Die identitäre Epoche geht zu Ende

Es wird Zeit zu erkennen, dass “Du bist…” menschenverachtend ist. Vielleicht, hoffentlich kommt ein Umdenken.

Vorwort von Christina

Der Text “Die identitäre Epoche geht zu Ende” stammt von der Website der “Aktion Transsexualität und Menschenrecht (ATME e.V.)”.

Man könnte diesen Text wie eine Fortführung zweier Texte auf meiner Seite lesen: Dem Text über Maslow und die Identität, so wie meinem Artikel “Man trägt wieder Stern“.

Es ist ein sehr schöner, nicht von mir verfasster Text über Identitäten im Sinne von Fremdzuweisungen. Nimmt man solche (wie z.B. Trans*, Inter*) für sich selbst an, so zeugt dies davon, dass man sich unterordnet und verachtende Fremdzuweisungen in Ordnung findet. Wörter mit den Genderstar sind immer verächtlich gemeint.

Wirklich traurig ist, dass wir in einer Welt der Verachtung leben und diejenigen, die andere am meisten verachten, dies als “Akzeptanz” verkaufen wollen. So, wie man jetzt, die Menschenverachtung im Corona-Experiment als “Solidarität” verkauft. Das ist mehr als zynisch, denkt man an die ganzen Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, an die armen Länder der Erde, denen nun die Entwicklungshilfe gestrichen wird, den Selbstständigen, die Konkurs gegangen sind, usw. Wo ist da die Solidarität?

Wie gesagt, wir leben in einer Zeit der Heuchelei und der Verlogenheit.

Im Text “Die identitätre Epoche geht zu Ende” schwingt die Hoffnung mit, dass diese Zeit sich einem Ende zuneigt. Die übertriebenen, zutiefst menschenverachtenden Maßnahmen, die wir gerade erleben, lassen hoffentlich ein paar Menschen aufwachen. Vielleicht sind dann auch einige bereit, das Kind wieder beim Namen zu nennen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es ja.

Die Identitäre Epoche geht zu Ende

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Verfasst am 17. April 2020.

Mittlerweile ist uns klar, warum manche Menschen ein Problem damit haben, unsere Positionen, die auf Menschenrechten und Freiheit basieren, zu verstehen. Es liegt daran, dass wir am Ende der identitären Epoche stehen und diese gerade auf den Höhepunkt zusteuert. Was heisst das? Identitäre Epoche?

In einer identitären Epoche geht es um Mitgliedschaften und nicht um Inhalte. Es geht um das Dazugehören zu einer Gruppe, anstatt um einen Austausch. Das Dazugehören wird dann kodiert und mit bestimmten Symbolen versehen. Der Genderstern ist beispielsweise so ein Symbol. Verwendeste ihn, gehörst Du zu einer Gruppe dazu. Verwendest Du ihn nicht, dann gehörst Du einer anderen Gruppe an.

Kommunikation innerhalb von identitären Epochen läuft dann auch nicht zum Zeck des Austausches von Inhalten ab, sondern als Battle der Identitäten. Jede Identitätsgruppe nutzt Sprache dafür, um die andere Gruppe abzuwerten und die eigene Gruppe aufzuwerten. Da die andere Gruppe abgewertet wird, verlaufen Unterhaltungen meistens auf dieser Ebene ab: Es wird denunziert, beleidigt, abgewertet. Um die andere Gruppe dann möglichst gut abwerten zu können, werden Substantive gefunden. “Nazis”, “linksgrünversifft”, “Verschwörungstheoretiker”, etc.

Diese Form der Kommunikation sorgt für die Grenzziehungen zwischen den Identitäten. Es ist eine Kommunikation des Krieges.

Unser Anspruch war immer, diesen Krieg nicht zu führen, sondern sich inhaltlich mit einem Thema auseinanderzusetzen. Wir empfinden es als armselig, sich in Identitäten zu spalten, weil wir Menschen für Menschen halten. Wir lehnen aus diesem Grund “Trans*”, “Inter*” und alle anderen Identitäten ab. Identitäten erachten wir als hässliche Fratze einer Welt, in der Menschen sich nicht mehr als Mensch begegnen können, sondern nur noch als Clubmitglieder.

Das Thema, das uns beschäftigt ist, ob Menschen bereit sind anzuerkennen, dass körperliche Merkmale vom Geschlecht abweichen können. Das nennen wir “Transsexualität”. Diese Körpervariationen existieren, davon gehen wir aus. Und wir gehen deswegen auch davon aus, dass Menschen existieren, deren Körper vom Geschlecht abweicht. Mit “Trans*” hat das nichts zu tun. Es ist übergriffig, wenn aus Transsexualität eine Frage der Identität gemacht wird. Wir lehnen die Konstruktion von Identitäten ab.

Oft sind uns Leute in den letzten Jahren begegnet, die uns auch als Teil der einen oder einer anderen Identität angesehen haben. Da gab es die “echten Transsexuellen” (häufig diejenigen, die sich einer rechten Identität zuordnen) die uns zugepflichtet hatten, weil sie dachten, wir grenzen uns auch – wie sie – von “Transidenten” ab. Und es gab dann Menschen, die sich auf Grund ihrer Haltung eher als “Identitätslinke” einsortieren würden, die dann glaubten, wir wären wie sie Anhänger einer “Trans*”-Haltung.

Beidem möchten wir widersprechen. Da wir die Konstruktion von Identität ablehnen, ordnen wir uns keinen Identitäten zu. Identität zu konstruieren ist autoritär, hierarchisierend, patriarchal, abgrenzend und “den Anderen” (der dann ja zu diesem Zweck konstruiert wird) abwertend.

Warum sind wir am Ende der identitären Epoche? Wir sehen angesichts der aktuellen Entwicklung – auch uns insbesondere angestossen durch einen kleinen Virus – auf dieser Welt, dass Menschen krampfhaft an identitären Einteilungen festhalten wollen. Wir stecken im totalen Krieg der Identitäten, der vor allem über Medien ausgefochten wird und die Angst vor der Apokalypse zum Inhalt hat. Um Fakten geht es da schon lange nicht mehr. Der totale Krieg der Identitäten wird, so eine These, irgendwann zum totalen Zusammenbruch der Identitäten führen. Was wir danach erleben werden ist – möglicherweise – die Erkenntnis, dass in Demokratien Kommunikation das Ziel hat, Inhalte auszutauschen. In Demokratien gibt es Rede und Gegenrede, in Wissenschaften in demokratischen Staaten These und Antithese. Wir werden uns an diese demokratischen Grundwerte erinnern.

Sobald wir uns an diese demokratischen Grundsätze erinnern – das wird nach der identitären Epoche geschehen – werden wir über Transsexualität reden können. Weil wir uns dann über Inhalte austauschen können. Von Mensch zu Mensch. Dann werden sich Menschen wieder zuhören.