Musik: Neuentdeckungen 2/20

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, kommt es immer wieder zu Neuentdeckungen, da ich noch nicht alle Platten der Welt kenne und viele Veröffentlichungen leider nicht in den mir bekannten offiziellen Listen auftauchen. Deshalb hier auch viele Platten aus 2019.

Doch es kann auch sein, dass ich noch ältere Platten erwähne, weil ich auch sei erst jetzt für mich entdeckt habe.

In meiner Liste taucht eine Platte immer dann auf, wenn ich mindestens drei wirklich gute Stücke auf den Veröffentlichungen finden konnte. Ich denke, ab drei guten Songs lohnt es sich, sich eine Platte zu kaufen. Ursprünglich wollte ich nur Veröffentlichungen mit mindestens vier guten Liedern hier nennen, doch dann würde es nur wenige Seiten geben. Drei scheint häufig noch möglich zu sein, vier ist in nur sehr sehr seltenen Veröffentlichungen der Fall. Umso erstaunlicher, dass alle Platten dieser Seite, vier oder mehr wirklich gute Songs enthalten, zumindest meiner Meinung nach.

Folk

Eliza Carthy – Restitute (2019)

Eliza Carthy hat mit Restitute ihre bisher beste Platte veröffentlicht und das auch noch als Fan-Projekt. Bislang war Red/Rice mein Favorit, alles andere, was sie als Solokünstlerin mit Band veröffentlichte, fand ich eher mäßig.

An Restitute erkennt man ihre wahre Stärke: Ihre Stimme und ihr grandioses Geigenspiel. Minimalismus, statt dem Versuch, durch mehr Musiker mehr Gefälligkeit zu erzeugen. Zumindest hatte ich diesen Eindruck bei der Wayward-Band.

Auf vielen ist sie solo zu hören, mal nur vocal, mal mit Geige, mal wird sie von ihrem Vater, Martin Carthy, auf der Gitarre begleitet, mal von anderen Musikern. Meist ein Instrument und ihre Stimme.

Interessant ist der Aufnahmeort: “recorded by Ben Seal in Eliza Carthy’s Bedroom, Robin Hood’s Bay“. Das ging natürlich mit einer Band nicht (wenn man nicht John Lennon heißt, bei dem passte noch zusätzlich ein ganzer Chor ins Schlafzimmer.).

Es fasziniert mich, wie sie immer mehr ihrer Mutter, Norma Waterson, gleicht, im Aussehen und der Stimme. Sie hat das musikalisch Beste von beiden Eltern geerbt, schafft es aber meist nicht, das auch wirklich anzuwenden. Eliza Carthys Name taucht in zahlreichen Folk-Veröffentlichungen immer wieder auf. Es hat fast den Eindruck, als würde diese Frau niemals schlafen. Viele Aufnahmen bringen allerdings nicht automatisch viel Großes hervor, leider.

Mich würde interessieren, was sie dazu bewegte, nach so vielen Pop-Produktionen, denn viele Platzten von ihr sind auf gefällig produziert, endlich einmal wieder eine derart schlichte Einfachheit zu wagen. Leider ist auf ihrer Website kein Hinweis zu finden. Allerdings wirds am 1. April eine neue Platte geben, wieder mehr eine Band-Platte, doch diesmal hört sich die Produktion eher nach Restitute an. Hoffe mal, Restitute bringt eine Wende.

Wie dem auch sei: Tolle Platte, nur leider nicht auf Vinyl.

Eliza Carty – Friendship

Eliza Carthy – Dream of Napoleon

Eliza Carthy – The Old Sexton

Eliza Carthy – Restitute

Johnny Cash – Personal File (2011-CD, 2019-Vinyl)

Johnny Cash - Personal File

Im Jahr 2006 veröffentlichte Columbia/Legacy eine Reihe von Aufnahmen, die zu Johnny Cashs privatesten und wertvollsten seiner Besitztümer gehörten. Sie nannten es “The Personal File”, was Johnny Cash auf die weißen Pappkartons geschrieben hatte, die diese Aufzeichnungen über die Jahre sicher aufbewahrt hatten. Dieses dreifache Album umfasste Aufnahmen, die Cash zwischen 1973 und 1982 in seinem Kabinenstudio gemacht hatte, und war ein Vorläufer seiner berühmten amerikanischen Aufnahmen. Die Personal Files sind intime Sessions eines Mannes und seiner Gitarre, der Lieder singt und darüber Geschichten erzählt.

leider hat der Erfolg von “Personal File” dazu geführt, dass man daraus später “Bootleg Vol. 1” machte und weitere Aufnahmen hervorkramte, die nicht nötig gewesen wären. So enthält Vol. 2 viele schlechte Demoaufnahmen, aber auch weniger bekannte gute Aufnahmen von Johnny Cash, die man aber nicht unbedingt beötigt, wenn man kein Fan ist.

Bootleg 3 ist dann ein echter Negativ-Kracher, voll schlechter Radioaufnahmen Johnny Cashs. Da lohnt es sich eher die Liveaufnahmen aus “San Quentin” und dem Folsom Prison zuzulegen. Vielleicht gibt es irgendwann einmal großartige weitere Liveaufnahmen, doch die auf Bootleg 3 gehören nicht dazu.

Bootleg 4 beinhaltet 3 schwer erhältliche offizielle Alben von Johnny Cash, auf denen er sich als Gospel-Sänger gibt. OK, aber ob mans wirklich braucht… Die bekommt man auch auf anderen Compilations.

Personal File eine Platte, die man braucht. Johnny Cash und seine Gitarre. Besser gehts nicht, auch nicht auf den American Recordings.

Eine Skurilität der Vinylausgabe: Das Beiheft ist identisch mit dem der CD-Ausgabe, man hat es einfach nur vergrößert. Man schaut ganz schön verdutzt, wenn man es öffnet und einem eine riesengroße Schrift ins Auge springt. Außerdem gibts nur ein Cover in welchem 3 Vinylplatten stecken. Etwas mager und lieblos, doch die Qualität ist in Ordnung.

The Letter Edged In Black
Johnny Cash – The Letter Edged In Black

Johnny Cash – Galway Bay

Johnny Cash – Louisiana Man

Johnny Cash – Personal File

Punk oder so

The Moldy Peaches (2001-CD, 2018-Vinyl)

The Moldy Peaches

Als ich zum ersten Mal “Anyone else but you” hörte, verliebte ich mich sofort in den Song. Irgendwo las ich, dies wäre Anti-Folk. Finde ich ja etwas pervers, Musik so zu bezeichnen. Wie kann Musik gegen anderen Musik sein? Man könnte sie genauso gut als echte Punks bezeichnen: Ich kann nicht singen, du auch nicht, also lass uns ne Platte aufnehmen! Gerade dieses Nicht-Perfekte, dieses brüchige, teilweise absichtlich kaputte, macht den Charme dieser Platte aus. Dabei erinnern die Moldy Peaches an Velvet Undergrund, die versuchen eine Platte im Stil der Mothers of Invention in einem Schlafzimmer aufzunehmen. Fehlte nur noch Eliza Carthy.

The Moldy Peaches sind Adam Green und Timya Dawson. Als Solokünstler/innen finde ich beide etwas langweilig, weil ich vor allem mit Adam Greens Songwriting nichts anfangen kann. Kimya Dawson gefällt mir mehr, aber zusammen sind sie richtig gut, noch dazu mit Band. Schade, dass es von den Moldy Peaches nur ein offizielles Studioalbum und eine Platte mit Raritäten gibt.

Diese Platte ist ein echtes must-have, ein moderner Klassiker!

Die Vinyl-Ausgabe gibt es in Rot(!) inklusive der Platte auf CD und einer Single – zum Preis einer Platte. Also zuschlagen!

The Moldy Peaches – On Top

Anyone Else But You
The Moldy Peaches – Anyone else but you

The Moldy Peaches – Jorge Regula

The Moldy Peaches (2001-CD, 2018-Vinyl)

Rock

UFO – Phenomenon (Remastered, Deluxe, 2019)

UFO - Phenomenon

Die ersten drei Studio-Alben von UFO sind so etwas wie Rockgeschichte. Auf der dritten Studioplatte, Phenomenon, wechselten sie den Gitarristen aus und es kam Michael Schenker von den Scorpions dazu. Ursprünglich wollten sie ihn nur ausleihen, aber er blieb dann doch. Im Text (bei den Vinyls im Clappcover, bei den CDs im Beiheft) lesen wir, dass Michael Schenker nicht so gut Englisch konnte und Rudolf Schenker übersetzen musste, damit Michael verstand, was die Gruppe von ihm wollte. Nach dem ersten gemeinsamen Konzert holte er sich dann die Erlaubnis von seinen Bruderherz und war von da an Mitglied bei UFO und die Scorpions hatte nur noch einen Schenker.

Gleich das erste gemeinsame echte Hardrock-Album war ein Kracher. UFO verabschieden sich vom Bluesrock (fast), machen echten Hardrock. Mit “Doctor, doctor” enthält diese Platte ihr wohl bekanntestes Stück, zusammen mit “Boogie” von der ersten Platte..

Als Michael Schenker 1979 UFO wieder verließ, nahm leider auch die Qualität der Platten ab, was aber nicht so sehr an Michael Schenker lag, sondern vielmehr, dass sich die Gitarristen von da an ständig die Klinke in die Hand gaben.

Die Vinyl-Ausgabe (2 LPs) bietet die Original-LP und eine Liveplatte, die niemand benötigt, da die Aufnahmequalität nicht der Hit ist und diese Aufnahmen zudem schon auf “The Chrysalis-Years” zu hören waren. Die CD-Ausgabe besteht jedoch aus 3 CDs und bietet, zusätzlich zu den Liveaufnahmen und dem Studioalbum, Single-Versionen, Demos und Outtakes, die man eigentlich auf die zweite LP hätte pressen sollen, weil diese das eigentliche must-haves für UFO-Fans sind – und eine Fundgrube guter Musik.

Das Beiheft der CD befindet sich übrigens komplett auf der Gatefold-LP im Innenteil. Kein Download-Code.

Phenomenon ist eine der besten Hardrock-Platten und sollte in keiner Plattensammlung fehlen.

Doctor Doctor (Single Edit / 2019 Remaster)
UFO – Doctor Doctor (Single Edit / 2019 Remaster)

Built For Comfort (2019 Remaster)
UFO – Built For Comfort (2019 Remaster)

Rock Bottom (Rough Mix / 2019 Remaster)
UFO – Rock Bottom (Rough Mix / 2019 Remaster)

UFO – Phenomenon (Remastered, Deluxe, 2019)

UFO – Phenomenon (Remastered, Deluxe, 2019)