Die Wissenschaft hat immer recht – nicht aber die “Wissenschaftler”

Wissenschaftler können lügen: Marktinteressen und Politik

Dieter Nuhr sagt in diesem Beitrag richtig: Wissenschaft ändert sich, wenn sich die Faktenlage ändert. Dies bedeutet jedoch auch, dass die Erkenntnisse der Wissenschaft immer die bestmöglichen sind, die wir haben. Sie ändern sich erst, wenn neue Techniken entstehen, die uns wiederum neue Erkenntnisse ermöglichen. Die Wissenschaft zeigt immer die uns bestmögliche Annäherung an die “Wahrheit”, oder Realität. Eine bessere haben wir nicht.

Es kann keine sich widersprechende Wissenschaft geben, denn sonst müsste es, sich widersprechende Realitäten geben.

Es gibt aber sich widersprechende Wissenschaftler. Und das verwechseln viele, leider.

Von den Politikern und Medien werden wissenschaftliche Erkenntnisse gerne missbraucht, um ihre Sicht der Welt, ihre Handlungen und Meinungen zu rechtfertigen. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass es verschiedene Ergebnisse gibt. Doch ist dies nicht möglich, es sei denn, es wurden bei den Forschungen, Studien, etc. Fehler gemacht, oder man verwendete unterschiedliche Datengrundlagen.

Das Problem ist in aller Regel also nicht die “Wissenschaft”, sondern die Folgerungen, die aus wissenschaftlich gewonnenen Ergebnissen gemacht werden.

Nicht nur Politiker und Medien nutzen die Ergebnisse für ihre Interessen, sonder auch so genannte “Wissenschaftler”, die aber eigentlich gar keine sind, auch wenn sie Professoren an Universitäten sind. Sie werden nicht selten von Firmen bezahlt, bzw. ihre Forschung wird von diesen finanziert. Dadurch erwarten die Investoren auch, dass keine Ergebnisse veröffentlicht werden, die ihnen schaden, bzw. dass das Ergebnis bei der “Forschung” herauskommt, das sich positiv auf ihr Produkt auswirkt. Hierzu habe ich schon vor langem einen längeren Text geschrieben, der sich um die Manipulation der Forschung durch Pharmafirmen dreht. Darin zitiere ich u.a. eine Sendung von Monitor, vom 11.08.2016.

Das Problem ist schon lange bekannt. Dadurch, dass unser Staat sich weigert, höhere Steuern von Reichen und Unternehmen zu nehmen, mangelt es ihm an Gelder für die Forschung. Unternehmen und Investoren (die, die zu wenig Steuern zahlen) sehen das als ihre Möglichkeit, als Wohltäter aufzutreten und Universitäten zu unterstützen – und erlangen dadurch Einfluss auf das, was erforscht wird und wie die Ergebnisse aussehen. Würde unser Staat ihnen dieses Geld – das sie offensichtlich zu viel haben – wegnehmen, und es in unsere Universitäten stecken, könnten Wissenschaftler unabhängiger forschen.

“Wissenschaftler” können betrügen – und müssen es!

Nun kommen wir zum absurdesten Teil des Theaters. Ein Wissenschaftler, der nicht betrügt, wird sich nie Wissenschaftler nennen dürfen, hat keine Chance, jemals Professor zu werden. So will es die Voraussetzung für diesen Posten.

Auch das Problem ist schon lange bekannt. Es ist ein gesellschaftliches Problem, das man leicht ändern könnte, aber dann müsste man ja nachdenken und denken ist echt schwierig.

Wenn ihr euch irgendwo bewirbt, auf irgendeinen Job, was ist da wichtig? Eure Unterlagen. Euer Lebenslauf, eure Zeugnisse, etc. Allgemein gesagt: Scheine und Nachweise. Ich muss nachweisen, dass ich etwas studiert oder gelernt habe, um es ins Vorstellungsgespräch zu schaffen, ich muss nicht nachweisen, dass ich etwas kann. Nicht meine Fähigkeiten zählen, sondern meine Nachweise.

Viele von euch können etwas richtig gut, würden aber darin nie einen gut bezahlten Job bekommen, weil ihr keine nachweisbare Ausbildung in diesem Bereich habt. Ich kann super Mathe und es hervorragend erklären, so dass es wirklich jeder versteht, aber ich kann keinen Job als Mathelehrerin an einer Schule bekommen, weil ich das nicht studiert habe (Mathe auf Lehramt). Ich bin “nur” Diplompädagogin.

Und dieses Schein-Problem setzt sich bis in die Universitäten fort. Um Professor zu werden, müsst ihr eine gewisse Menge an Veröffentlichungen nachweisen, nicht jedoch, dass diese tatsächlich sinnvoll waren oder sauber wissenschaftlich durchgeführt wurden. Ihr müsst also nicht nachweisen, dass ihr etwas könnt, sonder dass ihr viele Veröffentlichungen getätigt habt, alle mit einem prima Titel, der zur ausgeschriebenen Stelle passt. Ihr braucht quasi viele Bescheinigungen, nicht Fähigkeiten. Die interessieren niemanden.

Hier einmal ein Auszug aus der Zeit-Online vom 31.07.2018:

Tausende deutsche und Hunderttausende internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren fragwürdige Studien in Journalen veröffentlicht, die ihre Inhalte nicht wie üblich prüfen und von unabhängigen Forscherinnen und Forschern begutachten lassen. […]
Die Analysen der Journalistinnen und Journalisten zeigen, dass allein in Deutschland mindestens 5.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Journals von Raubverlagen (Predatory Publishers) publiziert haben; Verlage, die gegen die Zahlung einer Gebühr im Grunde alles in ihren Zeitschriften veröffentlichen, ohne dass dabei in irgendeiner Form eine Qualitätskontrolle durch ein Gutachterverfahren vorgenommen wird. […]
Der Vorteil der Autorinnen und Autoren, so argumentiert das Rechercheprojekt, liege ebenso klar auf der Hand: Man könne durch Veröffentlichungen bei fragwürdigen Journals seine Publikationsliste aufpeppen. Nachwuchswissenschaftler hätten damit bessere Karrierechancen, Professorinnen würden an Renommee gewinnen und hätten bessere Aussichten, Forschungsmittel zu erhalten. […]

Eine solche Fake-Science-Seite habe ich selbst entdeckt: das “Oxford-Magazine”, oder “Brain”. Hier habe ich etwas dazu geschrieben.

Das Problem wurde im obigen Text erkannt, doch tut man sich mit der Lösung noch schwer. So lesen wir im Newsletter des Deutschen Hochschulverbandes (DHV-Newsletter 4/2019):

Mehr Mut zur Reform
Der Deutsche Hochschulverband (DHV) mahnt in einem Forderungskatalog zur Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems mehr Mut zum Diskurs und zur Veränderung an. Es gelte u.a., den Einsatz von Metriken in der Leistungsbewertung zurückzudrängen. “In der Wissenschaft muss wieder mehr inhaltlich beurteilt und weniger gezählt werden”, erklärte DHV-Präsident Professor Bernhard Kempen. Die Voraussetzung für Forschung durch eingeworbene Drittmittel dürfe nicht mit der Forschung selbst verwechselt werden. Ebenso wenig könne die gegenwärtige Fixierung auf Publikationszahlen und Zitationsindizes eine inhaltliche Bewertung von Veröffentlichungen ersetzen.

Hier wird offen angesprochen, dass die “Forschungen” nicht inhaltlich bewertet werden, also ihr Qualität und Aussagekraft keine Rolle spielen, sondern nur ihre Anzahl (Publikationszahlen) und wie häufig sie zitiert werden (Zitationsindizes) von anderen (die auch bescheißen).

Die Meinung eines “Wissenschaftlers” ist oft wichtiger als Fakten

Im selben Newsletter (April 2019) lesen wir übrigens:

DHV gegen Denk- und Sprechverbote an Universitäten
Der Deutsche Hochschulverband (DHV) warnt vor Einschränkungen der Meinungsfreiheit an Universitäten. Gerade unkonventionellen, unbequemen und unliebsamen Meinungen müssten sie ein Forum bieten, stellte der DHV-Präsident Professor Bernhard Kempen anlässlich des 69. DHV-Tags in Berlin fest. Damit sei unvereinbar, dass sich in letzter Zeit Ausladungen von Personen häuften, die vermeintlich unerträgliche Meinungen verträten. “Soweit es sich um den Versuch handelt, die Äußerung wissenschaftlicher Auffassungen zu unterbinden, ist das einer Universität nicht würdig”, erklärte Kempen.

Es kann also auch sein, dass ein Wissenschaftler, der auf Grund seiner Forschungen eine wissenschaftlich fundierte Ansicht vertritt, die jedoch den wichtigen Personen an einer Universität nicht gefallen, nie dort hin zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird oder eine Professur an dieser Universität erhalten kann. Man möchte “die Äußerung wissenschaftlicher Auffassungen […] unterbinden”!

Es ist also kein altes Problem. Auch nicht in den USA:

“Früher gab es immer welche, die auch mal eine unpopuläre Meinung vertreten haben, und sei es nur um der Freude am Streit willen”, sagt Heather Rowan-Kenyon. “Das ist seltener geworden.” (Spektrum.de vom 5.08.2016)

Dieses Problem ist also schon sehr alt, auch wenn dies in jüngster Zeit Schriftstellern oder Politikern stärker bewusst wird. Ein lange verdrängtes Problem dringt nun mit aller Macht an die Oberfläche. Doch im Gegensatz zu früher, gelten nun diese, die auf das Problem aufmerksam machen, als Fake-News-Verbreiter und Corona-Leugner, so, als wäre es kein Problem, weil es einen Corona-Virus gibt. Die Wissenschaftswelt wird immer schwachsinniger.

Dieter Nuhrs Post auf Facebook, der zu diesem Artikel geführt hat, ist ein wichtiger. Ich hoffe, er regt die Debatte nochmals an, doch befürchte ich, dass man sich weiter herausreden möchte. Oder man tut so, als würde dieses Problem nur Dieter Nuhr betreffen und schon kann man die Diskussion beenden. Wer etwas anderes behauptet, wird zum Covidioten und Verschwörungtheoretiker. Klappe zu, Hase tot.

Das Deutungsproblem: Wissenschaft muss gedeutet werden

Nehmen wir als Beispiel einmal den Klimawandel. Dass er stattfindet, kann man nicht leugnen. Nur wissen wir nicht, ob er von Dauer ist, da wir ja nicht in die Zukunft schauen können. Theoretisch könnte er schon morgen vorbei sein. Wir wissen es nicht.

Also muss die Wissenschaft her. Diese erforscht den CO2-Gehalt der Luft, die Erderwärmung usw. Man weiß, dass CO2 in der Atmosphäre dafür sorgt, dass Wärme nicht in den Weltraum gelangen kann. Folglich würde weniger CO2 in der Luft dafür sorgen, dass mehr Wärme in den Weltraum geht und unsere Erde nicht so schnell erwärmt. Da wir CO2 durch Verbrennung erzeugen, müssen wir weniger verbrennen, dann erwärmt sich wahrscheinlich die Erde nicht so schnell, wie mit der jetzt vorhandenen Ausstoßmenge an CO2. Das ist noch einfache Logik.

Ob damit der Klimawandel zu stoppen ist, oder ob er sich nur geringfügig verlangsamt, das kann auch die Wissenschaft nicht sagen.

Nun will man aber von der Wissenschaft wissen, wie die weitere Entwicklung aussieht unter bestimmten Szenarien. Doch das weiß auch sie nicht. Die Erde ist ein extrem komplexes System. Also überlegen sich Wissenschaftler Rechenmodelle auf Grund vorhandener Daten. Aber mehr geht nicht. Die Modelle können falsch oder richtig sein, das zeigt erst die Zukunft. Mit der Zeit bekommen wir mehr Daten, können unsere Modelle verbessern, aber völlig richtig werden wir nie liegen, einfach auf Grund der enormen Komplexität des Systems.

Die Wissenschaft kann sich nur an die momentane Welt annähern, aber nicht an eine zukünftige – doch genau das wird immer wieder erwartet. Wenn Wissenschaft sagen soll, wie etwas funktionieren wird, was geschehen wird, dann ist sie überfordert. Dann muss auch sie raten. Zunächst rät sie, welches mathematische Modell passen könnte, dann sucht sie nach Daten und hofft, dass diese ausreichen, um eine sinnvolle Vorhersage zu machen.

Dies gilt für alles, auch für Virenepedemien oder Impfungen. Doch die Politik möchte von Ihnen wissen: Was soll ich tun? Und dann werden die Wissenschaftler bevorzugt, die ein Modell zur Berechnung finden, oder die einfach so Vorhersagen treffen, die den Politikern oder den Geldgebern dieser Wissenschaftler, passen. Da man ja raten muss, welches Modell stimmen könnte, kann man auch einfach eines nehmen, das die von den Auftraggebern gewünschten Ergebnisse bringt.

Richtige Wissenschaftler weisen auf diese Problematik hin und nehmen deshalb verschiedene Rechenmodelle oder zeigen verschiedene Szenarien und mögliche Entwicklungen auf, die sich aus ihren Forschungen ergeben.

Was man sehr gut erforschen kann und immer, wenn es richtig durchgeführt wurde, auch wissenschaftlich ist und die Realität gut abbildet, ist die Erforschung der aktuellen Situation. Gerade damit argumentieren momentan all die, die sich gegen die Corona-Maßnahmen aussprechen. Und die Befürworter argumentieren mit der Zukunft, der ein zu ihrer Ideologie passendes Modell zu Grunde liegt. Man argumentiert mit der Angst, mit einem möglichen Risiko, einem möglichen Verlauf, einer möglichen zweiten Welle usw. Diese sind zwar völlig unwahrscheinlich (Wissenschaft), aber dennoch möglich und rechtfertigen zudem das aktuelle politische Handeln.

Doch gibt es auch andere mögliche Verläufe, die zudem wahrscheinlicher sind (schaut man sich an, wie die Ausbreitung eine Virus bisher verlief), doch diese würden die politischen Entscheidungen in Frage stellen und zeigen, dass man falsch handelte. Das möchte man nicht, also “immer feste druff”, das funktionierte schon beim alten Fritz. Und immerhin ist es möglich – das bestreitet ja auch niemand. Aber ich spiele auch nicht jeden Tag Lotto, nur weil es möglich ist, dort mehrere Millionen zu gewinnen. Ich glaube nicht fest daran, dass es passiert. Doch gerade dieses unwahrscheinliche Ereignis wird als einzig Mögliches betrachtet.

[Eine Zwischenbemerkung zu Wahrscheinlichkeiten: Bislang gab es Grippe- und Corona-Viren-Epedemien nur im Winter, nie im Sommer. Es gab auch nie eine zweite Welle. Es ist also wahrscheinlich, dass dies auch in Zukunft so sein wird. Dennoch ist auch etwas anderes möglich, aber unwahrscheinlich. Wir sollten uns auf das Wahrscheinliche verlassen, nicht auf das Unwahrscheinliche. Das wäre sinnvoll angewendete Wissenschaft.]

Nur ist dies nicht wissenschaftlich. Es ist verwirrend. Ständig gelten neue Regeln auf Grund neuer gewollter “wissenschaftlicher” Annahmen durch die Politik. Ständig droht eine neue mögliche Gefahr, die niemand sieht und nirgendwo zu erkennen ist. Klar: Sie ist ja in der Zukunft. Und wenn diese Zukunft dann nicht eintritt, dann gilt wieder eine andere als möglich, und wird als “wissenschaftlich erwiesen” dargestellt. Wir bewegen uns im Hamsterrad, das man dringend anhalten sollte.

Wissenschaft wirkt so beliebig und scheint keine Probleme zu lösen. Wissenschaft wird unglaubwürdig und scheinbar gibt es verschiedene “wissenschaftliche” Ansichten, die sich scheinbar auch noch ständig ändern. Es ändert sich aber nicht die Wissenschaft, sondern die Interpretation dieser, je nachdem, wie es den Regierenden und den Geldgebern gefällt. Deshalb argumentieren die Gegner der Maßnahmen, ja auch mit denselben Zahlen. Nur weisen sie auf das Jetzt, weil die Wissenschaft nur hier und jetzt existieren kann.

Doch das möchte man nicht hören. Auch nicht, dass es nur deshalb verschiedene Modelle gibt, die alle Fehler aufweisen, weil wir die Zukunft kennen wollen. Doch ist dies nicht Wissenschaft, sondern eine geforderte Anschauung, Meinung. Zukunft ist Meinung. Mehr nicht.

Wenn man die Realität, die Erforschung und Überprüfung dessen, was aktuell geschieht, nicht wichtig nimmt, sondern sich ganz auf Möglichkeiten konzentriert, angestachelt durch Ängste statt Vernunft, dies für Wissenschaft hält, dann kann man sich auch auf Nostradamus beziehen oder auf Mickey Maus. Wissenschaft ist eine Auseinandersetzung mit der Realität, nicht mit unseren Hirngespinsten. Als Glaskugel taugt sie wenig.

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