Corona in Sachsen

Vorwort

Als ich “Sklaverei in Massachusetts” übersetzte, fiel mir auf, dass dieser Text unsere heutige Situation in Deutschland mehr betrifft, als jeder andere Text von Henry David Thoreau.

Was passiert, wenn man “Sklaverei” durch “Corona-Verodnungen” ersetzt, “Sklaven” durch “unter den Corona-Verordnungen leidende” und “Sklavenhalter” durch “Fans der Corona-Verordnungen”? Der Text wird erstaunlich aktuell.

Zusätzlich habe ich ihn nach Deutschland verlegt und die enthaltenen Orte, Zeitungen, etc. durch deutsche ersetzt. Aus “Gouverneur” wurde “Ministerpräsident” und aus den Soldaten wurden Polizisten, da zu Thoreaus Zeiten, die Soldaten die Verhaftungen vornahmen und nicht die Polizei. Zudem hat ein Ministerpräsident nur die Hoheit über die Polizei, nicht über das Militär.

Nach Sachsen verlegte ich ihn, weil ich einen Ort brauchte, an welchem Menschen für ihre Freiheit kämpften und eventuell noch heute stolz darauf sind. Deutschland hat da leider keine große Auswahl zu bieten. In Leipzig befindet sich nicht nur die Nikolaikirche, auch die Völkerschlacht zu Leipzig könnte man als “Befreiung” deuten. So dass sie eine Stadt, mit einer großen Historie ist.

Viel Spaß beim Lesen und beim Entdecken, wie aktuell Henry David Thoreau heute immer noch ist!

Menschsein kommt nur durch Meinungsvielfalt zustande. Gleichmacherei zerstört Leben.

Gleichheit und Gleichmacherei

Vielfalt und Einfalt sind schon häufiger Themen auf meinem Blog gewesen. Auch Gleichschaltung, Gleichmacherei und Gleichheit kommen immer wieder vor.

Gleichmacherei ist, wenn alle Menschen “gleich” “gemacht” werden, indem man sie alle in die selbe Schublade presst, ob sie wollen oder nicht. Ein schönes Beispiel ist hier der “Gender-Star“, eine Gleichmacherei, die alle Minderheiten in einem Stern zusammenfasst und behauptet, jetzt wären alle genannt. Jede Minderheit ist nur noch “Stern”.

Wenn alle gleich sein müssen, weil es so besser ins Weltkonzept von Gutmenschen passt, so erinnert das doch eher an Faschismus, an Gleichschaltung, als an echte Gleichheit.

Gleichheit ist ein Konzept, ein Seinszustand (Ich bin gleich). Sie ist nichts Aufgezwungenes, sondern eine Möglichkeit, die ich nutzen kann, die Rechte nach sich zieht. Gleichheit ist keine Verpflichtung, niemand zwingt mich dazu. Ich bin es und kann es sein, oder es einfach nicht beachten.

Ursprünglich war es vor allem die Gleichheit vor dem Gesetz. Für jeden Menschen sollten die gleichen Gesetze geben. Aber es bedeutet auch: Jeder Mensch sollte die gleichen Möglichkeiten haben – und somit auch, was auch bedeutet, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben muss, respektiert und nicht diskriminiert zu werden.

Gleichmacherei dagegen steckt Menschen in Schubladen, macht sie gleich, ob sie wollen oder nicht. Letzten Endes ist ihr Ziel die Unterscheidung, das Hervorheben von: Du gehörst nicht dazu, denn du bist gleich zu diesen, nicht zu uns! Deshalb sind die Minderheiten auch das “Sternchen” und die Männer und Frauen sind die anderen.

Auch ist es das Ziel von Gleichmacherei, Menschen zu entmündigen. Alle, die z.B. “trans*” genannt werden, haben dann auch die Verpflichtung, gefälligst die gleichen Probleme zu haben, ähnliche Erscheinungsformen, etc. Wir stecken Menschen in Schubladen um ihnen Eigenschaften zuzuschreiben, die sie nicht haben. Das hat schon früher funktioniert, mit der Schublade “Jude” und “Deutscher”, heute klappts auch super, da verwendet man eher “Türke”, “Islam”, “trans*” und vieles mehr. Das Motto scheint zu sein: Wer die Gruppe zuerst benennt, darf über ihre Eigenschaften bestimmen.

Doch wir sind alle verschieden. Wir sind alle unverwechselbare besondere Individuen. Unsere Gesellschaft ist Vielfalt, nicht Einfalt. Wir können das Recht oder die Möglichkeit auf Gleichheit nutzen, wenn wir sie brauchen, doch wenn nicht, können wir es lassen. Doch diese Gleichheit bedeutet: Wir haben alle das gleiche Recht verschieden zu sein. Wir haben alle das gleiche Recht, anders zu sein und anders zu leben.

Das Ich und die Anderen

Ich kann nur ich sein, wenn alle anderen nicht-ich, also anders sind. Dies gilt für jeden Menschen. Jeder kann nur er selbst, ein einzigartiges Individuum sein, wenn er wirklich einzigartig ist. Also müssen wir alle uns von einender unterscheiden, damit wir wir selbst, damit wir Individuen sein können.

Meinungsvielfalt ich wichtig, denn sonst höre ich auf als Individuum zu existieren. Da uns der Andere in der Sprache begegnet, kommt ihr eine besondere Bedeutung zu.

Hätten wir keine Meinungsvielfalt, keine deutlichen Unterschiede, müssten wir nicht mehr miteinander reden. Wenn wir alle das Gleiche denken, müssen wir uns nicht mehr austauschen, da wir ja wissen, was der Andere denkt. Doch das Soziale entsteht erst im Austausch.

Wenn also zu viele das Gleiche denken und meinen, hören sie auf, soziale Lebewesen zu sein.

Sie werden asozial (weg vom Sozialen) und einsam.

Hohe Übereinstimmung und geringe Unterscheidung bedeuten Einsamkeit, weil es keinen notwendigen Austausch mehr gibt, keinen, der mir zeigt, dass ich ich bin und nicht der Andere. Erst verschiedene Meinungen und Ansichten machen uns verschieden. Gleiche Ansichten machen uns gleich.

Die Gemeinschaft und das Ich

Gleichschaltung, die gleichen Ansichten zu vertreten, scheint vielleicht zunächst positiv. Durch etwas Gemeinsames entsteht Gemeinschaft. Doch je ähnlicher man sich wird, desto mehr stirbt das Soziale, weil der Austausch nicht mehr notwendig ist.

Theoretisch müsste man wieder Anstrengungen unternehmen, um sich von der Gemeinschaft zu unterscheiden, um wieder ganz man selbst zu sein, um einzigartig und individuell zu sein.

Doch möchte man die Gemeinschaft nicht verlassen, also steht man vor einem scheinbaren Paradoxon, das aber keines ist.

Schon im fernöstlichen Diwan gibt es diese schöne Zeile von Goethe:

Dich im Unendlichen zu finden,
muss unterscheiden, dann verbinden.

Wenn wir uns klar unterscheiden, lohnt sich eine Kommunikation und ein echtes soziales Gebilde entsteht. Dies bleibt aber nur dann existent, wenn wir uns weiterhin genügend unterscheiden, damit eine Kommunikation notwendig bleibt. Gemeinsamkeiten schaffen also nicht nur Gemeinschaften als soziale Gebilde, sie können sie auch zerstören.

Wenn Menschen dies nicht erkennen, dass gerade die Vielfalt das ist, was Lebendigkeit und soziale Gemeinschaften erzeugt und eher daran glauben, maximale Übereinstimmung untereinader erreichen zu müssen, haben sie das Problem des Verschwindens des Ich. Sie lösen sich quasi in der Gemeinschaft auf.

Deshalb haben totalitäre Staaten ja auch Parolen, wie “Du bist nichts, dein Volk ist alles!”

Bei zu viel Gemeinsamkeiten, zu viel Übereinstimmungen, verschwindet das Individuum und nur noch die Gemeinschaft bleibt übrig im Sinne einer bestimmten Anzahl von Menschen mit vielen Gemeinsamkeiten. Eine Gemeinschaft ist also kein soziales Gebilde in jedem Falle. Sie ist nur eines, wenn die Gemeinsamkeit auf ein Minimum beschränkt bleibt.

Die Gemeinschaft und die Anderen

Verstehe ich das nicht, möchte ich Individuum, also ich selbst, bleiben aber dennoch einer Gemeinschaft von umfangreich Gleichgesinnten angehören, so muss ich die Unterschiede außerhalb suchen. Wenn ich die Angst habe, dass die Unterscheidung von anderen Mitgliedern der Gemeinschaft zu meiner Ausstoßung führen könnte, ich aber diese Unterscheidung benötige um mich zu definieren, so wende ich mich gegen andere, die nicht zur Gruppe zu gehören. “Ich bin nicht wie die” wird dann zum letzten Rettungsankers der verbleibenden geringen Individualität. Es wird der Strohhalm, nach der das Ich greift, um zumindest ein wenig das Gefühl zu haben noch zu existieren.

Dies bedeutet, dass in einer gleichgeschalteten Gesellschaft, wenn nur noch eine Meinung und eine Ansicht gelten soll, es immer auch zunächst “die Anderen” gibt, diejenigen, die man hasst, bevor man auch diese vertrieben oder getötet hat und sich dann quasi selbst auflöst. Mit dem Verschwinden des Anderen, verschwindet letzten Endes auch das Ich.

Für einen Staat bedeutet dies letzten Endes die Auflösung.

Wenn alle gleich sind, wenn es keinen sozialen Austausch mehr gibt, verschwindet das Soziale. Der Staat aber ist ein soziales Gebilde, also verschwindet er.

Oder anders ausgedrückt: Wenn ein Führer es schafft, dass sich alle seiner Meinung anschließen, muss er sie niemandem mehr mitteilen, denn es kennt sie ja schon jeder. Er muss nicht mehr sprechen, denn jeder weiß ja, was er sagen möchte, weil alle das Gleiche denken und meinen. Er muss also auch nicht mehr regieren. Er ist überflüssig. Jeder weitere Austausch unter den Menschen wird überflüssig und sie können sich genauso gut auch gleich töten, da auch das Leben des Einzelnen keinen Sinn mehr ergibt. Wenn ein Mensch fehlen würde, würde es niemandem auffallen. Es fällt nur auf, wenn jemand etwas Besonderes ist. Wenn aber alle gleich sind in ihren Meinungen und Haltungen, so ändert sich daran auch nichts, wenn einige nicht mehr da sind.

Wenn wir nichts ändern, wozu existieren wir dann? Wenn meine Existenz nicht von Belang ist, so ist sie belanglos. Sie ergibt keinen Sinn mehr.

Schluss: Die Realität, die Politik

Dass dies stimmt, sehen wir alle an der aktuellen Politik. Viele Menschen finden Politik langweilig und fragen sich: Wen soll ich denn noch wählen?

Seit vielen Jahren erleben wir, dass die Übereinstimmungen zwischen den Parteien immer größer werden und die Unterschiede abnehmen.

Dies könnte man positiv sehen, denn wenn alle das Gleiche sagen, muss es doch richtig sein, oder?

Doch statt einer Erleichterung, dass es ja egal ist, wen wir wählen, weil alle ja das Gleiche (und somit das scheinbar Richtige) sagen, verspüren wir eine Unzufriedenheit.

Diese Gleichförmigkeit zerstört die Lebendigkeit in der Politik. Politik lebt von Auseinandersetzungen und Streitigkeiten. Wo sie fehlen, fehlt die Politik

Auch wir merken, dass wir diese für uns und unsere Meinungsbildung benötigen. Wenn alle das Gleiche meinen, müssen wir uns keine Meinung mehr bilden. Wir schließen uns einfach an – oder widersprechen allen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht mehr.

Also gehen wir weniger zur Wahl. Die Wahl ist ja eigentlich auch keine mehr. Gleichschaltung, Gleichförmigkeit und fehlende Unterschiede verlangen von uns nicht, eine Wahl zu treffen. Also treffen wir auch keine und bleiben zu Hause.

Bislang war die AfD eine Art Rettungsanker: Die einen gingen zur Wahl, weil sie sie gut fanden, die anderen, weil sie deren Regierungsbeteiligung verhindern wollten. So war die AfD verrückterweise die letzte demokratische Partei, die demokratisch gewählt wurde.

Nun ist auch sie gleichgeschaltet, also was passiert?

Man positioniert sich für oder gegen die Corona-Maßnahmen als einzige Möglichkeit, noch eine Wahl zu treffen. Oder man igelt sich ein, sagt “Die Mehrheit hat Recht! Ich wurde gezwungen mitzumachen!”. Eine beliebte deutsche Haltung. Die Zukunft ist gesichert! Wer sich positioniert kann falsch liegen, wer mitmacht sieht sich immer als Opfer.

Die letzte Lebendigkeit findet man im Widerstand, weil er uns letzten Endes frei macht, wie Sartre ja so schön darlegte. Doch auch für all diejenigen, die den Widerstand hassen können, gibt er einen Funken Freiheit, einen Funken eines Ichs, eine Möglichkeit sich im Mitmachen und Mitschwimmen, im Gleichdenken und Gleichhandeln sich noch als Individuum wahrzunehmen. “Das sind die Covidioten! Ich bin nicht wie die! Ich bin anders!”

Titelbild

Bild von Alexandr Ivanov auf Pixabay

Die Philosophie von Karl Marx

“Sollte die Welt zu der Tradition des Humanismus zurückkehren und die Entartung der westlichen Kultur sowohl in ihrer sowjetischen wie in ihrer kapitalistischen Form überwinden, wird sie entdecken, dass Marx weder ein Fanatiker noch ein Opportunist war, sondern dass er die Blüte der westlichen Humanität darstellt.” (Fromm 1982, 79)

Vorwort

Ich habe viel geschrieben von der Angst der Linken vor dem Sozialismus; Ich habe einen Text geteilt, der beschreibt, dass nicht überall, wo links drauf steht, auch links drin ist und wie man dies besonders an den Verbrechen der AntiFa sehen kann. Inzwischen sind die Begriffe “links” und “rechts” bedeutungslos geworden. Sie dienen nur noch zur Abgrenzung, nach dem Motto: “Ich bin gut, ich bin links. Du bist ein Arsch, du bist rechts!” Entsprechend werden inzwischen auch alle, die mit der aktuellen Politik nicht einverstanden sind als “Rechtsextrem” bezeichnet, als Verschwörungstheoretike und als Corona-Leugner. Die Abwertung des Anderen, dessen, der die eigne Meinung nicht teilt, ist ein beliebter Propaganda-Trick.

Es ist schade. Früher hatten die Begriffe “links” und “rechts” noch eine Bedeutung. So musste ich selbst miterleben, wie im Kreisvorstand der Linken in Ludwigsburg, dem ich angehörte, ein Mitglied unverschämt behandelt wurde, weil er einen Marx-Workshop anbieten wollte. Sogar Vorstände der linken wollen nichts mehr mit Karl Marx und seiner Philosophie zu tun haben. Alle sind plötzlich in der Mitte, sogar die Linken.

Es findet eine Verdrehung der Begriffe statt, wie jemand auf Facebook so schön bemerkte, weil es nur noch um Abgrenzung geht, nicht mehr um Inhalte. Die Philosophie von Karl Marx wird absichtlich falsch wiedergegeben und beschmutzt.

Deshalb im Folgenden ein etwas älterer Text von mir: Eine Zusammenfassung der Philosophie von Karl Marx. Karl Marx war vielleicht der größte Philosoph, den Deutschland je hatte, zusammen mit Friedrich Nietzsche, und über beide redet man nur noch schlecht. Inzwischen sogar über den Dritten im Bunde, über Immanuel Kant. Alle wollen, dass wir uns bewusst werden, wer wir sind, dass wir die Entfremdung des Menschen von der Natur (Marx), von seiner eignen Geschichte (Nietzsche), oder dass wir gar unseren Verstand befreien (Kant). Doch was wollen wir?

Vielleicht tut ein bisschen philosophische Bildung ganz gut, um eine echte Entscheidung treffen zu können.

Zum Ursprung dieses Textes

Diesen Text schrieb ich etwa 1992. Damals noch per Hand und meine Mutter tippte ihn für mich auf der Schreibmaschine ab. Ich hatte einen Marx-Fan als Professor, was ich zum Anlass nahm, mich einmal mit Marx und Engels zu beschäftigen. Ich machte dann auch meine Soziologie-Prüfung über die Geschichts-, Familien- und Rechtssoziologie des Marxismus. Die einzige Prüfung, in der ich wirklich gut war. Das beste Buch über Marx ist meines Erachtens “Rius – Marx für Anfänger”, ein ultra genialer Comic, den es leider nur noch im Antiquariat gibt. Ansonsten kommt man um die Originalschriften nicht herum. Die wichtigsten sind meiner Ansicht nach die “ökonomisch philosophischen Manuskripte” auch “Pariser Manuskripte” genannt, darin vor allem “Die Entfremdung der Arbeit”. Außerdem sollte man das “Manifest der Kommunistischen Partei” lesen um zumindest grundsätzlich zu verstehen, um was es Marx und Engels ging. Und auch “Lohnarbeit und Kapital” zeigt sehr gut auf, was immer noch gilt. Marx war nicht einfach ein Philosoph, er hat versucht wissenschaftlich Soziologie zu betreiben und hat in diesem Rahmen Zusammenhänge zwischen dem Menschsein, der Bedeutung der Arbeit und der damit zusammenhängenden Entlohnung, bzw. Abhängigkeit, erforscht. Man mag mit seinen Schlussfolgerungen nicht immer einverstanden sein, aber seine Analysen sind wichtig und lesenswert – und keinesfalls überholt.

A: Der Mensch als Naturwesen

Der Mensch Karl Marx nennt den Menschen ein “Naturwesen”. Dies bedeutet, dass der Mensch ein Teil der Natur (5) und diese ein Teil des Menschen ist. Marx schreibt: “Die Natur ist der unorganische Leib des Menschen, nämlich die Natur, soweit sie nicht selbst menschlicher Körper ist [?]. Die Natur ist sein Leib, mit dem er in ständigem Prozeß bleiben muß, um nicht zu sterben. dass das physische und geistige Leben mit der Natur zusammenhängt, hat keinen anderen Sinn, als dass die Natur mit sich selbst zusammenhängt, denn der Mensch ist ein Teil der Natur”. (Marx, Engels, und Institut für Marxismus-Leninismus (Berlin 1968), 516). Und nicht nur das, sondern der Mensch “tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eigenes Leben brauchbaren Form anzueignen”. (MEW, 23, 192) Diesen Vorgang nennt Marx “produzieren.” Durch die Produktion u.a. unterscheidet sich der Mensch vom Tier: “[…] wodurch sie sich von den Tieren unterscheiden, ist nicht, dass sie denken, sondern dass sie ihre Lebensmittel selbst produzieren”, (MEW, 3, 20) um so Nahrung, Obdach Natürlich produziert auch das Tier (z.B. Höhlen, Nester etc.), jedoch “nur unter der Herrschaft des unmittelbar physischen Bedürfnisses, während der Mensch selbst frei vom physischen Bedürfnis produziert und erst wahrhaft produziert in der Freiheit von demselben,

[Das Tier] [?] produziert nur sich selbst, während der Mensch die ganze Natur reproduziert.” (MEW, EB 1, 517) “In dem er… auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigene Natur. Er entwickelt die in ihr schlummernden Potenzen und unterwirft das Spiel ihrer Kräfte seiner eigenen Botmäßigkeit.” (MEW, 23, 192) Dadurch sind Mensch und Tier ihre eigenen Schöpfer (beide produzieren sich selbst), jedoch nur der Mensch macht die Selbst-Produktion (und Reproduktion der Natur) bewusst, wodurch sein eigenes Leben zum Gegenstand seines Wollens und Bewusstseins, zum “Lebensmittel”, wird. Das Tier hin gegen bleibt eins mit seiner Lebenstätigkeit (da es diese nicht bewusst tut), (vgl.: MEW, EB 1, 516). Die Selbsterschaffung von Mensch und Tier macht diese jedoch nicht frei, sondern stellt sie erst einmal “auf eigene Füße” (vgl. MEW, EB q, 544). Um wirklich frei zu sein, muss man sich der Abhängigkeit von der Natur (als Teil der Natur) bewusst sein, genauso wie der eigenen Macht den Status Quo zu ändern, zu produzieren. Marx schreibt hierzu: “Freiheit besteht also in der auf Erkenntnis der Naturnotwendigkeiten begründeten Herrschaft über uns selbst und über die äußere Natur … . Die ersten, sich vom Tierreich sondernden Menschen waren in allem wesentlichen so unfrei, wie die Tiere selbst; also jeder Fortschritt in der Kultur war ein Schritt zur Freiheit.” (MEW, 20, 106) Wie schon weiter oben angesprochen, produziert der Mensch nicht nur um “unmittelbar physische Bedürfnisse” zu befriedigen, sondern weil es in seinem Wesen liegt zu produzieren, sich auszudrücken, sich selbst zu verwirklichen, d.h. seine Fähigkeiten auszubilden, sich ihnen (und ihren Grenzen) bewusst zu werden, um frei zu werden. Durch seine Taten zeigt der Mensch somit, was er ist und die Grenzen seiner taten zeigen ihm, was er sein kann. “Wie die Individuen ihr Leben äußern, so sind sie. Was sie sind, fällt also zusammen mit ihrer Produktion, sowohl damit, was …. als auch damit, wie sie produzieren.” (MEW, 3, 21) “Erst in der Gemeinschaft existieren für jedes Individuum die Mittel, seine Anlagen nach allen Seiten hin auszubilden, erst in der Gemeinschaft wird also die persönliche Freiheit möglich.” (MEW, 3, 423) Zu diesen “Anlagen” gehören nicht nur physische, sondern auch seelische (Liebe, Achtung, etc.) und geistige Anlagen (logisches Denken, Fantasie, etc.). Die Gesellschaft verhilft nicht nur zur Freiheit, sondern auch zu einer neuen Abhängigkeit (das Bewusstsein dieser Abhängigkeit und das bewusste eingehen derselbigen ist ein freier Akt und macht wiederum frei, frei sich auch gegen diese zu entscheiden).

B: Der Arbeiter/Proletarier

Wenn Marx vom “Arbeiter” spricht, so meint er meist den Proletarier, also den Arbeiter, der Kein Eigentumsrecht an den Produktionsmitteln (mit Hilfe derer er selbst produziert) hat. Von Natur aus ist jeder Mensch ein Arbeiter (im wahrsten Sinne dieses Wortes), da er arbeiten muss, um seine Lebensmittel zu produzieren, ja um überhaupt (über-)leben zu können. In seiner Arbeit, bzw. Produktion, kann der Mensch sich selbst verwirklichen, zeigen und tun, was er ist. Jedoch in der heutigen (Marx’schen) Zeit ist dies nicht mehr so, zumindest für einen großen Teil der Bevölkerung, nämlich für den Proletarier, also für die Arbeiterklasse Da sie selbst keine Produktionsmittel als Eigentum haben, müssen sie (um überleben zu können) ihre Arbeitskraft verkaufen. Der Kapitalist (= der Eigentümer der Produktionsmittel) setzt diese Arbeitskraft zu seinem eigenen Nutzen und nach eigenen Vorstellungen ein. Für den Arbeiter ist somit das von ihm (mit seiner Arbeitskraft) Produzierte nicht mehr ein Ausdruck seiner selbst, da er sich nicht mehr mit dem Produkt seiner Arbeit identifizieren kann. Marx nennt dies “entfremdete Arbeit”. Durch diese entfremdet der Arbeiter sich selbst (von sich), denn der Mensch ist, was er tut. Der Verkauf der Arbeitskraft bringt mit sich, dass der Arbeiter sich dieser Arbeit, in welcher er sich selbst ausdrückt und damit selbst erkennt und somit verwirklichen kann “nur mit der größten Anstrengung und mit den unregelmäßigen Unterbrechungen [?] bemächtigen kann”. (MEW, EB 1, 512) Er hat also immer weniger Zeit für sich selbst, immer weniger Möglichkeiten sich in der Arbeit selbst zu verwirklichen. “Der Arbeiter wird umso ärmer, je mehr Reichtum er produziert, je mehr seine Produktion an Macht und Umfang zunimmt. Der Arbeiter wird eine um so wohlfeilere Ware, je mehr Waren er schafft. Mit der Verwertung der Sachwelt nimmt die Entwertung der Menschenwelt in direktem Verhältnis zu. Die Arbeit produziert nicht nur Waren; sie produziert sich selbst und den Arbeiter als eine Ware. [?] Das Produkt der Arbeit [?] ist die Vergegenständlichung der Arbeit. Die Verwirklichung der Arbeit ist ihre Vergegenständlichung. Die Verwirklichung [?] erscheint [?] als Entwirklichung der Arbeit, die Vergegenständlichung als Verlust der Knechtschaft des Gegenstandes, die Aneignung als Entfremdung, als Entäußerung. Die Verwirklichung der Arbeit erscheint so sehr als Entwirklichung, dass der Arbeiter bis zum Hungertod entwirklicht wird.” (MEW, EB 1, 511 f) Nicht nur von seiner Arbeit wird der Mensch entfremdet, von seiner eigenen Natur, sondern von der Natur selbst. “Der Arbeiter kann nichts schaffen ohne die Natur, ohne die sinnliche Außenwelt. Sie ist der Stoff, an welchem sich seine Arbeit verwirklicht, in welchem sie tätig ist, aus welchem und mit welchem sie produziert. Wie aber die Natur das Lebensmittel der Arbeit darbietet [?], so bietet sich andererseits auch die Lebensmittel in dem engeren Sinne dar, nämlich die Mittel der physischen Subsistenz des Arbeiters selbst. Je mehr also der Arbeiter sich die Außenwelt, die sinnliche Natur, durch seine Arbeit aneignet, um so mehr entzieht er sich Lebensmittel nach der doppelten Seite hin, erstens, dass immer mehr die sinnliche Außenwelt aufhört, [?] ein Lebensmittel seiner Arbeit zu sein; zweitens, dass sie immer mehr aufhört, Lebensmittel [?] für die physische Subsistenz des Arbeiters zu sein.” (MEW, EB 1, 513) Der. Entzug dieser Lebensmittel, entzieht dem Arbeiter die Grundlage des menschlichen Lebens; der Arbeiter wird “entmenschlicht”. Der Verkauf der eigenen Arbeitskraft als Ware bedeutet den Verkauf der eigenen Produktionsfähigkeit, somit den Verlust der Möglichkeit sich in der Arbeit auszudrücken und sich selbst zu verwirklichen. Der Arbeiter ist sich selbst fremd geworden, dem Tiere näher, als dem Menschen. “Es kommt daher zum Resultat, dass der Mensch (der Arbeiter) nur mehr in seinen tierischen Funktionen, Essen, Trinken und Zeugen, höchstens noch Wohnung, Schmuck etc., sich als freitätig fühlt, und in seinen menschlichen Funktionen nur mehr als Tier. Das Tierische wird das Menschliche und das Menschliche das Tierische”. (MEW, EB 1, 514 f) Damit diese aufgezeigte Entwicklung der Entfremdung, Entwirklichung und Entmenschlichung nicht “bis zum Hungertod” weitergeht, fordert Marx am Ende des Manifests der kommunistischen Partei auf: “Proletarier aller Länder, vereinigt euch!” (MEW, 4, 493) um dann durch eine Revolution die bestehende Gesellschaft zu ändern.

C: Das Gesellschaftsideal

Das Gesellschaftsideal ist nicht der Kommunismus, wie vielfach missverstanden. “Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben (wird). Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.” (MEW,3, 35) An anderer Stelle nennt Marx den Kommunismus nicht nur eine Bewegung, sondern auch einen Zustand, welcher der idealen Gesellschaft (bzw. Gemeinschaft) vorangeht und bereits die meisten Merkmale dieser besitzt. Er versteht den Kommunismus auch “als positive Aufhebung des Privateigentums als menschlicher Selbstentfremdung und damit, als wirkliche Aneignung des menschlichen Wesens durch und für den Menschen; darum als vollständige, bewusst und innerhalb des ganzen Reichtums der bisherigen Entwicklung gewordene Rückkehr des Menschen für sich als eines gesellschaftlichen, d.h. menschlichen Menschen. Dieser Kommunismus ist als vollendeter Naturalismus = Humanismus, als vollendeter Humanismus = Naturalismus, er ist die wahrhafte Auflösung des Streits zwischen Existenz und Wesen, zwischen Vergegenständlichung und Selbstbestätigung, zwischen Freiheit und Notwendigkeit, zwischen Individuum und Gattung.” (MEW, EB1, 536) Das Ziel ist eine staats- und klassenlose Gesellschaft, in welcher es kein Privateigentum an Produktionsmitteln gibt, also eine sozialistische Gesellschaft ohne Unterdrückung jedweder Art (auch keine geschlechts- oder altersbedingte). Der Gegensatz zwischen geistiger und körperlicher Arbeit und ihr unterschiedliches Ansehen existieren in der idealen Gesellschaft nicht mehr. Die Menschen haben eine neue Moral, welche nicht Geld, Macht und Prestige als erstrebenswert erachtet, sondern die Selbstverwirklichung in einer brüder- (und schwester)1ichen menschlichen Gemeinschaft. Es wird eine Gesellschaft sein, “wo jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit hat, sondern sich in jedem beliebigen Zweige ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirte oder Kritiker zu werden.” (MEW, 3, 33) An einer anderen Stelle bringt Marx dies auf die kurze “Formel”: “Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!” (MEW,19, 21) ” [da] die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.” (MEW, 4, 482)

Schluss

Marx sieht “den Menschen in seiner vollen Wirklichkeit als Mitglied einer gegebenen Klasse, als ein Wesen, das in seiner Entwicklung von der Gesellschaft gestützt wird und zugleich ihr Gefangener ist. Die volle Verwirklichung des Menschen und seine Befreiung von den gesellschaftlichen Kräften, die ihn gefangen halten, ist für Marx verbunden mit der Anerkennung dieser Kräfte und mit einem gesellschaftlichen Wandel, der auf eben dieser Anerkennung basiert. Marx Philosophie ist eine Protestphilosophie; ein Protest der getragen ist von dem Glauben an den Menschen, an seine Fähigkeit, sich selbst zu befreien und seine innewohnenden Möglichkeiten zu verwirklichen.” (Fromm, S. 7) Jedoch gibt sich Karl Marx keinen Illusionen hin. Er weiß, dass der jetzt lebende Mensch noch nicht reif und genügend gewachsen ist, um seine Ideale zu verwirklichen. “Das jetzige Geschlecht gleicht den Juden, die Moses durch die Wüste führte. Es hat nicht nur eine neue Welt zu erobern, es muß untergehen, um den Menschen Platz zu machen, die einer neuen Welt gewachsen sind.” (MEW,7,79)

Literaturverzeichnis

Fromm, Erich. 1982. Das Menschenbild bei Marx: mit den wichtigsten Teilen der Frühschriften von Karl Marx. Frankfurt am Main: Ullstein.

Marx, Karl, Friedrich Engels, und Ost Institut für Marxismus-Leninismus (Berlin Universität, Berlin, Ost). 1968. Werke [40,1] [40,1. Berlin: Dietz.

Friede den Hütten, Krieg den Palästen: Der hessische Landbote. Eine aktuelle Schrift.

Vorwort

Auf meinem Blog wollte ich schon von Anfang an verschiedene Materialien zur Verfügung stellen. Eines davon ist “Der hessische Landbote”

Auch er ist immer noch seltsam aktuell. Gleich auf der ersten Seite lesen wir:

Dies Geld [= die Steuern, Anm. v. C.S.] ist der Blutzehnte, der von dem Leib des Volkes genommen wird. An 700.000 Menschen schwitzen, stöhnen und hungern dafür. Im Namen des Staates [hier ist Hessen gemeint, Anm. v. C.S.] wird es erpresst, die Presser berufen sich auf die Regierung und die Regierung sagt, das sei nötig die Ordnung im Staat zu erhalten.

Was ist denn nun das für gewaltiges Ding: der Staat? Wohnt eine Anzahl Menschen in einem Land und es sind Verordnungen oder Gesetze vorhanden, nach denen jeder sich richten muss, so sagt man, sie bilden einen Staat. Der Staat also sind Alle; die Ordner im Staat sind die Gesetze, durch welche das Wohl Aller gesichert wird, und die aus dem Wohl Aller hervor gehen sollen. – Seht nun, was man in dem Großherzogtum aus dem Staat gemacht hat; seht was es heißt: die Ordnung im Staate erhalten!

Zahlen nach DIW

Im Hessischen Landboten geht es vor allem darum, wie der Staat (Hessen) von den Menschen Steuern erpresst, von denen sie selbst nichts haben. Im Gegenteil: Sie hungern, während es sich andere von ihrem Geld gutgehen lassen.

Und wie ist es heute?

Für die Bankenrettung brachte unser Staat 800.000.000.000 € (800 Milliarden) auf, die wir bezahlt haben. Und wer verdient heute wieder die fette Kohle? Die Vorstände der Banken, die wir gerettet haben. Von unserem Verzicht auf Sozialleistungen und unseren Steuergeldern.

Wir wissen inzwischen, Dank des DIW, dass 1% der Deutschen 36% des Gesamtvermögens gehören. Auch wissen wir, dass wir eine riesige Geldschwemme haben und die Banken selbst Gelddrucken dürfen.

Doch wohin geht diese Geldschwemme? Zu mir? Zu dir?

Wir wissen, sie geht u.a. nach Panama.

6 Millionen bezahlt im Großherzogtum einer Handvoll Leute, deren Willkür euer Leben und Eigentum überlassen ist, und die anderen in dem zerrissenen Deutschland gleich also.

Nun hat die Bundesregierung einen Lockdown beschlossen, der für Kino- und Theaterbesuche, sowie für Konzerte prinzipiell immer noch gilt.

Wir wissen, dass Bill Gates einer der größten Einzelpersonen ist, mit Einfluss auf die Entscheidungen der WHO.

Wer verdient an dem Lockdown?

  • Microsoft dank Home-Office und Co. (und damit Bill Gates)
  • Bill Gates, Dank Investitionen in medizinische Branchen

und…

  • Jeff Bezos, dem u.a. Amazon gehört.

Anders ausgedrückt: Die reichsten Menschen der Welt verdienen an diesem Lockdown, die ärmsten werden ärmer.

Nun gibt es staatliche Hilfen für die Reichen: Es werden über 100 Milliarden Euro an Pharmafirmen überwiesen, die u.a. Bill Gates gehören. Es geht nicht darum, ihn schuldig zu sprechen, es geht mir darum zu zeigen, dass das Geld Menschen bekommen, die Geldspeicher wie Dagobert Duck haben.

Gleichzeit werden wieder hunderte von Milliarden Soforthilfen in die dubiosesten Kanäle gesteckt. Manche von euch bekommen etwas davon, aber die meisten Gelder werden wieder in die Rettung von Banken und Unternehmen fließen, damit die Vorstände weiterhin ihre Millionen und ihre Boni bekommen.

Und wer zahlt es?

Wir. Es sind unsere Steuergelder.

6 Millionen bezahlt im Großherzogtum einer Handvoll Leute, deren Willkür euer Leben und Eigentum überlassen ist,

Die Folgen werden sein:

  • Sozialleistungen werden gestrichen (beim letzten Mal wurde der Zeitraum in dem man Arbeitslosengeld bekommt gekürzt, Sozialhilfe teilweise abgeschafft und Hartz4 eingeführt)
  • Unterstützungen für Vereine und Co. sind bereits gestrichen
  • Unterstützung für Kulturschaffende ist gestrichen

und so weiter.

Alles Leistungen, die uns allen zu Gute kommen, werden uns genommen.

Und wer verdient?

Die Chefs der großen Unternehmen, die “gerettet” werden und natürlich die Superreichen, die dem Staat das Geld leihen und dafür gewisse Forderungen durchsetzen können.

Und wer bestimmt, ob es einen Lockdown gibt? Ob die Reichen reicher und die Armen ärmer werden?

Das ist die Großherzogliche Regierung. Die Regierung wird gebildet von dem Großherzog und seinen obersten Beamten. Die anderen Beamten sind Männer, die von der Regierung berufen werden, um jene Ordnung in kraft zu erhalten. Ihre Anzahl ist Legion: Staatsräte und Regierungsräte, Landräte und Kreisräte, Geistliche Räte und Schulräte, Finanzräte und Forsträte u.s.w. mit allem ihrem Heer von Sekretären u.s.w. Das Volk ist ihre Herde, sie sind seine Hirten, Melker und Schinder; sie haben die Häute der Bauern an, der Raub der Armen ist in ihrem Hause; die Tränen der Witwen und Waisen sind das Schmalz auf ihren Gesichtern; sie herrschen frei und ermahnen das Volk zur Knechtschaft.

Ja, wir alle werden zahlen müssen, viele von uns werden arbeitslos, werden sogar ihr Haus oder Wohnung verlieren. Nur nicht die Beamten, nur nicht die, die zum Staatsapparat gehören.

Ist euch das bewusst?

Und schaut man auf den Umgang mit dem Grundgesetz, so finden wir Ähnliches im Hessischen Landboten:

Denn was sind die Verfassungen in Deutschland? Nichts als leeres Stroh, woraus die Fürsten die Körner für sich herausgeklopft haben. Was sind unsere Landtage? Nichts als langsame Fuhrwerke, die man einmal oder zweimal wohl der Raubgier der Fürsten und ihrer Minister in den Weg schieben, woraus man aber nimmermehr eine feste Burg für die deutsche Freiheit bauen kann.

Und auch das folgende Zitat erinnert irgendwie an heutige Zustände, auch wenn es etwas blutrünstig ist:

Sehet an das von Gott gezeichnete Scheusal, den König Ludwig von Baiern, den Gotteslästerer, der redliche Männer vor seinem Bilde niederzuknien zwingt, und die, welche die Wahrheit bezeugen, durch meineidige Richter zum Kerker verurteilen lässt;

Leider ist der Text sehr religiös und theatralisch geschrieben. Er soll an die Apokalypse erinnern. Streicht man diese religiöse Dramatik, so bleibt ein Text übrig, den man immer wieder veröffentlichen könnte, denn er zeigt ein ewiges Muster auf: Von den Armen wird genommen und den Reichen wird gegeben.

Ein Drittel unseres Staates gehört dem reichsten Prozent. Und ihnen gehört immer mehr, mit jeder Krise, denn sie haben unsere Regierung in der Hand – auch wenn wir das gerne leugnen. Und so bleibt auch uns der berühmte Schlusssatz, wenn wir daran etwas ändern wollen:

Friede den Hütten! Krieg den Palästen!

Der Hessische Landbote (Originalschrift)

Anmerkung: Ich habe versucht dem Text etwas das original Aussehen zu geben. Die kursiv geschriebenen Zeilen wurden im Original als Zitate ausgewiesen, indem am linken Rand in jeder Textzeile Doppelstriche vermerkt waren. Dies geht auf einer Website schlecht, da sich der Text auf einem Smartphone zusammenschiebt. Auch die Auflistung der Steuerzahlungen könnte auf einem Smartphone oder schmalem Bildschirm etwas seltsam aussehen, sorry dafür.

Erste Botschaft

Darmstadt, im Juli 1834.

V o r b e r i c h t

Dieses Blatt soll dem hessischen Lande die Wahrheit melden, aber wer die Wahrheit sagt, wird gehenkt; ja sogar der, welcher die Wahrheit liest, wird durch meineidige Richter vielleicht gestraft. Darum haben die, welchen dies Blatt zukommt, folgendes zu beobachten:

  1. Sie müssen das Blatt sorgfältig außerhalb ihres Hauses vor der Polizei verwahren;
  2. sie dürfen es nur an treue Freunde mitteilen;
  3. denen, welchen sie nicht trauen wie sich selbst, dürfen sie es nur heimlich hinlegen;
  4. würde das Blatt dennoch bei einem gefunden, der es gelesen hat, so muß er gestehen, daß er es eben dem Kreisrat habe bringen wollen;
  5. wer das Blatt nicht gelesen hat, wenn man es bei ihm findet, der ist natürlich ohne Schuld.

Friede den Hütten! Krieg den Palästen!

Im Jahre 1834 siehet es aus, als würde die Bibel Lügen gestraft. Es sieht aus, als hätte Gott die Bauern und Handwerker am fünften Tage und die Fürsten und Vornehmen am sechsten gemacht, und als hätte der Herr zu diesen gesagt: «Herrschet über alles Getier, das auf Erden kriecht», und hätte die Bauern und Bürger zum Gewürm gezählt. Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag: sie wohnen in schönen Häusern, sie tragen zierliche Kleider, sie haben feiste Gesichter und reden eine eigne Sprache; das Volk aber liegt vor ihnen wie Dünger auf dem Acker. Der Bauer geht hinter dem Pflug, der Vornehme aber geht hinter ihm und dem Pflug und treibt ihn mit den Ochsen am Pflug, er nimmt das Korn und läßt ihm die Stoppeln. Das Leben des Bauern ist ein langer Werktag; Fremde verzehren seine Äcker vor seinen Augen, sein Leib ist eine Schwiele, sein Schweiß ist das Salz auf dem Tische des Vornehmen.

Im Großherzogtum Hessen sind 718373 Einwohner, die geben an den Staat jährlich 6363436 Gulden, als

  1. Direkte Steuern
  2. Indirekte Steuern
  3. Domänen
  4. Regalien
  5. Geldstrafen
  6. Verschiedene Quellen

2128131 Fl.
2478264 Fl.
1547394 Fl.
46938 Fl.
98511 Fl.
64198 Fl.
=6363436 Fl.

Dies Geld ist der Blutzehnte, der vom Leib des Volkes genommen wird. An 700000 Menschen schwitzen, stöhnen und hungern dafür. Im Namen des Staates wird es erpreßt, die Presser berufen sich auf die Regierung, und die Regierung sagt, das sei nötig, die Ordnung im Staat zu erhalten. Was ist denn nun das für gewaltiges Ding: der Staat? Wohnt eine Anzahl Menschen in einem Land und es sind Verordnungen oder Gesetze vorhanden, nach denen jeder sich richten muß, so sagt man, sie bilden einen Staat. Der Staat also sind alle; die Ordner im Staate sind die Gesetze, durch welche das Wohl aller gesichert wird und die aus dem Wohl aller hervorgehen sollen. – Seht nun, was man in dem Großherzogtum aus dem Staat gemacht hat; seht, was es heißt: die Ordnung im Staate erhalten! 700000 Menschen bezahlen dafür 6 Millionen, d. h. sie werden zu Ackergäulen und Pflugstieren gemacht, damit sie in Ordnung leben. In Ordnung leben heißt hungern und geschunden werden.

Wer sind denn die, welche diese Ordnung gemacht haben und die wachen, diese Ordnung zu erhalten? Das ist die Großherzogliche Regierung. Die Regierung wird gebildet von dem Großherzog und seinen obersten Beamten. Die andern Beamten sind Männer, die von der Regierung berufen werden, um jene Ordnung in Kraft zu erhalten. Ihre Anzahl ist Legion: Staatsräte und Regierungsräte, Landräte und Kreisräte, geistliche Räte und Schulräte, Finanzräte und Forsträte usw. mit allem ihrem Heer von Sekretären usw. Das Volk ist ihre Herde, sie sind seine Hirten, Melker und Schinder; sie haben die Häute der Bauern an, der Raub der Armen ist in ihrem Hause; die Tränen der Witwen und Waisen sind das Schmalz auf ihren Gesichtern; sie herrschen frei und ermahnen das Volk zur Knechtschaft. Ihnen gebt ihr 6000000 Fl. Abgaben; sie haben dafür die Mühe, euch zu regieren; d. h. sich von euch füttern zu lassen und euch eure Menschen- und Bürgerrechte zu rauben. Sehet, was die Ernte eures Schweißes ist!

Für das Ministerium des Innern und der Gerechtigkeitspflege werden bezahlt 1110607 Gulden. Dafür habt ihr einen Wust von Gesetzen, zusammengehäuft aus willkürlichen Verordnungen aller Jahrhunderte, meist geschrieben in einer fremden Sprache. Der Unsinn aller vorigen Geschlechter hat sich darin auf euch vererbt, der Druck, unter dem sie erlagen, sich auf euch fortgewälzt. Das Gesetz ist das Eigentum einer unbedeutenden Klasse von Vornehmen und Gelehrten, die sich durch ihr eignes Machwerk die Herrschaft zuspricht. Diese Gerechtigkeit ist nur ein Mittel, euch in Ordnung zu halten, damit man euch bequemer schinde; sie spricht nach Gesetzen, die ihr nicht versteht, nach Grundsätzen, von denen ihr nichts wißt, Urteile, von denen ihr nichts begreift. Unbestechlich ist sie, weil sie sich gerade teuer genug bezahlen läßt, um keine Bestechung zu brauchen. Aber die meisten ihrer Diener sind der Regierung mit Haut und Haar verkauft. Ihre Ruhestühle stehen auf einem Geldhaufen von 461373 Gulden (so viel betragen die Ausgaben für die Gerichtshöfe und die Kriminalkosten). Die Fräcke, Stöcke und Säbel ihrer unverletzlichen Diener sind mit dem Silber von 197502 Gulden beschlagen (so viel kostet die Polizei ü- berhaupt, die Gendarmerie usw.). Die Justiz ist in Deutschland seit Jahrhunderten die Hure der deutschen Fürsten. Jeden Schritt zu ihr müßt ihr mit Silber pflastern, und mit Armut und Erniedrigung erkauft ihr ihre Sprüche. Denkt an das Stempelpapier, denkt an euer Bücken in den Amtsstuben und euer Wachestehen vor denselben. Denkt an die Sporteln für Schreiber und Gerichtsdiener. Ihr dürft euern Nachbar verklagen, der euch eine Kartoffel stiehlt; aber klagt einmal über den Diebstahl, der von Staats wegen unter dem Namen Abgabe und Steuern jeden Tag an eurem Eigentum begangen wird; damit eine Legion unnützer Beamten sich von eurem Schweiße mästen; klagt einmal, daß ihr der Willkür einiger Fettwänste überlassen seid und daß diese Willkür Gesetz heißt, klagt, daß ihr die Ackergäule des Staates seit, klagt über eure verlorne Menschenrechte: wo sind die Gerichtshöfe, die eure Klage annehmen, wo die Richter, die Recht sprächen? – Die Ketten eurer Vogelsberger Mitbürger, die man nach Rockenburg schleppte, werden euch Antwort geben. Und will endlich ein Richter oder ein andrer Beamte von den wenigen, welchen das Recht und das gemeine Wohl lieber ist als ihr Bauch und der Mammon, ein Volksrat und kein Volksschinder sein, so wird er von den obersten Räten des Fürsten selber geschunden.

Für das Ministerium der Finanzen 1551502 Fl.

Damit werden die Finanzräte, Obereinnehmer, Steuerboten, die Untererheber besoldet.

Dafür wird der Ertrag eurer Äcker berechnet und eure Köpfe gezählt. Der Boden unter euren Füßen, der Bissen zwischen euren Zähnen ist besteuert. Dafür sitzen die Herren in Fräcken beisammen, und das Volk steht nackt und gebückt vor ihnen; sie legen die Hände an seine Lenden und Schultern und rechnen aus, wie viel es noch tragen kann, und wenn sie barmherzig sind, so geschieht es nur, wie man ein Vieh schont, das man nicht so sehr angreifen will.

Für das Militär wird bezahlt 914820 Gulden.

Dafür kriegen eure Söhne einen bunten Rock auf den Leib, ein Gewehr oder eine Trommel auf die Schulter und dürfen jeden Herbst einmal blind schießen und erzählen, wie die Herren vom Hof und die ungeratenen Buben vom Adel allen Kindern ehrlicher Leute Vorgehen und mit ihnen in den breiten Straßen der Städte herumziehen mit Trommeln und Trompeten. Für jene 900000 Gulden müssen eure Söhne den Tyrannen schwören und Wache halten an ihren Palästen. Mit ihren Trommeln übertäuben sie eure Seufzer, mit ihren Kolben zerschmettern sie euch den Schädel, wenn ihr zu denken wagt, daß ihr freie Menschen seid. Sie sind die gesetzlichen Mörder, welche die gesetzlichen Räuber schützen; denkt an Södel! Eure Brüder, eure Kinder waren dort Bruder- und Vatermörder.

Für die Pensionen 480000 Gulden.

Dafür werden die Beamten aufs Polster gelegt, wenn sie eine gewisse Zeit dem Staate treu gedient haben, d. h. wenn sie eifrige Handlanger bei der regelmäßig eingerichteten Schinderei gewesen, die man Ordnung und Gesetz heißt.

Für das Staatsministerium und den Staatsrat 174600 Gulden. Die größten Schurken stehen wohl jetzt allerwärts in Deutschland den Fürsten am nächsten, wenigstens im Großherzogtum. Kommt ja ein ehrlicher Mann in einen Staatsrat, so wird er ausgestoßen. Könnte aber auch ein ehrlicher Mann jetzo Minister sein oder bleiben, so wäre er, wie die Sachen stehen in Deutschland, nur eine Drahtpuppe, an der die fürstliche Puppe zieht; und an dem fürstlichen Popanz zieht wieder ein Kammerdiener oder ein Kutscher oder seine Frau und ihr Günstling oder sein Halbbruder – oder alle zusammen.

In Deutschland stehet es jetzt, wie der Prophet Micha schreibt, Kap. 1, V. 3 und 4:
«Die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen, Schaden zu tun, und drehen es, wie sie es wollen. Der Beste unter ihnen ist wie ein Dorn, und der Redlichste wie eine Hecke.»
Ihr müßt die Dörner und Hecken teuer bezahlen! denn ihr müßt ferner für das großherzogliche Haus und den Hofstaat 827772 Gulden bezahlen.

Die Anstalten, die Leute, von denen ich bis jetzt gesprochen, sind nur Werkzeuge, sind nur Diener. Sie tun nichts in ihrem Namen, unter der Ernennung zu ihrem Amt steht ein L., das bedeutet Ludwig von Gottes Gnaden, und sie sprechen mit Ehrfurcht: «Im Namen des Großherzogs.» Dies ist ihr Feldgeschrei, wenn sie euer Gerät versteigern, euer Vieh wegtreiben, euch in den Kerker werfen. Im Namen des Großherzogs sagen sie, und der Mensch, den sie so nennen, heißt: unverletzlich, heilig, souverän, königliche Hoheit. Aber tretet zu dem Menschenkinde und blickt durch seinen Fürstenmantel. Es ißt, wenn es hungert, und schläft, wenn sein Auge dunkel wird. Sehet, es kroch so nackt und weich in die Welt wie ihr und wird so hart und steif hinausgetragen wie ihr, und doch hat es seinen Fuß auf eurem Nacken, hat 700000 Menschen an seinem Pflug, hat Minister, die verantwortlich sind für das, was es tut, hat Gewalt über euer Eigentum durch die Steuern, die es ausschreibt, über euer Leben durch die Gesetze, die es macht, es hat adliche Herrn und Damen um sich, die man Hofstaat heißt, und seine göttliche Gewalt vererbt sich auf seine Kinder mit Weibern, welche aus ebenso übermenschlichen Geschlechtern sind.

Wehe über euch Götzendiener! – Ihr seid wie die Heiden, die das Krokodil anbeten, von dem sie zerrissen werden. Ihr setzt ihm eine Krone auf, aber es ist eine Dornenkrone, die ihr euch selbst in den Kopf drückt; ihr gebt ihm ein Zepter in die Hand, aber es ist eine Rute, womit ihr gezüchtigt werdet; ihr setzt ihn auf euern Thron, aber es ist ein Marterstuhl für euch und eure Kinder. Der Fürst ist der Kopf des Blutigels, der über euch hinkriecht, die Minister sind seine Zähne und die Beamten sein Schwanz. Die hungrigen Mägen aller vornehmen Herren, denen er die hohen Stellen verteilt, sind Schröpfköpfe, die er dem Lande setzt. Das L., was unter seinen Verordnungen steht, ist das Malzeichen des Tieres, das die Götzendiener unserer Zeit anbeten. Der Fürstenmantel ist der Teppich, auf dem sich die Herren und Damen vom Adel und Hofe in ihrer Geilheit übereinanderwälzen – mit Orden und Bändern decken sie ihre Geschwüre, und mit kostbaren Gewändern bekleiden sie ihre aussätzigen Leiber. Die Töchter des Volks sind ihre Mägde und Huren, die Söhne des Volks ihre Lakaien und Soldaten. Seht einmal nach Darmstadt und seht, wie die Herren sich für euer Geld dort lustig machen, und erzählt dann euern hungernden Weibern und Kindern, daß ihr Brot an fremden Bäuchen herrlich angeschlagen sei, erzählt ihnen von den schönen Kleidern, die in ihrem Schweiß gefärbt, und von den zierlichen Bändern, die aus den Schwielen ihrer Hände geschnitten sind, erzählt von den stattlichen Häusern, die aus den Knochen des Volks gebaut sind; und dazu kriecht in eure rauchigen Hütten und bückt euch auf euren steinichten Äckern, damit eure Kinder auch einmal hingehen können, wenn ein Erbprinz mit einer Erbprinzessin für einen andern Erbprinzen Rat schaffen will, und durch die geöffneten Glastüren das Tischtuch sehen, wovon die Herren speisen, und die Lampen riechen, aus denen man mit dem Fett der Bauern illuminiert.

Das alles duldet ihr, weil euch Schurken sagen: diese Regierung sei von Gott. Diese Regierung ist nicht von Gott, sondern vom Vater der Lügen. Diese deutschen Fürsten sind keine rechtmäßige Obrigkeit, sondern die rechtmäßige Obrigkeit, den deutschen Kaiser, der vormals vom Volke frei gewählt wurde, haben sie seit Jahrhunderten verachtet und endlich gar verraten. Aus Verrat und Meineid, und nicht aus der Wahl des Volkes, ist die Gewalt der deutschen Fürsten hervorgegangen, und darum ist ihr Wesen und Tun von Gott verflucht! ihre Weisheit ist Trug, ihre Gerechtigkeit ist Schinderei. Sie zertreten das Land und zerschlagen die Person des Elenden. Ihr lästert Gott, wenn ihr einen dieser Fürsten einen Gesalbten des Herrn nennt, d. h. Gott habe die Teufel gesalbt und zu Fürsten über die deutsche Erde gesetzt. Deutschland, unser liebes Vaterland, haben diese Fürsten zerrissen, den Kaiser, den unsere freien Voreltern wählten, haben diese Fürsten verraten, und nun fordern diese Verräter und Menschenquäler Treue von euch! – Doch das Reich der Finsternis neiget sich zum Ende. Über ein kleines, und Deutschland, das jetzt die Fürsten schinden, wird als ein Freistaat mit einer vom Volk gewählten Obrigkeit wieder auferstehen. Die Heilige Schrift sagt: «Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist.» Was ist aber dieser Fürsten, der Verräter? – Das Teil von Judas!

Für die Landstände 16000 Gulden.

Im Jahr 1789 war das Volk in Frankreich müde, länger die Schindmähre seines Königs zu sein. Es erhob sich und berief Männer, denen es vertraute, und die Männer traten zusammen und sagten, ein König sei ein Mensch wie ein anderer auch, er sei nur der erste Diener im Staat, er müsse sich vor dem Volk verantworten, und wenn er sein Amt schlecht verwalte, könne er zur Strafe gezogen werden. Dann erklärten sie die Rechte des Menschen: «Keiner erbt vor dem andern mit der Geburt ein Recht oder einen Titel, keiner erwirbt mit dem Eigentum ein Recht vor dem andern. Die höchste Gewalt ist in dem Willen aller oder der Mehrzahl. Dieser Wille ist das Gesetz, er tut sich kund durch die Landstände oder die Vertreter des Volks, sie werden von allen gewählt, und jeder kann gewählt werden; diese Gewählten sprechen den Willen ihrer Wähler aus, und so entspricht der Wille der Mehrzahl unter ihnen dem Willen der Mehrzahl unter dem Volke; der König hat nur für die Ausübung der von ihnen erlassenen Gesetze zu sorgen.» Der König schwur, dieser Verfassung treu zu sein; er wurde aber meineidig an dem Volke, und das Volk richtete ihn, wie es einem Verräter geziemt. Dann schafften die Franzosen die erbliche Königswürde ab und wählten frei eine neue Obrigkeit, wozu jedes Volk nach der Vernunft und der Heiligen Schrift das Recht hat. Die Männer, die über die Vollziehung der Gesetze wachen sollten, wurden von der Versammlung der Volksvertreter ernannt, sie bildeten die neue Obrigkeit. Sie waren Regierung und Gesetzgeber vom Volk gewählt, und Frankreich war ein Freistaat.

Die übrigen Könige aber entsetzten sich vor der Gewalt des französischen Volkes; sie dachten, sie könnten alle über der ersten Königsleiche den Hals brechen und ihre mißhandelten Untertanen möchten bei dem Freiheitsruf der Franken erwachen. Mit gewaltigem Kriegsgerät und reisigem Zeug stürzten sie von allen Seiten auf Frankreich, und ein großer Teil der Adligen und Vornehmen im Lande stand auf und schlug sich zu dem Feind. Da ergrimmte das Volk und erhob sich in seiner Kraft. Es erdrückte die Verräter und zerschmetterte die Söldner der Könige. Die junge Freiheit wuchs im Blut der Tyrannen, und vor ihrer Stimme bebten die Throne und jauchzten die Völker. Aber die Franzosen verkauften selbst ihre junge Freiheit für den Ruhm, den ihnen Napoleon darbot, und erhoben ihn auf den Kaiserthron. – Da ließ der Allmächtige das Heer des Kaisers in Rußland erfrieren und züchtigte Frankreich durch die Knute der Kosaken und gab den Franzosen die dickwanstigen Bourbonen wieder zu Königen, damit Frankreich sich bekehre vom Götzendienst der erblichen Königsherrschaft und dem Gotte diene, der die Menschen frei und gleich geschaffen. Aber als die Zeit seiner Strafe verflossen war und tapfere Männer im Julius 1830 den meineidigen König Karl den Zehnten aus dem Lande jagten, da wendete dennoch das befreite Frankreich sich abermals zur halberblichen Königsherrschaft und band sich in dem Heuchler Louis Philipp eine neue Zuchtrute auf. In Deutschland und ganz Europa aber war große Freude, als der zehnte Karl vom Thron gestürzt ward, und die unterdrückten deutschen Länder rüsteten sich zum Kampf für die Freiheit. Da ratschlagten die Fürsten, wie sie dem Grimm des Volkes entgehen sollten, und die listigen unter ihnen sagten: Laßt uns einen Teil unserer Gewalt abgeben, daß wir das übrige behalten. Und sie traten vor das Volk und sprachen: Wir wollen euch die Freiheit schenken, um die ihr kämpfen wollt. Und zitternd vor Furcht warfen sie einige Brocken hin und sprachen von ihrer Gnade. Das Volk traute ihnen leider und legte sich zur Ruhe. – Und so ward Deutschland betrogen wie Frankreich.

Denn was sind diese Verfassungen in Deutschland? Nichts als leeres Stroh, woraus die Fürsten die Körner für sich herausgeklopft haben. Was sind unsere Landtage? Nichts als langsame Fuhrwerke, die man einmal oder zweimal wohl der Raubgier der Fürsten und ihrer Minister in den Weg schieben, woraus man aber nimmermehr eine feste Burg für die deutsche Freiheit bauen kann. Was sind unsere Wahlgesetze? Nichts als Verletzungen der Bürger- und Menschenrechte der meisten Deutschen. Denkt an das Wahlgesetz im Großherzogtum, wonach keiner gewählt werden kann, der nicht hochbegütert ist, wie rechtschaffen und gutgesinnt er auch sei, wohl aber der Grolmann, der euch um die zwei Millionen bestehlen wollte. Denkt an die Verfassung des Großherzogtums. – Nach den Artikeln derselben ist der Großherzog unverletzlich, heilig und unverantwortlich. Seine Würde ist erblich in seiner Familie, er hat das Recht, Krieg zu führen, und ausschließliche Verfügung über das Militär. Er beruft die Landstände, vertagt sie oder löst sie auf. Die Stände dürfen keinen Gesetzesvorschlag machen, sondern sie müssen um das Gesetz bitten, und dem Gutdünken des Fürsten bleibt es unbedingt überlassen, es zu geben oder zu verweigern. Er bleibt im Besitz einer fast unumschränkten Gewalt, nur darf er keine neuen Gesetze machen und keine neuen Steuern ausschreiben ohne Zustimmung der Stände. Aber teils kehrt er sich nicht an diese Zustimmung, teils genügen ihm die alten Gesetze, die das Werk der Fürstengewalt sind, und er bedarf darum keiner neuen Gesetze. Eine solche Verfassung ist ein elend jämmerlich Ding. Was ist von Ständen zu erwarten, die an eine solche Verfassung gebunden sind? Wenn unter den Gewählten auch keine Volksverräter und feige Memmen wären, wenn sie aus lauter entschlossenen Volksfreunden bestünden?! Was ist von Ständen zu erwarten, die kaum die elenden Fetzen einer armseligen Verfassung zu verteidigen vermögen! – Der einzige Widerstand, den sie zu leisten vermochten, war die Verweigerung der zwei Millionen Gulden, die sich der Großherzog von dem überschuldeten Volke wollte schenken lassen zur Bezahlung seiner Schulden. – Hätten aber auch die Landstände des Groß herzogtu ms genügende Rechte, und hätte das Großherzogtum, aber nur das Großherzogtum allein, eine wahrhafte Verfassung, so würde die Herrlichkeit doch bald zu Ende sein. Die Raubgeier in Wien und Berlin würden ihre Henkerskrallen ausstrecken und die kleine Freiheit mit Rumpf und Stumpf ausrotten. Das ganze deutsche Volk muß sich die Freiheit erringen. Und diese Zeit, geliebte Mitbürger, ist nicht ferne. – Der Herr hat das schöne deutsche Land, das viele Jahrhunderte das herrlichste Reich der Erde war, in die Hände der fremden und einheimischen Schinder gegeben, weil das Herz des deutschen Volkes von der Freiheit und Gleichheit seiner Voreltern und von der Furcht des Herrn abgefallen war, weil ihr dem Götzendienste der vielen Herrlein, Kleinherzoge und Däumlings-Könige euch ergeben hattet.

Der Herr, der den Stecken des fremden Treibers Napoleon zerbrochen hat, wird auch die Götzenbilder unserer einheimischen Tyrannen zerbrechen durch die Hände des Volks. Wohl glänzen diese Götzenbilder von Gold und Edelsteinen, von Orden und Ehrenzeichen, aber in ihrem Innern stirbt der Wurm nicht, und ihre Füße sind von Lehm. – Gott wird euch Kraft geben, ihre Füße zu zerschmeißen, sobald ihr euch bekehret von dem Irrtum eures Wandels und die Wahrheit erkennet:
daß nur ein Gott ist und keine Götter neben ihm, die sich Hoheiten und Allerhöchste, heilig und unverantwortlich nennen lassen, daß Gott alle Menschen frei und gleich in ihren Rechten schuf, und daß keine Obrigkeit von Gott zum Segen verordnet ist als die, welche auf das Vertrauen des Volkes sich gründet und vom Volke ausdrücklich oder stillschweigend erwählt ist! daß dagegen die Obrigkeit, die Gewalt, aber kein Recht über ein Volk hat, nur also von Gott ist, wie der Teufel auch von Gott ist, und daß der Gehorsam gegen eine solche Teufelsobrigkeit nur so lange gilt, bis ihre Teufelsgewalt gebrochen werden kann! – daß der Gott, der ein Volk durch eine Sprache zu einem Leibe vereinigte, die Gewaltigen, die es zerfleischen und vierteilen oder gar in dreißig Stücke zerreißen, als Volksmörder und Tyrannen hier zeitlich und dort ewiglich strafen wird, denn die Schrift sagt: was Gott vereinigt hat, soll der Mensch nicht trennen! und daß der Allmächtige, der aus der Einöde ein Paradies schaffen kann, auch ein Land des Jammers und des Elends wieder in ein Paradies umschaffen kann, wie unser teuerwertes Deutschland war, bis seine Fürsten es zerfleischten und schunden.

Weil das deutsche Reich morsch und faul war und die Deutschen von Gott und von der Freiheit abgefallen waren, hat Gott das Reich zu Trümmern gehen lassen, um es zu einem Freistaat zu verjüngen. Er hat eine Zeitlang
den Satansengeln Gewalt gegeben, daß sie Deutschland mit Fäusten schlugen, er hat den Gewaltigen und Fürsten, die in der Finsternis herrschen, den bösen Geistern unter dem Himmel (Ephes. 6), Gewalt gegeben, daß sie Bürger und Bauern peinigten und ihr Blut aussaugten und ihren Mutwillen trieben mit allen, die Recht und Freiheit mehr lieben als Unrecht und Knechtschaft. – Aber ihr Maß ist voll!

Sehet an das von Gott gezeichnete Scheusal, den König Ludwig von Bayern, den Gotteslästerer, der redliche Männer vor seinem Bilde niederzuknien zwingt und die, welche die Wahrheit bezeugen, durch meineidige Richter zum Kerker verurteilen läßt! das Schwein, das sich in allen Lasterpfützen von Italien wälzte, den Wolf, der sich für seinen Baals- Hofstaat für immer jährlich fünf Millionen durch meineidige Landstände verwilligen läßt, und fragt dann: «Ist das eine Obrigkeit von Gott, zum Segen verordnet?»

Ha! du wärst Obrigkeit von Gott?
Gott spendet Segen aus;
Du raubst, du schindest, kerkerst ein,
Du nicht von Gott, Tyrann!

Ich sage euch: sein und seiner Mitfürsten Maß ist voll. Gott, der Deutschland um seiner Sünden willen geschlagen hat durch diese Fürsten, wird es wieder heilen. «Er wird die Hecken und Dörner niederreißen und auf einem Haufen verbrennen.» Jesaias 27,4. So wenig der Höcker noch wächset, womit Gott diesen König Ludwig gezeichnet hat, so wenig werden die Schandtaten dieser Fürsten noch wachsen können. Ihr Maß ist voll. Der Herr wird ihre Körper zerschmeißen, und in Deutschland wird dann Leben und Kraft als Segen der Freiheit wieder erblühen. Zu einem großen Leichenfelde haben die Fürsten die deutsche Erde gemacht, wie Ezechiel im 37. Kapitel beschreibt: «Der Herr führte mich auf ein weites Feld, das voller Gebeine lag, und siehe, sie waren sehr verdorrt.» Aber wie lautet des Herrn Wort zu den verdorrten Gebeinen:
«Siehe, ich will euch Adern geben und Fleisch lassen über euch wachsen, und euch mit Haut überziehen, und will euch Odem geben, daß ihr wieder lebendig werdet, und sollt erfahren, daß Ich der Herr bin.» Und des Herrn Wort wird auch an Deutschland sich wahrhaftig beweisen, wie der Prophet spricht: «Siehe, es rauschte und regte sich, und die Gebeine kamen wieder zusammen, ein jegliches zu seinem Gebein. – Da kam Odem in sie, und sie wurden wieder lebendig und richteten sich auf ihre Füße, und ihrer war ein sehr groß Heer.»

Wie der Prophet schreibet, also stand es bisher in Deutschland: eure Gebeine sind verdorrt, denn die Ordnung, in der ihr lebt, ist eitel Schinderei. Sechs Millionen bezahlt ihr im Großherzogtum einer Handvoll Leute, deren Willkür euer Leben und Eigentum überlassen ist, und die anderen in dem zerrissenen Deutschland gleich also. Ihr seid nichts, ihr habt nichts! Ihr seid rechtlos. Ihr müsset geben, was eure unersättlichen Presserfordern, und tragen, was sie euch aufbürden. So weit ein Tyrann blicket – und Deutschland hat deren wohl dreißig – verdorret Land und Volk. Aber wie der Prophet schreibet, so wird es bald stehen in Deutschland: der Tag der Auferstehung wird nicht säumen. In dem Leichenfelde wird sich’s regen und wird rauschen, und der Neubelebten wird ein großes Heer sein.

Hebt die Augen auf und zählt das Häuflein eurer Presser, die nur stark sind durch das Blut, das sie euch aussaugen, und durch eure Arme, die ihr ihnen willenlos leihet. Ihrer sind vielleicht 10000 im Großherzogtum und eurer sind es 700000, und also verhält sich die Zahl des Volkes zu seinen Pressern auch im übrigen Deutschland. Wohl drohen sie mit dem Rüstzeug und den Reisigen der Könige, aber ich sage euch: Wer das Schwert erhebt gegen das Volk, der wird durch das Schwert des Volkes umkommen. Deutschland ist jetzt ein Leichenfeld, bald wird es ein Paradies sein. Das deutsche Volk ist ein Leib, ihr seid ein Glied dieses Leibes. Es ist einerlei, wo die Scheinleiche zu zucken anfängt. Wann der Herr euch seine Zeichen gibt durch die Männer, durch welche er die Völker aus der Dienstbarkeit zur Freiheit führt, dann erhebet euch, und der ganze Leib wird mit euch auferstehen. Ihr bücktet euch lange Jahre in den Dornäckern der Knechtschaft, dann schwitzt ihr einen Sommer im Weinberge der Freiheit und werdet frei sein bis ins tausendste Glied.

Ihr wühltet ein langes Leben die Erde auf, dann wühlt ihr euren Tyrannen ein Grab. Ihr bautet die Zwingburgen, dann stürzt ihr sie und bauet der Freiheit Haus. Dann könnt ihr eure Kinder frei taufen mit dem Wasser des Lebens. Und bis der Herr euch ruft durch seine Boten und Zeichen, wachet und rüstet euch im Geiste und betet ihr selbst und lehrt eure Kinder beten: «Herr, zerbrich den Stecken unserer Treiber und laß dein Reich zu uns kommen – das Reich der Gerechtigkeit. Amen.»


Historischer Hintergrund 1789 – 1848(4)

Politik

Frankreich(5)

Der Sturm der Bastille am 14. Juli 1789 war der Beginn vom Ende der Monarchie (1830) in Frankreich. Mit der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte durch die französische Nationalversammlung am 26. August 1789 entstand ein Modell einer modernen Staats- und Gesellschaftsordnung auf den Grundlagen “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit” (Liberté, Égalité, Fraternité).

Der Erfolg der französischen Revolution machte über Frankreich hinaus auch anderen Menschen Mut, die für mehr Rechte und Freiheiten in ihrem Land kämpften und diente fortan als Vorbild.

Im November 1799 erfolgte der Staatsstreich durch Napoleon, im Dezember 1799 lies er sich zum Konsul (nach römischem Vorbild) von Frankreich küren. Doch das war ihm nicht genug: nach erfolgreichen Feldzügen wurde er sogar 1804 Kaiser von Frankreich.

Deutschland – Politik(6)

Durch die französische Revolution sahen sich auch die Nachbarstaaten gefährdet, so dass es 1789 zum Krieg zwischen dem Deutschen-Reich (und seinen Verbündeten) und Frankreich kam.

Abbildung 1: Code Civil 1804

1792 eroberten französische Truppen Speyer, Worms, Mainz und Aachen. Die Rheinlande (wie man diese Gebiete damals nannte) wurden ein Teil des französischen Staatsgebietes. Ab 1804 galt in diesen der „Code Civil“, das französische bürgerliche Gesetzbuch. Dadurch gab es erstmals in den Rheinlanden Gleichheit vor dem Gesetz. Zum ersten Mal waren alle Religionen, Katholiken, Protestanten und Juden, gleichberechtigt. Die Wirtschaft blühte auf. Wohlstand und und Bürgerrechte kamen den Menschen zugute.

1806 dann unterlag das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, wie Deutschland damals hieß, gegen Napoleon. „Deutschland“ wurde französisch, der Code Civil wurde in den meisten Teilen Deutschlands eingeführt. Da der Code Civil (genauer: „Code Civil des Francais“) vor allem von Napoleon durchgesetzt wurde, wird er oft auch als Code Napoleon bezeichnet.

„Die wesentlichen Inhalte des Code Civil waren die Gleichheit vor dem Gesetz, Freiheit für jeden Bürger, Trennung von Kirche und Staat, Abschaffung des Zunftzwanges sowie der Schutz des Privateigentums. Es galt in allen Gebieten die unter französischer Herrschaft standen und damit auch in Teilen des deutschen Reichs. Erst 1900 wurde der Code Civil in diesen (deutschen) Teilen vom Bürgerlichen Gesetzbuch [BGB] abgelöst.“7

1812 erlitt Napoleon eine verheerende Niederlage im Russlandfeldzug, was ihn militärisch schwächte und 1813 zur Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig gegen Russland, Preußen, Österreich und Schweden führte.

1815 erfolgte die Gründung des Deutschen Bundes, einem Verbund einzelner Staaten, mit welchem die Hoffnung auf den Erhalt der durch den Code Civil erlangten Bürgerrechte einherging. Doch leider wurden 1819 die sogenannten Karlsbader Beschlüsse verabschiedet, mit dem Ziel, liberale (für Bürgerrechte kämpfende) Bewegungen zu unterbinden und ihre Anhänger zu verfolgen. Die neuen Herrscher des neuen Bundes wollten Herrscher bleiben und ihre Macht nicht an eine eher demokratische Versammlung abgeben. Entsprechend wurden u.a. auch Burschenschaften verboten und die Universitäten überwacht. Eine Pressezensur wurde eingeführt.

Abbildung 2: Eugène Delacroix „Die Freiheit führt das Volk an“.

Auch in Frankreich kam König Karl X. wieder an die Macht und wollte den Bürgern Frankreichs Rechte nehmen und das Parlament auflösen. Doch das Volk wehrte sich erneut und es kam 1830 zur Julirevolution (Les Trois Glorieuses). Die bürgerlichen Kräfte kamen wieder an die Macht und Karl X. wurde abgesetzt. Wieder war Frankreich Vorbild, wieder machte eine Revolution den für Bürgerrechte kämpfenden Menschen in Deutschland Mut8.

1832 kam es zum Hambacher Fest. 20.000 – 30.000 Menschen forderten Meinungs-, Rede-, Presse-, Versammlungs-, Vereinigungs-, Gewerbe- Auswanderungs- und Niederlassungsfreiheit, sowie die Gleichberechtigung aller Staatsbürger (Frauen eingeschlossen!). Die Folgen waren eine verschärfte Pressezensur und die Verfolgung der Verantwortlichen.9

Der Bevölkerung ging es immer schlechter, der Frust in der Bevölkerung wuchs, zudem kamen Missernten und Hungersnöte hinzu. Die Armut breitete sich aus – und mit ihr wurde der Widerstand gestärkt. So kam es zur Märzrevolution 1848, in welcher immer mehr Bürger verschiedener Städte Forderungen an die Herrschenden stellten.

„Dabei standen überall die Meinungs-, Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit, die Forderung nach Volksbewaffnung und nach einem deutschen Parlament an erster Stelle.“10

Es kam zur Frankfurter Nationalversammlung, Parteien wurden gegründet, soziale und politische Reformen waren nicht mehr aufzuhalten.

Gesellschaftlicher Hintergrund 1789 – 1848(11)

In der Zeit um 1800 hatten wir in ganz Europa ein reicher werdendes, und damit auch nach Macht und Einfluss strebendes, Bürgertum. Es wollte nicht mehr hinter dem Adel und der Kirche stehen, sondern forderte gleiche Rechte.Forderungen nach mehr Rechten kamen aber auch aus der Bevölkerung. Das Zeitalter der Aufklärung war in vollem Gange. Die Menschen wendeten sich von der Religion ab. Das Bildungs- und Menschenideal änderte sich. Der mündige, selbstbewusste Bürger wollte sein Leben selbst bestimmen, die verschiedenen Regionen wollten gleiche Rechte und auch Frauen wurden selbstbewusster.

Abbildung 3: Originalausgabe Berliner Monatsschrift 1784

1784 veröffentlichte Immanuel Kant: „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ darin heißt es:

„Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. […] Dass der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“12

Es war auch eine Zeit, in der Frauen immer häufiger für den Lebensunterhalt der Familie sorgen mussten, da politische Unruhen und Kriege zu Entlassungen oder zum Tod der Männer führten. Frauen waren nicht mehr prinzipiell von Männern abhängig, sonder Männer auch häufig von ihren Frauen.

Die französischen Revolutionen stärkten das neue Selbstbewusstsein, auf welches der „Staat“ mit Repressionen und Zensur antwortete. Es war eine Zeit des Kampfes um Rechte und Demokratie und der gleichzeitige Versuch verschiedener Regime, dieses zu verhindern. Auch die kurze Herrschaft Napoleons, der erstmals „gleiches Recht für alle“ mit dem Code Civil einführte und unter dessen Herrschaft es teilweise zu deutlichen Wirtschaftsaufschwüngen kam, zeigte dem Volk was möglich war.

Zusätzlich zu den Repressionen und dem Versuch der Herrschenden, das neue Selbstbewusstsein zu unterdrücken, gab es in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts Missernten und Hungersnöte. Als dann in Frankreich, dem Vorbild für Widerstand, 1848 der König gestürzt und die Republik ausgerufen wurde, entzündete dies auch das Revolutionsfeuer im Deutschen Bund. Die erste Nationalversammlung, der erste Hauch echter Demokratie wurde geboren, politische Vereine, Parteien und Gewerkschaften entstanden. Die Demokratie war nicht mehr aufzuhalten.

Fußnoten

1Abitur 2017. Original Prüfungsaufgaben mit Lösungen. Gymnasium Baden-Württemberg. Deutsch (Stark Verlagsgesellschaft, 2016). und eigenes Abitur 2017 (J. Baumann).

2Carola Hilmes, Skandalgeschichten: Aspekte einer Frauenliteraturgeschichte (Königstein/Taunus: U. Helmer, 2004).

3„Literaturnobelpreis – Liste aller Literaturnobelpreisträger ab 1901“, zugegriffen 30. Dezember 2016, http://www.literaturnobelpreis.com/.

4 Die folgenden Schilderungen wurden mit Hilfe der Website demokratiegeschichte.eu zusammengefasst („Inhaltsverzeichnis der Webseite – demokratiegeschichte.eu“, zugegriffen 30. Dezember 2016, http://www.demokratiegeschichte.eu/index.php?id=161.) Außerdem diente als Quelle: „Napoleon Bonaparte“, Wikipedia, 18. Dezember 2016, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Napoleon_Bonaparte&oldid=160788294. Weitere Quellen werden im Text genannt.

5„Napoleon Bonaparte“; „Vorgeschichte des Hambacher Festes: Die Französische Revolution – demokratiegeschichte.eu“, zugegriffen 30. Dezember 2016, http://www.demokratiegeschichte.eu/index.php?id=23.

6 Quellen wie Frankreich

7„Code civil: Definition, Begriff und Erklärung im JuraForum.de“, zugegriffen 30. Dezember 2016, http://www.juraforum.de/lexikon/code-civil.

8„Das Hambacher Fest im euroäischen Kontext: Die Juli-Revolution Frankreich 1830 – demokratiegeschichte.eu“, zugegriffen 30. Dezember 2016, http://www.demokratiegeschichte.eu/index.php?id=155; „Julirevolution von 1830 – Wikipedia“, zugegriffen 30. Dezember 2016, https://de.wikipedia.org/wiki/Julirevolution_von_1830.

9„Das Hambacher Fest: Einladung – demokratiegeschichte.eu“, zugegriffen 30. Dezember 2016, http://www.demokratiegeschichte.eu/index.php?id=58.

10„Vorgeschichte der Revolution von 1848/49: Die Märzrevolution – demokratiegeschichte.eu“, zugegriffen 31. Dezember 2016, http://www.demokratiegeschichte.eu/index.php?id=97.

11 Die folgenden Schilderungen wurden mit Hilfe der Website demokratiegeschichte.eu zusammengefasst („Inhaltsverzeichnis der Webseite – demokratiegeschichte.eu“.) Außerdem diente als Quelle: „Napoleon Bonaparte“. Weitere Quellen werden im Text genannt.

12Immanuel Kant, „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“, in Berlinische Monatsschrift, hg. von Johann Erich Biester und Friedrich Gedike, 1. Aufl., Bd. 4 (Berlin: Haude und Spener, 1784), 481–94, http://gutenberg.spiegel.de/buch/beantwortung-der-frage-was-ist-aufklarung-3505/2. S. 481

Abbildungen:

  • Abbildung 1: Code Napoleon von 1804. Zugegriffen 1. Januar 2017. http://www.demokratiegeschichte.eu/index.php?id=117 3
  • Abbildung 2: Eugène Delacroix „Die Freiheit führt das Volk an“. Quelle: http://www.demokratiegeschichte.eu/index.php?id=57 [zuletzt abgerufen am 27.12.2016] 4
  • Abbildung 3 :Berliner Monatsschrift 1784, S. 516. Kant: „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ Zugegriffen 1. Januar 2017. http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/kant_aufklaerung_1784?p=17. 5
  • Titelbild: Ausschnitt aus dem Hessischen Landboten (Titel)

Handout zu den Autoren und der Schrift

(Autorin Cansu Ocak)

Der Mensch und der Staat – Ideen zur Haltung einer zu gründenden Partei

Was ist ein Staat und welche Rolle sollte er für den Menschen spielen? Ideen dazu habe ich in den letzten Wochen entwickelt und dachte zudem viel darüber nach, wie eine neu Partei aussehen müsste. Der folgende Text könnte der Anfang eine Parteiprogramms einer neuen Partei sein. Er ist noch sehr grob, mache Punkte sind noch zu wenig ausformuliert, aber die Grundidee wird, denke ich, rasch klar.

Der Staat

Die Menschen im Staat

Menschen sind soziale Wesen. Gemeinschaften zu bilden, ist für ihr Überleben wichtig. Auch Staaten sind soziale Gemeinschaften. Staaten sind letzten Endes die Menschen, aus denen sie bestehen und sind deshalb von Natur aus für die Menschen da.

Das Staat, das sind die Menschen, die im Gebiet eines Staates leben.

Funktion des Staates

Die Aufgabe eines Staates ist es, die Grundbedürfnisse der Menschen sicher zu stellen. Ein Staat muss Sicherheit verschaffen, damit jeder Mensch eines Staates genug Nahrungsmittel, eine sichere Unterkunft in ausreichender Größe und Zugang zu den in der jeweiligen Gesellschaft üblichen kulturellen Errungenschaften und Medien hat. Alle Menschen sollten die Möglichkeiten haben, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilzunehmen.

Grundbedürfnisse der Menschen

Nur Menschen, deren Grundbedürfnisse sicher gestellt sind, können sich entwickeln und sich letzten Endes selbst verwirklichen.

Das übergeordnete Ziel eines Staates ist deshalb, allen in seinen Grenzen wohnenden Menschen zu ermöglichen, sich selbst zu verwirklichen und das Beste aus sich zu machen.

Zu den Grundbedürfnissen, und somit zu den Grundrechten, deren Befriedigung zu den vordringlichsten Aufgabe des Staates gehören, zählen in der heutigen Zeit:

  • Kleidung
  • Nahrung
  • feste Bleibe (WG, Wohnung, etc.) mit Küche, Bad, Toilette, Heizung
  • fließend Wasser
  • Strom
  • Heizung
  • Internetzugang
  • Krankenversicherung
  • Rente, Versorgung im Alter
  • Teilnahme am öffentlichen Leben (Mensch ist ein soziales Wesen) und den kulturellen Errungenschaften
  • Bildung
  • Freizeit
  • eine sinnschaffende Beschäftigung

Die Wirtschaft

Da unser System auf Geld beruht, ist es Aufgabe des Staates dafür zu sorgen, durch geschickte Umverteilung, bzw. Steuerung von Geldströmen mit Hilfe von Steuern, sozialer Unterstützung und anderen, dafür zu sorgen, dass alle Menschen genügend Geld haben, damit ihre Grundbedürfnisse befriedigt werden können. 

die Reichen und die Armen

Damit alle Menschen die für sie nötigen Güter und das nötige Geld erhalten, ist eine soziale Wirtschaft notwendig. Wir werden die Geldwirtschaft nicht abschaffen können, da sie ein weltumspannendes System darstellt, aber wir können sie in unserem Land, in Europa und evtl. in der Welt kontrollieren. Dafür setzen wir uns ein.

Machen wir uns nichts vor: Es wird immer Menschen geben, die mehr Geld und Besitztümer haben, als andere. Wir werden diese Unterschiede nicht beseitigen können, doch wir können ein System gerechter machen.

Worin besteht der Sinn des Lebens? Für uns besteht er darin, dass wir alle die in uns schlummernden Fähigkeiten entwickeln und uns selbst verwirklichen können. Wir alle wollen glücklich sein und angstfrei leben. Deshalb benötigen wir Sicherheit.

Dies gilt für Arme, wie auch für Reiche, denn alle sind wir Menschen. Jeder Mensch soll diese Möglichkeiten haben. 

Es heißt im Grundgesetz, dass Eigentum verpflichtet, doch wollen wir es noch weiter fassen und sagen: Mehr zu haben als andere, verpflichtet. 

Geldfluss und Gerechtigkeit

Es ist in Ordnung viel Geld zu verdienen und reich zu sein, aber es bringt auch eine Verpflichtung für all diejenigen mit sich, die weniger besitzen. Wir können nur alle in Sicherheit leben und eine gleichberechtigte Teilhabe für alle Menschen ermöglichen, wenn wir Geldflüsse auch zu denjenigen erzeugen, die wenig haben. Notwendigerweise haben sie ihren Ursprung dort, wo viel Geld ist.

Damit diese Geldflüsse stattfinden, wurden Staaten gegründet, auch wenn es ursprünglich eher um Waren ging, als um Geld. Die Aufgabe des Staates besteht in der gerechten Verteilung des in einem Staat vorhandenen Geldes, bzw. Strukturen für eine gerechte Verteilung zu schaffen.

Die Mittel des Staates sind die Gesetze, allen voran die Steuergesetze. Sie heißen so, weil man damit etwas steuert, nämlich den Geldfluss. Steuergesetze sind eigentlich Geldfluss-Steuerungs-Regeln.

Gerechtigkeit und Gleichberechtigung verpflichten eine gleiche Beteiligung aller, je nach Möglichkeit ihrer Leistungsfähigkeit. Wer mehr leisten kann, muss sich stärker beteiligen, als jemand, der weniger leisten kann.

Wir wollen den Geldfluss durch Steuern und weitere Mittel so lenken, dass genügend Geld zu allen Menschen fließt, damit sie die Möglichkeit haben, sich zu entfalten, ihre Ziele anzustreben, Glück und Zufriedenheit zu finden.

Ein Staat muss immer dafür da sein, etwas zu ermöglichen. Er sollte die Erde sein, auf der die Pflanze Mensch wachsen und gedeihen kann.

Verantwortung der Menschen

Der Staat ist ein Gebilde geflochten aus der Zusammenarbeit der Menschen. Es kann nur ein gutes Gebilde sein, wenn Menschen bewusst ist, dass auch sie ein Teil davon sind und für das Wohl aller auch mit eine Verantwortung tragen. Ohne Menschen, die Verantwortung übernehmen, gibt es keinen funktionierenden Staat. Je mehr sich beteiligen, je mehr sich dessen bewusst sind und danach handeln, einen umso besseren Staat werden wir haben.

Wissenschaft und internationaler Austausch

Realismus

Wir sollten, um unsere Ziele zu erreichen, immer Wissenschaft vor Ideologien stellen. Unsere Werte und Ziele sollten stets nachweislich dem Menschen dienen, nicht einer Ideologie oder einem Wunschdenken.

Die Rolle der Wissenschaft sollte gestärkt werden. Wir sollten auf allen Ebenen Untersuchungen anstellen, ob das, was wir mit unseren Handlungen erreichen wollen, auch tatsächlich erreichen. 

Wissenschaft bedeutet: Objektive Überprüfung der Effektivität unserer Maßnahmen und die Veröffentlichung dieser Überprüfungen.

Überprüfbarkeit

Wir brauchen einen gläsernen Staat, denn der Staat sind wir. Er sollte uns nicht verborgen sein und als ein Fremdkörper gegenüber stehen. 

Wissenschaft und ihre Ergebnisse sind ein wichtiger Teil davon. Sie unterstützen uns alle, unsere Handlungen und Taten zu bewerten. Es genügt nicht zu „glauben“, dass etwas hilft oder schadet, man sollte es auch wissenschaftlich überprüfen.

Gültigkeit hinterfragen

In den vergangenen 2000 Jahren hat sich unser Schul- und Bildungssystem kaum verändert. Wir sollten es einmal überprüfen und nachbessern, wie auch viele andere Bestimmungen und Gesetze, bei welchen wir uns fragen sollten, ob sie das, was sie scheinbar versprechen, auch halten.

Zusammenarbeit und Austausch

Hier könnte ein Best-Practice-Austausch mit anderen Ländern von Vorteil sein. Es gibt schon viel Erfahrung auf der Welt, doch wird diese kaum genutzt.

Wie ein Staat eine Gemeinschaft ist von Menschen, um ihnen zu ermöglichen, sich selbst zu verwirklichen, so sind dies auch Staatenverbünde oder die Welt an sich. Wenn wir unsere Verbünde und die Welt schätzen, wertschätzen und achten, können wir alle wachsen. Isolation verhindert Wachstum, Gemeinschaft ermöglicht sie.

Es ist sinnvoll uns weltweit auszutauschen mit unseren Erfahrungen und Forschungen, um eine bessere und gerechtere Gesellschaft aufzubauen und jedem zu ermöglichen, sein Glück zu finden.

Die Regierung

Der Staat, das sind die Menschen, die auf dem Staatsgebiet leben. Da sie nicht alle gleichzeitig gemeinsam die Aufgaben des Staates erfüllen können, benötigen sie jemanden, der den Überblick darüber hat, was man tun muss und die Zeit hat es zu tun.

Hierfür sind die gewählten Vertreter der Menschen eines Staates da. Sie setzen das um, was langfristig den Menschen eines Staates am besten dient und dazu führt, dass alle die Möglichkeit und Sicherheit haben, ein würdevolles leben führen zu können in welchem ihre Bedürfnisse befriedigt werden.

Eine Regierung und alle Vertreter der Menschen eines Staates, sind somit Dienstleister im Dienste der Menschen. Der Souverän bleibt der Mensch im Staat. Regieren heißt dienen, nicht herrschen.

Regieren bedeutet Möglichkeiten zu schaffen für die Menschen, für deren Gemeinschaft man verantwortlich ist.

Hunger, Obdachlosigkeit, Armut oder Krieg bedeuten immer, dass eine Regierung sich bereichert anstatt zu regieren.

Der Mensch

einzigartig

Jeder Mensch ist ein einzigartiges Lebewesen. Einzigartiges ist immer wertvoll, es kann durch nichts ersetzt werden. Jeder Mensch verdient Achtung und Respekt. Seine Würde hilft ihm Mensch zu sein. 

sozial

Der Mensch ist ein soziales Wesen, das der Gemeinschaft bedarf. Erst die soziale Gemeinschaft ermöglicht es einem Menschen sich selbst zu verwirklichen, das zu werden, was er werden kann und wonach er strebt.

Gemeinschaft entsteht in gegenseitiger Achtung, Wertschätzung und Respekt – zu allen und zwischen allen Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion, oder sonst irgendeinem Merkmal.

Sprache

Menschen begegnen uns vor allem in der Sprache. Im offen gesprochenen Wort begegnet uns der Mensch. Er kehrt sein Innerstes nach außen und macht es für uns sichtbar. Achtung und Wertschätzung des Menschen ist deshalb auch immer Achtung und Wertschätzung des Wortes. 

Menschen haben verschiedene Ansichten und fühlen sich von verschiedenen Aussagen angesprochen. Dies ist ein Teil der Individualität und Verschiedenheit aller Menschen. Er macht uns einzigartig und ist deshalb wertvoll und zu uns gehörig. Wenn Meinung des Anderen eine andere ist, ist sie wertvoll, und hilft uns vielleicht, Neues zu erkennen. Als solche sollten wir sie immer wertschätzen.

Zusammenarbeit

Natürlich können nur Menschen zusammenarbeiten, wenn sie ein gemeinsames Ziel verfolgen, denn sonst würden sie sich in verschiedene Richtungen bewegen und zersplittern. Gemeinschaften entstehen durch ein gemeinsames Ziel, deshalb ja auch der Name „Gemeinschaft“.

Menschen sind auch dann wertvoll, wenn sie ein anderes, eventuell sogar entgegengesetzte Ziele verfolgen. Dies ist die persönliche Entscheidung eines Menschen. Deshalb sollte man es respektieren, wenn andere ein anderes Ziel verfolgen. So ist es nun einmal.

Wir, in unserer Partei, haben ein gemeinsames Ziel. Wer dies mit uns zusammen verfolgen möchte, ist willkommen. Andere, zusätzliche Ziele sind diskutierbar, doch muss man auch respektieren, wenn sie von uns nicht getragen werden können. Dann müssen diese Menschen andere Gemeinschaften finden, die gemeinsam mit ihnen diese Ziele verfolgen.

Wir verurteilen andere Ziele nicht, auch wenn wir sie nicht als sinnvoll erachten. Wir respektieren und erkennen an, dass Menschen verschieden sind.

Der Mensch als Arbeitender

Jeder Mensch arbeitet. Menschen arbeiten immer. Manchmal werden sie dafür bezahlt, manchmal nicht. Dennoch arbeiten sie. Als soziales Lebewesen arbeitet der Mensch als Teil einer Gemeinschaft. Was er tut, beeinflusst diese und ist meist wichtig für die Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Strukturen und zur Schaffung von Möglichkeiten für andere.

Wertschätzung für das, was wir tun, und wenn es noch so klein zu sein scheint, ist von zentraler Bedeutung, denn nur so können wir in Würde leben. Da jeder Mensch die Achtung seiner Würde verdient, verdient auch ein jeder die Achtung dessen, was er tut, als wertvoll.

Menschen zeigen sich uns nicht nur in der Sprache, auch in der Tat. Auch eine Tat ist eine Äußerung, sie zeigt uns, wie der Mensch ist und was er tun möchte. Menschen begegnen uns nicht nur in der Sprache, sondern auch in den Taten.

Wir alle haben verdient als wichtig betrachtet zu werden und dass wir alle das Beste tun, das uns möglich ist. Dafür sollten wir geachtet und wertgeschätzt werden, auch finanziell. Jeder Mensch hat es verdient, dass die Gesellschaft ihn stützt und ein Leben ermöglicht, in welchem die Befriedigung der Grundbedürfnisse sichergestellt ist. 

Freizeit

Unsere Welt zwingt Menschen häufig dazu, etwas zu tun, zu arbeiten, das sie nicht wollen. Sie benötigen freie Zeit, in der sie sich selbst verwirklichen oder einfach nur sie selbst sein können. Eine Zeit der Erholung, des Zurücklehnens und Entspannens.

Als soziales Lebewesen möchte ein Mensch Zeit mit anderen Menschen verbringen. Die Aufgabe eines Staates, der eine Gemeinschaft von Menschen darstellt, ist es deshalb, Begegnungen und Freizeitaktivitäten für alle Menschen, die dies wünschen, zu ermöglichen.

Liebe

Menschen benötigen Liebe. Es ist wichtig für uns Menschen den Mut zu haben zu zeigen, wenn wir uns mögen. Distanz mag zwar Sicherheit bieten, doch Begegnung schafft Vertrauen und Liebe schafft Zusammenhalt. Wir sind eine starke Gemeinschaft, die Menschen aufnimmt und wertschätzt, sie glücklich macht und ihnen hilft, sich selbst zu verwirklichen, wenn wir gegenseitige Zuneigungen als hohes Gut sehen und bereit sind uns zu mögen.

Die Natur und der Mensch

Veränderung und Erhalt

Wir haben nur diese eine Erde. Zerstören wir sie, zerstören wir uns, da der Mensch ein Teil der Erde ist und die Erde ist ein Teil des Menschen. Dadurch beinhaltet die freie Entfaltung eines jeden, immer auch die freie Entfaltung der Natur, der Schutz des Menschen, beinhaltet den Schutz der Natur.

Verändern wir die Erde, verändern wir unsere Umwelt, so verändern wir auch uns. Wir werden immer unsere Umwelt verändern, weil es immer Fortschritt geben wird und somit Veränderungen.

Der Mensch benötigt eine lebenswerte Umwelt, eine lebenswerte Erde, die ihm Gesundheit und ein langes Leben beschert. Dies ist möglich, wenn wir unsere Erde erhalten und alles Lebendige wertschätzen, denn es ist der Grund warum wir leben, atmen, trinken und uns ernähren können. Unabhängig von der Wertigkeit allen Lebens, benötigen wir das Leben aller Lebewesen um selbst leben zu können.  

Unsere Zukunftsaufgabe besteht also darin, unsere Umwelt zu verändern, gleichzeitig aber auch, zu erhalten. Wir müssen lernen sie zu verändern, ohne zu zerstören.

Die Mensch und die Tiere

Der Mensch ist ein Teil der Natur und die Natur ist ein Teil des Menschen. Alles Lebendige und Existierende bildet die Natur und damit den Planeten Erde. Verändern wir etwas, so verändern wir die Erde und somit auch uns. Alles, was wir tun, hat Auswirkungen auf unser Leben. Deshalb sollten wir besonders bedacht vorgehen.

Auch Tiere sind ein Teil der Natur, somit sind auch sie ein Teil des Menschen. Die Behandlung der Tiere hat immer auch Auswirkungen auf uns Menschen. 

Der Mensch ist ein Allesfresser und benötigt momentan noch Fleisch für eine gesunde und ausreichende Ernährung. Auch Tiere sind zu dieser Erde gehörende Lebewesen und als ein Teil unserer Umwelt hat ihre Behandlung auch immer Auswirkungen auf uns. Dies sollten wir bedenken und ihr Wohlergehen sollte uns, so weit als möglich, am Herzen liegen.

Sowohl der bestmögliche Schutz der Natur an sich, als auch der Schutz der Tierwelt, macht eine ökologische Landwirtschaft und Tierhaltung notwendig. 

Einklang

Wir haben nur diese Erde. Und diese Erde wird nur weiterexistieren, wenn wir ihre Schätze nicht vernichten und keinen Raubbau betreiben. Unser Ziel muss es sein, den bestmöglichen Einklang mit der Natur, bzw. der Erde zu finden.

Wir können den Fortschritt nicht aufhalten und wollen dies auch nicht. Fortschritt bedeutet immer Veränderung, doch sollten wir uns stets bemühen, dass unsere Veränderungen zum Wohle aller sind und somit auch zum Wohle der gesamten Natur, oder diese zumindest nicht schädigen. Schädigen wir sie, so schädigen wir letzten Endes uns selbst.

M. K. Gandhi, M. L. King und die gewaltfreie Aktion

Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Über die Pflicht zum Ungehorsam 2.

„Wenn man sich die lange düstere Geschichte der Menschheit ansieht, entdeckt man, dass mehr scheußliche Verbrechen im Namen des Gehorsams begangen worden sind, als im Namen der Rebellion“1 (Charles Percy Snow)

Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat

… so lauet der deutsche Titel von Henry David Thoreaus Schrift „Civil Disobidience“, ziviler Ungehorsam. Ich habe das englische Original und eine deutsche (könnte besser sein) Übersetzung auf meiner Seite.

Sowohl Mohandas K. Gandhi als auch Martin Luther King nennen diese Schrift als eine für sie Mut-machende Schrift. Von Gandhi wird berichtet, dass er sie an seine Anhänger verteilte und von Martin Luther King weiß man, dass er, wenn er anfing die Hoffnung zu verlieren, nicht nur die Bibel, sondern auch Thoreau herausnahm um wieder neuen Mut zu schöpfen.

Doch über Thoreau und sein Leben habe ich bereits hier berichtet und die Grundlagen seines Denkens zusammengefasst.

Hier möchte ich, da wir gerade wieder in einer Zeit leben, in welcher Menschen, die friedlich für Grundrechte demonstrieren, kriminalisiert werden, kurz auf wenige Gedanken eingehen.

Wer sich für Menschenrechte einsetzt, und Grundrechte sind Menschenrechte, hat es häufig mit starkem Gegenwind zu tun. Inzwischen hat dies sogar zu Brandanschlägen gegen Menschen geführt, die sich für ihre Rechte einsetzen, was mehr als erschreckend ist. Wie viel Angst muss jemand davor haben, dass Menschen Rechte haben, um so etwas zu tun?

Vor Corona-Demo: Brandanschlag auf Stuttgarter Veranstaltungstechnikfirma


Hier nochmals, worum es bei den Demonstrationen ging, auch bei der, für welche die Firma, die dem Brandanschlag zum Opfer fiel, die Technik bereitstellte:

Was ist so schlimm daran, auf diese Grundrechte zu bestehen, dass derart viel Hass verbreitet wird?

Der Brandanschlag in Stuttgart hatte nichts mit Polizeigewalt zu tun, aber wie in der Kristallnacht 1938 hatten auch hier staatliche Stellen Menschen durch gezielte Falschinformationen dazu angeheizt.

„Der Staat repräsentiert Gewalt in konzentrierter Form. Das Individuum hat eine Seele, der Staat ist eine seelenlose Maschine. Er kann nie der Gewalt entwöhnt werden, weil er dieser ja seine Existenz verdankt.“2 (Ghandi)

Und diese Gewalt nutzt man besser durch Propaganda. Es ist besser, wenn „das Volk“ aufsteht, weil man dann jede Rechtfertigung als Staat bekommt, um gegen Andersdenkende vorzugehen. Man erfüllt den Volkswillen. Bei dieser übereifrigen Erfüllung ist man sich nicht zu schade, Dritte-Reichs-Rhetorik zu verwenden und das eigene Vorgehen einen „Krieg“ zu nennen. Menschen, die sich den staatlichen Maßnahmen nicht unterordnen, werden, wie im Dritten Reich, „Asoziale“. Es ist erschreckend, dass der Oberbürgermeister Stuttgarts, ein Mitglied der Grünen, solche Worte äußern darf:

Bild: Wikipedia (This file is licensed under the Creative Commons Attribution 3.0 Unported license.)


„Wer sich jetzt noch in Gruppen versammelt […] handelt gegen die Gesellschaft […]. Manch einer findet es vielleicht witzig, die Corona-Verordnung zu umgehen oder heimlich auszutricksen, aber das ist asozial […].“3

Von einem Grundrecht, einem Menschenrecht Gebrauch zu machen, ist asozial. Er darf weiter Oberbürgermeister sein und die Menschen finden es normal, dass jemand solch eine Rhetorik gebraucht. Auch finden sie es normal, wieder Sterne für Minderheiten zu verwenden und finden dies nicht gruselig.

Mich gruselts.

Und nun schlägt der Volkswille wieder mit Brandanschlägen zu, nachdem man die Menschen aufgehetzt hat.

Eigentlich sollten Brandanschläge gegen Andersdenkende der Vergangenheit angehören sowie die Betitelung Andersdenkender als Asoziale.

Eigentlich.

Und eigentlich sollte eine Aushebelung von Grundrechten durch ein Ermächtigungsgesetz aus Gründen der Volksgesundheit zur Vergangenheit gehören.

Eigentlich.

Und eigentlich, sollte uns unser Grundgesetz heilig sein und uns vor so etwas schützen.

Eigentlich.

Nie Wieder! Eigentlich.

Und doch brennen LKWs, weil der aufgestachelte Hass zugeschlagen hat.

We shall overcome

Was aktuell geschieht ist mehr als beängstigend.

Da singen Menschen „We shall overcome“, es wird gegen sie gehetzt und LKWs angezündet. Hatten wir das schon einmal?

Es erinnert doch sehr daran, wie viel Hass der Bürgerrechtsbewegung in den USA entgegengebracht wurde, was zur Ermordung zahlreicher Menschen, einschließlich Kindern führte. Leider hatte sie damals erst wirklich Erfolg, nachdem Kinder massive Polizeigewalt erfuhren. Doch muss es immer erst so weit kommen?

„More than six hundred marched out of the church fifty at a time in an attempt to walk to City Hall to speak to Birmingham’s mayor about segregation. They were arrested and put into jail. In this first encounter, the police acted with restraint. On the next day, however, another one thousand students gathered at the church. When Bevel started them marching fifty at a time, Bull Connor finally unleashed police dogs on them and then turned the city’s fire hoses water streams on the children. National television networks broadcast the scenes of the dogs attacking demonstrators and the water from the fire hoses knocking down the schoolchildren.“ (Wikipedia)4

Querdenken 711 hat nun die Großdemonstrationen auf dem Stuttgarter Wasen eingestellt. Nein, so weit muss es nicht kommen.

Es ist dennoch traurig wie Hass und Hetze so weit führen können. Da sind Demonstranten, die singen „we shall overcome“, erleben deshalb Gegendemonstrationen und Brandanschläge.

Das ist gruselig, zumal es ja „lediglich“ um Grundrechte geht, die in einer Demokratie mit einer derartigen Vergangenheit, wie Deutschland, heilig sein sollten. Was ist so gefährlich an Menschenrechten? Und warum hören wir nichts, von den so genannten „Menschenrechtsorganisationen“?

Was ist euch noch heilig?

Es muss weitergehen, gerade jetzt!

Power To The People (Ultimate Mix)

In seiner Autobiographie schreibt Gandhi gleich zu Anfang (S. 14):

„Mögen hunderte wie ich umkommen, doch die Wahrheit lasst siegen! Lasst uns das Niveau der Wahrheit nicht um eine Haaresbreite senken, weil Sterbliche wie ich falsch darüber urteilen mögen.“5

Es macht keinen Sinn, sein Leben zu opfern, darum geht es auch nicht. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, Verantwortung für ein höheres Gut, dafür, dass Lügen in unserer Welt keine Chance haben. Kämpfen wir für eine lügenfreie Welt! Die Wahrheit ist manchmal schwer zu erkennen, weshalb Menschen wohl auch Religionen gegründet haben, doch die Lügen erkennt man. Man muss sie offenlegen, durch Ehrlichkeit. Das ist manchmal gefährlich, aber es bedeutet auch: Verantwortung übernehmen und dadurch frei zu sein.

Gegen etwas zu kämpfen, schafft nur Gegner, und damit Gewalt und Aggression.

Wir können nicht für die Wahrheit kämpfen, was Gandhis oberstes Ziel war, denn die Wahrheit kennen wir nicht, doch können wir für Grundrechte, für einen anständige Gesellschaft, für Gleichberechtigung und Menschenrechte kämpfen.

Man muss für etwas Positives eintreten, damit Positives entstehen kann.

Menschen, die Hass schüren, denunzieren und Brandsätze legen, wollen eine Welt des Hasses und der Hetze. Würden sie es nicht wollen, würden sie es nicht tun.

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ (Immanuel Kant)6

Und Martin Luther King dazu:

„Wir werden niemals Frieden in der Welt haben, bevor die Menschen nicht überall anerkennen, dass Mittel und Zweck nicht voneinander zu trennen sind.; denn die Mittel verkörpern den Zweck im Werden, das Ziel im Entstehen, und schließlich kann man gute Zwecke nicht durch böse Mittel erreichen, weil die Mittel den Samen und der Zweck den Baum darstellen.“7

Deshalb: Leistet Widerstand, aber so, dass er Frieden ausstrahlt und Stärke, aber keinen Hass. Es ist nicht ungefährlich, aber seit nicht die, die andere verletzten.

Rebelliere, wer rebellieren möchte, aber bitte so, dass euer Handeln stets zu einem allgemeinen Gesetz werden kann: Friedlich, rücksichtsvoll akzeptierend und geduldig. Wenn man so handelt, wie „die Anderen“, ist man wie sie. Unser Handeln macht uns letztlich zu dem, was wir sind

„In diesem Zeitalter der Wunder sagt niemand, eine Sache oder Idee sei unmöglich, weil sie neu ist. Es ist ferner unvereinbar mit dem Geist der Epoche, wenn man sagt, etwas sei unmöglich, weil es schwierig ist. Täglich erleben wir, was niemand zu träumen gewagt hätte, ständig wird Unmögliches möglich. Wir kommen aus dem Staunen über die unerhörten Erfindungen auf dem Gebiet der Gewalt nicht mehr heraus. Ich aber bleibe dabei, dass weit unwahrscheinlichere und scheinbar unmögliche Entwicklungen auf dem Gebiet der Gewaltlosigkeit bevorstehen.“ (Gandhi)8

Ich weiß nicht, ob Widerstand etwas ändern wird, an dieser Gesellschaft und diesem Hass. Wir kennen die Zukunft nicht. Doch Verantwortung zu übernehmen macht uns frei, und wenn wir nach Hause gehen, wissend, wir haben Verantwortung übernommen, Gutes getan und Positives in die Welt gebracht, dann können wir uns im Spiegel anschauen und guten Gewissens schlafen.

Was auch immer am nächsten Tag passieren wird, wir wissen es nicht, doch haben wir alles dafür getan, damit es ein schöner und guter Tag werden kann.

Literaturangaben

„Civil Rights Movement“. In Wikipedia, 16. Mai 2020. https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Civil_rights_movement&oldid=957076097.

Gandhi, Mohandas Karamchand. Eine Autobiographie oder Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit. 4. Aufl. Gladenbach/Hessen: Hinder & Deelmann, 1984.

Gandhi, Mohandas Karamchand, und Richard Attenborough. Ausgewählte Texte. Dt. Erstveröff., 6. Aufl. Goldmann-Taschenbücher 6577. München: Goldmann, 1984.

Jochheim, Gernot. Die gewaltfreie Aktion: Idee und Methoden, Vorbilder und Wirkungen. Hamburg: Rasch und Röhring, 1984.

Stuttgarter Zeitung, Stuttgart. „Polizei schließt Stuttgarter Shisha-Bar: OB Kuhn verurteilt Coronaparty als ‚asozial‘“. stuttgarter-zeitung.de, 29. März 2020. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.polizei-schliesst-stuttgarter-shisha-bar-ob-kuhn-verurteilt-coronaparty-als-asozial.e1d12003-ba0f-47f7-a5ed-3329cd8cf2ab.html.

Fußnoten

1Gernot Jochheim, Die gewaltfreie Aktion: Idee und Methoden, Vorbilder und Wirkungen (Hamburg: Rasch und Röhring, 1984), 69.

2Gandhi in „The Modern Review“, 1935)

3Stuttgarter Zeitung, Stuttgart, „Polizei schließt Stuttgarter Shisha-Bar: OB Kuhn verurteilt Coronaparty als ‚asozial‘“, stuttgarter-zeitung.de, 29. März 2020, https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.polizei-schliesst-stuttgarter-shisha-bar-ob-kuhn-verurteilt-coronaparty-als-asozial.e1d12003-ba0f-47f7-a5ed-3329cd8cf2ab.html.

4„Civil Rights Movement“, in Wikipedia, 16. Mai 2020, https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Civil_rights_movement&oldid=957076097.

5Mohandas Karamchand Gandhi, Eine Autobiographie oder Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit, 4. Aufl (Gladenbach/Hessen: Hinder & Deelmann, 1984).

6Immanuel Kant, Gesammelte Schriften. Hrsg.: Bd. 1-22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., AA IV, 420.

7Jochheim, Die gewaltfreie Aktion, 97.

8Mohandas Karamchand Gandhi und Richard Attenborough, Ausgewählte Texte, Dt. Erstveröff., 6. Aufl, Goldmann-Taschenbücher 6577 (München: Goldmann, 1984), 73.

Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat

Civil Disobedience” ist die wichtigste Schrift zum gewaltfreien Widerstand und über unsere Verantwortung als Bürger.

Statt eines Vorwortes: Gandhi und M.L. King

Mohandas K. Gandhi über diese Schrift:

“[…] ich habe ‘Walden’ [von Henry David Thoreau] zuerst 1906 in Johannesburg in Südafrika gelesen, und seine Ideen haben mich stark beeinflusst. Ich übernahm einige davon und empfahl das Studium von Thoreau allen meinen Freunden, die an der Sache der indischen Unabhängigkeit mitarbeiteten. Das ist der Grund, warum ich den Namen meiner Bewegung eigentlich von Thoreaus Essay ‘Über die Pflicht des [zivilen] Ungehorsams’ übernommen habe, der vor etwa achtzig Jahren geschrieben wurde. Bis ich diesen Aufsatz las, habe ich nie eine passende englische Übersetzung für mein indisches Wort Satyagraha gefunden. Sie erinnern sich, dass Thoreau die Idee des zivilen Ungehorsams in Concord, Massachusetts, erfunden und praktiziert hat, als er sich aus Protest gegen die Regierung der Vereinigten Staaten weigerte, seine Kopfsteuer zu zahlen. Er ging auch ins Gefängnis. Es besteht kein Zweifel, dass Thoreaus Ideen meine Bewegung in Indien stark beeinflusst haben”. (Quelle: University of North Florida, Thoreau’s Table)

“Thoreau war ein großer Schriftsteller, Philosoph, Dichter und gleichzeitig ein sehr praktischer Mann, das heißt, er lehrte nichts, was er nicht selbst zu tun bereit war. Er war einer der größten und moralischsten Männer, die Amerika hervorgebracht hat. Zur Zeit der Abschaffung der Sklavenbewegung schrieb er seinen berühmten Essay “Über die Pflicht des zivilen Ungehorsams”. Er ging um seiner Prinzipien und der leidenden Menschheit Willen ins Gefängnis1. Sein Essay ist daher durch das Leiden geweiht2 worden. Mehr noch, ist es zeitlos geworden3. Seine einschneidende Logik ist unbeantwortbar”. (Agyei und “For Passive Resisters” von Mahandas K. Gandhi; 1907)

Martin Luther King über diese Schrift:

“Hier, in der Weigerung dieses mutigen Neuengländers seine Steuern zu zahlen, und das Gefängnis zu wählen, anstatt einen Krieg zu unterstützen, der das Gebiet der Sklaverei bis nach Mexiko ausdehnen würde, kam ich zum ersten Mal mit der Theorie des gewaltlosen Widerstands in Berührung. Fasziniert von der Idee, die Zusammenarbeit mit einem bösen System zu verweigern, war ich so tief bewegt, dass ich das Werk mehrmals wieder las.
Ich kam zu der Überzeugung, dass die Nicht-Zusammenarbeit mit dem Bösen ebenso eine moralische Verpflichtung ist, wie die Zusammenarbeit mit dem Guten. Kein anderer hat sich so wortgewandt und leidenschaftlich dafür eingesetzt, diese Idee zu vermitteln, wie Henry David Thoreau.

Aufgrund seiner Schriften und seines persönlichen Zeugnisses sind wir die Erben eines Vermächtnisses des kreativen Protests. Die Lehren von Thoreau wurden in unserer Bürgerrechtsbewegung lebendig; sie sind sogar lebendiger als je zuvor. Ob sie sich an einem Sitzstreik bei der Essenstheke4, einer Freiheitsfahrt nach Mississippi5, einem friedlichen Protest in Albany, Georgia6, einem Busboykott in Montgomery, Alabama7, äußern – dies sind Auswüchse von Thoreaus Beharren darauf, dass man dem Bösen widerstehen muss und dass kein moralischer Mensch sich geduldig an Ungerechtigkeit anpassen kann.” (M. L. King, Autobiographie)

Anmerkungen

1Original: “He went to gaol for the sake of his principles and suffering humanity. “

2Original: “sanctified”. Bedeutet auch “geheiligt”. Durch seine Tat zeigte Thoreau, wie ernst es ihm mit dem, was er sagte, war. Deshalb war es eine Art “Weihe” seines Werkes, nach meinem Verständnis.

3Original: “Moreover, it is written for all time.”

4Hier ist das “Greensboro sit-in” gemeint. So genannte “Afroamerikaner” weigerten sich bei Woolworth ihre Plätze an der Theke zu verlassen, nachdem sie ihr Mittagessen bekommen hatten.

5Original: “freedom ride into Mississippi”. Der “Freedom Ride” nach Mississippi fand am 25. Mai 1961 statt, als eine Gruppe von elf “Schwarzen” und einem “Weißen” mit dem Bus von Montgomery (in Alabama) nach Jackson (in Mississippi) fuhren und dort ins Wartezimmer für Weiße gingen.

6Seit etwa 1. November 1961 gab es regelmäßig friedliche Proteste in Albany durch das “Albany Movement”, also die Albany-Bwegung.

7Nachdem Rosa Parks sich am 1. Dezember 1955 geweigert hatte, sich im Bus nach hinten zu sitzen, auf die Plätze für “Schwarze”, kam es in Montgomery am 5. Dezember zum Boykott der Busse, also des öffentlichen Nahverkehrs.

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Verantwortung und Anstand

Eine Vorrede zu Thoreaus Civil Disobedience

Die Texte “Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat” (Deutsch) und “On the Duty of Civil Disobedience” (Englisch) finden Sie beim Klicken auf die jeweiligen Titel. Eine kurze Geschichte über Henry David Thoreau gibt es hier.

In Thoreaus „Civil Disobedience“ habe ich einiges aus meinem Leben wiedergefunden, vor allem das Unverständnis darüber, wie man einfach nur gehorchen kann, ohne sein Gehirn einzuschalten oder sein Gewissen.

„Darf ein Bürger auch nur für einen Moment oder auch nur um ein Jota sein Gewissen dem Gesetzesgeber übereignen? Warum hat jeder Mensch dann überhaupt ein Gewissen? Ich glaube, wir sollten zuerst Menschen sein, und dann erst Untertanen.“ (Thoreau)

Unsere Welt ist durchgeplant mit Verboten und Erlaubnissen. Kinder sollen nicht mehr selbst denken, wenn sie über eine Straße gehen, nicht mehr nach rechts und links schauen, sondern nur noch dämlich ein Lichtlein anblicken, das ihnen das Denken abnimmt. Autofahrer sollen sich nach Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, die niemand nachvollziehen kann – gerade beim Autofahren fällt es mir immer wieder auf, wie sich Menschen stur an eine völlig unsinnige Geschwindigkeitsbegrenzung halten aus Angst vor Strafe.

„Es ist hart, einen Aufseher aus dem Süden zu haben; es ist schlimmer, einen nordstaatlichen zu haben; am schlimmsten von allem ist es jedoch, wenn du dein eigener Sklavenhalter bist.“
(Thoreau)

Henry David Thoreau hinterfragt diese Welt der Schranken und der Folgsamkeit und setzt ihr ein Gewissen und eine Verantwortung gegenüber. Sein Buch beeindruckte nicht umsonst Martin Luther King oder Mohandas K. Ghandi. Es erzählt vom notwendigen Widerstand wenn Recht zu Unrecht wird und wenn Menschen zu Maschinen werden, die nur noch das tun, was ein Gesetz, ein Verkehrsschild oder eine Autorität möchte. Es erzählt davon, was es bedeutet Mensch zu sein. Man kann manchmal nur ein Mensch sein, statt einer folgsamen Maschine, wenn man sich widersetzt und „Nein!“ sagt.

Das ist nicht immer einfach. Es bedeutet Verantwortung zu übernehmen und das macht manchen Angst. Viele wollen „damit“ nichts zu tun haben. Sicherlich ist es meist einfacher kein Gewissen zu haben oder es auszuschalten. Lieber folgsame Maschine zu sein, statt ein denkender Mensch mit einem Gewissen. Man kann sich etwas vormachen, wie Martin Niemöller, der als Pfarrer wegschaute und die bekannten Zeilen sprach:

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“1

Man kann sich herausreden, das wäre zu einer anderen Zeit gewesen, doch zeigt es ein wichtiges Problem: Wer steht hinter mir, wenn ich Probleme habe, wenn ich nicht hinter anderen stehe?

Doch zurück zum Thema Verantwortung. Wenn ich da bin für andere und Verantwortung übernehme für mein Handeln, für die Welt, die ich gemeinsam mit anderen hervorbringe, denn wir alle gemeinsam sind die Welt, werde ich frei. Verantwortung zu übernehmen, nicht einfach wegzusehen, bedeutet Freiheit, weil es etwas bedeutet, wie ich mich entscheide. Es ist nicht belanglos, denn meine Entscheidung ändert etwas. Wahre Freiheit ist immer Entscheidungsfreiheit, die umso bedeutungsloser ist, je bedeutungsloser die Entscheidung ist. Bedeutungslose Freiheit ist keine Freiheit.

Doch nicht nur die Freiheit wird bedeutungslos, wenn wir nicht bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Ein Mensch, der nur bedeutungslose Entscheidungen fällt, wird bedeutungslos. Wenn es egal ist, was er tut, wenn es „keine Rolle spielt“, wird er selbst egal, spielt er selbst keine Rolle mehr im Spiel des Lebens. Es wird egal, ob er lebt oder tot ist.

Doch das Leben gehört uns, diese Welt gehört uns und es macht keinen Sinn, hier nicht mitreden zu wollen.

„Wenn ich in einen Krieg einberufen werde, ist dieser Krieg mein Krieg, weil ich jederzeit mich ihm hätte entziehen können, durch Selbstmord oder Fahnenflucht: Diese äußersten Möglichkeiten sind diejenigen, die uns immer gegenwärtig sein müssen, wenn es darum geht, eine Situation ins Auge zu fassen. Da ich mich ihm nicht entzogen habe, habe ich ihn gewählt.“
(Sartre)2

Gerade jetzt sehen wir, dass wir manchmal nicht wählen können. Wir befinden uns inmitten der größten Klimakatastrophe seit dem Aussterben der Saurier. Wir können sie leugnen, aber egal, was wir tun, wir sind mitten drin, verursachen sie. Wir sind immer verantwortlich – egal, wie wir uns entscheiden. Ob wir wollen oder nicht. Wer sich enthält, stimmt dem Status Quo zu.

Doch es geht noch weiter: Die Klimakatastrophe sorgt für Wassermangel, Missernten, hungernde Menschen und Flüchtlingsströme.

Die gleichzeitige Sorge ums Öl und Erdgas sorgt für Kriege und Umsturzversuche in den Ländern, die viel davon haben, wie Venezuela oder dem Iran.

Reiche werden reicher, Arme ärmer. Noch nie gab es so viele Superreiche.

Menschenverachtende Gesinnungen nehmen zu, Hetze, Lügen.

Und wir sind mittendrin, sind ein Teil davon.

Man kann sich nicht gerade beklagen über einen Mangel an Möglichkeiten Verantwortung zu übernehmen, Anstand zu zeigen, sich gegen den Strom zu stellen, ein Mensch zu sein und „Nein!“ zu sagen.

Tun wirs!

„Wage es, dich aus deiner selbst verschuldeten Unmündigkeit zu befreien!“

Es ist unsere Welt und wir sollten bestimmen, wie wir darin leben wollen. Bestimmen wir nicht mit, so sind wir belanglos, machen wir mit, so können wir sie gemeinsam gestalten.

Christina Schieferdecker

Fußnoten

1„‚Als die Nazis die Kommunisten holten…..‘ – Martin Niemöller Stiftung“.

2Guinebert, Hörigkeit als Selbstboykott.

On the Duty of Civil Disobedience

by Henry David Thoreau (die deutsche Übersetzung finden Sie hier)

[1849, original title: Resistance to Civil Government]

I heartily accept the motto, “That government is best which governs least”; and I should like to see it acted up to more rapidly and systematically. Carried out, it finally amounts to this, which also I believe—”That government is best which governs not at all”; and when men are prepared for it, that will be the kind of government which they will have. Government is at best but an expedient; but most governments are usually, and all governments are sometimes, inexpedient. The objections which have been brought against a standing army, and they are many and weighty, and deserve to prevail, may also at last be brought against a standing government. The standing army is only an arm of the standing government. The government itself, which is only the mode which the people have chosen to execute their will, is equally liable to be abused and perverted before the people can act through it. Witness the present Mexican war, the work of comparatively a few individuals using the standing government as their tool; for in the outset, the people would not have consented to this measure.

This American government—what is it but a tradition, though a recent one, endeavoring to transmit itself unimpaired to posterity, but each instant losing some of its integrity? It has not the vitality and force of a single living man; for a single man can bend it to his will. It is a sort of wooden gun to the people themselves. But it is not the less necessary for this; for the people must have some complicated machinery or other, and hear its din, to satisfy that idea of government which they have. Governments show thus how successfully men can be imposed upon, even impose on themselves, for their own advantage. It is excellent, we must all allow. Yet this government never of itself furthered any enterprise, but by the alacrity with which it got out of its way. It does not keep the country free. It does not settle the West. It does not educate. The character inherent in the American people has done all that has been accomplished; and it would have done somewhat more, if the government had not sometimes got in its way. For government is an expedient, by which men would fain succeed in letting one another alone; and, as has been said, when it is most expedient, the governed are most let alone by it. Trade and commerce, if they were not made of india-rubber, would never manage to bounce over obstacles which legislators are continually putting in their way; and if one were to judge these men wholly by the effects of their actions and not partly by their intentions, they would deserve to be classed and punished with those mischievous persons who put obstructions on the railroads.

But, to speak practically and as a citizen, unlike those who call themselves no-government men, I ask for, not at once no government, but at once a better government. Let every man make known what kind of government would command his respect, and that will be one step toward obtaining it.

After all, the practical reason why, when the power is once in the hands of the people, a majority are permitted, and for a long period continue, to rule is not because they are most likely to be in the right, nor because this seems fairest to the minority, but because they are physically the strongest. But a government in which the majority rule in all cases can not be based on justice, even as far as men understand it. Can there not be a government in which the majorities do not virtually decide right and wrong, but conscience?—in which majorities decide only those questions to which the rule of expediency is applicable? Must the citizen ever for a moment, or in the least degree, resign his conscience to the legislator? Why has every man a conscience then? I think that we should be men first, and subjects afterward. It is not desirable to cultivate a respect for the law, so much as for the right. The only obligation which I have a right to assume is to do at any time what I think right. It is truly enough said that a corporation has no conscience; but a corporation of conscientious men is a corporation with a conscience. Law never made men a whit more just; and, by means of their respect for it, even the well-disposed are daily made the agents on injustice. A common and natural result of an undue respect for the law is, that you may see a file of soldiers, colonel, captain, corporal, privates, powder-monkeys, and all, marching in admirable order over hill and dale to the wars, against their wills, ay, against their common sense and consciences, which makes it very steep marching indeed, and produces a palpitation of the heart. They have no doubt that it is a damnable business in which they are concerned; they are all peaceably inclined. Now, what are they? Men at all? or small movable forts and magazines, at the service of some unscrupulous man in power? Visit the Navy Yard, and behold a marine, such a man as an American government can make, or such as it can make a man with its black arts—a mere shadow and reminiscence of humanity, a man laid out alive and standing, and already, as one may say, buried under arms with funeral accompaniment, though it may be,

“Not a drum was heard, not a funeral note,
As his corse to the rampart we hurried;
Not a soldier discharged his farewell shot
O’er the grave where our hero was buried.”

The mass of men serve the state thus, not as men mainly, but as machines, with their bodies. They are the standing army, and the militia, jailers, constables, posse comitatus, etc. In most cases there is no free exercise whatever of the judgment or of the moral sense; but they put themselves on a level with wood and earth and stones; and wooden men can perhaps be manufactured that will serve the purpose as well. Such command no more respect than men of straw or a lump of dirt. They have the same sort of worth only as horses and dogs. Yet such as these even are commonly esteemed good citizens. Others—as most legislators, politicians, lawyers, ministers, and office-holders—serve the state chiefly with their heads; and, as they rarely make any moral distinctions, they are as likely to serve the devil, without intending it, as God. A very few—as heroes, patriots, martyrs, reformers in the great sense, and men—serve the state with their consciences also, and so necessarily resist it for the most part; and they are commonly treated as enemies by it. A wise man will only be useful as a man, and will not submit to be “clay,” and “stop a hole to keep the wind away,” but leave that office to his dust at least:

“I am too high born to be propertied,
To be a second at control,
Or useful serving-man and instrument
To any sovereign state throughout the world.”

He who gives himself entirely to his fellow men appears to them useless and selfish; but he who gives himself partially to them is pronounced a benefactor and philanthropist.

How does it become a man to behave toward the American government today? I answer, that he cannot without disgrace be associated with it. I cannot for an instant recognize that political organization as my government which is the slave’s government also.

All men recognize the right of revolution; that is, the right to refuse allegiance to, and to resist, the government, when its tyranny or its inefficiency are great and unendurable. But almost all say that such is not the case now. But such was the case, they think, in the Revolution of ’75. If one were to tell me that this was a bad government because it taxed certain foreign commodities brought to its ports, it is most probable that I should not make an ado about it, for I can do without them. All machines have their friction; and possibly this does enough good to counter-balance the evil. At any rate, it is a great evil to make a stir about it. But when the friction comes to have its machine, and oppression and robbery are organized, I say, let us not have such a machine any longer. In other words, when a sixth of the population of a nation which has undertaken to be the refuge of liberty are slaves, and a whole country is unjustly overrun and conquered by a foreign army, and subjected to military law, I think that it is not too soon for honest men to rebel and revolutionize. What makes this duty the more urgent is that fact that the country so overrun is not our own, but ours is the invading army.

Paley, a common authority with many on moral questions, in his chapter on the “Duty of Submission to Civil Government,” resolves all civil obligation into expediency; and he proceeds to say that “so long as the interest of the whole society requires it, that is, so long as the established government cannot be resisted or changed without public inconvenience, it is the will of God . . . that the established government be obeyed—and no longer. This principle being admitted, the justice of every particular case of resistance is reduced to a computation of the quantity of the danger and grievance on the one side, and of the probability and expense of redressing it on the other.” Of this, he says, every man shall judge for himself. But Paley appears never to have contemplated those cases to which the rule of expediency does not apply, in which a people, as well as an individual, must do justice, cost what it may. If I have unjustly wrested a plank from a drowning man, I must restore it to him though I drown myself. This, according to Paley, would be inconvenient. But he that would save his life, in such a case, shall lose it. This people must cease to hold slaves, and to make war on Mexico, though it cost them their existence as a people.

In their practice, nations agree with Paley; but does anyone think that Massachusetts does exactly what is right at the present crisis?

“A drab of stat,
a cloth-o’-silver slut,
To have her train borne up,
and her soul trail in the dirt.”

Practically speaking, the opponents to a reform in Massachusetts are not a hundred thousand politicians at the South, but a hundred thousand merchants and farmers here, who are more interested in commerce and agriculture than they are in humanity, and are not prepared to do justice to the slave and to Mexico, cost what it may. I quarrel not with far-off foes, but with those who, near at home, co-operate with, and do the bidding of, those far away, and without whom the latter would be harmless. We are accustomed to say, that the mass of men are unprepared; but improvement is slow, because the few are not as materially wiser or better than the many. It is not so important that many should be good as you, as that there be some absolute goodness somewhere; for that will leaven the whole lump. There are thousands who are in opinion opposed to slavery and to the war, who yet in effect do nothing to put an end to them; who, esteeming themselves children of Washington and Franklin, sit down with their hands in their pockets, and say that they know not what to do, and do nothing; who even postpone the question of freedom to the question of free trade, and quietly read the prices-current along with the latest advices from Mexico, after dinner, and, it may be, fall asleep over them both. What is the price-current of an honest man and patriot today? They hesitate, and they regret, and sometimes they petition; but they do nothing in earnest and with effect. They will wait, well disposed, for other to remedy the evil, that they may no longer have it to regret. At most, they give up only a cheap vote, and a feeble countenance and Godspeed, to the right, as it goes by them. There are nine hundred and ninety-nine patrons of virtue to one virtuous man. But it is easier to deal with the real possessor of a thing than with the temporary guardian of it.

All voting is a sort of gaming, like checkers or backgammon, with a slight moral tinge to it, a playing with right and wrong, with moral questions; and betting naturally accompanies it. The character of the voters is not staked. I cast my vote, perchance, as I think right; but I am not vitally concerned that that right should prevail. I am willing to leave it to the majority. Its obligation, therefore, never exceeds that of expediency. Even voting for the right is doing nothing for it. It is only expressing to men feebly your desire that it should prevail. A wise man will not leave the right to the mercy of chance, nor wish it to prevail through the power of the majority. There is but little virtue in the action of masses of men. When the majority shall at length vote for the abolition of slavery, it will be because they are indifferent to slavery, or because there is but little slavery left to be abolished by their vote. They will then be the only slaves. Only his vote can hasten the abolition of slavery who asserts his own freedom by his vote.

I hear of a convention to be held at Baltimore, or elsewhere, for the selection of a candidate for the Presidency, made up chiefly of editors, and men who are politicians by profession; but I think, what is it to any independent, intelligent, and respectable man what decision they may come to? Shall we not have the advantage of this wisdom and honesty, nevertheless? Can we not count upon some independent votes? Are there not many individuals in the country who do not attend conventions? But no: I find that the respectable man, so called, has immediately drifted from his position, and despairs of his country, when his country has more reasons to despair of him. He forthwith adopts one of the candidates thus selected as the only available one, thus proving that he is himself available for any purposes of the demagogue. His vote is of no more worth than that of any unprincipled foreigner or hireling native, who may have been bought. O for a man who is a man, and, as my neighbor says, has a bone in his back which you cannot pass your hand through! Our statistics are at fault: the population has been returned too large. How many men are there to a square thousand miles in the country? Hardly one. Does not America offer any inducement for men to settle here? The American has dwindled into an Odd Fellow—one who may be known by the development of his organ of gregariousness, and a manifest lack of intellect and cheerful self-reliance; whose first and chief concern, on coming into the world, is to see that the almshouses are in good repair; and, before yet he has lawfully donned the virile garb, to collect a fund to the support of the widows and orphans that may be; who, in short, ventures to live only by the aid of the Mutual Insurance company, which has promised to bury him decently.

It is not a man’s duty, as a matter of course, to devote himself to the eradication of any, even to most enormous wrong; he may still properly have other concerns to engage him; but it is his duty, at least, to wash his hands of it, and, if he gives it no thought longer, not to give it practically his support. If I devote myself to other pursuits and contemplations, I must first see, at least, that I do not pursue them sitting upon another man’s shoulders. I must get off him first, that he may pursue his contemplations too. See what gross inconsistency is tolerated. I have heard some of my townsmen say, “I should like to have them order me out to help put down an insurrection of the slaves, or to march to Mexico—see if I would go”; and yet these very men have each, directly by their allegiance, and so indirectly, at least, by their money, furnished a substitute. The soldier is applauded who refuses to serve in an unjust war by those who do not refuse to sustain the unjust government which makes the war; is applauded by those whose own act and authority he disregards and sets at naught; as if the state were penitent to that degree that it hired one to scourge it while it sinned, but not to that degree that it left off sinning for a moment. Thus, under the name of Order and Civil Government, we are all made at last to pay homage to and support our own meanness. After the first blush of sin comes its indifference; and from immoral it becomes, as it were, unmoral, and not quite unnecessary to that life which we have made.

The broadest and most prevalent error requires the most disinterested virtue to sustain it. The slight reproach to which the virtue of patriotism is commonly liable, the noble are most likely to incur. Those who, while they disapprove of the character and measures of a government, yield to it their allegiance and support are undoubtedly its most conscientious supporters, and so frequently the most serious obstacles to reform. Some are petitioning the State to dissolve the Union, to disregard the requisitions of the President. Why do they not dissolve it themselves—the union between themselves and the State—and refuse to pay their quota into its treasury? Do not they stand in same relation to the State that the State does to the Union? And have not the same reasons prevented the State from resisting the Union which have prevented them from resisting the State?

How can a man be satisfied to entertain an opinion merely, and enjoy it? Is there any enjoyment in it, if his opinion is that he is aggrieved? If you are cheated out of a single dollar by your neighbor, you do not rest satisfied with knowing you are cheated, or with saying that you are cheated, or even with petitioning him to pay you your due; but you take effectual steps at once to obtain the full amount, and see to it that you are never cheated again. Action from principle, the perception and the performance of right, changes things and relations; it is essentially revolutionary, and does not consist wholly with anything which was. It not only divided States and churches, it divides families; ay, it divides the individual, separating the diabolical in him from the divine.

Unjust laws exist: shall we be content to obey them, or shall we endeavor to amend them, and obey them until we have succeeded, or shall we transgress them at once? Men, generally, under such a government as this, think that they ought to wait until they have persuaded the majority to alter them. They think that, if they should resist, the remedy would be worse than the evil. But it is the fault of the government itself that the remedy is worse than the evil. It makes it worse. Why is it not more apt to anticipate and provide for reform? Why does it not cherish its wise minority? Why does it cry and resist before it is hurt? Why does it not encourage its citizens to put out its faults, and do better than it would have them? Why does it always crucify Christ and excommunicate Copernicus and Luther, and pronounce Washington and Franklin rebels?

One would think, that a deliberate and practical denial of its authority was the only offense never contemplated by its government; else, why has it not assigned its definite, its suitable and proportionate, penalty? If a man who has no property refuses but once to earn nine shillings for the State, he is put in prison for a period unlimited by any law that I know, and determined only by the discretion of those who put him there; but if he should steal ninety times nine shillings from the State, he is soon permitted to go at large again.

If the injustice is part of the necessary friction of the machine of government, let it go, let it go: perchance it will wear smooth—certainly the machine will wear out. If the injustice has a spring, or a pulley, or a rope, or a crank, exclusively for itself, then perhaps you may consider whether the remedy will not be worse than the evil; but if it is of such a nature that it requires you to be the agent of injustice to another, then I say, break the law. Let your life be a counter-friction to stop the machine. What I have to do is to see, at any rate, that I do not lend myself to the wrong which I condemn.

As for adopting the ways of the State has provided for remedying the evil, I know not of such ways. They take too much time, and a man’s life will be gone. I have other affairs to attend to. I came into this world, not chiefly to make this a good place to live in, but to live in it, be it good or bad. A man has not everything to do, but something; and because he cannot do everything, it is not necessary that he should be doing something wrong. It is not my business to be petitioning the Governor or the Legislature any more than it is theirs to petition me; and if they should not hear my petition, what should I do then? But in this case the State has provided no way: its very Constitution is the evil. This may seem to be harsh and stubborn and unconcilliatory; but it is to treat with the utmost kindness and consideration the only spirit that can appreciate or deserves it. So is all change for the better, like birth and death, which convulse the body.

I do not hesitate to say, that those who call themselves Abolitionists should at once effectually withdraw their support, both in person and property, from the government of Massachusetts, and not wait till they constitute a majority of one, before they suffer the right to prevail through them. I think that it is enough if they have God on their side, without waiting for that other one. Moreover, any man more right than his neighbors constitutes a majority of one already.

I meet this American government, or its representative, the State government, directly, and face to face, once a year—no more—in the person of its tax-gatherer; this is the only mode in which a man situated as I am necessarily meets it; and it then says distinctly, Recognize me; and the simplest, the most effectual, and, in the present posture of affairs, the indispensablest mode of treating with it on this head, of expressing your little satisfaction with and love for it, is to deny it then. My civil neighbor, the tax-gatherer, is the very man I have to deal with—for it is, after all, with men and not with parchment that I quarrel—and he has voluntarily chosen to be an agent of the government. How shall he ever know well that he is and does as an officer of the government, or as a man, until he is obliged to consider whether he will treat me, his neighbor, for whom he has respect, as a neighbor and well-disposed man, or as a maniac and disturber of the peace, and see if he can get over this obstruction to his neighborlines without a ruder and more impetuous thought or speech corresponding with his action. I know this well, that if one thousand, if one hundred, if ten men whom I could name—if ten honest men only—ay, if one HONEST man, in this State of Massachusetts, ceasing to hold slaves, were actually to withdraw from this co-partnership, and be locked up in the county jail therefor, it would be the abolition of slavery in America. For it matters not how small the beginning may seem to be: what is once well done is done forever. But we love better to talk about it: that we say is our mission. Reform keeps many scores of newspapers in its service, but not one man. If my esteemed neighbor, the State’s ambassador, who will devote his days to the settlement of the question of human rights in the Council Chamber, instead of being threatened with the prisons of Carolina, were to sit down the prisoner of Massachusetts, that State which is so anxious to foist the sin of slavery upon her sister—though at present she can discover only an act of inhospitality to be the ground of a quarrel with her—the Legislature would not wholly waive the subject of the following winter.

Under a government which imprisons unjustly, the true place for a just man is also a prison. The proper place today, the only place which Massachusetts has provided for her freer and less despondent spirits, is in her prisons, to be put out and locked out of the State by her own act, as they have already put themselves out by their principles. It is there that the fugitive slave, and the Mexican prisoner on parole, and the Indian come to plead the wrongs of his race should find them; on that separate but more free and honorable ground, where the State places those who are not with her, but against her—the only house in a slave State in which a free man can abide with honor. If any think that their influence would be lost there, and their voices no longer afflict the ear of the State, that they would not be as an enemy within its walls, they do not know by how much truth is stronger than error, nor how much more eloquently and effectively he can combat injustice who has experienced a little in his own person. Cast your whole vote, not a strip of paper merely, but your whole influence. A minority is powerless while it conforms to the majority; it is not even a minority then; but it is irresistible when it clogs by its whole weight. If the alternative is to keep all just men in prison, or give up war and slavery, the State will not hesitate which to choose. If a thousand men were not to pay their tax bills this year, that would not be a violent and bloody measure, as it would be to pay them, and enable the State to commit violence and shed innocent blood. This is, in fact, the definition of a peaceable revolution, if any such is possible. If the tax-gatherer, or any other public officer, asks me, as one has done, “But what shall I do?” my answer is, “If you really wish to do anything, resign your office.” When the subject has refused allegiance, and the officer has resigned from office, then the revolution is accomplished. But even suppose blood should flow. Is there not a sort of blood shed when the conscience is wounded? Through this wound a man’s real manhood and immortality flow out, and he bleeds to an everlasting death. I see this blood flowing now.

I have contemplated the imprisonment of the offender, rather than the seizure of his goods—though both will serve the same purpose—because they who assert the purest right, and consequently are most dangerous to a corrupt State, commonly have not spent much time in accumulating property. To such the State renders comparatively small service, and a slight tax is wont to appear exorbitant, particularly if they are obliged to earn it by special labor with their hands. If there were one who lived wholly without the use of money, the State itself would hesitate to demand it of him. But the rich man—not to make any invidious comparison—is always sold to the institution which makes him rich. Absolutely speaking, the more money, the less virtue; for money comes between a man and his objects, and obtains them for him; it was certainly no great virtue to obtain it. It puts to rest many questions which he would otherwise be taxed to answer; while the only new question which it puts is the hard but superfluous one, how to spend it. Thus his moral ground is taken from under his feet. The opportunities of living are diminished in proportion as that are called the “means” are increased. The best thing a man can do for his culture when he is rich is to endeavor to carry out those schemes which he entertained when he was poor. Christ answered the Herodians according to their condition. “Show me the tribute-money,” said he—and one took a penny out of his pocket—if you use money which has the image of Caesar on it, and which he has made current and valuable, that is, if you are men of the State, and gladly enjoy the advantages of Caesar’s government, then pay him back some of his own when he demands it. “Render therefore to Caesar that which is Caesar’s and to God those things which are God’s”—leaving them no wiser than before as to which was which; for they did not wish to know.

When I converse with the freest of my neighbors, I perceive that, whatever they may say about the magnitude and seriousness of the question, and their regard for the public tranquility, the long and the short of the matter is, that they cannot spare the protection of the existing government, and they dread the consequences to their property and families of disobedience to it. For my own part, I should not like to think that I ever rely on the protection of the State. But, if I deny the authority of the State when it presents its tax bill, it will soon take and waste all my property, and so harass me and my children without end. This is hard. This makes it impossible for a man to live honestly, and at the same time comfortably, in outward respects. It will not be worth the while to accumulate property; that would be sure to go again. You must hire or squat somewhere, and raise but a small crop, and eat that soon. You must live within yourself, and depend upon yourself always tucked up and ready for a start, and not have many affairs. A man may grow rich in Turkey even, if he will be in all respects a good subject of the Turkish government. Confucius said: “If a state is governed by the principles of reason, poverty and misery are subjects of shame; if a state is not governed by the principles of reason, riches and honors are subjects of shame.” No: until I want the protection of Massachusetts to be extended to me in some distant Southern port, where my liberty is endangered, or until I am bent solely on building up an estate at home by peaceful enterprise, I can afford to refuse allegiance to Massachusetts, and her right to my property and life. It costs me less in every sense to incur the penalty of disobedience to the State than it would to obey. I should feel as if I were worth less in that case.

Some years ago, the State met me in behalf of the Church, and commanded me to pay a certain sum toward the support of a clergyman whose preaching my father attended, but never I myself. “Pay,” it said, “or be locked up in the jail.” I declined to pay. But, unfortunately, another man saw fit to pay it. I did not see why the schoolmaster should be taxed to support the priest, and not the priest the schoolmaster; for I was not the State’s schoolmaster, but I supported myself by voluntary subscription. I did not see why the lyceum should not present its tax bill, and have the State to back its demand, as well as the Church. However, at the request of the selectmen, I condescended to make some such statement as this in writing: “Know all men by these presents, that I, Henry Thoreau, do not wish to be regarded as a member of any incorporated society which I have not joined.” This I gave to the town clerk; and he has it. The State, having thus learned that I did not wish to be regarded as a member of that church, has never made a like demand on me since; though it said that it must adhere to its original presumption that time. If I had known how to name them, I should then have signed off in detail from all the societies which I never signed on to; but I did not know where to find such a complete list.

I have paid no poll tax for six years. I was put into a jail once on this account, for one night; and, as I stood considering the walls of solid stone, two or three feet thick, the door of wood and iron, a foot thick, and the iron grating which strained the light, I could not help being struck with the foolishness of that institution which treated me as if I were mere flesh and blood and bones, to be locked up. I wondered that it should have concluded at length that this was the best use it could put me to, and had never thought to avail itself of my services in some way. I saw that, if there was a wall of stone between me and my townsmen, there was a still more difficult one to climb or break through before they could get to be as free as I was. I did nor for a moment feel confined, and the walls seemed a great waste of stone and mortar. I felt as if I alone of all my townsmen had paid my tax. They plainly did not know how to treat me, but behaved like persons who are underbred. In every threat and in every compliment there was a blunder; for they thought that my chief desire was to stand the other side of that stone wall. I could not but smile to see how industriously they locked the door on my meditations, which followed them out again without let or hindrance, and they were really all that was dangerous. As they could not reach me, they had resolved to punish my body; just as boys, if they cannot come at some person against whom they have a spite, will abuse his dog. I saw that the State was half-witted, that it was timid as a lone woman with her silver spoons, and that it did not know its friends from its foes, and I lost all my remaining respect for it, and pitied it.

Thus the state never intentionally confronts a man’s sense, intellectual or moral, but only his body, his senses. It is not armed with superior wit or honesty, but with superior physical strength. I was not born to be forced. I will breathe after my own fashion. Let us see who is the strongest. What force has a multitude? They only can force me who obey a higher law than I. They force me to become like themselves. I do not hear of men being forced to live this way or that by masses of men. What sort of life were that to live? When I meet a government which says to me, “Your money or your life,” why should I be in haste to give it my money? It may be in a great strait, and not know what to do: I cannot help that. It must help itself; do as I do. It is not worth the while to snivel about it. I am not responsible for the successful working of the machinery of society. I am not the son of the engineer. I perceive that, when an acorn and a chestnut fall side by side, the one does not remain inert to make way for the other, but both obey their own laws, and spring and grow and flourish as best they can, till one, perchance, overshadows and destroys the other. If a plant cannot live according to nature, it dies; and so a man.

The night in prison was novel and interesting enough. The prisoners in their shirtsleeves were enjoying a chat and the evening air in the doorway, when I entered. But the jailer said, “Come, boys, it is time to lock up”; and so they dispersed, and I heard the sound of their steps returning into the hollow apartments. My room-mate was introduced to me by the jailer as “a first-rate fellow and clever man.” When the door was locked, he showed me where to hang my hat, and how he managed matters there. The rooms were whitewashed once a month; and this one, at least, was the whitest, most simply furnished, and probably neatest apartment in town. He naturally wanted to know where I came from, and what brought me there; and, when I had told him, I asked him in my turn how he came there, presuming him to be an honest man, of course; and as the world goes, I believe he was. “Why,” said he, “they accuse me of burning a barn; but I never did it.” As near as I could discover, he had probably gone to bed in a barn when drunk, and smoked his pipe there; and so a barn was burnt. He had the reputation of being a clever man, had been there some three months waiting for his trial to come on, and would have to wait as much longer; but he was quite domesticated and contented, since he got his board for nothing, and thought that he was well treated.

He occupied one window, and I the other; and I saw that if one stayed there long, his principal business would be to look out the window. I had soon read all the tracts that were left there, and examined where former prisoners had broken out, and where a grate had been sawed off, and heard the history of the various occupants of that room; for I found that even there there was a history and a gossip which never circulated beyond the walls of the jail. Probably this is the only house in the town where verses are composed, which are afterward printed in a circular form, but not published. I was shown quite a long list of young men who had been detected in an attempt to escape, who avenged themselves by singing them.

I pumped my fellow-prisoner as dry as I could, for fear I should never see him again; but at length he showed me which was my bed, and left me to blow out the lamp.

It was like traveling into a far country, such as I had never expected to behold, to lie there for one night. It seemed to me that I never had heard the town clock strike before, not the evening sounds of the village; for we slept with the windows open, which were inside the grating. It was to see my native village in the light of the Middle Ages, and our Concord was turned into a Rhine stream, and visions of knights and castles passed before me. They were the voices of old burghers that I heard in the streets. I was an involuntary spectator and auditor of whatever was done and said in the kitchen of the adjacent village inn—a wholly new and rare experience to me. It was a closer view of my native town. I was fairly inside of it. I never had seen its institutions before. This is one of its peculiar institutions; for it is a shire town. I began to comprehend what its inhabitants were about.

In the morning, our breakfasts were put through the hole in the door, in small oblong-square tin pans, made to fit, and holding a pint of chocolate, with brown bread, and an iron spoon. When they called for the vessels again, I was green enough to return what bread I had left, but my comrade seized it, and said that I should lay that up for lunch or dinner. Soon after he was let out to work at haying in a neighboring field, whither he went every day, and would not be back till noon; so he bade me good day, saying that he doubted if he should see me again.

When I came out of prison—for some one interfered, and paid that tax—I did not perceive that great changes had taken place on the common, such as he observed who went in a youth and emerged a gray-headed man; and yet a change had come to my eyes come over the scene—the town, and State, and country, greater than any that mere time could effect. I saw yet more distinctly the State in which I lived. I saw to what extent the people among whom I lived could be trusted as good neighbors and friends; that their friendship was for summer weather only; that they did not greatly propose to do right; that they were a distinct race from me by their prejudices and superstitions, as the Chinamen and Malays are; that in their sacrifices to humanity they ran no risks, not even to their property; that after all they were not so noble but they treated the thief as he had treated them, and hoped, by a certain outward observance and a few prayers, and by walking in a particular straight though useless path from time to time, to save their souls. This may be to judge my neighbors harshly; for I believe that many of them are not aware that they have such an institution as the jail in their village.

It was formerly the custom in our village, when a poor debtor came out of jail, for his acquaintances to salute him, looking through their fingers, which were crossed to represent the jail window, “How do ye do?” My neighbors did not thus salute me, but first looked at me, and then at one another, as if I had returned from a long journey. I was put into jail as I was going to the shoemaker’s to get a shoe which was mended. When I was let out the next morning, I proceeded to finish my errand, and, having put on my mended shoe, joined a huckleberry party, who were impatient to put themselves under my conduct; and in half an hour—for the horse was soon tackled—was in the midst of a huckleberry field, on one of our highest hills, two miles off, and then the State was nowhere to be seen.

This is the whole history of “My Prisons.”

I have never declined paying the highway tax, because I am as desirous of being a good neighbor as I am of being a bad subject; and as for supporting schools, I am doing my part to educate my fellow countrymen now. It is for no particular item in the tax bill that I refuse to pay it. I simply wish to refuse allegiance to the State, to withdraw and stand aloof from it effectually. I do not care to trace the course of my dollar, if I could, till it buys a man or a musket to shoot one with—the dollar is innocent—but I am concerned to trace the effects of my allegiance. In fact, I quietly declare war with the State, after my fashion, though I will still make use and get what advantages of her I can, as is usual in such cases.

If others pay the tax which is demanded of me, from a sympathy with the State, they do but what they have already done in their own case, or rather they abet injustice to a greater extent than the State requires. If they pay the tax from a mistaken interest in the individual taxed, to save his property, or prevent his going to jail, it is because they have not considered wisely how far they let their private feelings interfere with the public good.

This, then, is my position at present. But one cannot be too much on his guard in such a case, lest his actions be biased by obstinacy or an undue regard for the opinions of men. Let him see that he does only what belongs to himself and to the hour.

I think sometimes, Why, this people mean well, they are only ignorant; they would do better if they knew how: why give your neighbors this pain to treat you as they are not inclined to? But I think again, This is no reason why I should do as they do, or permit others to suffer much greater pain of a different kind. Again, I sometimes say to myself, When many millions of men, without heat, without ill will, without personal feelings of any kind, demand of you a few shillings only, without the possibility, such is their constitution, of retracting or altering their present demand, and without the possibility, on your side, of appeal to any other millions, why expose yourself to this overwhelming brute force? You do not resist cold and hunger, the winds and the waves, thus obstinately; you quietly submit to a thousand similar necessities. You do not put your head into the fire. But just in proportion as I regard this as not wholly a brute force, but partly a human force, and consider that I have relations to those millions as to so many millions of men, and not of mere brute or inanimate things, I see that appeal is possible, first and instantaneously, from them to the Maker of them, and, secondly, from them to themselves. But if I put my head deliberately into the fire, there is no appeal to fire or to the Maker of fire, and I have only myself to blame. If I could convince myself that I have any right to be satisfied with men as they are, and to treat them accordingly, and not according, in some respects, to my requisitions and expectations of what they and I ought to be, then, like a good Mussulman and fatalist, I should endeavor to be satisfied with things as they are, and say it is the will of God. And, above all, there is this difference between resisting this and a purely brute or natural force, that I can resist this with some effect; but I cannot expect, like Orpheus, to change the nature of the rocks and trees and beasts.

I do not wish to quarrel with any man or nation. I do not wish to split hairs, to make fine distinctions, or set myself up as better than my neighbors. I seek rather, I may say, even an excuse for conforming to the laws of the land. I am but too ready to conform to them. Indeed, I have reason to suspect myself on this head; and each year, as the tax-gatherer comes round, I find myself disposed to review the acts and position of the general and State governments, and the spirit of the people to discover a pretext for conformity.

“We must affect our country as our parents,
And if at any time we alienate
Out love or industry from doing it honor,
We must respect effects and teach the soul
Matter of conscience and religion,
And not desire of rule or benefit.”

I believe that the State will soon be able to take all my work of this sort out of my hands, and then I shall be no better patriot than my fellow-countrymen. Seen from a lower point of view, the Constitution, with all its faults, is very good; the law and the courts are very respectable; even this State and this American government are, in many respects, very admirable, and rare things, to be thankful for, such as a great many have described them; seen from a higher still, and the highest, who shall say what they are, or that they are worth looking at or thinking of at all?

However, the government does not concern me much, and I shall bestow the fewest possible thoughts on it. It is not many moments that I live under a government, even in this world. If a man is thought-free, fancy-free, imagination-free, that which is not never for a long time appearing to be to him, unwise rulers or reformers cannot fatally interrupt him.

I know that most men think differently from myself; but those whose lives are by profession devoted to the study of these or kindred subjects content me as little as any. Statesmen and legislators, standing so completely within the institution, never distinctly and nakedly behold it. They speak of moving society, but have no resting-place without it. They may be men of a certain experience and discrimination, and have no doubt invented ingenious and even useful systems, for which we sincerely thank them; but all their wit and usefulness lie within certain not very wide limits. They are wont to forget that the world is not governed by policy and expediency. Webster never goes behind government, and so cannot speak with authority about it. His words are wisdom to those legislators who contemplate no essential reform in the existing government; but for thinkers, and those who legislate for all time, he never once glances at the subject. I know of those whose serene and wise speculations on this theme would soon reveal the limits of his mind’s range and hospitality. Yet, compared with the cheap professions of most reformers, and the still cheaper wisdom an eloquence of politicians in general, his are almost the only sensible and valuable words, and we thank Heaven for him. Comparatively, he is always strong, original, and, above all, practical. Still, his quality is not wisdom, but prudence. The lawyer’s truth is not Truth, but consistency or a consistent expediency. Truth is always in harmony with herself, and is not concerned chiefly to reveal the justice that may consist with wrong-doing. He well deserves to be called, as he has been called, the Defender of the Constitution. There are really no blows to be given him but defensive ones. He is not a leader, but a follower. His leaders are the men of ’87. “I have never made an effort,” he says, “and never propose to make an effort; I have never countenanced an effort, and never mean to countenance an effort, to disturb the arrangement as originally made, by which various States came into the Union.” Still thinking of the sanction which the Constitution gives to slavery, he says, “Because it was part of the original compact—let it stand.” Notwithstanding his special acuteness and ability, he is unable to take a fact out of its merely political relations, and behold it as it lies absolutely to be disposed of by the intellect—what, for instance, it behooves a man to do here in American today with regard to slavery—but ventures, or is driven, to make some such desperate answer to the following, while professing to speak absolutely, and as a private man—from which what new and singular of social duties might be inferred? “The manner,” says he, “in which the governments of the States where slavery exists are to regulate it is for their own consideration, under the responsibility to their constituents, to the general laws of propriety, humanity, and justice, and to God. Associations formed elsewhere, springing from a feeling of humanity, or any other cause, have nothing whatever to do with it. They have never received any encouragement from me and they never will.”1

They who know of no purer sources of truth, who have traced up its stream no higher, stand, and wisely stand, by the Bible and the Constitution, and drink at it there with reverence and humanity; but they who behold where it comes trickling into this lake or that pool, gird up their loins once more, and continue their pilgrimage toward its fountainhead.

No man with a genius for legislation has appeared in America. They are rare in the history of the world. There are orators, politicians, and eloquent men, by the thousand; but the speaker has not yet opened his mouth to speak who is capable of settling the much-vexed questions of the day. We love eloquence for its own sake, and not for any truth which it may utter, or any heroism it may inspire. Our legislators have not yet learned the comparative value of free trade and of freedom, of union, and of rectitude, to a nation. They have no genius or talent for comparatively humble questions of taxation and finance, commerce and manufactures and agriculture. If we were left solely to the wordy wit of legislators in Congress for our guidance, uncorrected by the seasonable experience and the effectual complaints of the people, America would not long retain her rank among the nations. For eighteen hundred years, though perchance I have no right to say it, the New Testament has been written; yet where is the legislator who has wisdom and practical talent enough to avail himself of the light which it sheds on the science of legislation.

The authority of government, even such as I am willing to submit to—for I will cheerfully obey those who know and can do better than I, and in many things even those who neither know nor can do so well—is still an impure one: to be strictly just, it must have the sanction and consent of the governed. It can have no pure right over my person and property but what I concede to it. The progress from an absolute to a limited monarchy, from a limited monarchy to a democracy, is a progress toward a true respect for the individual. Even the Chinese philosopher was wise enough to regard the individual as the basis of the empire. Is a democracy, such as we know it, the last improvement possible in government? Is it not possible to take a step further towards recognizing and organizing the rights of man? There will never be a really free and enlightened State until the State comes to recognize the individual as a higher and independent power, from which all its own power and authority are derived, and treats him accordingly. I please myself with imagining a State at last which can afford to be just to all men, and to treat the individual with respect as a neighbor; which even would not think it inconsistent with its own repose if a few were to live aloof from it, not meddling with it, nor embraced by it, who fulfilled all the duties of neighbors and fellow men. A State which bore this kind of fruit, and suffered it to drop off as fast as it ripened, would prepare the way for a still more perfect and glorious State, which I have also imagined, but not yet anywhere seen.

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1 These extracts have been inserted since the lecture was read -HDT