Autopoiese

„griech.: autos = selbst; poiein = machen.“ (Maturana/Varela)1 „Autopoiese ist die Organisation, welche ein Lebewesen als Lebewesen definiert.“ (Maturana)3

Ein autopoietisches System (z.B. der Mensch) ist ein sich selbstständig hervorbringendes und erzeugendes System, d.h. es erzeugt

„durch sein Operieren fortwährend seine eigene Organisation … , und zwar als ein System der Produktion seiner eigenen Bestandteile … .”(Maturana)1

Die Autopoiese ist die Organisationsform der Lebewesen, oder anders gesagt: jedes Lebewesen ist ein autopoietisches System.

1 Maturana 1985, S. 185

Driften

Driften bezeichnet das durch die Ontogenese (und strukturelle Koppelung) erzeugte Treiben der Lebewesen im Wasser des Lebens in eine durch die Erhaltung der Autopoiese „vorgeschriebene“ (nicht determinierte) Richtung.

Einheit

„Eine Einheit (Entität, Wesen, Objekt) ist durch einen Akt der Unterscheidung definiert. Anders herum: immer dann, wenn wir in unseren Beschreibungen auf eine Einheit bezug nehmen, implizieren wir eine Operation der Unterscheidung, die die Einheit definiert und möglich macht.“
Maturana/Varela 1987, S. 46

Erkennen

„Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun.“ (Maturana/Varela)1, Oder etwas komplexer ausgedrückt: „Erkennen ist effektive Handlung, das heißt, operationale Effektivität im Existenzbereich des Lebewesens.“ (Maturana/Varela)2 Dies bedeutet u.a., „dass jeder Akt des Erkennens eine Welt hervorbringt.“ (Maturana/Varela)3

„Wir sprechen dann von (Er)Kenntnis, wenn wir ein effektives (oder angemessenes) Verhalten in einem bestimmten Kontext beobachten, das heißt in einem Bereich, den wir durch eine (explizite oder implizite) Frage umreißen, die wir als Beobachter formulieren.“(Maturana/Varela)

Maturana/Varela 1987,

Gruppe

Die Gruppe ist eine Sonderform eines sozialen Systems. Wo sich mehrere (mindestens drei) Menschen mehr oder weniger stark dauerhaft strukturell koppeln, haben wir eine Gruppe vor uns. Eine Gruppe ist also ein soziales Kleinsystem.

Identität

Identität bezeichnet die einzigartige Kombination von persönlichen, unverwechselbaren Daten eines Individuums wie Name, Alter, Geschlecht und Beruf, durch welche das Individuum gekennzeichnet ist und von anderen Personen unterschieden werden kann.

Im engeren psychologischen Sinn, ist Identität die einzigartige Persönlichkeitsstruktur, verbunden mit dem Bild, das andere von dieser Persönlichkeitsstruktur haben und das Verständnis für die eigene Identität, die Selbsterkenntnis und der Sinn für das, was man ist bzw. sein will.2

Marcia versteht „unter Identität eine innere, selbstkonstruierte, dynamische Organisation von Trieben, Fähigkeiten, Überzeugungen und individueller Geschichte“3

2Werner Stangl, „Identitätsfindung im Jugendalter“, [werner.stangl]s arbeitsblätter, 2019, https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/Identitaet.shtml (2019-03-24).

3Tim Darmstädter und Günter Mey, „Identität im Selbstwiderspruch oder ‚DieSchizophrenie des Lebens‘: theoretische undempirische Einwände gegen ‚postmoderne‘Konzeptualisierungsversuche von Identität“, zugegriffen 16. März 2019, https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/449/ssoar-psychges-1998-4-darmstadter_et_al-identitat_im_selbstwiderspruch_oder_die.pdf?sequence=1.

Kognitive Systeme

Nach Humberto Maturana sind kognitive Systeme (z.B. das menschliche Gehirn) energetisch offen, aber semantisch/informell geschlossen. D.h.: Sie nehmen keine Informationen aus der Umwelt/dem Milieu auf, oder können willentlich bestimmte (determinierbare) Informationen an das Milieu abgeben. Das Milieu wirkt lediglich durch Perturbationen (Störungen) auf das kognitive System ein, aus welchen sich dieses eine viable (lebbare) Umwelt errechnet. Gleichfalls kann auch das kognitive System seine Umwelt lediglich „stören“, jedoch nicht absichtsvoll auf eine bestimmte Art und Weise beeinflussen.

Kommunikation

  • Allgemeine Bezeichnung eines Wissensgebietes.
  • Eine einzelne Kommunikation heißt Mitteilung (message), im Gegensatz zum englischen communication (Verständigung, Austausch von Informationen), das eher dem Begriff der FInteraktion entspricht.

Konsensueller Bereich

„Ich (nenne) … den Bereich ineinandergreifender Verhaltensweisen, der sich aus der Fontogenetischen reziproken Koppelung der FStrukturen strukturell plastischer Organismen ergibt, einen konsensuellen Bereich … .“ (Maturana)

Maturana 1985, S. 256

 

Lernen

Strukturelle Veränderungen eines autopoietischen Systems aufgrund von Perturbationen durch das Milieu, ohne Verlust der (autopoietischen) Organisation, um die Viabilität in dem Milieu aufrecht zu erhalten.

Marcia

James E. Marcia war Professor an der Simon Fraser University (SFU) in British Columbia, Kanada. Marcia gründete 1986 das erste Zentrum für klinische Psychologie der SFU. Im August 2002, mit 65 Jahren, verließ James Marcia die Universität um sich anderen Dingen zu widmen.

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