ab 13. Außerdem sollten alle (ab der 1. Klasse) bei der Einstellung neuer Lehrkräfte mitbestimmen können. Meiner Erfahrung nach, wissen Schülerinnen und Schüler meist besser, ob sie bei einer Lehrkraft etwas lernen können, als irgendwelche Beamten des Regierungspräsidiums. Schülerinnen und Schüler sind die Lernspezialisten, weil sie es jeden Tag erfahren und zudem geht es um ihre Zukunft.

Nicht nur die anhaltende Zerstörung der Erde betrifft ihre Zukunft, auch die Schulbildung und die Noten, die ihnen unfähige (manchmal auch fähige) Lehrerinnen und Lehrer geben.

Ich wünsche mir eine Welt, in der Menschen gemeinsam für eine bessere Zukunft arbeiten und die Fähigkeiten eines jeden mehr zählen, als Abschlüsse, Dokumente, Alter, Hautfarbe oder sonst etwas. Ich wünsche mir eine Welt, in der wir den Menschen sehen, der vor uns steht, so wie er ist, ihn so respektieren und achten.

Wir leben in einer Welt der Einzigartigkeiten. Jeder Mensch ist etwas Einmaliges, ein unverwechselbares Individuum, das die Welt gerade dadurch bereichert, dass es anders ist. Wären wir alle gleich, wärs langweilig, Fortschritt und Demokratie könnten nicht mehr stattfinden, da es keine Auseinandersetzungen mehr gäbe, keine Dinge oder Vorkommnisse mehr, über die wir uns wundern und Fragen stellen würden.

Gerade die Andersheit, die Verschiedenheit aller Menschen, ist das Wertvolle. Wir sollten sie achten und fördern um Lebendigkeit zu fördern. Und wir sollten alle Menschen gleich achten, unabhängig des Alters. Menschen auf Grund des Alters das Mitspracherecht zu entziehen, ist eine unhaltbare Demütigung und Erniedrigung.

Dies betrifft übrigens nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch ältere Menschen in Altersheimen. Die katastrophalen Zustände sind überall nur deshalb möglich, weil die betroffenen Menschen kein Mitsprachrecht haben und als unfähig betrachtet werden, mitzubestimmen. Die Altersdiskriminierung ist die schlimmste und am weitesten verbreitete Diskriminierung – gedeckt durch das Grundgesetz.

Wir können oft nicht den Menschen sehen, diesen großartigen Menschen vor uns, sondern sehen Kinder, Jugendliche, Alte und behandeln sie als unfähige, abnorme Mitglieder unserer Gesellschaft.

Wir sehen Äußerlichkeiten, weigern uns, das Innere zu sehen, weil wir uns weigern, uns mit diesen Menschen auseinanderzusetzen auf Augenhöhe, gleichberechtigt.

Gleichberechtigt heißt auch: Sie dürfen mich kritisieren und ich sie. Wir beide müssen eine gemeinsame Lösung bei Kritik finden, mit der alle leben können.

Interessanterweise fehlen heutzutage exakt die Grundpfeiler von Carl Rogers‘ Ansatz: Akzeptanz, Empathie und Kongruenz. Wir leben in einer verlogenen Welt, voller Fake-News und Lobbyisten-Propaganda, Geld und Distanz ist uns wichtiger geworden, als Nähe, Einfühlungsvermögen und auf einander zuzugehen, den andren zu sehen, wie er wirklich ist. Statt dessen versuchen wir unsere Vorurteile immer wieder zu bestätigen, dank Facebook-Algorythmus, Google-Suche und Co.

Warum?

Ist es nur die Bequemlichkeit oder haben wir vergessen, wie es ist, Mensch zu sein, wie es ist wirklich zu leben?

Gedanken zum zwischenmenschlichen Umgang

Wir können nicht alles und jeden verstehen

Wir alle sind absolut großartige, einzigartige Lebewesen. Gerade unsere Eigenheiten, unsere Besonderheiten, machen das Leben mit uns lebendig und abwechslungsreich. Gäbe es mich nicht mehr, so gäbe es ein einzigartiges Lebewesen nicht mehr und die Welt wäre ärmer.

Dazu gehört auch, dass es Menschen gibt, mit denen wir nicht können. Aber auch sie sind einzigartige Menschen. Ich muss nicht alles und jeden verstehen – ich kann gar nicht alles und jeden verstehen. Aber ich kann annehmen, dass der/die andere, das gleiche Recht auf Großartigkeit hat, wie ich.

Nehmen wir einmal pubertierende Teenager.

Junge Menschen in der Pubertät sehen sich als erwachsen, dürfen aber nicht mitbestimmen. Sie bekommen immer wieder zu hören, wie schlimm oder nervig sie sind, wie aufgedreht oder zu ruhig, eigentlich können sie es niemandem recht machen. Wir verstehen es hervorragend, junge Menschen zu verunsichern und sie ihre Wertigkeit hinterfragen zu lassen – und lassen sie sogar damit oft allein.

Vielleicht erinnern wir uns selbst einfach zu ungern daran, wie wir damals waren, was wir getan haben, wie wir uns fühlten. Wie war die Kindheit oder Jugend für uns? Was war Schule für uns? Zeigen wir den jungen Menschen, dass wir auch einmal so waren. Dass es ok ist, jung zu sein, Fehler zu machen, über die Stränge zu schlagen, etc. Es gehört nun mal dazu.

Es gehören natürlich auch die Konsequenzen dazu, aber c‘est la vie!

Das hätte ein Küken werden können!

Ich habe ein wunderbares Video gefunden. „Let kids be kids“ heißt es1.

„Lasst Kinder Kinder sein. Sie sind geborene Wissenschaftler.

Sie drehen immer wieder Steine um und pflücken Blütenblätter von Blumen. Sie tun immer Dinge, die im Großen und Ganzen zerstörerisch sind. Das ist das, was Forschung ausmacht. Wenn man Dinge auseinander nimmt, ob man nun weiß, wie man sie wieder zusammenbaut oder nicht. Das ist, was Kinder tun.

Ein erwachsener Wissenschaftler ist ein Kind, das nie erwachsen wurde. […]

Was zu Hause passiert, ist, dass das Kind in den Kühlschrank greift, ein Ei herauszieht und anfängt, es zu schütteln. Was ist das erste, was du als Elternteil tust? “Hör auf, mit dem Ei zu spielen! Es könnte brechen. Leg es zurück!”

Entschuldigung, das ist ein Experiment in der Materialstärke von….

Lasst die Kinder herausfinden, dass es bricht, wenn es fällt! Das ist ein Physikexperiment, das sich schnell in ein Biologieexperiment verwandelt.

Das Eigelb strömt heraus. Du sagst: “Hey! Das wird eines Tages ein Küken, okay?” “Warte. Wie wird aus diesem klebrigen Eigelb ein Küken?” “Nun, das ist Biologie, finde es heraus!”

Und was hat das Ei gekostet? 20 Cent?

Der Präsident von Harvard sagte einmal: “Wenn du denkst, dass Bildung teuer ist, solltest du die Kosten der Unbildung gegenrechnen.” […]

Kinder gehen in die Küche und ziehen alle Töpfe und Pfannen heraus und fangen an, auf sie zu schlagen. Was ist das erste, was du als Elternteil sagst? “Hör auf, so viel Lärm zu machen! Hör auf mit dem Lärm! Du machst die Töpfe und Pfannen schmutzig!”

Du hast gerade ein ganzes Experiment in Akustik zerstört.

Also mache ich mir keine Sorgen um die Kinder.

Die Leute sagen: “Was kann ich tun, damit meine Kinder sich für Naturwissenschaften interessieren?”

Sie sind bereits an der Wissenschaft interessiert. Du bist das Problem.”

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=r6e6ZVzedrY
bei der Übersetzung bin ich nicht ganz am Text geblieben und habe es so übertragen, wir wir es im Deutschen sagen würden.

Wir leben immer mehr in einer Welt der Verbote. Nicht nur Kinder leiden darunter. Wenn wir es nicht wagen können Experimente zu machen, Fehler zu machen, dann können wir es auch nicht wagen wirklich zu leben. Neue Erfahrungen zu machen ist eines der wichtigsten Triebfedern des Lebens, wie auch Neugierde, etwas Neues zu probieren, Dinge hinterfragen usw.

Und natürlich geht dabei manchmal etwas zu Bruch, stört andere oder irritiert. Aber würde es das nicht, wärs ja nichts Besonderes. Wagen wir nichts Neues mehr aus Angst vor Fehlern und den Folgen, dann erzeugen wir Stillstand in der Entwicklung, dann hören wir auf zu leben.

Ob es uns gefällt oder nicht, wir „Erwachsenen“, wir „Autoritätspersonen“ nutzen unsere Autorität viel zu häufig, um Lebendigkeit, Forscherdrang und vieles andere zu zerstören. Wir unterbinden Handlungen und zeigen, dass wir das nicht gut finden.

Doch in vielem, was (junge) Menschen tun, zeigen sie, wer oder was sie sind. Wir sehen sie in ihren Handlungen. Bewerten wir diese Handlungen negativ, bewerten wir die Menschen negativ. Nehmen wir den Handlungen ihren Wert, nehmen wir den Menschen ihren Wert, ihren Selbstwert.

Erklärungen bedeuten Respekt

Ja, manchmal muss man sagen: “Das kannst du nicht tun!”

Wollen wir etwas unterbinden, wollen wir, dass jemand etwas nicht tut, so müssen wir sehr klar zwischen der Handlung an sich und dem Menschen unterscheiden und unsere Reaktion erklären, immer mit dem Ziel, dem Menschen klar zu machen, dass das, was er tut, nicht prinzipiell schlecht ist, nur eben jetzt, in diesem Augenblick, nicht geht.

Leider geschieht dies häufig nicht. „Sei still!“ oder „Hör auf!“ sind meist die kurzen Aussagen, nicht aber: „Sei bitte leiser, weil…. „ oder „Bitte höre damit auf, weil…“ Woher sollen Menschen wissen, dass nicht sie schlecht sind, wenn sie sich äußern, sondern es nur die Aktivität ist, die gerade stört?

Selbst Handlungen, die wir als “schlecht” oder “böse” oder anderweitig negativ interpretieren, sind für den Menschen, der sie tut, positiv. Menschentun meist etwas, weil sie glauben das Richtige zu tun oder nichts Falsches zu tun. Man kann nicht einfach sagen “Lass das!”, denn damit zeigt man nur, das es in Ordnung ist, seine Macht zu missbrauchen. Ich bin stärker, also bestimme ich, im Sinne von “Ich habe das Recht über dich zu bestimmen, du bist mir Untertan!”

Das kommt meist nicht gut und löst auch keine Probleme. Das einzige, was Menschen dadurch lernen: Wenn ich stärker bin als andere, dann kann ich bestimmen, was sie tun!

Wollen wir das?

Wie die meisten Lehrkräfte in der Schule nicht fähig sind, den Sinn ihres Unterrichtens zu erklären, so sind viele Eltern nicht fähig, den Sinn ihrer Handlungen zu erklären. Zu denken: „Das muss ich nicht! Ich habe hier das Sagen!“ ist autoritär und menschenverachtend. Es gibt nicht umsonst den Spruch: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.

Wenn wir Menschen als wertvoll erachten, sollten sie uns auch so viel wert sein, dass mir uns die Mühe machen, unsere Handlungen zu erklären, zu bitten und uns auch evtl. zu entschuldigen, weil wir ihre Handlungen unterbrechen.

Wir sollten alle Menschen immer so behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen.

Von der Verantwortung einer Pädagogin

Ich hatte ein interessantes Erlebnis, wofür ich immerhin 52 Jahre alt werden musste. Erfahrungen sind etwas, das man sich nicht aussuchen kann, wann man sie macht, leider.

Wie so oft, gibt es Schülerinnen und Schüler, die häufiger den Unterricht stören. Auch bei mir. Am Ende eines Schuljahres sagte eine Schülerin zu mir: „Sie sind nicht so wie die anderen, sie haben uns verstanden und uns nicht immer gleicht bestraft, wenn wir uns daneben benahmen“.

Viele Menschen sind einfach, wie sie sind. Auch Schülerinnen und Schüler, die den Unterricht stören, stören ihn häufig nicht, weil sie stören oder jemanden ärgern wollen, sondern weil sie einfach nur sie selbst sind. „Störenfriede“ stören nur unseren Frieden, sie tun das aber nicht unbedingt mit Absicht. Doch unser Handeln, z.B. wenn wir dann Strafen verteilen oder sie demütigen, verurteilen, unterstellt es ihnen, unterstellt ihnen, schlechte Menschen zu sein, einfach, weil sie sind, wie sie sind. Ist das richtig?

Gerade sie sind doch diejenigen, für die wir gelernt haben. Sie sind doch diejenigen, weshalb ich Pädagogin bin. Wer immer nur pflegeleichte Menschen möchte, die still und brav sind, sollte auf dem Friedhof arbeiten.

Wenn ich okay bin, ändere ich mich

Der Selbstwert hängt eng zusammen mit dem Selbstbild. Es heißt Selbst-Bild, weil es das Bild ist, das wir von uns sehen. Dies sehen wir in den anderen, sie reflektieren uns, wie ein Spiegel, zurück, wer oder was wir sind. Deshalb haben wir alle auch immer eine Verantwortung für unsere Mitmenschen. Unsere Handlungen bestimmen sie, bestimmen ihre Handlungen, aber auch ihr Bild, das sie von sich selbst bekommen.

Spiegeln wir zurück, dass sie Störenfriede sind uns nerven, denken sie auch das von sich. Und Störenfriede sind ja nur dann Störenfriede, wenn sie stören. Oder anders gesagt: Wir machen die Störenfriede, weil wir sie dazu benennen. Ich erzeuge die Handlungen anderer ja mit.

Gleichzeitig lernen sie, dass sie immer bestraft werden und die ewigen Außenseiter sind, weil ihr Sein nicht gewünscht ist, sie sind so, wie sie sind, nicht gewünscht. Daraus entwickelt sich ein Außeneiterbewusstsein. Kritik prallt ab, weil sie ja eh immer kritisiert werden, eh abgestempelt werden. Veränderungen sind kaum mehr möglich.

Erfahren Menschen jedoch, dass sie so, wie sie sind, ok sind, können sie sich ändern. Sie müssen sich nicht abschotten oder eine Kritikabwehr aufbauen. Es gibt nichts, wogegen man sich wehren muss, wenn man akzeptiert wird. Gleichzeitig bin ich ein Vorbild und ein Spiegel. Was ich tue, machen evtl. andere nach. Wenn ich akzeptiere, lernen sie akzeptieren, wenn sie sehen, dass sie ok sind, können sie vielleicht auch sehen, dass auch andere ok sind. Wer kein Feind ist, könnte ein Freund sein, oder?

Dazu passend

Quellenangabe

1Aldemar Gamba, Let kids be kids. Subtítulos en español latinoamericano. Neil deGrasse Tyson., 2018, https://www.youtube.com/watch?v=Hchv7dOPauk.

Bilder: Pixabay, überarbeitet: Christina Schieferdecker

Faule Schüler, faule Lehrer

Sinnfreiheit garantiert

Es gibt keine faulen Schüler oder faule Lehrer. Das ist ein Mythos. Es gibt Menschen, denen die Motivation fehlt und die deshalb nicht das tun, was sie tun sollten.

Sind Schülerinnen und Schüler demotiviert, hat die Lehrkraft versagt. Zentrale Aufgabe einer Pädagogin oder eines Pädagogen ist es, Menschen zu motivieren, also ihrem Tun einen Sinn zu geben und ihnen zu zeigen: „Du schaffst das!“. Außerdem sollte eine Lehrkraft natürlich etwas so erklären können, dass es jeder versteht.

Die Fähigkeit zu lernen ist uns zwar angeboren, nicht aber das Lernen von sinnlosem, sinnentleertem Unterrichtsstoff. Wenn eine Lehrkraft ihren Schülerinnen und Schülern nicht erklären kann, warum ein Schulstoff wichtig ist, warum sie ihn lernen müssen, sollte sie ihren Beruf an den Nagel hängen und sich nach etwas anderem umschauen. Wenn ich, als Lehrkraft, keinen Sinn in meinem Schulstoff erkennen kann, nicht sehe, warum meine Schülerinnen und Schüler diesen lernen sollten, warum sollten diese dann darin einen Sinn sehen?

Warum unterrichten Lehrkräfte Fächer, denen sie keinen Sinn geben können?

“Nicht für das Leben, für die Schule lernen wir!”

avatar
Seneca

Es gibt nur einen Versager im Klassenzimmer

Wie soll ich, als Schülerin oder Schüler, etwas lernen oder üben, wenn ich es weder verstehe noch kann? Was kann ich dafür, wenn mein Lehrer ein Versager ist, der unfähig ist, mir etwas beizubringen oder mich zu motivieren?

Ja, als Lehrkraft kann man sich nicht herausreden. Es ist Aufgabe einer Lehrkraft, Schülerinnen und Schülern etwas beizubringen. Viele Lehrkräfte beschäftigen sich nur mit den 1er-Schülern, denen, die bei ihnen alles verstehen. Meist sind es die Schülerinnen und Schüler, die den Stoff auch dann verstehen würden, wenn ein Hund ihn bellen würde.

Doch diejenigen, die tatsächlich einen Pädagogen oder eine Pädagogin benötigen, die nicht den Inhalt intuitiv erfassen können, die bleiben meist auf der Strecke, weil 99% der Lehrerinnen und Lehrer leider nur Lehrer sind und keine Pädagogen. Meine Erfahrung. Der einzelne Mensch geht ihnen am Arsch vorbei.

Doch gerade diejenigen, die unsere Hilfe brauchen, eben weil es ihnen nicht so leicht fällt, etwas zu verstehen, die brauchen eine Pädagogin oder einen Pädagogen. Sie brauchen uns, mit unserer Ausbildung. Für sie haben wir diese Ausbildung gemacht. Für die klassischen 1er-Schülerinnen und Schüler benötigen wir keine Ausbildung. Wie gesagt, für die könnte man auch einen Hund in die Klasse stellen und den Stoff bellen lassen.

Schule: garantiert pädagogikfrei

Das Ziel einer Pädagogin oder eines Pädagogen muss es immer sein, alle Schülerinnen und Schüler mitzunehmen und dafür zu sorgen, dass alle gute Noten schreiben und somit einen guten Abschluss haben. Dies ist nicht einfach, aber wenn es einfach wäre, müsste man es ja nicht studieren. Dann könnte es ja jeder.

Denn, seien wir mal ehrlich: Den Inhalt, von dem, was ihr, Lehrerinnen und Lehrer, unterrichtet, muss man nicht studieren, den hattet ihr schon in der Schule. Liebe Lehrkräfte, ihr habt alle Abitur!

Das Studium kaut den Schulstoff nur wieder, vielleicht noch etwas dazu, was man aber in der Schule nicht benötigt, damit man behaupten kann, das Studium wäre niveauvoll. Aber niveauvoll ist nicht das Gleiche wie sinnvoll. Und nur weil man z.B. Mathe kann, kann man noch lange nicht Sinn vermitteln, motivieren und etwas so erklären, dass es jeder und jede versteht.

Vielleicht sollte man das mal als Teil des Studiums begreifen?

Gut, dass es faule Schülerinnen gibt

Um also niemandem etwas beibringen und niemanden motivieren zu müssen, weil 99% der Lehrkräfte das eh nicht können, wurde der „faule Schüler“ erfunden, der „selbst schuld ist, wenn er nichts lernt“. Das entspricht etwa der Haltung: „Ich armer Lehrer habe eine Klasse voll dummer Schüler, die nichts verstehen!“

Der Lehrer kennt den Witz von dem Geisterfahrer noch nicht:
„Vorsicht, ein Geisterfahrer!“
„Was? Einer? Hunderte!“

Wenn Schülerinnen oder Schüler in der Schule versagen, muss immer zuerst die Frage kommen: „Welche Verantwortung dafür betrifft die Lehrkraft? Was hat sie versäumt zu tun?“ Ist es nicht ihre Aufgabe so zu unterrichten, dass es alle verstehen? Wird sie nicht dafür bezahlt?

Oder für was genau bezahlen wir sie???

ps: Ich weine

Seit 25 Jahren tue ich nichts anderes als zu unterrichten. Was ich erleben muss, ist erschütternd und meine Tränen könnten Seen füllen. Leider kann man Schule nicht ändern. Als einzige Möglichkeit sehe ich, neue Schulen zu gründen und parallel zum Systemversagen etwas Sinnvolles entstehen zu lassen.

Alle Bilder: (c) pixabay, überarbeitet Christina Schieferdecker

Wie unser Staat die Schulen zerstört, oder: Schule, der tägliche Wahnsinn

Ist die Überschrift zu extrem? Zu populistisch?

Absicht bedeutet: Man weiß, wie es anders ginge, man tut es aber nicht.

Eigentlich weiß jeder, wo das Problem liegt: Lehrermangel, weil keine eingestellt werden und Geldmangel an Schulen, weil sie kein Geld bekommen, einfach ausgedrückt.

Zu letzterem: Warum bekommen Schulen kein Geld? Es ist eigentlich genug da!

Ein Beispiel aus Ludwigsburg. Die Schubartschule. Sie bräuchte dringend neue Toiletten. Die Kinder ekeln sich, viele gehen an der Schule nicht mehr aufs Klo.

Die Stadt Ludwigsburg: Wir haben kein Geld!

Heiner Geissler: Es gibt Geld wie Dreck, es haben nur die falschen Leute

Gleichzeitig wird viel Geld in Elektro-Bike-Stationen investiert, eines Herstellers, der nicht Stadt Ludwigsburg heißt. Geld, das man für die Toilettensanierung dringend bräuchte. Oder die Haltestellen der Busse bekommen Digitalanzeigen.

https://www.regioradstuttgart.de/regiorad/Header/RegioRadStuttgart_Stadt.jpg
Lustig: Ausleihen und schieben! Offizielles Foto auf der Seite RegioRad.
Life is a cabaret.

Was ist nun wichtiger: Digitale Abfahrtszeiten und Elektro-Bikes (sehr teuer zu mieten), oder neue Toiletten für unsere Kids? Was ist uns wichtiger, die Bequemlichkeit Erwachsener, oder das Bedürfnis von Kindern, aufs Klo zu müssen?

Egal, wie es kommt, die Kids sollen in den Container kacken – die Alten brauchen Elektro-Bikes.

Und so läuft es fast überall. Schaut man sich um, wofür das Geld ausgegeben wird, man hätte es auch anders ausgeben können.

Oder die Lehrerstellen: Diese werden absichtlich – zumindest in Baden-Württemberg – nur unter 1 Jahr befristet (10 Monate), damit die Lehrkräfte, die gerne ein unbefristetes Arbeitsverhältnis hätten, sich schon mal unter dem Jahr wo anders bewerben – und dann abspringen. So kann das Land sagen: Wir sind unschuldig, wir finden keine Lehrkräfte! Oder irgend einen anderen Müll erzählen. Wer, bitte schön, findet es attraktiv, eine Stelle zu bekommen, die nur auf 10 Monate befristet ist?? Nicht mal ein Jahr?? Nehme ich dann nicht lieber eine, bei der ich entweder die Chance habe, übernommen zu werden in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, bzw. mit einer längeren Befristung (z.B. auf 3 Jahre oder Ähnliches)?

Das Beste aber: Diese befristeten Lehrkräfte müssen genauso viel arbeiten, wie die unbefristeten, nur ohne – effektiv gesehen – bezahlten Urlaub, da sie ja die Sommerferien nicht bezahlt bekommen.

Und die Gewerkschaften?

Äh, gibt es da welche? Theoretisch ja, aber warum streikt dann niemand? Weil … äh … Sind das nun Machenschaften oder Gewerkschaften? Machenschaften hätten zumindest etwas mit „machen“ zu tun, was ein „Gewerk“ ist, weiß ich nicht, es funktioniert aber anscheinend nicht. (So nebenbei: Bin natürlich als Linke Gewerkschaftsmitglied.)

Warum bewerben sich so wenige auf die Stellen als Lehrkraft?

Antwort: Man kann sich garnicht bewerben!

Ja, ich schreibs nochmals: Man kann sich nicht bewerben.

“Bewerbe dich nicht, wir finden DICH!”, sagt sich unser Regierungspräsidium.

Das Ganze läuft so ab:

Es gibt ein Onlineportal, da kann man sich eintragen. Dann werden die Unterlagen geprüft und vielleicht wird man dann nach einem halben Jahr freigeschaltet.

Bewerben auf offene Stellen kann man sich jedoch nur etwa 1 Woche oder 2 Wochen im Mai, verpasst man diese Frist, ist keine Bewerbung mehr möglich.

Gesucht werden fast ausschließlich Lehrkräfte im Schuldienst. Also solche, die schon Lehrer SIND! Das hat natürlich einen kleinen Nachteil: da, wo sie dann weggehen, fehlt es an Lehrkräften.

Man könnte auch Menschen nehmen, die kein Lehramt studiert haben und diese fortbilden.

Macht man aber nicht. Es gibt keine Fortbildungen für sogenannte „Quereinsteiger“.

Die Folge: Ein schlechter Ruf für Quereinsteiger und Menschen, die enttäuscht das Handtuch werfen – oder die geworfen werden, auch wenn sie den Job eigentlich sehr gut machen – zumindest besser, als der Kollege Unterrichtsausfall.

Nach dem Krieg nahm man häufig ehemalige Soldaten als Lehrkräfte. Die hatten das nicht studiert und gaben ihr Bestes. Meine Mutter oder mein Vater sind zu solchen in die Schule gegangen. Und? Sind es Deppen und Versager geworden? Nein? Vielleicht liegts ja nicht NUR am Lehrer, ob man was wird – und vielleicht können doch mehr Lehrkräfte etwas, die es nicht studiert haben, als man vermutet.

Je mehr ich in die Materie schaue, je mehr ich weiß, desto mehr sehe ich, was für ein Irrenhaus das ist.

Herr Müller und die 10 b Teil 1

Viele Schulen funktionieren nur, weil die Lehrkräfte unendlich viel arbeiten und ihr privates Geld investieren.

Ein aktuelles Erlebnis aus meinem Leben: ich sollte Englisch unterrichten. Gut, kann ich ja. Ich stimme zu. Dann kommt aber der Haken: Es gibt keinerlei Material, weil die Schule kein Geld hat – oder einfach keine Lust hat, Material zu kaufen. Kein Schulbuch, keine Arbeitshefte, nichts. Wenn ich etwas brauche, muss ich alles selbst herstellen. „Das ist bei uns nun mal so!“ bekomme ich zu hören.

Es stehen Computer in den Räumen. Ich drücke auf den Einschaltknopf – nichts geschieht. „Ach, unsere Computer tun nicht!“ Schön. Da hängt ein Beamer an der Wand, da steht ein PC mit Bildschirm, geht aber nicht.

Was bleibt: Kopien machen, Kopien machen.

Ok.

Nur muss man mindestens 1 Stunde vor Unterrichtsbeginn anfangen zu drucken, denn es gibt nur einen Drucker/Kopierer. Schafft man es nicht, seine Druckaufträge vor anderen aufzugeben, kann es sein, man hat zu Unterrichtsbeginn kein Material.

Letzt war ich ganz früh dran. 1:10 Stunden vor Unterrichtsbeginn. Ich war alleine. Hurra! Druckaufträge aufgegeben, es druckt, es hört auf zu drucken… Toner leer. Man hat vergessen Toner zu bestellen!

Was tut sind immerhin der Locher und der Hefter (Tacker, für die nicht so Gebildeten).

Also gut: Kein Schulbuch, keine Arbeitshefte, keine Kopien. Der Computer tut auch nicht (das WLAN-Netzwerk tut übrigens auch nicht) Das alte Thema haben wir durch… ich improvisiere eben. Kein Problem, habe ja nur 6 Stunden Unterricht und muss eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn meinen kompletten Plan für diesen Tag umwerfen.

Kann jeder. 😉

That‘s life in school.

Nach der 6. Stunde: Ich komme lachend ins Lehrerzimmer: „Was für ein Chaos heute!“

Eine Lehrkraft sitzt schon da, lässt den Kopf hängen und sieht aus, als würde sie gleich aus dem Fenster springen.

„Sie lachen immer so viel!“ sagen viele Kids zu mir. „Ja, die einzige Möglichkeit mit dem täglichen Wahnsinn umzugehen ist ihn lustig zu finden.“ Geht auch, wenn es einem klar wird, dass es zugeht, wie bei Stan und Olli. Da finden wir den Gag mit dem Klavier auch lustig. Nur hier erlebe ich es am eigenen Leibe, schaue auf mich und frage mich: Bin ich Stan oder Olli? Und dann lache ich.

Life‘s a joke – und Schule ist ein wahr gewordener Slapstick.

Wers nicht aushält, wird krank, schwanger oder geht auf Fortbildung, wers lustig findet, wird gefeuert. Denn über sowas lacht man nicht.

Ok.