Der Geldfluss – VWL für Dummies, Teil 2

Als Modell ist es sinnvoll, sich Geld wie Flüsse oder Bäche vorzustellen, die manchmal als Rinnsale Gebiete durchfließen, manchmal aber auch Seen und Meere erzeugen – aber auch Wüsten, nämlich da, wo sie nicht fließen können. So, wie es ohne Wasser keine Flüsse und Seen gäbe, gäbe es ohne Geld (oder dem entsprechende Zahlungsmittel) auch keinen Reichtum. Oder anders ausgedrückt: Nur da, wo Geld fließt, werden die Adern des Wirtschaftszombies durchflossen und das Fleisch wird rosa, da, wo kein Geld fließt, sterben die Gebiete ab.

Ein sehr einfaches Beispiel:

Stellen Sie sich vor, es gäbe nur einen Arbeiter und einen Unternehmer, der z.B. einen Laden hat. Sie merken schon, das Modell hinkt, aber es ist wichtig, um die Grundlagen zu verstehen. Stellen Sie sich weiterhin vor, es gäbe nur 100 Euro in dieser Welt.

Der Arbeiter produziert Waren für den Händler. Dafür bekommt er vom Händler 100 Euro nach einem Arbeitstag. Am Ende des Arbeitstages kauft der Arbeiter dem Händler Waren für 100 Euro ab. Am nächsten Tag wiederholt sich das Spielchen. Der Arbeiter arbeitet, bekommt dafür 100 Euro und kauft dem Händler Waren für 100 Euro ab. Eigentlich rotieren nur 100 Euro, aber am Ende eines Monats, mit sagen wir 22 Arbeitstagen, hat jeder 2200 Euro verdient (und ausgegeben).
Natürlich ist das System etwas komplexer, denn auch der Händler muss ja wiederum Waren für sich selbst kaufen, etc.

Erhöhen wir die Geschwindigkeit des Geldflusses und der Arbeiter bekommt nun für einen halben Arbeitstag 100 Euro, gibt diese sofort beim Händler aus, etc., so verdienen beide 4400 Euro im Monat.

Man merkt, dies funktioniert nur, wenn beide mitspielen. Der Arbeiter muss das Geld, das er verdient, ausgeben, damit es ihm der Händler als Lohn auszahlen kann. Er muss es sogar in einem bestimmten Zeitraum ausgeben, denn sonst kippt das System.

Gleich an dieser Stelle: Dieses Geld-Fluss-System ist unabhängig vom Wert der Ware. Wenn sich alle darauf einigen, das komplett verdiente Geld auszugeben, ist es nicht notwendig, Preisanpassungen vorzunehmen, denn sie würden nichts ändern, außer, dass durch höhere Preise das System mit weniger Ware (Mengenmäßig) funktionieren müsste. Damit alle genug Waren hätten, könnte man aber wiederum die Geldmenge erhöhen oder es schneller fließen lassen, etc.

Und nun zum Horrorszenario: Schäuble tritt auf und fängt an zu sparen.

Der Arbeiter verdient 100 Euro an einem Tag: Dieses Geld gibt er komplett aus und kauft dafür Ware beim Händler. Dieser hat dummerweise von Schäuble gelernt, dass man sparen soll um sich dann einmal ganz ganz viel kaufen zu können. Also sagt er zum Arbeiter: „Ich kann dir nur noch 80 Euro bezahlen, denn ich muss sparen. Du musst kürzer treten!“ Der Arbeiter hat keine Wahl, da das ganze Geld ja nun der Händler besitzt und muss zustimmen. Kurz darauf Kommt der Händler wieder an und sagt wieder: „Alles ist so teuer und ich muss sparen, ich kann dir nur noch 60 Euro bezahlen“. Nun zirkulieren in unserem System nur noch 60 Euro, wobei der Händler mindestens 40 Euro hat und sein Vermögen zwischen 40 und 100 Euro schwankt, das des Arbeiters jedoch zwischen 60 und 0 Euro. Das Durchschnittsvermögen des Arbeiters liegt also bei 30 Euro, das des Händlers bei 70 Euro. Der Durchschnittsverdienst ist jedoch bei beiden bei 60 Euro mal 22 tage, also bei 1320 Euro.
Gleichzeitig kann sich der Arbeiter weniger Waren kaufen – bei unveränderten Preisen. Sein Wohlstand sinkt, der des Händlers aber leider auch.

Das passt dem Händler nicht. Der Händler hat Geld angespart und um dies weiter zu vermehren, beschäftigt er einen zweiten Arbeiter für 40 Euro am Tag. Nun rotieren wieder 100 Euro, wenn er beide gleichzeitig auszahlt. Der Händler verdient wieder 2200 Euro im Monat, der eine Arbeiter jedoch 1320 und der andere 880.

Wird nun Geld wieder dem System entzogen, meist von dem, der am meisten hat, weil er es nicht ausgeben muss um seinen Lebensunterhalt sicher zu stellen, müssen die Löhne wieder sinken.

Erweitern wir das System. Unsere Arbeiter wollen nun nicht mehr alles beim Händler ausgeben, sondern lieber ihr Geld versaufen. Sie gehen also abends, nachdem sie Lohn erhalten haben, in eine Kneipe und versaufen ihr ganzes Geld, 60 + 40 Euro. Der Wirt benötigt Nachschub für den nächsten Abend und geht zum Händler und kauft dort wieder Getränke für 100 Euro. Und der Kreislauf beginnt von vorne. Nur hat jetzt auch noch der Wirt einen ansehnlichen Monatsverdienst.

Nun kann man noch am Warenwert schrauben.
Der Wirt kauft Waren (sagen wir Bier) im Wert von 50 Euro, die er dann für 100 Euro an die beiden Arbeiter verkauft. Die gesparten 50 Euro verwendet er um eine Bedienung für 50 Euro am Abend einzustellen. Diese freut sich über das Geld und kauft sich am nächsten Morgen für 50 Euro schöne Sachen beim Händler, der Wirt kauft für 50 Euro wieder sein Bier und am Abend bekommen die beiden Arbeiter ihren Lohn.

Dies funktioniert, so lange die Arbeiter zufrieden sind, dass sie jetzt nur noch die halbe Menge Bier beim Wirt bekommen.

Wenn sie sich beschweren, kann der Wirt sagen: “Tut mir leid, ich muss meine Bedienung bezahlen, sie ist schuld, dass ihr so viel fürs Bier bezahlen müsst.” Die Arbeiter ärgern sich über die Bedienung, merken aber gar nicht, dass der Wirt und der Händler viel Geld an diesem System verdienen und sie letzten Endes dafür zahlen, damit diese keine finanziellen Einbußen haben.

Sie stellen Kohlschröder als Berater ein. Nun wissen sie, wie man noch weiter die Löhne drücken kann. Der Wirt und der Händler äußern nun: “Wir haben so viele Arbeitslose, wir müssen alle (sie selbst natürlich nicht) unseren Gürtel enger schnallen, damit mehr Leute Arbeit bekommen. Jeder Arbeitnehmer muss ab sofort 10 Euro Aufbau-Arbeit bezahlen, damit wir mehr Leute einstellen können.”
Also verzichten alle Arbeitnehmer auf jeweils 10 Euro, also 30 Euro insgesamt, wovon dann der Händler 2 Aushilfskräfte für 10 Euro am Tag und der Wirt eine weitere Kraft für 10 Euro am Tag einstellt. Der Durchschnittsverdienst der Arbeiter sinkt, vom Wirt und Händler aber bleibt er gleich: Begründung: “Wir müssen ja eure Löhne bezahlen, wenn ihr uns auch etwas wegnehmt, dann gibt es weniger Arbeitsplätze!“.

Nun kann man noch etwas Zeitversetzung einbauen und einen Außenhandelskreislauf.

In der Zeit zwischen dem Einkauf des Wirts und der Auszahlung des Lohnes, hat der Händler Geld, um Waren zu kaufen. Sagen wir einmal, er würde für 10 Euro Waren in einem Entwicklungsland kaufen, die er dann für 100 Euro wieder weiterverkaufen könnte im Inland. Dadurch hätte er bei der Lohnauszahlung allerdings nur noch 90 Euro (denn 10 Euro hat er ja im Ausland ausgegeben). Wenn er die Löhne weiter drückt, kann ihm der Wirt nicht mehr 100 Euro für die Ware bezahlen. Also zahlt er die Löhne (jetzt 50-30-10-10) etwas zeitversetzt aus und überredet den Wirt einmal früher und einmal später (also zweimal) am Tage bei ihm einzukaufen, da ja auch er weiterhin 100 Euro am Tag an den Arbeitern verdienen möchte.
Somit kauft der Wirt nachdem der erste Arbeiter bei ihm 50 Euro ausgegeben hat, bereits genügend Nachschub und der Händler kann von diesen 50 Euro die drei weiteren Arbeiter bezahlen, die dann wieder zum Wirt gehen, etc.

Fortan zahlt er – wegen der Zeitversetzung, nur noch 50 Euro an die Arbeiter aus – die zweiten 50 ja erst, nachdem er das Geld wieder vom Wirt hat – und hat 40 Euro übrig (denn für 10 hat er ja Waren gekauft) um damit anderweitig Geschäfte zu machen. Dass sich plötzlich nur noch 50 Euro im Umlauf befinden merken weder Der Wirt noch die 6 Arbeitnehmer und der Händler hat entweder 40 Euro nach Panama geschafft oder versucht damit andere Geschäfte anzuregen und sein Geld wieder zu mehren.

Wichtig ist: Wer wenig verdient, also wenig Geld zur Verfügung hat, muss dieses komplett ausgeben – heute, in der Realität. Die Geringverdiener, Arbeitslosen, Hartz4-Empfänger, Obdachlosen, etc. sind die eigentliche Stütze der Gesellschaft, weil sie das System nicht steuern, beeinflussen oder verändern können. Sie sind ihm ausgeliefert. Steuern, wohin Gelder fließen, können nur diejenigen, die so viel haben, dass sie über die Art und Weise der Ausgabe weitestgehend entscheiden können.
Deshalb ist es für Kapitalisten – Menschen mit viel Geld-Kapital – wichtig, Armut zu erzeugen und die Löhne zu senken. Je mehr Menschen arm sind, desto stabiler ist das System, um so mehr wird es gestützt und umso weniger können an den Geldströmen etwas ändern oder diese beeinflussen. Sie alleine lenken das System.

Um noch auf die Rolle der Banken zu kommen: Sie können Geld ausgeben, das nicht vorhanden ist.

Der Wirt kann ihnen z.B. die 40 Euro, die er jetzt übrig hat, als Sicherheit geben, dafür bekommt er von den Banken 400 Euro. das funktioniert, weil die Banken nur 10% des Geldes, das sie ausgeben, auch tatsächlich besitzen müssen. Sie drucken quasi einfach das Geld. (siehe Doku: “Die große Geldflut – Wie Reiche immer reicher werden” auf diesem Blog)