Musik: Neuentdeckungen 10/19

The Raconteurs – Help Us Stranger (2019)

Wiedervereinigungen gehen nicht häufig gut. Die Singleauskoppelung vorab „Help Us Stranger / Now You‘re Gone“ weckte in mir große Hoffnungen. Vor allem das großartige „Now You‘re Gone“ hat es mir angetan. Leider wurde ich enttäuscht. Es gibt zwar gute Songs auf der Platte, doch die Größe von „Now You‘re Gone“ wird kein zweites Mal erreicht. Fans von Jack White und den Raconteurs werden zufrieden sein, mehr nicht. Seit dem Ende der White Stripes bringt Jack White zwar regelmäßig gute Platten heraus, doch so richtige Begeisterungsstürme schaffen sie nicht auszulösen. Schade, doch zumindest ist es beständige Qualität und man muss keinen Einkauf bereuen. Dennoch: Da wäre mehr drin!

The Raconteurs - "Now That You're Gone" (Official Video)
The Raconteurs – Now That You’re Gone (Official Video)

Shine The Light On Me
The Raconteurs – Shine The Light On Me

The Raconteurs - "Help Me Stranger" (Official Music Video)
The Raconteurs – Help Me Stranger (Official Video)

The Ghost Wolves – TEXA$ PLATINUM (2017)

The Ghost Wolves - TEXA$ PLATINUM (2017)

Die Ghost Wolves sah ich in Stuttgart im Keller Club. Sie waren die dritte Band. Als die zweite Band ihre Instrumente eingepackt hatte und es daran ging für die Ghost Wolves aufzubauen, kam eine junge Frau in einem ultra-kurzen Minirock und Cowboyhut auf die Bühne. Alles in Weiß mit viel Glitzer. Sie bückte sich, steckte die Kabel ein und bemühte sich konstant, dass ihr Minirock nicht hoch rutschte. Das hatte etwas völlig Absurdes. Glitzer-Cowboy-Kostüm, Minirock und dabei auf dem Boden die Arbeit der Rowdys erledigen, dabei ständig den Minirock runter ziehen. Es hätte ja was Längeres sein können, dachte ich so bei mir.

Doch dann nimmt diese junge Frau eine Gitarre in die Hand, ein Schlagzeuger kommt auf die Bühne und ein Orkan weht über uns herein. Wow! Man muss die zwei live gesehen haben um das zu glauben.

Die aktuelle Singe (Oktober 2019) gibts exklusiv bei Third Man Records, dem Label von Jack White – und klingt noch besser als Texa$ Platinum, ihre bisher letzte Platte. Das lässt hoffen!

Third Man Records schreiben über das Duo The Ghost Wolves:

“Das Duo vereint Rock’n’Roll, Punkrock, Garage und Blues mit elektronischen Elementen und gilt als eine der am härtesten arbeitenden Bands im modernen Rock’n’Roll-Underground, das seit fast acht Jahren auf internationalen Tourneen mit fast 1000 Shows unterwegs ist, in mehr als 23 Ländern unterwegs war, einschließlich des größten Teils Westeuropas, der USA, Großbritanniens und Japans.”

Für mich eine besten existierenden Bands!

Doch macht euch selbst ein Bild (bzw. einen Klang):

The Ghost Wolves – Man, Woman, Beast (2014)

Ein gleichfalls großartiges Album, wozu ich nicht mehr sage, hört es euch an!

Ian Gillan with the Don Airey Band and Orchestra – Contractual Obligation (2019)

Ian Gillan with the Don Airey Band and Orchestra - Contractual Obligation (2019)

Ian Gillan with the Don Airey Band and Orchestra veröffentlicht 3 verschiedene Konzerte, einmal aus St. Petersburg, eins aus Warschau und eins aus Moskau. Das seltsame Veröffentlichungsgebahren bringt es mit sich, dass man Live in St. Petersburg nur auf LP bekommt, Live in Warschau nur auf CD und Live in Moskau nur auf Blu-ray. Der Sinn dahinter wird mir nicht ganz klar. Da ich auf LPs stehe, habe ich mir Live in St. Petersburg zugelegt und Blu-rays schaue ich eh nicht… Wer sie gerne sehen möchte: Das meiste gibts auf YouTube!

Es lohnt sich übrigens, es sich anzuschauen! Großartiges Konzert, großartige Band und tolles Orchester. Eines der besten Deep Purple Live Alben – nur leider nicht von Deep Purple. Wobei mit Ian Gillan und Don Airey ja zumindest zwei der aktuellen Mitglieder dabei sind.

Die Liveaufnahmen haben Studio- Qualität und das Orchester ist eine echte Bereicherung. leider kommt es etwas selten richtig groß raus. Ein Highlight ist jedoch für mich die Solo-Geige in Lazy.

Dass wir Don Airey eigentlich gut kennen müssten, fällt uns spätestens auf, wenn Beethovens Neunte erklingt, bzw. Difficult To Cure: Er war einst Keyboarder bei Rainbow.Und dann noch diese Gitarre dazu… Ist das nicht Ritchie Blackmore? Nein? Es ist Simon McBride und er sorgt dafür, dass ich schwören würde, noch nie solch geniale Gitarrensolies auf einer Deep Purple-Platte gehört zu haben. Ritchie, ich vermisse dich keine Sekunde, sorry.

Eine Wahnsinns-Band, tolle Aufnahequalität, teilweise tolle Arrangements mit Orchester, da dürfen gerne auch mal ein paar Songs dabei sein, die eher aus dem 2. Rang kommen. Klasse!

Lazy - Ian Gillan and Don Airey Band - Live in Moscow
Ian Gillan with the Don Airey Band and Orchestra – Lazy (Live in Moscow)

Ian Gillan "Strange Kind Of Woman" (Live from Moscow) - "Contractual Obligation" out now!
Ian Gillan with the Don Airey Band and Orchestra – Strange Kind Of Woman (Live in Moscow)

Ian Gillan "Smoke On The Water" - Live in Moscow - Album "Contractual Obligation" out now!
Ian Gillan with the Don Airey Band and Orchestra – Smoke On The Water (Live in Moscow)

Ian Gillan with the Don Airey Band and Orchestra ( Live in Moscow)
Ian Gillan with the Don Airey Band and Orchestra – Perfect Strangers / Pictures of Home ( Live in Moscow)

William Elliott Whitmore – Kilonova (2018)

William Elliott Whitmore - Kilonova (2018)

William Elliot Whitmore hat mit Kilnova ein schönes Album mit Cover-Songs veröffentlicht. Es haben es zwar nur 3 in meine Bestenliste geschafft (“Ain’t no sunshine”, “Busted” und “Five Feet High and rising”), doch kann man es wunderbar durchhören und entspannen. Alles sehr laid back, hervorragend produziert und William Elliott Whitmore hat eine schöne Stimme. Da es diese Platte auf Bandcamp gibt, muss man mir auch nicht glauben, man kann sie sich komplett anhören:

Status Quo – Aqoustic (Stripped Bare) (2014)

Status Quo - Aqoustic (Stripped Bare) (2014)

Mit Aqoustic überraschen mich Status Quo. Die Platte enthält Perlen, die ich ihnen nicht zugetraut hätte, allen voran “Again and Again” als Cajun. Status Quo zeigen, dass sie auch anders können. Schade, dass sie diese Seite so wenig zeigen. Das neue Album (“Backbone”) ist nur langweilig, wenig originelle Ideen, 08/15-Rock. Aber schlechter als die letzte Whitesnake-Platte ists nicht, also so gesehen befinden sie sich in guter Gesellschaft. Doch im -gegensatz zu Whitesnake können sie unplugged.

Ich hätte an ihrer Stelle nicht 21 Stücke auf die Platte gepackt, von denen die Hälfte niemand braucht, sondern 10 bis 12, die besten und originellsten Stücke und es wäre eine grandiose Platte geworden. Doch so hat man nicht immer das Gefühl, eine wirklich gute Platte zu hören. Manchmal ist weniger mehr. Man hätte mit Originalität (wie bei Again and Again) viel herausholen können. Die Fans werden dennoch begeistert sein. Der Nachfolger hat mir nicht mehr ganz so gut gefallen, doch ist auch er durchaus hörenswert.

Doch hier nun meine persönlichen Perlen aus “Aqoustic”

Status Quo – Caroline

Status Quo – Softer Ride

Status Quo – Again and Again

Wiederveröffentlichungen etc.

Creedence Clearwater Revival – Live At Woodstock (2019)

Creedence Clearwater Revival - Live At Woodstock (2019)

Creedence Clearwater Revival spielten 1969 in Woodstock, was vielen nicht bekannt war, da sich ihr Auftritt auf den offiziellen Woodstock-Platten nicht findet. Anscheinend glaubte die Band, der Auftritt wäre zu schlecht gewesen und wollte deshalb nicht, dass er irgendwo zu hören war. Zudem hatte man in Woodstock mit zahlreichen technischen Problemen zu kämpfen, so dass manche Stücke nicht aufgenommen werden konnte, weil eine Kamera ausfiel und anderes mehr. Der Regen war nicht eingeplant. Das hört man der Platte durchaus auch an, aber die Musik wurde dennoch grandios restauriert. Besser klang noch keine Woodstock-Platte.

Warum CCR schlecht gewesen sein sollen, wird einem beim Anhören nicht klar, zumal es wenig Verglichsmaterial gibt, da CCR mit der Veröffentlichung von Liveaufnahmen allgemein nicht so freundlich waren und diese meist auch nicht so gut waren. Dadurch ist sie tatsächlich vielleicht die beste Live-Platte von CCR.

Creedence Clearwater Revival - Born on the Bayou (Live at Woodstock)
CCR – Born on the Bayou

Green River (Live At The Woodstock Music & Art Fair / 1969)
CCR – Green River

Bad Moon Rising (Live At The Woodstock Music & Art Fair / 1969)
CCR – Bad Moon Rising

Deep Purple – Live in Newcastle 2001 (2019)

Deep Purple - Live in Newcastle 2001 (2019)

Noch eine Live-Aufnahme, die sich lohnt. Deep Purple in der letzten Besetzung mit Jon Lord, aufgenommen 2001 in Australien.

Was gefällt ist, dass man auch einmal “Mary Long” oder “No One Came” live hört, grandiose, viel zu wenig live gespielte Stücke, wie auch “Speed King”, was mein perrsönliches Highlight ist (bin aber auch Purple-Fan), 16:59 lang Speed King!

Das Konzert wurde bereits in einer 12-CD-Compilation mit 5 anderen Konzerten der Australien-Asien-Tournee unter dem Titel “The Soundboard Series” veröffentlicht, allerdings als streng limitiert.

Zum Konzert in Newcaslte zitiert JPC Roger Glover mit den folgenden Worten: “Nachdem wir in den frühen 70ern durch Australien tourten, sind wir 1999 mit Steve Morse an der Gitarre zurückgekommen. Australien hat uns 2001 mit offenen Armen willkommen geheißen. Deshalb haben wir uns für diesen Abend etwas ganz Besonderes einfallen lassen: wir haben mehrere Sänger und einige Bläser eingeladen. Es war ein ganz besonderer und einzigartiger Gig.

No One Came (Live in Newcastle 2001)
Deep Purple – No One Came

Highway Star (Live in Newcastle 2001)
Deep Purple – HighwayStar

Speed King / Good Times (Live in Newcastle 2001)
Deep Purple – Speed King

Lynyrd Skynyrd – Live in Atlantik City (2018)

Lynyrd Skynyrd - Live in Atlantik City (2018)

Das Cover ist zwar das Billig-Cover-Des-Grauens, aber darin verbirgt ist ein richtig gutes Live-Album. Lynyrd Skynyrd sind in Spiellaune mit zahlreichen Gästen, wie 3 Doors Down oder Hank Williams Jr.

Leider haben Lynyrd Skynyrd es über die Jahre nicht geschafft, neue großartige Stücke zu schreiben, die denen, der ersten Besetzung, vor dem Flugzeugabsturz, gleichkommen. Auch hier begeistern die alten Stücke, von denen es auch mehr als genügend auf der Platte hat.

Gibt es noch etwas, das man zu dieser Band sagen muss?

Vielleicht noch: “Sweet Home Alabama” wurde über die Jahre zu einem Song, der einfach nur Alabama lobt, hat den Rassismus-Inhalt nahezu vergessen lassen. Der Song selbst enthält auch nichts Rassistisches und Lynyrd Skynyrd verwenden auch nicht mehr die Südstaaten-Flagge. Sie haben gelernt. Dennoch war er eine Antwort auf Neil Youngs “Alabama”, das gerade den Rassismus anprangert. Doch den jüngeren kann es eigentlich egal sein. Ich habe sogar gelesen (weiß nicht mehr, wo), dass sogar Neil Young den Song mal gespielt hätte und die Feindschaft begraben wäre. Vielleicht stimmts ja, ich hoffe es, den musikalisch sind sie immer noch großartig, noch das Composing und Song-Arrangement klappt nicht mehr so gut, wie früher. Aber die alten Titel rocken noch.

Saturday Night Special (Live)
Lynyrd Skynyrd with 3 Doors Down – Saturday Night Special

Down South Jukin' (Live)
Lynyrd Skynyrd feat. Hank Williams – Down South Jukin’

Call Me the Breeze (Live)
Lynyrd Skynyrd – Call Me The Breeze