2019 – Platten des Jahres

2019 war ein grauenvolles Musik-Jahr. Gerade mal fünf(!) reguläre Veröffentlichungen (The Hu, Billie Eilish, Fidlar, The Raconteurs und Alice Cooper) haben es in meine Jahresbestenliste geschafft. Das ist ein Negativrekord.

Was diese Liste dennoch so lang mit, sind bislang unveröffentlichte Aufnahmen von Neil Young und Bob Dylan und zahlreiche Remix-Wiederveröffentlichungen. Mein Ausgaben für Platten waren dieses Jahr deshalb recht hoch, auch wenn wenig wirklich Neues dabei war.

The Hu haben mit “The Gereg” das Album des Jahres geliefert. Dabei wäre es auch schwer zu schlegen gewesen, wenn es noch mehr Veröffentlichungen gegeben hätte. Für mich ist es vielleicht das beste Album des Jahrzents, wobei 2020 ja noch etwas Besseres kommen kann.

Alice Cooper – Breadcrumbs (EP)

Alice Cooper – Breadcrumbs (EP)

„Breadcrumbs“ ist, laut Alice Coopers Website, eine Hommage an einige der Garage Rock Helden aus Alice Coopers Heimatstadt Detroit. Der Opener „Detroit City 2020“ ist eine aktualisierte Neufassung von „Detroit City“ aus „The Eyes Of Alice Cooper“ aus dem Jahr 2003. Außerdem hören wir Suzi Quatros „Your Mama Won’t Like Me“, Bob Segers „East Side Story“, „Sister Anne“ von den MC5 und Shorty Longs „Devil With A Blue Dress On“, „Chains Of Love“ von The Dirtbombs und von Alice Cooper himself ein einziges neues Stück: „Go Man Go“. Sechs Stücke insgesamt, von denen mich zwei überzeugen konnten. Eigentlich weniger, als…

Billie Eilish: When We All Fall Asleep, Where Do We Go?

Billie Eilish: When We All Fall Asleep, Where Do We Go?

Billie Eilish, gerade mal 17 Jahre jung, hat mit ihrem ersten Longplayer „When We All Fall Asleep, Where Do We Go?“ zu Recht große Aufmerksamkeit bekommen, wenn auch das Album an sich durchaus verbesserungswürdig ist. Es folgt dem Stil ihrer ersten EP „Don‘t Smile At Me“, ist jedoch deutlich interessanter. Wer nur „Bad Guy“ kennt, wird etwas überrascht sein. Man merkt dem Album an, dass es tatsächlich als Album gedacht ist und nicht als bloße Ansammlung von guten Songs. Billie Eilishs größte Stärke ist leider nicht ihr Gesang, weshalb manche Songs, wie z.B. „I Love You“, leider nicht die Größe…

Bob Dylan (featuring Jonny Cash) – Travelin‘ Thru

Bob Dylan (featuring Jonny Cash) – Travelin‘ Thru

„Travelin‘ Thru“ kommt als „The Bootleg Series Vol. 15 1967 – 1969“ auf den Markt und ist eine der wenigen, in die man auf YouTube – zumindest in 15 Songs – reinhören kann. Die Bootleg-Series sind eigentlich alle interessant, meist nur für Fans großartig. Anders hier: Johnny Cash und Bob Dylan als Duo. Allein schon deshalb gehören diese Platten in jeden Schrank. Doch was haben Bob Dylan und Johnny Cash miteinander zu tun? Als Johnny Cash Bob Dylan einst hörte, war er überzeugt, dass dieser junge Mann (Johnny Cash ist deutlich älter) zu etwas größerem geboren war. 1964, als Bob…

Creedence Clearwater Revival — Live At Woodstock

Creedence Clearwater Revival — Live At Woodstock

Creedence Clearwater Revival spielten 1969 in Woodstock, was vielen nicht bekannt war, da sich ihr Auftritt auf den offiziellen Woodstock-Platten nicht findet. Anscheinend glaubte die Band, der Auftritt wäre zu schlecht gewesen und wollte deshalb nicht, dass er irgendwo zu hören war. Zudem hatte man in Woodstock mit zahlreichen technischen Problemen zu kämpfen, so dass manche Stücke nicht aufgenommen werden konnte, weil eine Kamera ausfiel und anderes mehr. Der Regen war nicht eingeplant. Das hört man der Platte durchaus auch an, aber die Musik wurde dennoch grandios restauriert. Besser klang noch keine Woodstock-Platte. Warum CCR schlecht gewesen sein sollen, wird…

Deep Purple — Live in Newcastle 2001

Deep Purple — Live in Newcastle 2001

Noch eine Live-Aufnahme, die sich lohnt. Deep Purple in der letzten Besetzung mit Jon Lord, aufgenommen 2001 in Australien. Was gefällt ist, dass man auch einmal „Mary Long“ oder „No One Came“ live hört, grandiose, viel zu wenig live gespielte Stücke, wie auch „Speed King“, was mein perrsönliches Highlight ist (bin aber auch Purple-Fan), 16:59 lang Speed King! Das Konzert wurde bereits in einer 12-CD-Compilation mit 5 anderen Konzerten der Australien-Asien-Tournee unter dem Titel „The Soundboard Series“ veröffentlicht, allerdings als streng limitiert. Zum Konzert in Newcaslte zitiert JPC Roger Glover mit den folgenden Worten: „Nachdem wir in den frühen 70ern…

Dessert Sessions 11 & 12 (Josh Homme)

Dessert Sessions 11 & 12 (Josh Homme)

Die Dessert Sessions sind keine Kost für Jedermann. Josh Homme, von den Queens Of The Stone Age, nennt seine Dessert Sessions “The longest-running mix tape in existance”. Es sind Aufnahmen verschiedener Jam-Sessions, zu denen Josh Homme regelmäßig verschiedenste Künstler um sich versammelt. Diesmal sind Billy Gibbons (ZZ Top), Les Claypool (Primus), Stella Mozgawa (Warpaint), Jake Shears (Scissor Sisters), Mike Kerr (Royal Blood), Carla Azar (Autolux, Jack White), Matt Sweeney, der Comedian Matt Berry, Töôrnst Hülpft (= Josh Homme1) und Libby Grace (über die ich nichts weiß). Auch wenn der Name “11 & 12” sich nach viel anhört: Die Platte hat…

Fidlar: Almost Free

Fidlar: Almost Free

Fidlar haben mich mit dem Album Almost Free überrascht – positiv wie negativ. Positiv, weil viele gute Songs auf der Platte sind, negativ, weil auch viel Schrott darauf ist. Warum? Es wirkt so, als wollten Fidlar auch mal zwischen durch wie der übliche Mainstream-Schlager klingen, bei welchem irgendwelche Jungs in zu großen T-Shirts „Yo, Yo“ sagen und Frauen mit halb-nackten Hintern vor der Kamera wackeln. Hat euch jemand gesagt, wenn ihr sowas auf eurer Platte macht, dann verkauft sie sich besser, oder warum? Für mich haben sich Fidlar damit ins Bein geschossen und wenn sie so weitermachen, wird es ihnen…

Ian Gillan with the Don Airey Band and Orchestra – Contractual Obligation

Ian Gillan with the Don Airey Band and Orchestra – Contractual Obligation

Ian Gillan with the Don Airey Band and Orchestra veröffentlicht 3 verschiedene Konzerte, einmal aus St. Petersburg, eins aus Warschau und eins aus Moskau. Das seltsame Veröffentlichungsgebahren bringt es mit sich, dass man Live in St. Petersburg nur auf LP bekommt, Live in Warschau nur auf CD und Live in Moskau nur auf Blu-ray. Der Sinn dahinter wird mir nicht ganz klar. Da ich auf LPs stehe, habe ich mir Live in St. Petersburg zugelegt und Blu-rays schaue ich eh nicht… Wer sie gerne sehen möchte: Das meiste gibts auf YouTube! Es lohnt sich übrigens, es sich anzuschauen! Großartiges Konzert,…

Neil Young + The Stray Gators: Tuscaloosa

Neil Young + The Stray Gators: Tuscaloosa

Neil Young wandert in neuester Zeit eher in die Langeweile ab. Dabei frage ich mich immer wieder: „Wie, um alles in der Welt, kamst du auf diese Langweiler Promise Of The Real? Wo ist Crazy Horse???“ Wobei die Stray-Gators leider völlig in Vergessenheit geraten – handelt es sich doch genaugenommen auch um Crazy Horse, da die meisten Mitglieder eint bei Crazy Horse spielten. Mit dieser wunderbaren Live-Platte „Tuscaloosa“ wird man daran erinnert, dass sie auf einer der besten Neil Young-Platten dabei waren, auf Harvest. Der Nachfolger Time Fades Away erreichte leider nicht die Größe des Vorgängers. So findet man auf…

Prince – 1999 (Super Deluxe Edition, Remastered)

Prince – 1999 (Super Deluxe Edition, Remastered)

1999 gehört nicht zu meinen Lieblingsplatten von Prince. Das Album ist ok. Er hat allerdings sehr viele sehr langweilige gemacht (hab sie tatsächlich alle, den ich mag Prince), wodurch 1999 etwa Platz 5 unter den Prince-Alben bei mir erreichen würde. Was diese Veröffentlichung jedoch zum Hinknien macht: Die Qualität. Die Aufnahmen sind “nur” remastered, aber mit großer klanglicher Wirkung. Bernie Grundman hat ganze Arbeit geleistet. Da fragt man sich noch mehr, wie kann etwas so grauenvoll klingen, wie die Wiederveröffentlichung von “Monster” von R.E.M. Vielleicht mal bei jemanden in Lehre gehen, der das kann? Das Highlight dieser Deluxe-Edition sind für…

The Band – The Band (Deluxe) (2019)

The Band – The Band (Deluxe) (2019)

Ich mag die Musik von The Band, doch in der Vergangenheit habe ich sie selten gehört, weil die Songs alle so dumpf klangen, so, als hätte ihnen jemand den Saft abgedreht. Doch hier: Traumhaft! Es ist erstaunlich, was man aus Musik herausholen kann, wenn der richtige Mensch am Mischpult sitzt. Wobei ich den Remix von „Music from Big Pink“ besser finde, als den von „The Band“. Richtig remixen traute man sich da nur bei den „alternate versions“ und diese klingen dann auch besser, als das Original. Die Deluxe Editionen enthalten alle das Vinyl-Album als Doppel-Maxi (45rpm) und auf CD und…

The Beatles – Abbey Road (Vinyl und CD Deluxe) (2019)

The Beatles – Abbey Road (Vinyl und CD Deluxe) (2019)

Über die Beatles und über Abbey Rod gibt es wenig zu sagen. Auch dieser Remix ist wieder einmal großartig und ein Genuss – wenn nur die schlechte Vinyl-Pressung nicht wäre. Warum? Die Extras sind diesmal leider weniger must have als bei den Vorgängern, so dass Abbey Road für mich deutlich hinter Sergeant Pepper und The Beatles (Weißes Album) zurück bleibt. Dennoch: Schöne Ausgaben, aber auch da: Deutlich sparsamer gestaltet als The Beatles. Wer gerne ein Buch möchte, muss sich die CD-Deluxe-Ausgabe kaufen, weil es das nicht zu den LPs dazu gibt. Kann man verkraften, da der Gesamtpreis sich in Grenzen…

The Hu – The Gereg

The Hu – The Gereg

Laut Wikipedia, heißen „The Hu“ so, weil sie damit an „The Who“ erinnern wollen, wobei man musikalisch keine Ähnlichkeit erkennen kann – und außer der deutschen Wikipedia das auch niemand anders behauptet. Wie so oft. Auf ihrer Website lesen wir: „The band’s name The HU, is the Mongolian root word for human being. They call their style “Hunnu Rock”…inspired by the Hunnu, an ancient Mongolian empire, known as The Huns in western culture. Some of the band’s lyrics include old Mongolian war cries and poetry.“ The Hu machen eher klassischen 70er-Rock, jedoch auf „mongolischen“ Instrumenten, wie Tovshuur (eine mongolische Laute,…

The Raconteurs – Help Us Stranger

The Raconteurs – Help Us Stranger

Wiedervereinigungen gehen nicht häufig gut. Die Singleauskoppelung vorab „Help Us Stranger / Now You‘re Gone“ weckte in mir große Hoffnungen. Vor allem das großartige „Now You‘re Gone“ hat es mir angetan. Leider wurde ich enttäuscht. Es gibt zwar gute Songs auf der Platte, doch die Größe von „Now You‘re Gone“ wird kein zweites Mal erreicht. Fans von Jack White und den Raconteurs werden zufrieden sein, mehr nicht. Seit dem Ende der White Stripes bringt Jack White zwar regelmäßig gute Platten heraus, doch so richtige Begeisterungsstürme schaffen sie nicht auszulösen. Schade, doch zumindest ist es beständige Qualität und man muss keinen…

The Yardbirds – Live At The BBC Revisited

The Yardbirds – Live At The BBC Revisited

Ich bin Yardbirds-Fan. Ich habe ALLES von den Yardbirds. Die BBC ist gerade dabei alte Aufnahmen von vielen verschiedenen Künstlern auf Vordermann zu bringen und ich denke, man sollte sich nach allen umschauen, denn die Liveaufnahmen von Elton John (siehe unten) sind gigantisch und definitiv das beste Album 2020. Das zu schlagen ist eigentlich nicht möglich. Doch die BBC fährt schwere Geschütze auf: Die Yardbirds. Die Aufnahmen gabs eigentlich schon auf Glimpses, einschließlich der Interviews, aber nicht in dieser Qualität! Bei den ersten 4 Nummern hat man das Gefühl “Wo habt ihr die ausgegraben” aber ab “I Ain’t Got You”…

Various Artists – Come on up the House – Women sing Waits

Various Artists – Come on up the House – Women sing Waits

Eine schöne Platte, doch hätte sie schöner werden können. Ich hatte mir mehr erhofft, sind doch einige große Namen vertreten, wie Rosanne Cash, Patty Griffin, Aimee Mann, Alison Moorer & Shelby Lynn, etc. Überzeugt haben mich nur „Tom Traubert’s Blues“ von The Wild Needs, „Ol‘ 55“ von Allison Moorer , Shelby Lynne und „Hold On“ von Aimee Mann. Durch letzteren Song wurde ich übrigens auf die Platte aufmerksam. Die anderen Songs sind ok, so dass man einen Plattenkauf nicht bereuen wird, doch merkt man, wie viel die Stimme von Tom waits doch ausmacht. Manche Songs brauchen Tom Waits, oder zumindest…

Whitesnake – Slip of the Tongue (Remix/Remastered/Deluxe)

Whitesnake – Slip of the Tongue (Remix/Remastered/Deluxe)

Ich weine immer noch, wenn ich sehe, wie diese „neueren“ (jetzt auch schon 30 Jahre alten) Whitesnake-Platten herauskommen und die alten, wirklich guten, vergessen werden. „Slip of the Tongue“ ist – wie schon an anderer Stelle erwähnt – der Beginn des Abstiegs von Whitesnake in Pop-Mainstream-Schnulzen-Musik. Auch wenn „Sailing Ships“ schön sein könnte, markiert es diesen Anfang. David Coverdale wird von jetzt an wieder schnulziger und die Musik Whitesnakes wird belangloser. Man merkt von Platte zu Platte, dass Marsden und Moody fehlen und deren Chemie von nichts ersetzt werden kann. Auch Ian Paice, Jon Lord und Neil Murray hinterlassen ein…

Whitesnake: Slide It In (Remixed and remastered)

Whitesnake: Slide It In (Remixed and remastered)

Slide It In war die letzte wirklich große Platte von Whitesnake – danach fing der Abstieg in Schnulz und Mainstream an, der leider wohl nicht aufzuhalten war, da der Nachfolger von Slide It In, 1987, leider das erfolgreichste Whitesnake-Album wurde. Dass ein Album deshalb so viele Käufer findet, weil der Vorgänger richtig klasse war, und deshalb die Erwartungen hoch sind, daran hatte wohl niemand gedacht und geglaubt, Schnulzen kommen besonders gut. Die Veröffentlichung Unzipped 2018 zeigt, wie grauenvoll das endete. Doch Slide It In war ein echter Höhepunkt in der Whitesnake-Geschichte. Nicht zuletzt wegen Cozy Powell am Schlagzeug und Colin…

Anmerkungen

1Siehe: https://www.discogs.com/artist/7392627-T%C3%B6%C3%B4rnst-H%C3%BClpft
“Töôrnst Hülpft: Bürgerl. Name: Joshua Michael Homme III Profil: Töôrnst Hülpft is an pseudonym of U.S. musician Josh Homme. On September 28th 2019 a fake album of polka/volksmusik titled ‘ Töôrnst Hülpft and Lapland’s Grand Handstand Band ‘ was added to Discogs. This release was subsequently removed and set to draft status within three days of being submitted. Desert Sessions ‘Vol. 11 & 12‘ was announced on September 26th 2019 and released on October 25th 2019. Aliasse: Baby Duck, Carlo Von Sexron, Josh Homme