Corona in Sachsen

[Ich habe mein Land verloren]

Wir können es uns leisten, dass die Eisenbahn und alle bloß materiellen Güter etwas von ihrem Wert verlieren, denn das zwingt uns nur, einfacher und sparsamer zu leben; aber nehmen wir an, dass der Wert des Lebens selbst vermindert werden sollte! Wie können wir [noch] weniger Ansprüche an Mensch und Natur stellen, wie [können wir noch] sparsamer leben in Bezug auf die Tugend und alle edlen Eigenschaften, als wir es [bereits] tun? Ich habe im letzten Jahr1 mit dem Gefühl gelebt, einen großen und unbestimmten Verlust erlitten zu haben und ich denke, dass jeder Mensch in Sachsen, der des Gefühls des Patriotismus fähig ist, eine ähnliche Erfahrung gemacht haben muss? Ich wusste zuerst nicht, was mich bedrückte. Endlich wurde mir klar, dass ich ein Land verloren hatte. Ich hatte die Regierung […] nie respektiert, aber ich hatte törichterweise gedacht, dass es mir gelingen könnte, hier zu leben, mich um meine privaten Angelegenheiten zu kümmern und sie[, die Regierung,] zu vergessen. Ich für meinen Teil habe den Antrieb, ich kann nicht sagen, wie viel davon, meinen alten und wertvollsten Bestrebungen nachzugehen, verloren und ich fühle, dass meine Investition in das Leben hier viele Prozente weniger wert ist, seit Sachsen gegen Menschen vorgeht, die gegen die Corona-Verordnungen verstoßen und für unser Grundgesetz kämpfen.2 Vorher lebte ich vielleicht in der Illusion, dass mein Leben nur irgendwo zwischen Himmel und Hölle verlief, aber jetzt kann ich mich nicht [mehr] davon überzeugen, dass ich nicht ganz in der Hölle wohne. Die Örtlichkeit dieser politischen Organisation namens Sachsen ist für mich moralisch mit vulkanischen Schlacken und Asche bedeckt, wie sie Milton in den höllischen Regionen beschreibt.3 Wenn es eine Hölle gibt, die prinzipienloser ist als unsere Herrscher und wir, die Beherrschten, dann bin ich neugierig, sie zu sehen. Da das Leben selbst [nun] weniger wert ist, sind alle Dinge, die ihm dienen, auch weniger wert. Nehmen wir an, Sie haben eine kleine Bibliothek, mit Bildern, die die Wände schmücken, einen Garten, der ringsherum angelegt ist, und [Sie] erwägen wissenschaftliche und literarische Beschäftigungen usw., und entdecken auf einmal, dass Ihre Villa mit allem Inhalt in der Hölle liegt und dass der Friedensrichter einen Pferdefuß hat4 – verlieren diese Dinge nicht plötzlich ihren Wert in Ihren Augen?

Ich habe das Gefühl, dass das Bundesland Sachsen in gewissem Ausmaß verhängnisvoll in meine rechtmäßigen Geschäfte eingegriffen hat. Es hat mich nicht nur bei meinem Durchgang durch die Einkaufsstraße5 bei meinen geschäftlichen Besorgungen unterbrochen, sondern es hat mich und jeden Menschen auf seinem Weg voraus und nach oben unterbrochen, auf dem er darauf vertraut hatte, die Einkaufsstraße bald hinter sich zu lassen. […] Ich musste feststellen, dass dies bedeutungslos war, worauf ich mich als sicher und stabil verlassen hatte.

Ich bin überrascht, Menschen zu sehen, die ihren Geschäften nachgehen, als ob nichts geschehen wäre. Ich sage mir: “Unglückliche! Sie haben die Nachricht nicht gehört.” Ich wundere mich, dass der Mann, den ich gerade 6 getroffen habe, so ernsthaft bemüht ist, seine neu gekauften Kühe zu überholen, die ihm weglaufen … – denn alles Eigentum ist unsicher […]. Narr! Weiß er nicht, dass sein Saatkorn dieses Jahr weniger wert ist? – dass alle segensreichen Ernten ausfallen, wenn man sich dem Reich der Hölle nähert? Kein kluger Mensch wird unter diesen Umständen ein steinernes Haus bauen, oder sich auf irgendein friedliches Unternehmen einlassen, das eine lange Zeit zur Vollendung erfordert. Die Kunst ist so lang [andauernd] wie immer7, aber das Leben ist mehr unterbrochen und weniger verfügbar für die eigentlichen Beschäftigungen eines Menschen. Es ist kein Zeitalter der Ruhe. Wir haben alle unsere ererbte Freiheit aufgebraucht. Wenn wir unser Leben retten wollen, müssen wir darum kämpfen.

Ich gehe zu einem unserer Teiche; aber was bedeutet die Schönheit der Natur, wenn die Menschen niederträchtig sind? […] Wer kann gelassen sein in einem Land, in dem sowohl die Herrscher als auch die Beherrschten keine Prinzipien haben? Die Gedanken an mein Land verderben mir meinen Spaziergang [in die Natur]. Meine Gedanken sind Mord am Bundesland, und unwillkürlich verschwören sie sich gegen es.

[Hoffnung]

Aber es traf sich, dass ich am anderen Tag den Duft einer weißen Wasserlilie8 wahrnahm, und die Zeit, auf die ich gewartet hatte, war gekommen. Sie[, die weiße Wasserlilie,] ist das Sinnbild der Reinheit.9

Sie explodiert [geradezu] so rein und schön in unser Auge, und [mit] einem so süßen Duft, als ob sie uns zeigen wolle, welche Reinheit und Süße im und aus dem Schlamm und Dreck der Erde extrahiert werden kann. Ich glaube, ich habe die erste gepflückt, die sich seit einem Kilometer geöffnet hat. Welch eine Bestätigung unserer Hoffnungen liegt in dem Duft dieser Blume! Ich werde nicht so schnell an der Welt verzweifeln, trotz der Corona-Verordnungen und der Feigheit und Prinzipienlosigkeit der Deutschen10. Sie[, die weiße Seerosse,] deutet an, welche Art von Gesetzen am längsten und am weitesten vorherrschten und immer noch vorherrschen, und dass die Zeit kommen mag, in der die Taten der Menschen ebenso süß duften werden. Das ist der Geruch, den die Pflanze verströmt. So lange die Natur diesen Duft jedes Jahr zusammensetzen kann, werde ich glauben, dass sie noch jung und voller Kraft ist, dass ihre Integrität und ihr Genie unbeeinträchtigt sind, und dass es auch im Menschen [eine] Tugend gibt, die geeignet ist, sie zu erkennen und zu lieben. Es erinnert mich daran, dass die Natur kein Partner für Demütigungen durch Gesetze11 gewesen ist. Ich rieche keine Demütigungen im Duft der Seerose. Es ist keine Nymphoea Drostenii12. In ihr ist das Süße, Reine und Unschuldige völlig getrennt vom Obszönen und Unheilvollen. Ich rieche hierin nicht die zeitraubende Unentschlossenheit eines Ministerpräsidenten von Sachsen oder eines Bürgermeisters von Dresden. Verhalte dich so, dass der Duft deiner Handlungen die allgemeine Süße der Atmosphäre verstärken kann13, damit wir, wenn wir eine Blume sehen oder riechen, nicht daran erinnert werden, wie unvereinbar deine Taten mit ihr sind; denn jeder Duft ist nur eine Form der Werbung für eine moralische Qualität, und wenn keine anständigen Handlungen durchgeführt worden wären, würde die Lilie nicht süß riechen. Der faulige Schleim steht für die Trägheit und das Laster des Menschen, den Verfall der Menschheit; die duftende Blume, die aus ihm entspringt, für die Reinheit und den Mut, welche unsterblich sind.

Corona-Verordnungen und Knechtschaft haben nicht jedes Jahr eine süß duftende Blume hervorgebracht, um die Sinne der Menschen zu bezaubern, denn sie haben kein wirkliches Leben: sie sind nur ein Verfall und ein Tod, widerwärtig für alle gesunden Nasenlöcher. Wir beklagen nicht, dass sie leben, sondern dass sie nicht begraben werden. Lasst die Lebenden sie begraben14: auch sie sind gut für Dünger.

Literaturangaben…. ->

Anmerkungen

1Im Original: “den letzten Monat”

2Im Original: “zuletzt absichtlich einen unschuldigen Mann, Anthony Burns, in die Sklaverei zurückgeschickt hat.” Im Original zwingt der Staat Massachusetts einen Menschen mit Gerichten und Polizei dazu, in der Sklaverei zu leben, in meiner Version zwingt er Menschen dazu, unter den Corona-Verordnungen zu leben.

3Hier bezieht er sich auf John Milton’s Werk Paradise Lost. In Buch I, Zeile 59-71 (Milton o. J.) lesen wir:
“Auf einmal so weit wie Engel sehen, erkennt er / die düstere Lage wüst und wild, / ein Kerker schrecklich, auf allen Seiten rund / wie ein großer Ofen flammte, doch von diesen Flammen / kommt kein Licht, sondern Dunkelheit, / die nur dazu dient, Anblicke des Elends zu entdecken, / Regionen des Kummers, trübselige Schatten, wo Frieden / und Ruhe nie wohnen können, Hoffnung kommt nie, / die zu allen kommt; aber Qual ohne Ende/ bedrängt sie immer noch, und eine feurige Sintflut, gespeist / mit immer brennendem Schwefel, unverbraucht: / Solch einen Ort hatte die ewige Gerechtigkeit / für die Aufmüpfigen vorbereitet, und hier ihr Gefängnis bestimmt”

4Der Teufel hat einen Pferdefuß (mit Huf, vergleiche Fußnote 9) und einen gegabelten Schwanz.

5Im Original: “Court Street“. Auch sie war so etwas, wie eine Einkaufsstraße, in welcher zudem das Gericht lag, deshalb “Court Street” = “Straße des Gerichts”.Durch die Schließungen der Geschäfte auf Grund der Corona-Verordnungen wurde Henry David Thoreau dabei gestört, seinen Geschäften nachzugehen. Es macht keinen Sinn mehr, eine Straße hinunter zu gehen, wenn die Geschäfte geschlossen sind und Handwerksbetriebe eventuell nicht offen haben. Eine Straße hinunterzugehen bedeutet auch: Etwas tun, zu leben, seinen Weg zu gehen. Das Bundesland Sachsen störte also Henry David Thoreau ganz allgemein in seinem Leben, denn eigentlich wollte er mit dem Bundesland ja nichts zu tun haben.

6Im Original: “auf seinem Pferd”

7Es bedeutet, dass die Kunst, die man schafft, das Leben überdauert und lange weiterbesteht, auch wenn das eigene Leben eher kurz ist.
Cramer (Thoreau und Cramer 2013) weist auf “Vita brevis, ars longa” (“Die Kunst ist lang, das Leben ist kurz”) hin, was auf Hippokrates zurück geht. Auf Deutsch heißen die Zeilen bei Hippokrates: “Das Leben ist kurz, / und Kunst lang, / Gelegenheit flüchtig, / Experimente gefährlich, / und Urteil schwierig.” (Hippokrates und Addams o. J.)
Henry David Thoreau könnte sich auch auf “A Psalm of Life” von Henry Wadsworth Longfellow (Longfellow und Poetry Foundation 2021) beziehen:
“Art is long, and Time is fleeting, / And our hearts, though stout and brave, / Still, like muffled drums, are beating / Funeral marches to the grave.” (“Kunst ist lang und die Zeit flüchtig, / Und unsere Herzen, obwohl kräftig und mutig, / Trotzdem schlagen sie wie gedämpfte Trommeln / Trauermärsche ins Grab.”)
Henry Wadsworth Longfellow war ein bekannter amerikanischer Dichter und ein Zeitgenosse Henry David Thoreaus, er wurde in Concord, Massachusetts, geboren.

8Obwohl die Seerose keine Lilie ist, wird sie als Wasserlilie bezeichnet

9Die weiße Seerose (weiße Wasserlilien) heißt auch “Europäische Wasserlilie”.

10Im Original: “der Nordstaaten”

11Im Original: “Missouri-Kompromiss. Da hier zweimal “Kompromiss” kommt, musste ich etwas finden, mit dem ich beide Begriffe sinnvoll ersetzen konnte. “Demütigungen” passt hier einigermaßen.

12Eine Nymphoea ist eine Seerose. Drostenii ist eine Anspielung auf Christian Drosten, einen Angestellten der Charite in Berlin, dessen Aussagen letzten Endes zu Einschränkungen der Grundrechte führten.

13Eine originelle Abwandlung des Kategorischen Imperatives von Immanuel Kant: “Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.” (Kant o. J., §7)

14Könnte ein Bezug auf Matthäus 8:22 sein:
“Aber Jesus sprach zu ihm: Folge du mir und lass die Toten ihre Toten begraben!” (bibeltext.com 2020)

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