Gehirn und Geschlecht (Identität 3)

Die Menschen müssen einsehen, dass unsere Freude und unsere Lust, unser Lachen und unser Scherzen, unsere Trauer und unser Zorn, unsere Verstimmung und unser Weinen nur aus dem Gehirn stammen. Durch das Gehirn denken und verstehen, sehen, hören und erkennen wir.“

„Deshalb behaupte ich, das Gehirn sei der Interpret des Bewusstseins. […] Einige behaupten auch, wir denken mit dem Herzen und dieses sei das Kummer und Besorgnis empfindende (Organ); das verhält sich jedoch nicht so.

Hippokrates1

Arzt

Eine Frage von Qualität und Quantität

Meist sehen wir Geschlecht vor allem unter dem Gesichtspunkt der Quantität, der Menge. Wir beurteilen das Geschlecht eines Menschen nach dem, was man äußerlich sehen kann und dem, was man messen kann. Dann sagen wir, das und das und das würde alles auf einen Mann oder eine Frau hindeuten, folglich wäre dieses Geschlecht das „eigentliche“ oder „biologische“ Geschlecht. Interessanterweise sind diese Merkmale zudem meist solche, die nicht das Gehirn betreffen, ist dieses doch so klein, im Vergleich zu Brüsten, Penissen, etc., dass es keine Rolle zu spielen scheint in der Diskussion um das eigentliche Geschlecht.

Doch spielt es wirklich keine Rolle? Könnte man das Gehirn auch weglassen?

Sie SIND Ihr Gehirn! Wir HABEN nicht ein Gehirn, wir SIND ein Gehirn: Alles, was unsere Identität ausmacht, ist in unserem Gehirn. Mit einem anderen Gehirn wären wir ein anderer Mensch.

Manfred Spitzer2

Hirnforscher

Sicherlich, sind die geschlechtlichen Merkmale im Gehirn winzig und somit mengenmäßig unbedeutend, aber wir sind nun mal quasi unser Gehirn. Qualitativ sind diese noch so geringen Unterschiede das eigentlich Bedeutende. Sie machen uns zu dem, was wir sind, zu dem einzigartigen Individuum, das unser Menschsein ausmacht. Diese Unterschiede sind für unsere Wahrnehmungs- und Denkprozesse, für die Regulation verschiedener Körperabläufe und vieles mehr von entscheidender Bedeutung, bzw. machen sie erst möglich. Es wird Zeit Geschlecht qualitativ zu beurteilen und dem Gehirn den Platz einzuräumen, den es verdient.

Unser Gehirn: Das wichtigste Geschlechtsorgan

Menschen unterscheiden sich in ihren Gehirnen, wie sie sich auch in Größe, Augen- oder Haarfarbe unterscheiden

Katrin Amunts3

Hirnforscherin

Jeder Mensch hat ein ganz eigenes, individuelles Gehirn, das ihn ausmacht und von allen anderen Menschen unterscheidet4. Dabei gibt es Unterschiede nicht nur in der Quantität, also in Größe, Menge, etc., sondern auch in der Qualität, also in der Zusammenarbeit der verschiedenen Gehirnareale und der daraus entstehenden Selbstwahrnehmung und Persönlichkeit und nicht zuletzt in der geschlechtlichen Selbstzuordnung.

Dass unser Gehirn in erster Linie unsere Persönlichkeit bestimmt, wir sogar gleichsam unser Gehirn sind, steht außer Frage. Es sagt uns wer wir sind, es macht uns etwas bewusst. Es sagt uns auch, welchem Geschlecht wir angehören und ist somit unser wichtigstes Geschlechtsorgan.

Doch welche Faktoren sorgen dafür, dass ein tiefes Wissen in uns schlummert, welchem Geschlecht wir angehören?

“Geschlechtliche” Unterschiede im Gehirn

Man weiß, dass sich die Gehirne von Frauen und Männern deutlich unterscheiden und dass viele dieser Unterschiede auf vorgeburtliche Vorgänge zurückzuführen und somit angeboren sind.

Untersuchungen mit Hilfe mit bildgebender Verfahren an an lebenden und toten Tieren und Menschen auf Geschlechtsunterschiede im Gehirn haben viele Unterschiede in der Aufteilung der Gehirnrinde, dem Verhältnis der grauen zur weißen Substanz, des Balkens (corpus callosum), der vorderen Naht, dem Hypothalamus, dem Bettkern der Stria Terminalis, dem limbischen System und dem Neurotransmittersystem gezeigt

Karaismailoglu et al5 6

Hirnforscher

Diese vielen Unterschiede und die Tatsache, dass wir unser Gehirn sind, legen nahe, dass in diesen Unterschieden auch die Grundlage für unser Wissen um und über uns selbst, unser Wissen um unser Geschlecht, liegt.

Wichtige Rollen bei der Herbeiführung dieser Unterschiede werden Genen und Hormonen zugeschrieben7. Studien an kleinen Gruppen transsexueller Menschen konnten Veränderungen in geschlechtsrelevanten Teilen des Gehirns nachweisen und zeigen, dass sich diese entsprechend dem geäußerten Wissen transsexueller Menschen über ihr Geschlecht entwickeln. Frauen mit Transsexualität haben ein eher als „weiblich“ verstandenes Gehirn und Männer mit Transsexualität ein eher „männlich“ ausgeprägtes.

Verschiedene Regionen unseres Gehirns entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen, die meist als „weibliche“ oder „männliche“ Entwicklungsrichtungen bezeichnet werden (bezogen auf die geschlechtliche Selbstbezeichnung von Menschen). Dabei scheint es so zu sein, dass allgemein als „männlich“ gesehene Gehirne besonders gut für die Datenverarbeitung innerhalb einer Hemisphäre ausgebildet sind, „weiblich“ strukturierte Gehirne sind dagegen auf eine besonders gute Kommunikation der beiden Gehirnhälften miteinander spezialisiert8.

Dies steht im Zusammenhang mit der Entwicklung verschiedener Hirnareale, die sich geschlechtlich unterscheiden. Dazu gehören vor allem Regionen, die die Motorik steuern (u.a. Putamen), das geschlechtliche Verhalten (u.a. BSTc, INAH 3), oder allgemein die Informationsübermittlung, wie die weiße und die graue Substanz.

Dabei sind diese Unterschiede nie 100%-Unterschiede, sondern meist nur etwa 80%. Das heißt: Nicht bei jeder Frau und nicht bei jedem Mann entwickeln sich diese Hirnregionen “typisch geschlechtlich”, sondern nur bei den meisten. Das allerdings auch wieder nur, wenn wir die einzelnen Regionen getrennt von einander betrachten. Betrachtet man das Gesamtbild, sieht es anders aus.

Wissenschaftlich betrachtet gibt es weder eindeutig „weibliche“ noch eindeutig „männliche“ Gehirne oder Körper. Vielmehr scheint es so zu sein, dass sich Teile unseres Körpers und Gehirns in eine eher als „weiblich“ und andere in eine eher als „männlich“ verstandene Richtung entwickeln und wieder andere entwickeln sich in eine nicht zuordenbare Richtung. Und das bei jedem Menschen.

Infolgedessen ist jedes Gehirn ein individuell spezifisches Mosaik von Männlichheit und Weiblichheit, und passt das nicht vollkommen dazu, wie wir über all die Jungen und Mädchen, Männer und Frauen denken, die wir kennen und lieben?

Margaret McCarthy9

Neurobiologin

Wir sind alle intersexuell

[e]very man & woman is hermaphrodite

Charles Darwin10

Biologe

Auch wenn viele gerne nach der einen und einzigen „Ursache” für Transsexualität, Intersexualität, Homo- oder Heterosexualität, oder Geschlecht allgemein suchen, wahrscheinlich gibt es sie nicht. Es ist augenscheinlich eher so, dass es viele Möglichkeiten gibt, eine völlig eigene, individuelle geschlechtlich-biologische Entwicklung zu durchlaufen und je nach Definition gilt der Mensch dann als das eine oder andere Geschlecht. Geschlecht, wie auch Transsexualität, Intersexualität, etc. oder die geschlechtliche Orientierung, sind in erster Linie eine Frage der Definition, nicht der Biologie. Wir alle sind biologische Vielfalt.

In Wahrheit sind wir alle intersexuell, wir leben in der ununterbrochenen Unendlichkeit, aufgespannt zwischen MANN und FRAU. […] Es gibt keine spezielle Kombination der Chromosomen oder Gene, welche unmissverständlich (eindeutig) einen „echten“ Mann oder Frau definieren.

Gerald N. Callahan, S. 1621

Jeder Mensch ist sowohl intersexuell12 (zwischengeschlechtlich) als auch transsexuell (entgegengesetzt geschlechtlich), wenn wir die Bedeutung dieser Worte ernst nehmen. Es gibt zwar Hinweise darauf, warum wir wissen, dass wir weiblich oder männlich sind und uns dem einen oder anderen Geschlecht zuordnen (oder die Zuordnung nicht vollziehen können), doch sind dies nur Hinweise, mehr nicht.

Jeder Mensch ist in erster Linie Mensch, in zweiter Menschenmann oder Menschenweib.
Wenn man den Menschen aber einer ganz genauen Betrachtung unterzieht, wird man bald erkennen, dass niemand Mann oder Weib, sondern jeder Mann und Weib ist und dass der Satz:
Wer beiden Geschlechtern entstammt,
Enthält beide Geschlechter vereint
ein unverbrüchliches Naturgesetz darstellt.

Magnus Hirschfeld13

Arzt & Geschlechterforscher

Was ist “Geschlecht”?

Die Biologie kann uns nicht eindeutig „männlich“ oder „weiblich“ oder wie auch immer zuordnen14 und es ist fraglich, ob sie dies in diesem Jahrtausend noch annähernd schaffen wird, es sei denn, man reduziert diese Begriffe auf ein Merkmal – meist auf die Gonaden, wie Penis, Hoden, Vagina, Eierstöcke. Da wir jedoch, wie wir nun auch aus der biologischen Forschung wissen, in unserer Gesamtheit nicht eindeutig männlich oder weiblich sind, wir dagegen komplex und vielfältig sind, auch in unserem Inneren, physisch wie psychisch, ist diese Zuordnungsform für viele Menschen unbefriedigend, nicht zuletzt, weil mit der Zuschreibung zu einem bestimmten Geschlecht durch Dritte auch bestimmte Verhaltensweisen (Stereotypen) zugeschrieben und/oder erwartet werden.

Harry Benjamin schrieb 1966:

Hier sind einige Arten von Geschlecht, die ich im Sinn habe: chromosonal, genetisch, anatomisch, gesetzlich, gonadal, Keimdrüsen, endokrin (hormonal), psychologisch und auch das soziale Geschlecht, das gewöhnlich auf dem Geschlecht der Erziehung gestützt ist.

Harry Benjamin15

Arzt & Geschlechtsforscher

Das wären dann 9 verschiedene Möglichkeiten das Geschlecht zu bestimmen, bzw. unendlich viele, wenn man diese kombiniert. Man könnte es noch erweitern mit dem Geschlecht des BSTc, der Amygdala, des INAH3, der Zähne, des Beckens, etc. Da so ziemlich jedes Organs unseres Körpers in irgendeiner Art und Weise „geschlechtliche“ Facetten aufweist, dürfte es klar sein, dass das Gerede von dem einen eindeutigen biologischen Geschlecht etwa so realitätsnah ist, wie die Annahme, es gäbe die eine Scheibe Namens Erde um welche die Sonne kreise.

[…] wir beobachten, dass kein Mensch einem anderen vollkommen gleicht. […] Die Zahl der denkbaren und tatsächlichen Sexualtypen ist unendlich

Magnus Hirschfeld 1926, S. 596f16

Arzt & Geschlechtsforscher

Wer definiert, hat die Macht

Aufgrund dieser Unklarheit, was nun Geschlecht genau sei, ist ein Machtkampf um die Entscheidungshoheit über „Geschlecht“ ausgebrochen, der zu absurden bis dubiosen Erklärungsversuchen führt. Darüber habe ich bereits hier einen Text geschrieben.

Wir Menschen neigen dazu, wenn Sachverhalte zu komplex werden, sie stark zu vereinfachen und sowohl unsere eigene Vereinfachung als auch die ihr von uns zugeschriebene Bedeutung zur unumstößlichen Wahrheit zu erklären, leider. Wir definieren Begriffe und vergessen, dass sie von uns stammen, geben sie als „natürlich“ etc. aus.

Jede Ansicht, was das „biologische“, „natürliche“ oder gar „wahre“ Geschlecht sei, änderte sich stets gemäß der aktuellen Mode, Erkenntnis oder gemäß der vorherrschenden Ideologie und mit ihr auch, was „typisch“ für dieses Geschlecht wäre. Bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass die Definition des Geschlechts, und damit eine Normierung von Geschlecht, immer als ein Instrument der Macht verwendet wurde. Insofern ist auch Simon de Beauvoirs berühmtes Zitat

Man wird nicht als Frau geboren, man wird es

Simon de Beauvoir17

Schriftstellerin

zu verstehen. Simon de Beauvoir zweifelt nicht an, dass sie selbst eine Frau ist, wohl aber daran, dass sie über die zugeschriebenen Eigenschaften und Fähigkeiten verfügt, die man über Frauen behauptete. Sie bekämpfte Stereotypen und die Fremdbestimmung durch Normen einer Gesellschaft.

Definitions-Macht ist immer Machtmissbrauch

Hat ein Mensch Macht, so entzieht er immer einem anderen diese. Machterhalt ist somit immer auch Entmachtung.

Normen über Geschlecht haben immer als Folge den Machtmissbrauch gegen diejenigen, die diese Normen nicht erfüllen, wie Frauen, die nicht in eine Frauenbild passen oder transsexuelle und intersexuelle Menschen, die diese biologistischen oder gesellschaftlichen Normen nicht erfüllen können. Noch heute sind von dieser gesellschaftlich vorherrschenden Definitionsnorm des Geschlechts abweichende Menschen nicht „frei und gleich”18 und ihre Würde ist antastbar, da sie selbst nicht die Definitionshoheit über ihr Geschlecht, und damit über einen wesentlichen Teil ihrer Persönlichkeit und Selbstverständnisses, besitzen. Die menschliche Würde ist mit der Definitionsmacht, und damit mit der Verfügung über das eigene Geschlecht, untrennbar verwoben.

Scheinbare „objektive“ Zuschreibungen von außen, die dem Menschen ein Geschlecht zuschreiben, welches dieser laut eigener subjektiver Aussage nicht besitzt, gründen sich rein auf Vorstellungen von Geschlecht, welche kaum etwas mit der Biologie zu tun haben. Biologie ist komplex und erzeugt Vielfalt. Doch Gesellschaften wollen Schubladen und Zuordnungen, um die Welt sortieren zu können, Regeln und Gesetze des Zusammenlebens zu entwerfen. Wir können uns diesen als scheinbar ohnmächtige Mitglieder einer Gesellschaft unterwerfen, oder uns bewusst werden, dass wir alle diese Regeln erzeugen und sie deshalb auch ändern können. Dabei müssen wir uns fragen, in was für einer Art Gesellschaft wir leben wollen: In einer, die den Menschen respektiert, als das, was er ist, oder in einer, die den Menschen zu dem macht, was für diejenigen, die davon profitieren, vorteilhaft ist.

Schon an anderer Stelle zitierte ich Abraham Maslow:

Ich habe […] das Einordnen als eine billige Form des Erkennens beschrieben, die in Wirklichkeit eine Form des Nicht-Erkennens ist, eine rasche, mühelose Katalogisierung, deren Funktion es ist, die durch sorgfältigeres, idiographisches Wahrnehmen oder Denken geforderte Anstrengung überflüssig zu machen. Jemanden in ein System einzuordnen erfordert weniger Energie, als ihn in seiner eigenen Wesensform zu erkennen […].
Was beim Einordnen betont wird, ist die Kategorie, in die der Mensch gehört, von der er ein Beispiel ist, nicht der Mensch als solcher – Ähnlichkeiten überwiegen Unterschiede.
In derselben Publikation wurde auf die sehr wichtige Tatsache hingewiesen, dass eingeordnet zu werden im allgemeinen beleidigend für den Eingeordneten ist, da es seine Individualität negiert oder seiner Persönlichkeit, seiner differentialen, einzigartigen Identität keine Aufmerksamkeit schenkt

Abraham H. Maslow19

Psychologe

Unser Geschlecht, wie wir es selbst begreifen, ist ein Teil unserer Persönlichkeit, unseres Seins und unseres Selbstverständnisses. Es gehört deshalb uns, wie auch die Definition darüber, wie wir unser eigenes Geschlecht – und damit uns selbst – verstehen. Es darf nicht sein, dass das Geschlecht eines Menschen diesem quasi entzogen und von Fremden durch deren Definitionsmacht angeeignet wird. Geschlecht ist nicht verfügbar und darf es auch niemals sein. Auch nicht die Deutung und Rollenzuweisung von Geschlecht.

Ich bin ich. Keine Rolle, keine Stereotype.

Welches Geschlecht habe ich?

What will become of this?
As I am man, my state is desperate for my master’s love;
As I am woman– now, alas the day!
— What thriftless sighs shall poor Olivia breathe!
O time, thou must untangle this, not I;
It is too hard a knot for me to untie20

William Shakespeare

Autor

Eric Vilain, Professor für Menschliche Genetik an der University of California Los Angeles (UCLA), weiß eine einfache Lösung: Fragen!

Mein Gefühl sagt mir, dass, weil es keinen biologischen Parameter gibt, der jeden anderen Parameter an Wichtigkeit letztendlich übertrifft, das selbst zugeschriebene Geschlecht (gender identity) der angemessenste Parameter zu sein scheint21

Eric Vilain

Biologe und Gehirnforscher

Die Anerkennung der Menschenrechte und die Achtung der menschlichen Würde beinhalten die Anerkennung der Selbstdefinition von Geschlecht und die Weigerung über das Geschlecht anderer letztinstanzlich zu entscheiden. Akzeptanz und Respekt gegenüber unserem Mitmenschen bedeutet, die Selbstaussage über das Geschlecht, wie befremdlich sie uns auch erscheinen mag, bedingungslos zu respektieren, bei Erwachsenen, wie auch bei Kindern.

„Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen.“ (Kant)22

Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen.22

Immanuel Kant

Philosoph

Fußnoten

1Zitate entstammen verschiedenen Werken, da ich das Original leider nicht gefunden habe. Oberes Zitat: Magnus Hirschfeld, Geschlechtskunde auf Grund dreissigjähriger Forschung und Erfahrung. Die körperseelischen Grundlagen., Bd. 1, 5 Bde. (Stuttgart: Julius Püttmann Verlagsbuchhandlung, 1926)., S. 538. Unteres Zitat: Hippocrates und Theodor Beck, Erkenntnisse (Jena: Diederiche, 1907)., S. 209

2Manfred Spitzer ist ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. Er leitet zudem das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL). Quelle Zitat: Manfred Spitzer und Bayerischer Rundfunk, „Geist & Gehirn: Sie SIND Ihr Gehirn“, video, Geist & Gehirn, 18. Juni 2008, http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/geist-und-gehirn/geist-und-gehirn-manfred-spitzer-gehirnforschung208.html.

3Zitat: Nora Somborn, „Revolutionärer Atlas: Entdecke dein Gehirn“, Spiegel Online, 15. Februar 2010, Abschn. Wissenschaft, http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/revolutionaerer-atlas-entdecke-dein-gehirn-a-673235-2.html.
Prof. Dr. med. Katrin Amunts ist Direktorin des C. und O. Vogt-Instituts für Hirnforschung, Universitätsklinikum Düsseldorf.

4Siehe auch Emily S. Finn u. a., „Functional Connectome Fingerprinting: Identifying Individuals Using Patterns of Brain Connectivity“, Nature Neuroscience 18, Nr. 11 (November 2015): 1664–71, https://doi.org/10.1038/nn.4135.

5Serkan Karaismailoğlu und Ayşen Erdem, „The effects of prenatal sex steroid hormones on sexual differentiation of the brain“, Journal of the Turkish German Gynecological Association 14, Nr. 3 (1. September 2013): 163–67, https://doi.org/10.5152/jtgga.2013.86836.

6Serkan Karaismailoğlu und Ayşen Erdem sind Gehirnforscher an der Universität Hacettepe in Ankara, Türkei.

7Sven Bocklandt und Eric Vilain, „Sex Differences in Brain and Behavior: Hormones versus Genes“, Advances in Genetics 59 (2007): 245–66, https://doi.org/10.1016/S0065-2660(07)59009-7.

8Siehe u.a.: Balázs Szalkai, Bálint Varga, und Vince Grolmusz, „Graph Theoretical Analysis Reveals: Women’s Brains Are Better Connected than Men’s“, PLoS ONE 10, Nr. 7 (1. Juli 2015), https://doi.org/10.1371/journal.pone.0130045., Madhura Ingalhalikar u. a., „Sex differences in the structural connectome of the human brain“, Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 111, Nr. 2 (14. Januar 2014): 823–28, https://doi.org/10.1073/pnas.1316909110., Karen Caeyenberghs und Alexander Leemans, „Hemispheric Lateralization of Topological Organization in Structural Brain Networks“, Human Brain Mapping 35, Nr. 9 (September 2014): 4944–57, https://doi.org/10.1002/hbm.22524., Lixia Tian u. a., „Hemisphere- and Gender-Related Differences in Small-World Brain Networks: A Resting-State Functional MRI Study“, NeuroImage 54, Nr. 1 (1. Januar 2011): 191–202, https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2010.07.066.

9M. M. McCarthy, „How It’s Made: Organisational Effects of Hormones on the Developing Brain“, Journal of Neuroendocrinology 22, Nr. 7 (Juli 2010): 736–42, https://doi.org/10.1111/j.1365-2826.2010.02021.x.

10Charles Darwin u. a., Charles Darwin’s Notebooks, 1836-1844: Geology, Transmutation of Species, Metaphysical Enquiries ([London]; Ithaca, N.Y.: British Museum (Natural History) ; Cornell University Press, 1987).

11Gerald N Callahan, Between XX and XY Intersexuality and the Myth of Two Sexes, 1. Aufl. (Chicago, Ill.: Chicago Review Press, 2009), http://public.eblib.com/choice/publicfullrecord.aspx?p=445269.

12Daphna Joel, „Male or Female? Brains are Intersex“, Frontiers in Integrative Neuroscience 5 (20. September 2011), https://doi.org/10.3389/fnint.2011.00057.

13Hirschfeld 1926, S. 481

14Joan Roughgarden schrieb ein sehr schönes Buch darüber: „Evolution’s Rainbow“ Joan Roughgarden, Evolution’s Rainbow: Diversity, Gender, and Sexuality in Nature and People (Berkeley: University of California Press, 2004).. Geschlecht ist im Tier- und Pflanzenreich häufig nicht eindeutig, bzw. wechselt während des Lebens oder hängt von der Temperatur der Umgebung oder vom Verhältnis der vorhandenen Geschlechter ab. „Die am häufigsten vorkommende Körperform bei Pflanzen und der Hälfte der Tiere […] ist zweigeschlechtlich, männlich und weiblich zugleich, oder wechselnd während des Lebens. Diese Tiere haben beides, große [weibliche] und kleine [männliche] Gameten [= Keimzellen, wie Spermien oder Eizellen].“ (S. 27) Beschränkt man Geschlecht auf die Fortpflanzung, dann beschränkt man es somit quasi auf einen Zeitpunkt und bestimmte Umstände. Geschlecht bei Menschen rein auf die Fortpflanzung oder die Fortpflanzungsorgane zu reduzieren wird zudem vielen Menschen nicht gerecht, die sich nicht „fortpflanzen“ können, oder auf Grund einer Operation nicht mehr können. Werden z.B. einer Frau wegen Eierstockkrebs die Eierstöcke entfernt, ist sie dann keine Frau mehr?

15Harry Benjamin, The Transsexual Phenomenon (New York: Warner Books, 1966), http://www.mut23.de/texte/Harry%20Benjamin%20-%20The%20Transsexual%20Phenomenon.pdf.

16Hirschfeld, Geschlechtskunde.

17Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht: Sitte und Sexus der Frau, 1.-5. Tsd. (Hamburg: Rowohlt, 1951). S. 334

18Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1:
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.” Vereinte Nationen, „Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte – Resolution 217 A (III) vom 10.12.1948“, übers. von UN Department for General Assembly and Conference Management German Translation Service, NY, 12. Oktober 1948, http://www.ohchr.org/EN/UDHR/Pages/Language.aspx?LangID=ger.

19Abraham H. Maslow, Psychologie des Seins: ein Entwurf, Ungekürzte Ausg., 12.-13. Tsd, Fischer-Taschenbücher Geist und Psyche 42195 (Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verl, 1997), 134–38.

20William Shakespeare, Twelfth Night, or, What You Will (Champaign, Ill.: Project Gutenberg), http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&scope=site&db=nlebk&db=nlabk&AN=1013700. Twelfth Night: Act 2, Scene 2

21Claire Ainsworth, „Sex redefined“, Nature News 518, Nr. 7539 (19. Februar 2015): 288, https://doi.org/10.1038/518288a.

22Immanuel Kant, „Was ist Aufklärung?“, hg. von Johann Erich Biester und Friedrich Gedike, Haude und Spener, Berlinische Monatsschrift., 4, Nr. Zwölftes Stük. December. (Dezember 1784): 481–94.

Literaturangaben

Ainsworth, Claire. „Sex redefined“. Nature News 518, Nr. 7539 (19. Februar 2015): 288. https://doi.org/10.1038/518288a.

Beauvoir, Simone de. Das andere Geschlecht: Sitte und Sexus der Frau. 1.-5. Tsd. Hamburg: Rowohlt, 1951.

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Bocklandt, Sven, und Eric Vilain. „Sex Differences in Brain and Behavior: Hormones versus Genes“. Advances in Genetics 59 (2007): 245–66. https://doi.org/10.1016/S0065-2660(07)59009-7.

Caeyenberghs, Karen, und Alexander Leemans. „Hemispheric Lateralization of Topological Organization in Structural Brain Networks“. Human Brain Mapping 35, Nr. 9 (September 2014): 4944–57. https://doi.org/10.1002/hbm.22524.

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Finn, Emily S., Xilin Shen, Dustin Scheinost, Monica D. Rosenberg, Jessica Huang, Marvin M. Chun, Xenophon Papademetris, und R. Todd Constable. „Functional Connectome Fingerprinting: Identifying Individuals Using Patterns of Brain Connectivity“. Nature Neuroscience 18, Nr. 11 (November 2015): 1664–71. https://doi.org/10.1038/nn.4135.

Hippocrates, und Theodor Beck. Erkenntnisse. Jena: Diederiche, 1907.

Hirschfeld, Magnus. Geschlechtskunde auf Grund dreissigjähriger Forschung und Erfahrung. Die körperseelischen Grundlagen. Bd. 1. 5 Bde. Stuttgart: Julius Püttmann Verlagsbuchhandlung, 1926.

Ingalhalikar, Madhura, Alex Smith, Drew Parker, Theodore D. Satterthwaite, Mark A. Elliott, Kosha Ruparel, Hakon Hakonarson, Raquel E. Gur, Ruben C. Gur, und Ragini Verma. „Sex differences in the structural connectome of the human brain“. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 111, Nr. 2 (14. Januar 2014): 823–28. https://doi.org/10.1073/pnas.1316909110.

Joel, Daphna. „Male or Female? Brains are Intersex“. Frontiers in Integrative Neuroscience 5 (20. September 2011). https://doi.org/10.3389/fnint.2011.00057.

Kant, Immanuel. „Was ist Aufklärung?“ Herausgegeben von Johann Erich Biester und Friedrich Gedike. Haude und Spener, Berlinische Monatsschrift., 4, Nr. Zwölftes Stük. December. (Dezember 1784): 481–94.

Karaismailoğlu, Serkan, und Ayşen Erdem. „The effects of prenatal sex steroid hormones on sexual differentiation of the brain“. Journal of the Turkish German Gynecological Association 14, Nr. 3 (1. September 2013): 163–67. https://doi.org/10.5152/jtgga.2013.86836.

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Vereinte Nationen. „Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte – Resolution 217 A (III) vom 10.12.1948“. Übersetzt von UN Department for General Assembly and Conference Management German Translation Service, NY, 12. Oktober 1948. http://www.ohchr.org/EN/UDHR/Pages/Language.aspx?LangID=ger.

Bildnachweise

Hippokrates: Baumeister: Denkmäler des klassischen Altertums. 1885. Band I., Seite 694. / Public domain
Manfred Spitzer: Wikipedia. User:Martin Kraft / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)
Katrin Amunts: Offizielles Foto. Unter anderem: http://www.neurosciences-duesseldorf.de/principal-investigators-and-junior-researchers/katrin-amunts.html
Serkan Karaismailoglu: Offizielles Foto. Instagram: https://www.instagram.com/p/B94dQfQFDWD/
Margaret McCarthy: Offizielles Foto. Vita. https://www.medschool.umaryland.edu/profiles/McCarthy-Margaret/
Charles Darwin: Foto: Julia Margaret Cameron / Public domain
Gerald N. Callahan: Offizielles Autorenfoto. Amazon: https://smile.amazon.de/Gerald-N-Callahan/e/B001IQZCEE?ref=sr_ntt_srch_lnk_1&qid=1585075031&sr=8-1
Magnus Hirschfeld: This file comes from Wellcome Images, a website operated by Wellcome Trust, a global charitable foundation based in the United Kingdom. / CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0)
Harry Benjamin: Wikipedia. Autor: Unbekannt. Ursprüngliche Quelle (inzwischen verschwunden: http://www.kinseyinstitute.org/library/benjamin.html
Simon de Beauvoir: Moshe Milner / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)
Abraham H. Maslow: Berühmtes Foto. Wikipedia. Quelle unbekannt. Ursprünglich: http://www.celebriton.com/abraham_maslow/photo/a_photo_of_abraham_maslow
William Shakespeare: John Taylor / Public domain
Eric Vilain: Offizielles Foto. Vita. Homepage. https://www.evmed.ucla.edu/vilain/
Immanuel Kant: Masters of Achievement / Public domain