Die Räuber inszenieren Schiller: Drosten in Marbach

Manchmal sind die Dinge so pervers, dass man nicht mehr weiß, ob man sich totlachen oder völlig verzweifeln soll.

Wenn der Laufbursche von Angela Merkel, eine Obrigkeitshörige Drossel, über Schiller zwitschert, dann ist was faul im Staate Dänemark, denn es ist Herbst. November, um genau zu sein. Was macht ein dressierter Singvogel zu dieser Zeit in Marbach?

Bin ich dumm.

Die Räuber müssen das allein schon aus Rache an Schiller im November aufführen1.

Schiller war keinesfalls obrigkeitshörig. Er landete deshalb sogar auf dem Hohen Asperg. Sicher wäre es schön, wenn Drosten zumindest dies ihm nachmachen würde – wobei er leider nach Stammheim müsste, weil der Hohe Asperg nur noch Jugendliche nimmt und damit die RAF in neuem Licht erscheinen ließe. Also doch keine so gute Idee.

Vielleicht sollten wir uns alle in Marbach am Tor aufstellen und uns zurufen:

“Durch diese Hohle Gasse muss er kommen!”

Dann fallen wir ihm entgegen und rufen:

“Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht,
wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,
wenn unerträglich wird die Last – greift er
hinauf getrosten Mutes in den Himmel,
und holt herunter seine ew’gen Rechte,
die droben hangen unveräußerlich
und unzerbrechlich wie die Sterne selbst

Ja, wir sollten uns am Tor aufstellen und Wilhelm Tell zitieren.

An anderer Stelle schreibt Schiller “über die ästhetische Erziehung des Menschen”. Dazu Wikipedia:

Dieses Prinzip, Freiheit durch Freiheit zu geben, entwickelt Schiller nun in größerem Stil zu einem ‘ästhetischen Staat’, in dem der ‘schöne Umgang’ gelebt wird und das ‘Ideal der Gleichheit erfüllt’ ist. Der Schönheit wird hier ein ‘geselliger Charakter’ verliehen, der ‘Harmonie in die Gesellschaft’ bringt, weil er Harmonie im Individuum erzeugt. Durch gelebte Zuneigung wird im ‘ästhetische Staat’ die Leibeigenschaft verschwinden und alle Menschen des Staates werden zu freien Bürgern mit gleichen Rechten.” (Wikipedia)2

“Freiheit durch Freiheit”, Herr Drosten! Doch das geht nur, mit einem “geselligen Charakter” – am besten in einer Kneipe, natürlich.

“Ich fühle eine Armee in meiner Faust – Tod oder Freyheit!”

Der Schiller-kenner Drosten müsste eigentlich sagen:

“Ich bin mein Himmel und meine Hölle.”

Doch er interpretiert Schiller anders:

“Je mehr ich mich als Individuum aus freien Stücken verantwortlich verhalte, desto weniger Anlass gebe ich dem Staat, ins gesellschaftliche Leben einzugreifen. Je unbedachter und egoistischer ich aber handele, desto eher muss der Staat meine Freiheit beschränken, um das Gemeinwesen wie auch das Wohlergehen der anderen Menschen wirksam zu schützen.”3

(“Das also war des Pudels Kern!”, mag da jemand denken)

Das hätte der Tell vorher wissen sollen.

Oder es war ihm einfach wurst.

“Mir ekelt vor diesem Tintenklecksenden Sekulum.”

Anmerkungen

1Die Uraufführung von “Die Räuber” war am 28. November 1804, außerdem hat Schiller am 10. November 1759 das Licht der Welt in Marbach erblickt. damals wusste er noch nicht, dass einmal Drosten über ihn eine Rede halten würde, sondern wäre er im Mutterleib geblieben.

2„Über die ästhetische Erziehung des Menschen – Wikipedia“, zugegriffen 11. November 2020, https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_die_%C3%A4sthetische_Erziehung_des_Menschen.

3Christian Drosten, „Schillerrede: ‚Die Pandemie ist kein unabwendbares Schicksal‘“, Die Zeit, 8. November 2020, Abschn. Kultur, https://www.zeit.de/kultur/2020-11/schillerrede-christian-drosten-virologe-deutsches-literaturarchiv-marbach/komplettansicht.

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