Corona in Sachsen

[Verantwortung und Gerechtigkeit]

Was Deutschland beunruhigen sollte, ist nicht das Umwelt- oder das Infektionsschutzgesetz, sondern ihre eigene Haltung und Unterwürfigkeit. Lasst das Bundesland [Sachsen] seinen Bund mit den Befürwortern der Corona-Maßnahmen [in Berlin] auflösen. Es[, das Bundesland Sachsen,] mag zappeln und zögern und um Erlaubnis bitten, die Verfassung noch einmal zu lesen; aber es kann kein respektables Gesetz oder einen Präzedenzfall finden, der das Fortbestehen einer solchen Zusammenarbeit auch nur für einen Augenblick rechtfertigt.

Lasst jeden Einwohner des Bundeslandes seine Verbindung mit ihm[, dem Bundesland,] lösen, solange es zögert, seine Pflicht zu tun. […]

[…] Es liegt an jedem Menschen, dafür zu sorgen, dass sein Einfluss auf der Seite der Gerechtigkeit steht, und [dass er] die Gerichte ihre eigenen Wertmaßstäbe bilden lässt. […] Gerechtigkeit ist lieblich und musikalisch; aber Ungerechtigkeit ist streng und dissharmonisch. […]

Nehmen Sie an, dass dieses Sachsen […] etwas anderes ist als niederträchtig und unterwürfig, dass es der Verfechter der Freiheit ist?

Zeigen Sie mir ein freies Bundesland, und ein wahrhaft gerechtes Gericht, und ich werde für sie kämpfen, wenn nötig; aber zeigen Sie mir Sachsen, und ich verweigere ihm[, Sachsen,] meine Loyalität, und drücke meine Verachtung für seine Gerichte aus.1

Die Wirkung einer guten Regierung ist, das Leben wertvoller zu machen… einer schlechten, es weniger wertvoll zu machen. […] [Regierungen]

Was man Politik nennt, ist vergleichsweise etwas so Oberflächliches und Unmenschliches, dass ich tatsächlich nie richtig erkannt habe, dass es mich überhaupt betrifft. Ich nehme an, dass die Zeitungen einige ihrer Kolumnen speziell der Politik oder der Regierung unterwürfig widmen; und das, so würde man sagen, ist alles, was sie[, die Regierung, noch] rettet; aber da ich die Literatur liebe, und in gewissem Maße auch die Wahrheit, lese ich diese Kolumnen jedenfalls nie. Ich möchte mein Rechtsempfinden nicht so sehr abschwächen. […] Es ist ein seltsames Zeitalter, in dem Imperien, Königreiche und Republiken an die Tür eines Privatmannes klopfen und ihre Beschwerden in seinen Intimbereich tragen! Ich kann keine Zeitung mitnehmen, ohne festzustellen, dass die eine oder andere unglückliche Regierung mich, den Leser, stark bedrängt oder auf den Knien anfleht, – für sie zu stimmen – aufdringlicher als ein italienischer Bettler2; und wenn ich die Absicht habe, die Unterlagen [des Bettlers] anzuschauen, die vielleicht von irgendeinem wohlwollenden Kaufmannsbeamten oder dem Schiffer, der diesen [Bettler] hergebracht hat, ausgestellt wurden, denn er selbst [der Bettler] kann kein Wort Deutsch, werde ich wahrscheinlich von dem Ausbruch des Vesuvs oder der Überflutung durch einen echten oder gefälschten Po3 lesen, was ihn in diesen Zustand gebracht habe. […] Der arme Präsident, der damit beschäftigt ist, seine Popularität zu bewahren und seine Pflicht zu erfüllen, ist völlig ratlos. Die Zeitungen sind die herrschende Macht. Jede andere Regierung[, als die der Zeitungen,] wird im Bundestag auf ein paar Abgeordnete reduziert4. Wenn ein Mensch es versäumt, die Zeitung5 zu lesen, wird die Regierung vor ihm auf die Knie fallen, denn das ist der einzige Verrat in diesen Tagen.6

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Anmerkungen

1 —-

2Cramer (Thoreau und Cramer 2013) meint, Thoreau hätte “The French and Italian Notebook” von Nathaniel Hawthorne (Hawthorne 2009) gelesen, in welchem beschrieben wird, wie Hawthorne ständig von Bettlern in Rom belästigt wird.

3Ein Fluss in Norditalien

4Im Original: “im Fort Independence auf ein paar Marinesoldaten reduziert.”

5Im Original: Daily Times”

6Dieser Absatz stammt aus der Schrift “Leben ohne Prinzipien” von Henry David Thoreau (Thoreau, Emerson, und Schieferdecker 2021, 151-52)

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