Platten von D.O.A, Fiona Apple, Lais, EAV …

Mitten im Corona-Experiment gibt es doch noch richtig gute Musik. Ich hatte schon Angst, niemand traut sich mehr in Abwesenheit einer Demokratie etwas zu veröffentlichen, ist es doch mit Mundschutz schwieriger mitzugrölen.

Doch welche Überraschung!

Noch vorab: Man muss auf dem Smartphone die Player teilweise 2x antippen, warum, weiß ich nicht.

D.O.A. – Treason (2020)

Ob Verrat der beste Titel dieses Albums ist… Zumindest wenn es heißen soll: Wir machen mal ne geile Platte, wenn sich sonst niemand traut.

Überhaupt sind Punks nicht mehr, was sie mal waren. Die meisten sind so etwas, wie Systempunks. Alle machen das selbe, jeder Punksong hört sich gleich an. Punk hat eine Uniform bekommen.

D.O.A. erfinden den Punk nicht neu. Masn kann die Platte auch nicht gerade originell nennen, aber dennoch… Als ich sie zum ersten Mal hörte, dachte ich D.O.A. hätten eine Best-Of-Platte veröffentlicht. Die Songs klingen, wie wenn jemand “Das Beste aus 40 Jahren” veröäffentlicht.

Seit 2013 hat D.O.A. eine neue Besetzung. Die einzige Konstante war ja immer nur Sänger und Gitarrist Joe Keithley. Er gab nie auf und gründete D.O.A. immer wieder neu, ähnlich, wie Tony Iommi bei Black Sabbath.

“Treason” ist nur 18 Minuten lang, enthält 8 Songs, davon sind tatsächlich nur 5 neu. “Just Got Back From The USA” und “Gonna Set You Strait” gabs schon auf “Fight Back” und “Fucked Up Donald” ist eine Single von 2016, wobei es schon mehrere “Fucked Up …”-Versionen früher gab, u.a. “Fucked Up Ronnie”, “Fucked Up Stephen”, etc. Je nach politischer Lage kann man diesen Song immer wieder neu anpassen.

D.O.A. machen guten alten Hardcore-Punk. Ihr Stil hat sich seit der ersten Platte nicht wesentlich verändert,was etwas schade ist, weshalb ich auch nicht mehr mit einer wirklich guten Platte gerechnet habe. 18 Minuten sind zwar dürftig, aber ok., ist Punk, da schafft man 8 Songs in der zeit. Dennoch: Die Gitarrenarbeit ist klasse und ich hätte nichts gegen längere Gitarrensolos, z:b: das Neil Young-Cover “My, My, Hey, Hey” hätte man locker ziehen können.

Treason ist eine der besten Platten seit langen, vielleicht die beste Punkplatte seit Jahrzehnten.

Die komplette Platte findet ihr übrigens u.a. bei YouTube und Spotify.

D.O.A. – Wait Till Tomorrow

Just Got Back from the USA
D.O.A. – Just Got Back From The USA

Gonna Set You Straight
D.O.A. – Gonna Set You Straight

Fiona Apple – Fetch The Bolt Cutters (2020)

Wenn Fiona Apple nach 8 Jahren eine neue Platte herausbringt, dann bekommen viele Kritiker einen Orgasmus. Wahrscheinlich reicht es schon, ihren Namen zu lesen.

“Fetch The Bolt Cutters” ist ihr fünftes Album und nicht gerade eingängig – aber es ist eben Fiona Apple. Wer noch nichts von ihr hat: Die Platten lohnen sich alle. Fiona Apple ist immer irgendwie anders, aber nicht allzu anders, so dass ihre Platten interessant sind, aber auch eingängige Stücke beinhalten. Nicht anders ist “Fetch The Bolt Cutters”, doch hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn sie sich häufiger an die üblichen Songstrukturen gehalten hätte. Das ist zwar “gewöhnlich”, aber abzuweichen ist nicht immer gleich besser. So sind viele Songs wie Geschichten. Sie haben einen Verlauf, verändern sich aber und am Schluss haben sie meist ein offenes Ende und schon beginnt der nächste.

Das ist faszinierend, aber wenn jemand fragen würde: “Wie genau ging nochmals der Song davor?”, dann ist ein bisschen schwierig, das zu beantworten. Deshalb ist es eine sehr gute Platte, etwas ungewöhnlich, man muss sie ein paar mal hören um einen Zugang zu finden, aber kein wirklich großer Wurf. Dennoch: wenn man sie normal auf Vinyl kaufen könnte, hätte ich sie schon.

Seltsam ist nämlich die Veröffentlichungspolitik von Fiona Apple: Man kann die Platte überall kostenlos anhören (YouTube, Spotify, etc.), doch nicht kaufen, außer bei ihr auf der Website. Da man dann allerdings 17 Euro Porto zahlen muss, denke ich nicht, dass es ein großer Verkaufserfolg wird. Manches muss man nicht verstehen.

Fiona Apple – Under The Table

Fiona Apple – Relay

Fiona Apple – For Her

Lais – 25 Jaar (2019)

Lais haben die selbe Veröffentlichungspolitik wie Fiona Aplle, nur dass es diesmal gar keine Möglichkeit gibt, eine LP oder CD zu ergattern. Schade, denn aus Belgien ists nicht so teuer, wie aus den USA. Auch Lais’ letzte Platte ist von 2009 (Lais Lenski). Es gab zwar inoffizielle Veröffentlichungen, aber nur auf den Konzerten in Belgien (Midwinter tales I & II). Auch das macht einen nicht gerade bekannter oder bringt viel Geld ein.

Nun Kommt eine Zusammenstellung mit ihren besten Stücken und einigen, die in den letzten 13 Jahren entstanden sind heraus. Auch diese gibts auf YouTube und Spotify.

Lais sind eine großartige Band, eine der besten überhaupt, weshalb ich diesen plötzlichen Rückzug 2009 nicht verstehen kann. 2006 gabs die großartige “Documenta”, dann 2007 “The Ladies’ Second Song”, eine etwas enttäuschende Platte zwar, aber immer noch besser als die meiste Konkurrenz (Platz 12 in den belgischen Charts, 20 Wochen in den Charts) und die Zusammenarbeit mit Simon Lenski war großartig, wenn auch nur Platz 15. Die komplette Dicographie findet man übrigens hier und ihren Werdegang auf holländisch (flämisch) hier. Ihre Website kann man kicken, die ist Schrott.

Vielleicht haben sie ja einen reichen Sponsor und müssen nichts verkaufen, wer weiß.

25 Jaar ist eine interessante Zusammenstellung, vor allem, da ich ich sie anders gemacht hätte, aber, na schön.

Lais sind drei Sängerinnen die mit abwechselnen Begleitmusikern verschieden Platten aufgenommen haben. Sie singen meist auf flämisch, manmchmal auch französisch. Ihre erste Platte “Lais” (oder auch “Alea”) von 1998 war bereits ein genialer Wurf. Damals noch rein Folk, mehrstimmiger Gesang. Mit der Zeit wurden sie manchmal etwas rockiger, oder auch synthetischer, aber die Schönheit blieb. Bis heute.

Lais – ‘t Smidje

Lais – ‘T Zoutvat

Lais – Marie Madeleine

Lais – Ik Geniet

Jennifer Rostock – Jennifer Rostock bleibt (live) (2018)

Diese Veröffentlichung habe ich garnicht mitbekommen. Mal wieder diese Schwierigkeit Infos über neu Platten zu bekommen. Auch auf die 25 Jaar von Lais bin ich nur zufällig gestoßen. Ärgerlich.

“Jennifer Rostock bleibt” ist eine gute, allerdings sehr schlecht mitgeschnittene Liveplatte. keine Ahnung, wer das Live mitgeschnitten hat, aber das breiige hätte sicherlich vermieden werden können. Ich frage mich öfter, ob manche Leute nicht taub sind oder zumindest einen mächtige Hörschaden haben, die an solchen Mischpults sitzen.

Wie dem auch sei: jennifer Rostock rockt und das gleich mit dem Opener, “Kopf oder Zahl”:

Wie gesagt, sind die Songs nicht so gut abgemischt, so dass manche Versionen etwas grässlich wurden, aber dennoch: Klasse Platte mit einigen Highlights. Leider gibt es sie nicht komplett auf YouTube, aber fast.

Irgendwas ist immer (Live 2018)
Jennifer Rostock – Irgendwas ist immer

Richtig gut live (Besser als die Studio-Version) finde ich “Ein Schmerz und eine Kehle”. Jennifer Rostock ist ein klasse Liveband, die mit ihrem Publikum kommuniziert. Deshalb ist es schön, dass sie Bühnenansagen mit drauf ließen, am Ende der Songs. Das gibt einem das Gefühl, das Konzert live zu erleben, nicht auch zuletzt wegen des schlechten Klangs 😉

Ein Schmerz und eine Kehle (Live 2018)
Jennifer Rostock – Ein Schmerz und eine Kehle

Was fehlt sind gute Gitarrensoli. Vielleicht mal probieren? Dem einen oder anderen Song täte eine Leadgitarre, die nach vorne drängt, ganz gut.

Leider gibts das Konzert nicht auf Platte, dafür aber in einer großartigen Edition mit 2 CD’s und 2 DVD’s zu einem wirklich kleinen Preis. Zuschlagen!

EAV – 1000 Jahre EAV Live (2019)

Was soll man sagen: EAV rockt:

Ba-Ba-Banküberfall (Live 2019)
EAV – Ba-Ba-Banküberfall

Neandertal (Live 2019)
EAV – Neandertal

Aber es geht natürlich auch anders:

Heimatlied / Rechts 2/3 (Live 2019)
EAV – Heimat

Auch auf diese Platte bin ich durch Zufall gestoßen (hier bei YouTube und auf Spotifiy). EAV waren ja schon immer lustig, aber dass sie Live richtig rocken können wusste ich nicht.

Die Live-Platte ist keine Best-Of. Es finden sich zwar viele bekannten Stücke drauf, auch auch viele nicht so verbreitete.

Zusätzlich gibts noch ein Live-/Studioalbum mit dem Titel “Lieblingslieder aus 1000 Jahre EAV” (YouTube, Spotify). Warum diese Zusammenstellung: Ich weiß es nicht, erschließt sich mir nicht. Ich brauche sie nicht. Natürlich bietet auch sie interessante Überraschungen, aber …

Küss die Hand schöne Frau
EAV – Küss Die Hand Schöne Frau

Jordan Reyne – Best Of Jordan Reyne (2017)

Da Jordan Reyne sich keiner großen Bekanntheit erfreut, möchte ich hier ein paar Lieder aus ihrer Best-Of-Platte vorstellen, die ihr übrigens hier auf Spotify, auf YouTube (unvollständig) und hier auf Bandcamp findet.

Jordan Reyne ist eine Solokünstlerin, die ihre Songs zu Hause aufnimmt und sich anhört, wie eine ganze Band. Auch Live ist sie ein echtes Erlebnis, weil man dann mitbekommt, wie diese Songs entstehen. Meist wird ein Instrument, oder die Stimme, eingespielt, also live aufgenommen, und dann im Loop abgespielt, damit sie dann wiederum Live dazu singen und spielen kann, faszinierend.

Auch wenn Jordan Ryne sehr keltisch klingt, so kommt sie doch aus Neuseeland, ist aber schon lange in Europa unterwegs und spricht deshalb manche Sprache, wie auch deutsch. Auf ihren Konzerten sitzt meist eine überschaubare Anzahl von Menschen, was einen wirklich erstaunt, denn das Repertoire ihrer Best-Of spielt sie natürlich auch live.

Da Jordan Ryne noch keine Hits hatte, wurde diese Best-Of nach den Wünschen ihrer Fans zusammengestellt. Man kann sie leider nur digital online kaufen. wenn sie euch gefällt, macht das bitte über Bandcamp, die Frau hat das Geld nötig, leider.

Jordan Reyne – A Woman Scorned

Jordan Reyne – The Brave

Jordan Reyne - The Ferryman
Jordan Reyne – The Ferryman

Jordan Reyne – Don’t Look Down