Corona in Sachsen

[Zuerst Mensch sein]

Die Mehrheit der Menschen des Nordens, des Südens, des Ostens und des Westens sind keine Menschen mit Prinzipien. Wenn sie wählen, so wählen sie keine Menschen in den Bundestag, die sich für die Menschlichkeit einsetzen; aber während ihre Brüder und Schwestern leiden, weil sie die Freiheit lieben, während… – ich könnte hier alles anführen, was die Corona-Verordnung für die Menschen bedeutet und für Folgen hat… – ist es das schlechte Management von Holz und Eisen und Stein und Gold, das sie beschäftigt. Tu, was du willst, oh Regierung, mit meiner Frau und meinen Kindern, meiner Mutter und meinem Bruder, meinem Vater und meiner Schwester, ich werde deinen Befehlen aufs Wort gehorchen.1 Es wird mich in der Tat betrüben, wenn du ihnen weh tust, wenn du sie den Impfbeführwortern2 übergibst, um sie zu impfen3 oder zu Tode zu erschrecken4; aber dennoch werde ich friedlich meinem auserwählten Beruf auf dieser schönen Erde nachgehen, bis ich dich vielleicht eines Tages, wenn ich Trauer um ihre Toten getragen habe, zum Einlenken überredet habe5. So ist die Haltung, so sind die Worte von Sachsen.

Anstatt dies zu tun, brauche ich nicht zu sagen, welches Streichholz ich anfassen würde, welches System ich zu sprengen versuchen würde6; aber da ich mein Leben liebe, würde ich mich auf die Seite des Lichts stellen und die dunkle Erde unter mir wegrollen lassen7 und meine Mutter und meinen Bruder rufen, mir zu folgen.

[…] Wir wählen Granit für die Untermauerung unserer Häuser und Scheunen; wir bauen Zäune aus Stein; aber wir selbst ruhen uns nicht auf einem Unterbau aus granitischer Wahrheit […] aus. Unsere Fensterbänke sind verrottet. Aus welchem Stoff ist der Mensch gemacht[, dem wir täglich begegnen], der [dennoch] in unserem Denken nicht mit der reinsten und subtilsten Wahrheit koexistiert? Ich werfe meinen besten Bekannten oft eine ungeheure Oberflächlichkeit vor; jedoch, obwohl es Manieren und Höflichkeiten gibt, die wir [dann doch] nicht antreffen, lehren wir einander nicht die Lektionen der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit der unverfälschten Natur8, oder der Standhaftigkeit und Festigkeit der Felsen. Das Verschulden[, dass dies nicht geschieht,] beruht jedoch in der Regel auf Gegenseitigkeit, denn wir verlangen gewöhnlich nicht mehr voneinander [als bloße Höflichkeiten und Manieren].9

Ich würde meine Landsleute daran erinnern, dass sie zuerst Menschen sein sollen und erst zu späterer und passenderer Stunde Untertanen. Es ist egal, wie wertvoll das Gesetz auch [immer] sein mag, um das Eigentum zu schützen, sogar um Seele und Körper zusammenzuhalten, wenn es dich und die Menschlichkeit nicht zusammenhält.

[Richter und Politiker]

Es tut mir leid, sagen zu müssen, dass ich bezweifle, dass es in Sachsen einen Richter gibt, der bereit ist, sein Amt niederzulegen und unschuldig seinen Lebensunterhalt zu verdienen, wenn von ihm verlangt wird, ein Urteil nach einem Gesetz zu fällen, das lediglich im Widerspruch zum Gesetz Gottes steht10. Ich bin gezwungen zu sehen, dass sie sich selbst, oder besser gesagt, [dass sie] von ihrer Persönlichkeit her, [sich selbst] in dieser Hinsicht auf eine Stufe mit dem Polizisten stellen, der seine Pistole in jede Richtung entlädt, die ihm befohlen wird. Sie sind genauso sehr Werkzeug und genauso wenig Mensch [wie der Polizist]11. Sicherlich, man kann sie nicht länger respektieren, weil ihr Gebieter ihr Denken und ihr Gewissen versklavt (statt ihre Körper)12.

Die Richter und Anwälte… – einfach [nur] als solche [und nicht als Menschen], meine ich… und alle Männer der Zweckdienlichkeit, verhandeln diesen Fall nach einem sehr niedrigen und inkompetenten Maßstab. Sie überlegen nicht, ob das Gesetz richtig ist, sondern ob es verfassungsgemäß ist. Ist Tugend verfassungsgemäß, oder Laster? Ist Gerechtigkeit verfassungsgemäß oder Ungerechtigkeit? In wichtigen moralischen und lebenswichtigen Fragen wie dieser, ist es ebenso unverschämt zu fragen, ob ein Gesetz verfassungsgemäß ist oder nicht, wie zu fragen, ob es profitabel ist oder nicht. Sie beharren darauf, die Diener der schlimmsten Menschen, und nicht die Diener der Menschheit zu sein. […]

Wenn die Mehrheit den Teufel zum Gott wählt, wird die Minderheit dementsprechend leben und sich verhalten… und dem erfolgreichen Kandidaten gehorchen, im Vertrauen darauf, dass sie[, die Mehrheit,] irgendwann, vielleicht durch die Stimme eines Sprechers, Gott wieder einsetzen wird. Das ist das höchste Prinzip, das ich für meine Nachbarn herausholen oder erfinden kann. Diese Menschen handeln, als ob sie glaubten, sie könnten einen Hügel ein Stück hinuntergleiten… oder ein gutes Stück… und würden sicher nach und nach an einen Ort kommen, wo sie wieder hinaufgleiten könnten. Das ist Zweckdienlichkeit, oder die Wahl des Weges, der den Füßen die geringsten Hindernisse bietet, also bergab. Aber man kann so etwas wie eine gerechte Reform nicht durch den Gebrauch von “Zweckdienlichkeit” erreichen. Es gibt kein “bergauf gleiten”. In der Moral sind die einzigen Gleiter die Rückwärtsgleiter[, die Wendehälse]13.

So beten wir unaufhörlich den Mammon an14, sowohl in der Schule als auch im Bundesland und in der Kirche, und verfluchen am siebenten Tage Gott mit einer Feier15 von einem Ende der Republik zum andern.

Wird die Menschheit nie lernen, dass Politik nicht Moral ist? – dass sie niemals irgendein moralisches Recht sichert, sondern nur das bedenkt, was zweckdienlich ist? – [und nur] den verfügbaren Kandidaten wählt [und nicht den fähigsten]?16 – der immer der Teufel ist?17 – und welches Recht haben seine Wähler, sich zu wundern, weil der Teufel sich nicht wie ein Engel des Lichts verhält? Was man braucht, sind Menschen, nicht der Politik, sondern der Redlichkeit, die ein höheres Gesetz als die Verfassung oder die Entscheidung der Mehrheit anerkennen.

Das Schicksal des Landes hängt nicht davon ab, wie Sie an der Wahlurne abstimmen? – der schlechteste Mann ist so stark wie der beste in diesem Spiel; es hängt nicht davon ab, welche Art von Papier Sie einmal im Jahr in die Wahlurne fallen lassen, sondern davon, [als] welche Art von Mensch Sie [sich] jeden Morgen aus Ihrer Wohnung auf die Straße fallen lassen.

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Anmerkungen

1In Lukas 14:26 heißt es: “So jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein.” (bibeltext.com 2020)
Und in Matthäus 10:37 heißt es: “Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert.” (ebd.)

2Im Original: “den [Sklaven-] Aufsehern”

3Im Original: “jagen

4Im Original: “auszupeitschen

5Hier könnte Thoreau sich auf das alte Testament beziehen (ab 1. Mose 12:1): Abraham musste sein Elternhaus verlassen und durfte erst wieder zurückkehren, nachdem sein Vater gestorben war.

6In sein Tagebuch schrieb Henry David Thoreau am 29. Mai 1854:
Anstatt also zuzustimmen, die Hölle auf Erden zu errichten – an dieser Einrichtung beteiligt zu sein – würde ich ein Streichholz anfassen, um Erde und Hölle gemeinsam zu sprengen.” (Thoreau 2011, 264)

7Wenn Thoreau immer auf der Seite des Lichts steht, steht er immer da, wo es gerade Tag ist auf der Erde. Also bleibt er quasi stehen und lässt die Erde unter sich sich weiterbewegen.
Der Ausdruck erinnert etwas an Johannes 8:12:
Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.” (bibeltext.com 2020)

8Im Original: “the lessons of honesty and sincerity that the brutes do“. Ich denke, dass Thoreau hier die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit des rohen (“brutes“) meint, im Sinne von unverändert, naturbelassen, etc.

9Dieser Absatz wurde eingefügt aus “Leben ohne Prinzipien” von Henry David Thoreau.(Thoreau, Emerson, und Schieferdecker 2021, 132)

10Was Thoreau unter dem “Gesetz Gottes” meint, wissen wir nicht. Im Urteil von Weimar (Amtsgericht Weimar, Urteil vom 11.01.2021, Az. 6 OWi – 523 Js 202518/20), hat ein Richter sich tatsächlich gegen die Regierung und für die Verfassung entschieden, was noch nicht bekannt war, als dieser Texte entstand. Das Gericht berief sich zwar nicht explizit auf ein höheres Recht, doch könnte der Richter dennoch dafür Probleme bekommen. So urteilte der Richter ganz im Sinne Thoreaus:
“Wenngleich es scheint, dass es in den Monaten der Corona-Krise zu einer Werteverschiebung mit der Folge gekommen ist, dass zuvor als absolut exzeptionell betrachtete Vorgänge inzwischen von vielen Menschen als mehr oder weniger „normal“ empfunden werden […], sollte […] kein Zweifel daran bestehen, dass mit einem allgemeinen Kontaktverbot der demokratische Rechtsstaat ein – bisher als vollkommen selbstverständlich angesehenes – Tabu verletzt. Hinzu kommt […], dass der Staat mit dem allgemeinen Kontaktverbot zum Zwecke des Infektionsschutzes jeden Bürger als potentiellen Gefährder der Gesundheit Dritter behandelt. Wird jeder Bürger als Gefährder betrachtet, vor dem andere geschützt werden müssen, wird ihm zugleich die Möglichkeit genommen, zu entscheiden, welchen Risiken er sich selbst aussetzt, was eine grundlegende Freiheit darstellt. Ob die Bürgerin abends ein Café oder eine Bar besucht und […] das Risiko einer Infektion mit einem Atemwegsvirus in Kauf nimmt oder ob sie vorsichtiger ist, weil sie ein geschwächtes Immunsystem hat und deshalb lieber zu Hause bleibt, ist ihr unter der Geltung eines allgemeinen Kontaktverbotes nicht mehr zur Entscheidung überlassen. Das freie Subjekt, das selbst Verantwortung für seine und die Gesundheit seiner Mitmenschen übernimmt, ist insoweit suspendiert. Alle Bürger werden vom Staat als potentielle Gefahrenquellen für andere und damit als Objekte betrachtet, die mit staatlichem Zwang „auf Abstand“ gebracht werden müssen.”
Und dies ist mit der Menschenwürde nicht vereinbar.

11Schon in “Von der Pflicht zum Ungehorsam …” schreibt Henry David Thoreau (Absatz 4):
“Besuchen Sie die Polizeiakademie, und sehen Sie sich einen Polizisten an, einen Mann, wie ihn eine amerikanische Regierung machen kann, wie sie ihn mit dem Leid durch die Corona-Verordnungen machen kann – ein bloßer Schatten und eine Erinnerung an die Menschlichkeit, ein Mann, der lebendig und stehend aufgebahrt ist und bereits, wie man sagen kann, unter Waffen begraben ist”

12Die Klammern habe ich gesetzt um Missverständnisse zu vermeiden. Ursprünglich ist hier nur ein Komma. Dieses “statt ihre Körper” ist ein nachgeschobener Gedanke Thoreaus. Schon in “Über die Pflicht zum Ungehorsam” (Absatz 24 bis 36) schreibt Thoreau, dass der Staat nur den Körper fassen (und bestrafen) kann, niemals aber das Denken. Sein Denken zu unterwerfen ist also etwas, das man selbst tut.

13Im Englischen Original setzt Thoreau dem “slider” den “backslider” entgegen. Ein backslider ist ein Rückfälliger oder ein Abtrünniger.

14In Matthäus 6:24 heißt es: “Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.” (bibeltext.com 2020)

15Im Original: “Tintamarre“. Etwas Vergleichbares kenne ich in Deutschland nicht. Ein Faschingsumzug käme ihm am nächsten, doch passt dies nicht zum siebten Tag, zum Sonntag. Deshalb habe ich mich für “Feier” entschieden. Ein Tintamarre ist eine Tradition der französischen Einwanderer in die USA (der Akadier), bei der man durch die eigene Gemeinde marschiert und mit improvisierten Instrumenten und anderen Krachmachern Lärm erzeugt, meist zur Feier des National Acadian Day.

16In “Von der Pflicht zum Ungehorsam …” (Absatz 13) spricht Thoreau dieses Problem ebenfalls an:
“Ich höre von einer Versammlung
[…] um einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl auszuwählen; […] der so genannte ehrbare Mensch […] akzeptiert sofort den einen ausgewählten Kandidaten als den einzig verfügbaren und beweist damit, dass er selbst für alle Zwecke eines Demagogen verfügbar ist”.

17Weiter oben wird bereits der Teufel erwähnt: Es ist ein Fan der Corona-Verordnungen oder derjenige, der Einschränkungen akzeptiert und die Corona-Verordnungen nicht verbietet.

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