Die Urheberentrechtung – Artikel 13 und Co.

Ich bin ein großer Fan des freien Internets. Ich hasse es, auf Gutenberg und Co. Über Proxyserver zugreifen zu müssen, wegen des Urheberrechts toter Autoren.

Sicherlich muss man das Recht lebender Autoren schützen – vor allem ihre Einnahmen schützen. Denn wenn ihr Werk zwar geschützt ist, das aber finanziell keine Auswirkungen hat, kann man das Urheberrecht auch in die Tonne treten.

Wie es aussieht, ist das neue „Urheberrecht“ ein Recht zur Entrechtung der Urheber – um ihnen Geld weg zu nehmen, statt es ihnen zu geben. Nicht nur die Verbraucher wurden mit dem neuen Urheberrecht über den Tisch gezogen, auch die Autoren.

Dass die GEMA, die die Rechte von Musikern zwangsverwaltet, nicht gerade für diese gut ist, ist ein alter Treppenwitz: Die Reichen werden reicher und die armen ärmer, oder anders gesagt: Bist du ein kleines Würstzchen als Musiker, darfst du zwar GEMA-Gebühren bezahlen, bekommen tust du aber so gut wie nix, denn die Einnahmen gehen nur an die Großen. Höflich aud´sgedrückt wird dies im Handelsblatt so formuliert:

„Zum Stein des Anstoßes wird diese Praxis für viele Künstler dadurch, wie die Gema in all diesen Fällen die Einnahmen auf ihre Mitglieder verteilt. Denn dazu verwendete sie ein hoch komplexes statistisches Berechnungsmodell namens Pro-Verfahren, das ganz offenkundig unbeteiligte Großverdiener unter den Gema-Mitgliedern bevorzugt. “Weil keiner mehr durchblickt, nutzt die Gema das für eine massive Vermögensumverteilung zugunsten der eh schon gut verdienenden Großkünstler”, kritisiert Ole Seelenmeyer, Vorstand des Deutschen Rock & Pop Musikerverbandes. Das Nachsehen hätten Bands und Künstler, die in dem riesigen Topf unterrepräsentiert seien“1

Literaturcafe.de schreibt zum jetzt neu gestalteten Artikel 12 des Urheberrechts unter der Überschrift

Artikel 12 der Urheberrechtsreform: Warum Buchautoren künftig weniger verdienen werden2

… auch der sehr kurze Artikel 12, mit dem sich die Buchverlage einen Anteil an den Autoreneinnahmen sichern wollen. Kommt das von der EU vorgegebene Urheberrecht, werden sich die Einnahmen der Autorinnen und Autoren merklich reduzieren. Wenn ein Autor – also der Urheber – sein Werk bei einem Verlag veröffentlicht, überträgt er diesem die sogenannten Nutzungsrechte. Das ist zwingend notwendig, denn nur dann kann der Verlag das Werk auch drucken und verbreiten. […]

Der Artikel 12 der neuen Urheberrichtlinie besagt, dass – sobald ein Urheber die Nutzungsrechte an einen Verlag abgetreten hat – der Verlag einen Rechtsanspruch hat, dass der Autor einen Teil seiner Einnahmen an den Verlag abtritt. […]

Kommt die Urheberrechtsrichtlinie in der von der EU geplanten Form und wird sie in nationales Recht umgesetzt, so ist davon auszugehen, dass die Autorinnen und Autoren ein Drittel oder gar die Hälfte dieser Einnahmen an die Verlage abtreten müssen. Das betrifft auch die Einnahmen, die sich viele Autorenverbände durch den Artikel 13 erhoffen […]

Spätestens seit dem Jahre 2016, nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes, ist es der VG Wort untersagt, Geld an Verlage auszuschütten […]

Mit Artikel 12 der neuen EU-Urheberrichtlinie wäre die Verlegerbeteiligung nun sogar auf europäischer Ebene vorgeschrieben. Er trägt die Überschrift »Claims to fair compensation« (Ansprüche auf angemessene Entschädigung).

Es ist davon auszugehen, dass die VG Wort versuchen wird, den derzeitigen freiwilligen Verteilungsschlüssel wieder grundsätzlich anzuwenden, sodass die Autorinnen und Autoren von Fachbüchern auf die Hälfte ihrer VG-Wort-Einnahmen verzichten müssten und Romanautorinnen und -autoren auf 30 Prozent, wenn die EU-Richtlinie nationales Gesetz wird. Ob die erhofften Einnahmen aus Artikel 13 diesen Ausfall ausgleichen werden, ist derzeit völlig offen.

Tja.. Leute, verlegt eure Bücher selbst und verkauft eure Musik auf Vinyl, da verdient ihr mehr.

Fußnoten

1„Musikrechte-Verwertung: Die fragwürdigen Methoden der Gema“, zugegriffen 3. April 2019, https://www.handelsblatt.com/arts_und_style/kunstmarkt/musikrechte-verwertung-die-fragwuerdigen-methoden-der-gema-/4335898.html.

2Wolfgang Tischer, „Artikel 12 der Urheberrechtsreform: Warum Buchautoren künftig weniger verdienen werden“, literaturcafe.de, 14. März 2019, https://www.literaturcafe.de/artikel-12-der-urheberrechtsreform-warum-buchautoren-kuenftig-weniger-verdienen-werden/.