Larkin Poe veröffentlichen überraschend gutes Cover-Album

Larkin Poe haben dieses Jahr schon zwei Platten veröffentlicht. Zumindest eine Band, die weiß, wie man diese Corona-Maßnahmen-Zeit sinnvoll nutzt.

Kindred Spririts

Die Lovell-Sisters sind schon immer sehr aktiv in YouTube und veröffentlichen eine Cover-Version nach der anderen. Meist sitzen sie dabei in einem (Hotel?-)Zimmer, mit Kamera und Mikros vor sich – und los gehts.

Covern können sie. Dabei sind einige großartige Versionen entstanden.

Doch die neue Platte beinhaltet keine der Aufnahmen für YouTube. Es sind Songs, die sie bislang noch nicht spielten, neu im Studio aufgenommen. Dabei legen sie besonderen Wert darauf, sie neu zu interpretieren und ihnen einen anderen, eigenen Touch zu geben.

Leider haben wir alle die Originale im Kopf, weshalb es manchmal nicht so einfach ist, sich auf diese neuen Versionen einzulassen und sie zu schätzen. Doch schafft man es, so wird man mit einem wirklich genussvollen Album belohnt.

Self Made Man

Mit dem Vorgänger, “Venom & Faith”, dachte ich, Larkin Poe hätten endlich ihre Heimat gefunden, vielleicht haben sie das ja auch. Die Produktion ist ähnlich, doch dadurch, dass “Self Made Man” deutlich weniger bluesig ist, werden die Produktion und die Arrangements für meinen Geschmack etwas zu gefällig und sind zu simple gestrickt.

Freut man sich bei einem Blues auf die gute Gitarrenarbeit und den Blues an sich, geht es beim Mainstream vor allem um Eingängigkeit und einfache Refrains. “Self Made Man” ist ein Mainstream-Album, das wenig zeigt, dass Larkin Poe auch etwas anderes können als das, was alle machen. Die Songs sind gut und wer die Platte kauft, wird es nicht bereuen, aber vor Freude jauchzen auch nicht.

Larkin Poe haben noch nie ausgefeilte Songs geschrieben, weshalb ihre Stücke von ihrem Charisma und ihrer hervorragenden Instrumentenbeherrschung leben. Eigentlich sind sie ein klassisches Rock-Duo oder Blues-Duo. In diesen Genres ist es nicht wichtig, ob eine Songmelodie nun wirklich gut ist. Wichtig ist meist, was man daraus macht. Weder “Smoke On The Water” noch “Voodoo Chile” oder “TNT” sind großartige Kompositionen, betrachtet man nur die Melodie. Sie werden großartig, durch die Band, das Arrangement, die Produktion, usw. Sie leben nicht durch sich selbst, sie werden zum Leben erweckt.

Rock und Blues sind Musigenres, die erst durch den Interpreten einen Song entstehen lassen. Im Mainstream geht es um nette Melodien, zum Mitgrölen, die instrumental untermalt werden. das ist etwas anderes und nichts, was den Songs von Larkin Poe gut tut.

Vielleicht überzeugt gerade deshalb Kindred Spirits vom 30. November 2020 mehr, als diese Album vom 30. Juni 2020. Die Interpretation ist das Interessante, nicht die Melodie. Und auf “Self Made Man” ist diese etwas zu durchschnittlich.

Subscribe
Notify of
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments