Die Leopoldina: Wenn Wissenschaft zum Treppenwitz wird

Das Interview in der FAZ

Man glaubt es kaum, kennt man sich mit Wissenschaftlichkeit aus – und mit Logik. Ich sitze mal wieder, nichts ahnend, an meinem Rechner, bekomme Artikel vorgeschlagen und was lese ich in der FAZ:

„Corona in Deutschland: ‚Über Monate so konstante Werte, das ist eigentümlich‘“

Eigentlich ist es nicht eigentümlich, da dies ja zeigt, dass die Pandemie vorbei ist. Dazu gibt es ja auch ein schönes Schaubild von der WHO:

Wenn man schon bemerkt, dass es keine Zunahme an Todesfällen gibt, wenn man schon feststellt, das der prozentuale Anteil der Infizierten konstant bleibt, dann weiß man: Die Pandemie ist rum, der Virus ist so gut wie weg. Er ist entweder fast verschwunden, harmloser geworden oder die Herdenimmunität hat gesiegt.

Aber so einfach geben sich die Corona-Hohepriester nicht geschlagen. Wenn sich zeigt, dass ihr Gott, das heilige Corona, nicht mehr in der Welt wirkt, so kann er nicht verschwunden sein, es muss etwas anderes dahinterstecken.

Und nun verläuft es, wie in jeder anderen Sekte, ich habe da ja schon an anderer Stelle darauf hingewiesen.

Doch erst einmal: Wer wurde denn da interviewt, in der FAZ?

Als Mitglied der Corona-Arbeitsgruppe in der Nationalakademie Leopoldina hat der Physiker Dirk Brockmann vom Institut für Theoretische Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin zur neuen Stellungnahme „Wirksame Regeln für Herbst und Winter aufstellen“ einiges beigetragen.“

Ein Physiker – das sind immer die besten Experten, wenn es um Viren geht. Aber wenn er am Institut für Biologie arbeitet, kennt er sich aus. Nur, dass nach dieser Logik, auch die Frau, die sein Büro putzt, Virologin sein müsste, wird gerne unterschlagen. Egal, er hat studiert, er ist also automatisch Virologe.

Die FAZ fragt ihn also:

In den neuen Empfehlungen der Leopoldina wird vorausgesetzt, dass es im Herbst und Winter zu einer verschärften Pandemie-Situation kommt und das Infektionsgeschehen womöglich schwerer in den Griff zu bekommen ist. Mit was genau müssen wir rechnen?

Und er antwortet (ich kürze es etwas, denn sonst ist es kein Zitat mehr):

„Das können wir nicht sagen. Niemand weiß das. […]“

Wie groß ist die Gefahr, dass die Pandemie wieder aufflackert wie in Spanien oder Frankreich?
„Das kann man nicht sagen. Es gibt Modelle, die unterschiedliche Szenarien zeigen. In den einen explodieren die Zahlen, in anderen passiert nicht viel […]“

Welche Information fehlt Ihnen für genauere Prognosen?
„[…] Das Verhalten ändert dann den Verlauf der Pandemie, und das wiederum ändert das Verhalten. Das sind solche Kreisläufe, die intrinsisch ganz schwer vorherzusagen sind. Viele denken, dass unsere Modelle so eine Art Wettervorhersage machen. Man kann solche Kurzzeitprognosen machen, aber was darüber hinausgeht, ist nicht seriös. […]“

Könnte es sein, dass die stabilen Fallzahlen bleiben?
„Wir wissen nicht, wieso die Fallzahlen seit Monaten so konstant sind. Dass eine Epidemie über Monate so konstante Werte hat, ist eigentümlich. Normalerweise breitet sie sich aus, oder sie schrumpft, aber auch in den Gesprächen  mit internationalen Modellierern ist herausgekommen, dass es schwer zu erklären ist.“

Das klingt, als könnte ein Funke ausreichen, die Ausbreitung des Virus auszulösen?

Großartige Frage, die hat das zuvor Gesagte garnicht hergegeben, aber man möchte die Aussagen in eine bestimmte Richtung lenken, was unseren Physiker sichtlich freut, denn er antwortet:

„Genauso ist es. […]“

Von welchen Gruppen in der Bevölkerung geht das größte Risiko aus?
„Es kommt […] darauf an, wie sich die Leute […] verhalten […]“

Hier möchte ich darauf hinweisen, was er zuvor schon sagte:

„[…] Das Verhalten ändert dann den Verlauf der Pandemie, und das wiederum ändert das Verhalten. Das sind solche Kreisläufe, die intrinsisch ganz schwer vorherzusagen sind.“

Doch weiter im Interview:

An welchen Zahlenwerten sollte man sich da orientieren, tatsächlich wie bisher an den Neuinfektionen pro hunderttausend Einwohnern?
„Ich plädiere dafür, sich mehr als eine Variable anzusehen. Die wichtigste ist sicherlich die Zahl der Neuinfektionen pro Tag pro hunderttausend Einwohnern. Aber es ist wichtig, sich auch die zeitlichen Verläufe verstärkt anzusehen. Wir müssen die Beschleunigung mit berücksichtigen. Aus der Dynamik kann man viel herauslesen, das ist in den Naturwissenschaften ein sehr gebräuchliches Vorgehen.“

Ich dachte immer, wichtig wäre, wie schädlich ein Virus ist und nicht die Zahl der Infektionen. Wenn wir alle Schnupfen haben, schließen wir dann die Geschäfte, weil die Infektionen wichtiger sind, als Todesfälle und Ähnliches? Spielt es plötzlich keine Rolle mehr, wie gefährlich ein Virus ist?

Und abgesehen davon: Was der gute Herr Physiker, der jetzt Virusexperte ist, da von sich gibt, was bedeutet das eigentlich? Ist das nicht Nichts-Sagendes Geschwafel? Oder versteht jemand, was das nun genau für den weiteren Verlauf bedeutet? Welche Zahlen sind nun wichtig? Kann es sein, dass er sich um die Antwort herum gemogelt hat? Vielleicht nochmals die Antwort lesen … Nee, finde nichts.

Viele kritisieren, dass jetzt wegen Appellen wie der der Leopoldina vorauseilend zu stark einschränkende Maßnahmen beschlossen werden könnten. Ist das System  mit solchen Eskalationsstufen flexibel genug, um vielleicht doch künftig kurzfristiger zu reagieren?
„[…] Niemand von uns will das Heft an sich reißen.“

Klar, niemand möchte die Verantwortung für den Scheiß übernehmen.

„Das hier ist immer noch eine Pandemie, es gibt keine Herdenimmunität“

Klar, deshalb stagnieren ja auch erklärlicherweise die Zahlen – und dazugibt es keine andere Erklärung, als dass dies irgendwie gefährlich sein muss. Die gefährliche Stagnation. Das gefährliche Ausbleiben vom Massensterben. Das muss etwas Schlimmes sein und zwar…

„Das Schwelbrand-Bild trifft es eben sehr gut.“

Ja, richtig. Niedrige Fallzahlen sind ein „Schwelbrand“. Man könnte auch sagen, dass das Feuer langsam ausgeht, aber nein, es geht nicht aus, es ist nicht totzukriegen, es wird uns alle vernichten!

Das Grundgesetz hat es ja schon verschlungen.

Literaturangaben

Müller-Jung, Joachim. „Corona in Deutschland: ‚Über Monate so konstante Werte, das ist eigentümlich‘“. FAZ.NET. Zugegriffen 26. September 2020. https://www.faz.net/1.6968365.

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