Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat

Civil Disobedience” ist die wichtigste Schrift zum gewaltfreien Widerstand und über unsere Verantwortung als Bürger.

Statt eines Vorwortes: Gandhi und M.L. King

Mohandas K. Gandhi über diese Schrift:

“[…] ich habe ‘Walden’ [von Henry David Thoreau] zuerst 1906 in Johannesburg in Südafrika gelesen, und seine Ideen haben mich stark beeinflusst. Ich übernahm einige davon und empfahl das Studium von Thoreau allen meinen Freunden, die an der Sache der indischen Unabhängigkeit mitarbeiteten. Das ist der Grund, warum ich den Namen meiner Bewegung eigentlich von Thoreaus Essay ‘Über die Pflicht des [zivilen] Ungehorsams’ übernommen habe, der vor etwa achtzig Jahren geschrieben wurde. Bis ich diesen Aufsatz las, habe ich nie eine passende englische Übersetzung für mein indisches Wort Satyagraha gefunden. Sie erinnern sich, dass Thoreau die Idee des zivilen Ungehorsams in Concord, Massachusetts, erfunden und praktiziert hat, als er sich aus Protest gegen die Regierung der Vereinigten Staaten weigerte, seine Kopfsteuer zu zahlen. Er ging auch ins Gefängnis. Es besteht kein Zweifel, dass Thoreaus Ideen meine Bewegung in Indien stark beeinflusst haben”. (Quelle: University of North Florida, Thoreau’s Table)

“Thoreau war ein großer Schriftsteller, Philosoph, Dichter und gleichzeitig ein sehr praktischer Mann, das heißt, er lehrte nichts, was er nicht selbst zu tun bereit war. Er war einer der größten und moralischsten Männer, die Amerika hervorgebracht hat. Zur Zeit der Abschaffung der Sklavenbewegung schrieb er seinen berühmten Essay “Über die Pflicht des zivilen Ungehorsams”. Er ging um seiner Prinzipien und der leidenden Menschheit Willen ins Gefängnis1. Sein Essay ist daher durch das Leiden geweiht2 worden. Mehr noch, ist es zeitlos geworden3. Seine einschneidende Logik ist unbeantwortbar”. (Agyei und “For Passive Resisters” von Mahandas K. Gandhi; 1907)

Martin Luther King über diese Schrift:

“Hier, in der Weigerung dieses mutigen Neuengländers seine Steuern zu zahlen, und das Gefängnis zu wählen, anstatt einen Krieg zu unterstützen, der das Gebiet der Sklaverei bis nach Mexiko ausdehnen würde, kam ich zum ersten Mal mit der Theorie des gewaltlosen Widerstands in Berührung. Fasziniert von der Idee, die Zusammenarbeit mit einem bösen System zu verweigern, war ich so tief bewegt, dass ich das Werk mehrmals wieder las.
Ich kam zu der Überzeugung, dass die Nicht-Zusammenarbeit mit dem Bösen ebenso eine moralische Verpflichtung ist, wie die Zusammenarbeit mit dem Guten. Kein anderer hat sich so wortgewandt und leidenschaftlich dafür eingesetzt, diese Idee zu vermitteln, wie Henry David Thoreau.

Aufgrund seiner Schriften und seines persönlichen Zeugnisses sind wir die Erben eines Vermächtnisses des kreativen Protests. Die Lehren von Thoreau wurden in unserer Bürgerrechtsbewegung lebendig; sie sind sogar lebendiger als je zuvor. Ob sie sich an einem Sitzstreik bei der Essenstheke4, einer Freiheitsfahrt nach Mississippi5, einem friedlichen Protest in Albany, Georgia6, einem Busboykott in Montgomery, Alabama7, äußern – dies sind Auswüchse von Thoreaus Beharren darauf, dass man dem Bösen widerstehen muss und dass kein moralischer Mensch sich geduldig an Ungerechtigkeit anpassen kann.” (M. L. King, Autobiographie)

Anmerkungen

1Original: “He went to gaol for the sake of his principles and suffering humanity. “

2Original: “sanctified”. Bedeutet auch “geheiligt”. Durch seine Tat zeigte Thoreau, wie ernst es ihm mit dem, was er sagte, war. Deshalb war es eine Art “Weihe” seines Werkes, nach meinem Verständnis.

3Original: “Moreover, it is written for all time.”

4Hier ist das “Greensboro sit-in” gemeint. So genannte “Afroamerikaner” weigerten sich bei Woolworth ihre Plätze an der Theke zu verlassen, nachdem sie ihr Mittagessen bekommen hatten.

5Original: “freedom ride into Mississippi”. Der “Freedom Ride” nach Mississippi fand am 25. Mai 1961 statt, als eine Gruppe von elf “Schwarzen” und einem “Weißen” mit dem Bus von Montgomery (in Alabama) nach Jackson (in Mississippi) fuhren und dort ins Wartezimmer für Weiße gingen.

6Seit etwa 1. November 1961 gab es regelmäßig friedliche Proteste in Albany durch das “Albany Movement”, also die Albany-Bwegung.

7Nachdem Rosa Parks sich am 1. Dezember 1955 geweigert hatte, sich im Bus nach hinten zu sitzen, auf die Plätze für “Schwarze”, kam es in Montgomery am 5. Dezember zum Boykott der Busse, also des öffentlichen Nahverkehrs.

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Das „Hallo!“, das Erkennen und die Liebe

Social Distancing” ist keine neue Erfindung, sondern eine Krankheit, die mir schon länger Sorgen bereitet.

Vom Hallo, Hi & Guten Tag

Schon länger diskutierte ich mit Menschen darüber, dass „Hallo“ keine deutsche Anrede ist, genauso wenig, wie „Hi!“ oder „Guten Tag!“. Es hat sich verbreitet, wenn man nicht „Sehr geehrte/r“ schreiben will, statt dessen „Hallo“ zu schreiben, oder „Guten Tag!“. Was gemieden wird, wie vom Teufel das Weihwasser, ist die Anrede „Liebe/Lieber…“.

Die Anreden „Sehr geehrte/sehr geehrter“ und „Liebe/Lieber“ stellen eine Beziehung her, bzw. drücken eine Beziehung aus. „Hallo“, „Hi“ und „Guten Tag“ enthalten sich jeder Beziehungsaussage, vermeiden die Beziehungsaufnahme. „Hallo!“ bedeutet immer auch: „Hallo! Ist da jemand?“ „Hallo“ ist immer Distanz, Vorsicht, „Hallo“ ist immer das Vermeiden von Beziehungen, ein ängstliches Wahrnehmen des Anderen.

Wir leben in einer Zeit, in der jeder versucht enge Beziehungen zu vermeiden. Abstand und Distanz ist das, was unsere Gesellschaft auszeichnet. „Liebe“ hat für viele etwas mit Sex zu tun. Nähe macht Angst, Distanz gibt Sicherheit. Zudem gibt es unzählige Berichte von sexuellem Missbrauch, was zusätzlich den Argwohn gegenüber Menschen, die mit Kindern zu tun haben, stärkt. Und die Pseudo-Anrede „Hallo“ drückt genau dies aus: Ich nehme mit jemandem Kontakt auf, ohne dabei eine Beziehungsaussage zu machen.

Wir leben in einer Distanzgesellschaft. Ich sehe Verbesserungen in den letzten Jahren, aber Nähe ist immer noch ein Fremdwort in menschlichen Beziehungen.

Ich fing vor einigen Jahren an, jede und jeden mit „Liebe/Lieber“ anzuschreiben, wenn man mich mit „Hallo“ anschrieb. Meine Hoffnung war und ist, dadurch die Menschen zum Denken anzuregen.

Was mir zudem sehr absurd vorkommt: Ich hatte eine Zeit lang eine Sprachschule und unterrichtete Menschen, die nach Deutschland kamen, in Deutsch. Diesen Menschen bringen wir bei, dass es in Deutschland zwei verschiedene Anreden in Briefen gibt, nämlich „Liebe/Lieber“ oder „Sehr geehrte/geehrter“. Doch wer das scheinbar nicht weiß, sind die Deutschen.

Diese Distanzgesellschaft ist dafür verantwortlich, dass sich Nachbarn weniger umeinander kümmern, Menschen sich weniger grüßen oder konstant links fahren, Hartz4 eingeführt wurde, etc. Der Andere ist uns egal geworden, frei nach dem Motto: Wenn jeder sich um sich kümmert, dann ist für alle gesorgt. Politik hat alle gefrustet und die Jugend interessierte sich für nichts, was daran etwas geändert hätte.

Greta Thunberg, alle lieben dich, du hast dafür gesorgt, dass viele merkten, dass sie ja doch eine Verantwortung haben, doch hätten wir dich 10 Jahre früher gebraucht.

Ich denke, inzwischen haben es mehr Personen festgestellt, dass wir uns in eine falsche Richtung bewegen, doch viel geändert hat sich nicht.

Von einer Pädagogin

Ich liebe meine Schülerinnen und Schüler und könnte sie nie freiwillig im Stich lassen. Und dies vor mir selbst zuzugeben, war auch für mich innerlich ein großer Schritt, weil auch ich immer glaubte, dass Distanz etwas mit Professionalität zu tun habe. Doch dadurch, dass ich es zugeben konnte, dass mir diese jungen Menschen viel bedeuten, wurden sie von Kunden zu Menschen.

Ich konnte ihnen als Menschen begegnen und auch zugeben, dass sie mir wichtig sind. Die körperliche Distanz verhinderte für mich Missverständnisse und gab auch mir die Sicherheit, die ich benötigte.

Nähe bedeutet nicht unbedingt sich zu berühren, sondern da zu sein und dies auch sprachlich und durch Handlungen auszudrücken.

In meiner Therapieausbildung bei Reinhard Tausch lernte ich, dass große Stärke dazu gehöre, wenn eine Klientin weinte, auf körperlicher Distanz zu bleiben, sitzen zu bleiben und dies auszuhalten. Es half mir, gerade in den Situationen, in denen ich am liebsten her gesprungen und jemanden in den Arm genommen und getröstet hätte. Menschen schätzen es sehr, wenn jemand ihre Trauer, Wut oder Verzweiflung erträgt, da bleibt und ihnen zeigt, dass diese Gefühle in Ordnung sind. „Weine, wenn du magst, wir haben Zeit. Ich bleibe, so lange du willst“.

Dies könnte man sicherlich noch besser machen. Es ist ein Punkt, an dem ich mir noch unsicher bin, in wie weit eine größere Nähe in Ordnung ist, doch in Anbetracht der Möglichkeit von Missverständnissen, vor allem wenn sich zwei Menschen sehr mögen und ein großer Altersunterschied besteht, halte ich die unbedingte körperliche Distanz für notwendig – und dann kann ich auch sagen: „Ich würde dich nie freiwillig im Stich lassen“, „Ich bin da“, ohne dass es missverstanden wird.

Von Liebe und Erkennen

Die Liebe ist eine unterschätze Kraft. Philosophen haben sich schon häufig mit diesem Phänomen auseinandergesetzt und ich möchte eine besonders schöne Stelle, wie ich finde, zitieren. Martin Buber schreibt von einer Begegnung im Du, einer Begegnung, die Distanzen wenig kennt, im Gegensatz zur Begegnung im Es (so Martin Buber), in welcher wir keine echte Beziehung aufbauen und alles um uns herum zum bloßen Ding wird.

Unsere Welt wird gerade zerstört. Das wird sie zwar schon länger, aber erst jetzt scheinen die Menschen aufzuwachen. Hätten wir eine engere, liebevollere Beziehung, eine Du-Beziehung (in den Worten Bubers), hätten wir wohl mehr Probleme damit gehabt, Abgase zu produzieren und Wälder zu roden. Wer einen Baum liebt, fällt ihn nicht und wer einen Menschen liebt, versucht Schaden von ihm fern zu halten.

Doch nun Martin Buber, dessen Worte über Liebe für mich eine große Wahrheit beinhalten:

„Sie steht nicht außer dir, sie rührt an deinen Grund, und sagst du ‘Seele meiner Seele’, hast du nicht zu viel gesagt: aber hüte dich, sie in deine Seele versetzen zu wollen – da vernichtest du sie. Sie ist deine Gegenwart: nur indem du sie hast, hast du Gegenwart; und du kannst sie dir zum Gegenstand machen, sie zu erfahren und zu gebrauchen, du musst es immer wieder tun, und hast nun keine Gegenwart mehr. Zwischen dir und ihr ist Gegenseitigkeit des Gebens; du sagst Du zu ihr und gibst dich ihr, sie sagt Du zu dir und gibt sich dir. Über sie kannst du dich mit andern nicht verständigen, du bist einsam mit ihr; aber sie lehrt dich andern begegnen und ihrer Begegnung standhalten ; und sie führt dich, durch die Huld ihrer Ankünfte und durch die Wehmut ihrer Abschiede, zu dem Du hin, in dem die Linien der Beziehungen, die parallelen, sich schneiden. Sie hilft dir nicht, dich im Leben zu erhalten, hilft dir nur, die Ewigkeit zu ahnen.“1

Einen wichtigen Aspekt heben die Biologen Humberto Maturana und Francesco Varela in ihrem Buch „Der Baum der Erkenntnis“ hervor. In diesem Buch legten sie den Grundstein für die Systemtheorie und schreiben am Ende des Buches:

„Wenn wir wissen, dass unsere Welt not­wendig eine Welt ist, die wir zusammen mit anderen hervorbringen, dann können wir im Falle eines Kon­flikts mit einem anderen menschlichen Wesen, mit dem wir weiterhin koexistieren [zusammenleben] wollen, nicht auf dem beharren, was für uns gewiss ist (auf einer absoluten Wahrheit), weil das die andere Person negieren [verneinen] wür­de. Wollen wir mit der anderen Person koexistieren [zusammenleben], müssen wir sehen, dass ihre Gewissheit – so wenig wünschenswert sie uns auch erscheinen mag – genau­so legitim und gültig ist wie unsere. […]

Die Biologie zeigt uns auch, dass wir unseren ko­gnitiven Bereich ausweiten können. Dazu kommt es zum Beispiel durch […] die Begegnung mit einem Fremden als einem Gleichen oder, noch unmittelbarer, durch das Erleben einer biologischen interpersonellen Kongruenz [zwischenmenschlichen Ehrlichkeit/Übereinstimmung], die uns den anderen sehen lässt und dazu führt, dass wir für sie oder für ihn einen Daseinsraum neben uns öffnen. Diesen Akt nennt man auch Liebe oder, wenn wir einen weniger starken Ausdruck bevorzugen, das An­nehmen einer anderen Person neben uns selbst im täglichen Leben.

Dies ist die biologische Grundlage sozialer Phäno­mene: Ohne Liebe, ohne dass wir andere annehmen und neben uns leben lassen, gibt es keinen sozialen Prozess, keine Sozialisation und damit keine Mensch­lichkeit. Alles, was die Annahme anderer untergräbt – vom Konkurrenzdenken über den Besitz der Wahr­heit bis hin zur ideologischen Gewissheit – untermi­niert den sozialen Prozess, weil es den biologischen Prozess unterminiert, der diesen erzeugt. Machen wir uns hier nichts vor: Wir halten keine Moralpredigt, wir predigen nicht die Liebe. Wir machen einzig und allein die Tatsache offenkundig, dass es, biologisch gesehen, ohne Liebe, ohne Annahme anderer, keinen sozialen Prozess gibt. […] Zu leugnen, dass die Liebe die Grundlage des so­zialen Lebens ist, und die ethischen Implikationen dieser Tatsache zu ignorieren, hieße, all das zu ver­kennen, was unsere Geschichte als Lebewesen in mehr als 3,5 Milliarden Jahren ausgewiesen hat. Es mag uns ungewöhnlich vorkommen und wir mögen uns dagegen sträuben, den Begriff ‚Liebe‘ […] zu gebrau­chen, da wir um die Objektivität unseres rationalen Ansatzes fürchten. […]

Wir haben nur die Welt, die wir zusammen mit anderen hervorbringen, und nur Liebe ermöglicht uns, diese Welt hervorzu­bringen. […]

Der Kern aller Schwierigkeiten, mit denen wir uns heute konfrontiert sehen, ist unser Ver­kennen des Erkennens, unser Nicht-Wissen um das Wissen. […] Es ist nicht das Wissen, dass eine Bombe tötet, sondern das, was wir mit der Bombe zu tun beabsichtigen, was be­stimmt, ob wir sie benutzen oder nicht. Gewöhnlich ignorieren wir diese Einsicht oder drücken uns davor, um nicht die Verantwortung für unser tägliches Tun übernehmen zu müssen. Doch unser Tun – alle unse­re alltäglichen Handlungen ohne Ausnahme – hilft, eine Welt hervorzubringen und zu etablieren, in der wir werden, was wir im Austausch mit anderen wer­den in jenem Prozess des Hervorbringens einer Welt.“2

Fußnoten

1Martin Buber, Ich und Du, 11., durchges. Aufl, Sammlung Weltliteratur (Heidelberg: Lambert Schneider, 1983), 42.

2Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela, Der Baum der Erkenntnis: die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens, 12. Aufl., genehmigte Taschenbuchausgabe, Goldmann-Buch 11460 (München: Goldmann, 2005), 264–68.

Literaturangaben

Buber, Martin. Ich und Du. 11., durchges. Aufl. Sammlung Weltliteratur. Heidelberg: Lambert Schneider, 1983.

Maturana, Humberto R., und Francisco J. Varela. Der Baum der Erkenntnis: die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. 12. Aufl., genehmigte Taschenbuchausgabe. Goldmann-Buch 11460. München: Goldmann, 2005.

Greta, oder: Sind wir noch Menschen?

(Diesen Text schrieb ich schon im August, hatte ihn aber noch nicht veröffentlicht)

Es ist August 2019. Ich lese Nachrichten, in denen darüber diskutiert wird, ob Greta Thunberg nicht den Friedensnobelpreis bekommen sollte. Breite Zustimmung, lese ich. Auch ich fände es gut, weil es ein großartiges Signal wäre: Eine 16-jährige bekommt den Friedensnobelpreis.

Es würde erneut die Möglichkeit geben die Frage aufzuwerfen, warum Menschen unter 18 eigentlich nicht wählen dürfen. Politische Verantwortung können sie übernehmen, mit Fridays For Future zeigen sie auch, dass sie sich Gedanken machen und bereit sind, sich für etwas einzusetzen. Junge Menschen von der Mitbestimmung auszuschließen – was wir auf fast allen Ebenen tun – ist eigentlich eine Menschenrechtsverletzung. Jemanden von der Mitbestimmung auszuschließen, ist demütigend und macht klar: Du bist unfähig! Es ist eine überhebliche Arroganz der Älteren.

Wir wissen, dass Kinder, also Menschen unter 18 Jahren, zu absoluten Höchstleistungen fähig sind, körperlich, wie geistig. Wir wissen, sie interessieren und engagieren sich und hätten einen Chance auf einen Friedensnobelpreis. Warum also, beteiligen wir sie nicht mehr?

Ich wünsche mir eine Welt, in der alle Menschen über ihre Zukunft und ihre Lebensumwelt mitbestimmen dürfen. Junge Menschen sollten wählen dürfen. Mein Vorschlag: Wahlalter ab 13. Außerdem sollten alle (ab der 1. Klasse) bei der Einstellung neuer Lehrkräfte mitbestimmen können. Meiner Erfahrung nach, wissen Schülerinnen und Schüler meist besser, ob sie bei einer Lehrkraft etwas lernen können, als irgendwelche Beamten des Regierungspräsidiums. Schülerinnen und Schüler sind die Lernspezialisten, weil sie es jeden Tag erfahren und zudem geht es um ihre Zukunft.

Nicht nur die anhaltende Zerstörung der Erde betrifft ihre Zukunft, auch die Schulbildung und die Noten, die ihnen unfähige (manchmal auch fähige) Lehrerinnen und Lehrer geben.

Ich wünsche mir eine Welt, in der Menschen gemeinsam für eine bessere Zukunft arbeiten und die Fähigkeiten eines jeden mehr zählen, als Abschlüsse, Dokumente, Alter, Hautfarbe oder sonst etwas. Ich wünsche mir eine Welt, in der wir den Menschen sehen, der vor uns steht, so wie er ist, ihn so respektieren und achten.

Wir leben in einer Welt der Einzigartigkeiten. Jeder Mensch ist etwas Einmaliges, ein unverwechselbares Individuum, das die Welt gerade dadurch bereichert, dass es anders ist. Wären wir alle gleich, wärs langweilig, Fortschritt und Demokratie könnten nicht mehr stattfinden, da es keine Auseinandersetzungen mehr gäbe, keine Dinge oder Vorkommnisse mehr, über die wir uns wundern und Fragen stellen würden.

Gerade die Andersheit, die Verschiedenheit aller Menschen, ist das Wertvolle. Wir sollten sie achten und fördern um Lebendigkeit zu fördern. Und wir sollten alle Menschen gleich achten, unabhängig des Alters. Menschen auf Grund des Alters das Mitspracherecht zu entziehen, ist eine unhaltbare Demütigung und Erniedrigung.

Dies betrifft übrigens nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch ältere Menschen in Altersheimen. Die katastrophalen Zustände sind überall nur deshalb möglich, weil die betroffenen Menschen kein Mitsprachrecht haben und als unfähig betrachtet werden, mitzubestimmen. Die Altersdiskriminierung ist die schlimmste und am weitesten verbreitete Diskriminierung – gedeckt durch das Grundgesetz.

Wir können oft nicht den Menschen sehen, diesen großartigen Menschen vor uns, sondern sehen Kinder, Jugendliche, Alte und behandeln sie als unfähige, abnorme Mitglieder unserer Gesellschaft.

Wir sehen Äußerlichkeiten, weigern uns, das Innere zu sehen, weil wir uns weigern, uns mit diesen Menschen auseinanderzusetzen auf Augenhöhe, gleichberechtigt.

Gleichberechtigt heißt auch: Sie dürfen mich kritisieren und ich sie. Wir beide müssen eine gemeinsame Lösung bei Kritik finden, mit der alle leben können.

Interessanterweise fehlen heutzutage exakt die Grundpfeiler von Carl Rogers‘ Ansatz: Akzeptanz, Empathie und Kongruenz. Wir leben in einer verlogenen Welt, voller Fake-News und Lobbyisten-Propaganda, Geld und Distanz ist uns wichtiger geworden, als Nähe, Einfühlungsvermögen und auf einander zuzugehen, den andren zu sehen, wie er wirklich ist. Statt dessen versuchen wir unsere Vorurteile immer wieder zu bestätigen, dank Facebook-Algorythmus, Google-Suche und Co.

Warum?

Ist es nur die Bequemlichkeit oder haben wir vergessen, wie es ist, Mensch zu sein, wie es ist wirklich zu leben?

Die identitäre Epoche geht zu Ende

Es wird Zeit zu erkennen, dass “Du bist…” menschenverachtend ist. Vielleicht, hoffentlich kommt ein Umdenken.

Vorwort von Christina

Der Text “Die identitäre Epoche geht zu Ende” stammt von der Website der “Aktion Transsexualität und Menschenrecht (ATME e.V.)”.

Man könnte diesen Text wie eine Fortführung zweier Texte auf meiner Seite lesen: Dem Text über Maslow und die Identität, so wie meinem Artikel “Man trägt wieder Stern“.

Es ist ein sehr schöner, nicht von mir verfasster Text über Identitäten im Sinne von Fremdzuweisungen. Nimmt man solche (wie z.B. Trans*, Inter*) für sich selbst an, so zeugt dies davon, dass man sich unterordnet und verachtende Fremdzuweisungen in Ordnung findet. Wörter mit den Genderstar sind immer verächtlich gemeint.

Wirklich traurig ist, dass wir in einer Welt der Verachtung leben und diejenigen, die andere am meisten verachten, dies als “Akzeptanz” verkaufen wollen. So, wie man jetzt, die Menschenverachtung im Corona-Experiment als “Solidarität” verkauft. Das ist mehr als zynisch, denkt man an die ganzen Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, an die armen Länder der Erde, denen nun die Entwicklungshilfe gestrichen wird, den Selbstständigen, die Konkurs gegangen sind, usw. Wo ist da die Solidarität?

Wie gesagt, wir leben in einer Zeit der Heuchelei und der Verlogenheit.

Im Text “Die identitätre Epoche geht zu Ende” schwingt die Hoffnung mit, dass diese Zeit sich einem Ende zuneigt. Die übertriebenen, zutiefst menschenverachtenden Maßnahmen, die wir gerade erleben, lassen hoffentlich ein paar Menschen aufwachen. Vielleicht sind dann auch einige bereit, das Kind wieder beim Namen zu nennen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es ja.

Die Identitäre Epoche geht zu Ende

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Verfasst am 17. April 2020.

Mittlerweile ist uns klar, warum manche Menschen ein Problem damit haben, unsere Positionen, die auf Menschenrechten und Freiheit basieren, zu verstehen. Es liegt daran, dass wir am Ende der identitären Epoche stehen und diese gerade auf den Höhepunkt zusteuert. Was heisst das? Identitäre Epoche?

In einer identitären Epoche geht es um Mitgliedschaften und nicht um Inhalte. Es geht um das Dazugehören zu einer Gruppe, anstatt um einen Austausch. Das Dazugehören wird dann kodiert und mit bestimmten Symbolen versehen. Der Genderstern ist beispielsweise so ein Symbol. Verwendeste ihn, gehörst Du zu einer Gruppe dazu. Verwendest Du ihn nicht, dann gehörst Du einer anderen Gruppe an.

Kommunikation innerhalb von identitären Epochen läuft dann auch nicht zum Zeck des Austausches von Inhalten ab, sondern als Battle der Identitäten. Jede Identitätsgruppe nutzt Sprache dafür, um die andere Gruppe abzuwerten und die eigene Gruppe aufzuwerten. Da die andere Gruppe abgewertet wird, verlaufen Unterhaltungen meistens auf dieser Ebene ab: Es wird denunziert, beleidigt, abgewertet. Um die andere Gruppe dann möglichst gut abwerten zu können, werden Substantive gefunden. “Nazis”, “linksgrünversifft”, “Verschwörungstheoretiker”, etc.

Diese Form der Kommunikation sorgt für die Grenzziehungen zwischen den Identitäten. Es ist eine Kommunikation des Krieges.

Unser Anspruch war immer, diesen Krieg nicht zu führen, sondern sich inhaltlich mit einem Thema auseinanderzusetzen. Wir empfinden es als armselig, sich in Identitäten zu spalten, weil wir Menschen für Menschen halten. Wir lehnen aus diesem Grund “Trans*”, “Inter*” und alle anderen Identitäten ab. Identitäten erachten wir als hässliche Fratze einer Welt, in der Menschen sich nicht mehr als Mensch begegnen können, sondern nur noch als Clubmitglieder.

Das Thema, das uns beschäftigt ist, ob Menschen bereit sind anzuerkennen, dass körperliche Merkmale vom Geschlecht abweichen können. Das nennen wir “Transsexualität”. Diese Körpervariationen existieren, davon gehen wir aus. Und wir gehen deswegen auch davon aus, dass Menschen existieren, deren Körper vom Geschlecht abweicht. Mit “Trans*” hat das nichts zu tun. Es ist übergriffig, wenn aus Transsexualität eine Frage der Identität gemacht wird. Wir lehnen die Konstruktion von Identitäten ab.

Oft sind uns Leute in den letzten Jahren begegnet, die uns auch als Teil der einen oder einer anderen Identität angesehen haben. Da gab es die “echten Transsexuellen” (häufig diejenigen, die sich einer rechten Identität zuordnen) die uns zugepflichtet hatten, weil sie dachten, wir grenzen uns auch – wie sie – von “Transidenten” ab. Und es gab dann Menschen, die sich auf Grund ihrer Haltung eher als “Identitätslinke” einsortieren würden, die dann glaubten, wir wären wie sie Anhänger einer “Trans*”-Haltung.

Beidem möchten wir widersprechen. Da wir die Konstruktion von Identität ablehnen, ordnen wir uns keinen Identitäten zu. Identität zu konstruieren ist autoritär, hierarchisierend, patriarchal, abgrenzend und “den Anderen” (der dann ja zu diesem Zweck konstruiert wird) abwertend.

Warum sind wir am Ende der identitären Epoche? Wir sehen angesichts der aktuellen Entwicklung – auch uns insbesondere angestossen durch einen kleinen Virus – auf dieser Welt, dass Menschen krampfhaft an identitären Einteilungen festhalten wollen. Wir stecken im totalen Krieg der Identitäten, der vor allem über Medien ausgefochten wird und die Angst vor der Apokalypse zum Inhalt hat. Um Fakten geht es da schon lange nicht mehr. Der totale Krieg der Identitäten wird, so eine These, irgendwann zum totalen Zusammenbruch der Identitäten führen. Was wir danach erleben werden ist – möglicherweise – die Erkenntnis, dass in Demokratien Kommunikation das Ziel hat, Inhalte auszutauschen. In Demokratien gibt es Rede und Gegenrede, in Wissenschaften in demokratischen Staaten These und Antithese. Wir werden uns an diese demokratischen Grundwerte erinnern.

Sobald wir uns an diese demokratischen Grundsätze erinnern – das wird nach der identitären Epoche geschehen – werden wir über Transsexualität reden können. Weil wir uns dann über Inhalte austauschen können. Von Mensch zu Mensch. Dann werden sich Menschen wieder zuhören.

Verantwortung, die Freiheit und die Liebe

Freiheit bedeutet immer: Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen, die etwas verändern, etwas bedeuten.

Sartre und wir

Von Jean Paul Sartre stammt folgender Text:

Niemals sind wir freier gewesen als unter der deutschen Besatzung. Wir hatten alle unsere Rechte verloren und vor allem das Recht zu sprechen; man spottete uns jeden Tag ins Gesicht, und wir mussten schweigen; man deportierte uns in Massen als Arbeiter, als Juden, als politische Gefangene; überall an den Mauern, in den Zeitungen, auf der Leinwand begegneten wir dem abscheulichen und faden Gesicht, das unsere Unterdrücker uns von uns selbst geben wollten; aufgrund all dessen waren wir frei. Da das Nazigift sich bis in unser Denken einschlich, war jeder richtige Gedanke eine Eroberung; da eine allmächtige Polizei versuchte, uns zum Schweigen zu zwingen, wurde jedes Wort kostbar wie eine Grundsatzerklärung; Da wir verfolgt waren, hatte jede unserer Gesten das Gewicht eines Engagements.“1

Wahre Freiheit haben wir immer dann, wenn unsere Entscheidungen von Bedeutung sind. Je größer die Bedeutung, desto freier. Die absolute Freiheit ist das riskieren des eigenen Lebens oder das Entscheiden über Leben und Tod anderer. Das Riskieren von Leben ist nur frei, wenn das Ziel das Überleben ist, nicht der Tod.
Ich denke, es gibt nur Freiheit im Leben, nicht im Tod. Die Entscheidung zu leben oder zu sterben, ist keine Entscheidung. Ich kann keine Verantwortung für meinen Tod übernehmen, weil ich dann nicht mehr bin. Der selbst gewählte Tod ist ein Rückzug aus dem Leben, die Weigerung, Verantwortung zu übernehmen.
Freiheit muss immer mit der Übernahme von Verantwortung einhergehen, sonst ist meine Entscheidung nicht frei.
Ich kann mich entscheiden zur Resistance zu gehen oder mich gegen meine Arbeitslosigkeit auflehnen. In beiden Fällen ist es eine Entscheidung zu leben – auch wenn mein Leben dadurch gefährlicher wird.
Wobei eine Entscheidung erst zur Freiheit wird, wenn uns die Folgen unseres Handels mit aller Konsequenzen bewusst sind und wir feststellen, dass wir „zur Freiheit verdammt“ sind. Freiheit bedeutet dann auch immer: Verantwortung übernehmen.

„Wenn wir sagen, dass ein Arbeitsloser frei ist, so wollen wir damit nicht sagen, dass er tun und lassen kann, was er will, und sich augenblicklich in einen reichen und friedlichen Bürger verwandeln kann. Er ist frei, weil er immer wählen kann, ob er sein Los in Resignation hinnimmt oder sich dagegen auflehnt. Natür­lich wird es ihm nicht gelingen, aus dem Elend herauszukommen, aber mitten in diesem Elend, an dem er klebt, kann er wählen, in seinem Namen und im Namen aller anderen gegen alle Formen des Elends zu kämpfen; er kann wählen, der Mensch zu sein, der es ablehnt, dass das Elend das Los der Menschen sei.”2

Entscheidungen bedeuten ja nur etwas, wenn die Folgen nicht egal sind, je weniger belanglos sie sind. Gleichzeitig bedeute ich etwas. Ich bin nicht mehr belanglos, weil ich diese Entscheidung treffe. Mein Leben ist nicht mehr belanglos. Es hat dann einen Sinn, dass ich existiere.
Man könnte auch sagen: Warum existiere ich? Um Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Bin ich bereit, Verantwortung zu übernehmen, so bekommt mein Leben einen Sinn.
Ich trete aus der Masse heraus und bin. Ich verlasse den Schwarm und werde ein Individuum.
Wir können mitmarschieren im Heer der Zustimmer und Ja-Sager. Wir können uns der Masse anschließen und in der Masse verschwinden, bedeutungslos werden. Heute würde man sagen: Du bist nichts, das RKI ist alles. Doch kann man den Spruch für verschiedene Zeiten abwandeln.
Wer bestimmt über mein Leben? Lasse ich bestimmen, oder bestimme ich? Riskiere ich, mich an meinen Entscheidungen zu verbrennen, oder lasse ich andere entscheiden um immer sagen zu können, ich wäre unschuldig?
Hat Freiheit für mich einen Wert?

Der Sinn der Freiheit

In einem kleinen Selbsthilfebüchlein stand der Satz:

„Dem Leben ist es egal wie du dich tot stellst!“3

Ich kann mich tot stellen, mich mittreiben lassen, oder ich kann selbst entscheiden. Lebe ich, oder werde ich gelebt.

“Mit einem Wort, der Mensch muss sich sein Wesen schaffen; indem er sich in die Welt wirft, in ihr leidet, in ihr kämpft, definiert er sich allmählich.” (Sartre)4

Das Eingangszitat finde ich deshalb so schön, weil es zeigt, wie schwierig es oft ist, Entscheidungen zu fällen, vor allem, wenn man damit anderen widerspricht. Vielleicht ist es sogar außerhalb einer Diktatur sogar schwieriger, weil die Frage „Was bringt es, mich zu widersetzen?“ manchmal nicht so einfach zu beantworten ist. Widerstrebt etwas meinem Gewissen und ich muss es selbst begründen, warum, rast das oft gar nicht so einfach.
Kämpfen wir gegen „das Böse“, das allgemein anerkannte Böse, ist es evtl. nicht so schwierig zu entscheiden und Sartre hat evtl. doch unrecht. Je böser das Übel, desto leichter die Entscheidung.
Für mich ist die wichtigste Frage geworden: Warum lebe ich? Möchte ich, dass mein Leben, dass mein Leiden, einen Sinn hat?
Vor langer Zeit machte ich einmal eine Sterbemeditation bei Daniela Tausch (sie hat, glaube ich, wieder ihren Mädchennamen angenommen). Anscheinend ist es tatsächlich so, dass kurz vor unserem Tode uns vieles durch den Kopf geht und unser Leben tatsächlich an uns vorbeizieht. Gut zu sterben heißt auch mit dem Gefühl zu sterben: „Ich kann gehen, es ist ok.“
Ich möchte einmal mit dem Gedanken sterben, dass mein Leben nicht bedeutungslos war und ich das Richtige getan habe. Ich möchte einmal denken: Ich habe gelebt und es war wichtig, dass ich da war. Ich hinterlasse etwas in dieser Welt, das wichtig ist.

„Während man das Leben aufschiebt, eilt es davon“ (Seneca)5

Es ist wichtig, Entscheidungen heute zu treffen, das Leben heute in die Hand zu nehmen, nicht morgen. So lange leben wir nicht. Vielleicht lebe ich nicht mehr so lange, dies einmal tun zu können. Also tue ich es heute.
Lebe ich mein Leben heute, oder schwimme ich nur mit? Lebe ich mein Leben, oder das des Schwarms? Wenn ich morgen sterbe, sage ich dann: „Ich bin prima mitgeschwommen, niemand wird merken, dass ich fehle“ oder soll es jemandem auffallen?

Die Liebe und das Leben

Inzwischen bin ich der festen Überzeugung, dass wir nicht in erster Linie durch uns, sondern durch andere definiert werden. Allerdings sind es meine Handlungen, die diese “Definitionen” hervorrufen. Ich bleibe zwar “Herr” über mein Leben, aber ob es von Bedeutung ist, müssen andere bestimmen.
Wie schon zuvor erwähnt, bin ich nur von Bedeutung, wenn meine Entscheidungen von Bedeutung sind – und zwar von Bedeutung für meine Mitmenschen. Niemandem fällt meine Entscheidung auf, wenn sie nur mich betrifft. Sie führt auch nicht zu Folgen, für die ich eine Verantwortung übernehmen müsste, wenn sie keine Folgen für andere hat.
Oder anders gesagt: Jede Entscheidung, mit der ich mein Leben und vor allem das von anderen Menschen beeinflusse, ist eine bedeutungsvolle Entscheidung. Sie kann falsch oder richtig sein. Aber sie ändert etwas.
Liebe ist nicht unbedingt notwendig, doch je mehr Menschen mich lieben, desto mehr Menschen werden von meinen Entscheidungen betroffen, selbst dann, wenn sie nur bei mir etwas ändern. Wenn anderen nicht egal ist, wie es mir geht oder was ich tue, bin, so ist jede Veränderung bedeutsam.
Man könnte also sagen: Je mehr ich geliebt werde, desto mehr bedeutet mein Leben und mein Handeln etwas.
Liebe muss man sich erarbeiten. Ich kann nicht darauf warten, dass es jemanden vom Himmel regnet, der sagt: Du bist mir wichtig, ich liebe dich. Meist bekommen wir es auch gar nicht gesagt, wir spüren es eher oder wissen es. Wir leben in keiner Gesellschaft in der jemanden zu lieben ausgesprochen wird – wenn man keinen Sex haben will. Wir sind leider pervertiert in Sachen Liebe.
Und damit wären wir wieder bei den Worten Jesu aus dem ersten Text.
Was sollen wir tun, um von Gott geliebt zu werden? Anderen helfen, die unser Hilfe benötigen, nicht wegschauen, wenn jemand in Not ist.
Schauen wir nicht weg, so können wir eine bedeutungsvolle Entscheidung für einen Mitmenschen treffen, wir können ihm näher kommen und haben die Möglichkeit einen Menschen kennen und lieben zu lernen.
Verantwortung zu übernehmen ist somit immer ein Schritt in die Bedeutung, ein Schritt dahin, meinem Leben einen Sinn zu geben. Gleichzeit hat es ein Gewicht, das mich vielleicht manchmal drückt, aber Freiheit, die tatsächliche Entscheidung zu haben, ist zunächst der schwerere Weg, aber man erlangt geistige Freiheit. Man wird unabhängig von anderen, man hat ein eigenes Leben.
Ich lebe mich selbst, nicht die anderen.

Fußnoten

1Jean-Paul Sartre, Paris unter der Besatzung: Artikel, Reportagen, Aufsätze 1944 – 1945, übers. von Hanns Grössel, Traugott König, und Vincent von Wroblewsky, Dt. Erstausgabe, 19.-20. Tsd, Gesammelte Werke in Einzelausgaben Politische Schriften, Jean-Paul Sartre. In Zusammenarbeit mit dem Autor und Arlette Elkaïm-Sartre begr. von Traugott König, hrsg. von Vincent von Wroblewsky; [5] Bd. 1 (Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1997), 37.

2Jean-Paul Sartre, Der Existentialismus ist ein Humanismus: und andere philosophische Essays 1943 – 1948, übers. von Werner Bökenkamp, Traugott König, und Vincent von Wroblewsky, 6. Aufl, Gesammelte Werke in Einzelausgaben Philosophische Schriften, Jean-Paul Sartre. In Zusammenarbeit mit dem Autor und Arlette Elkaïm-Sartre begr. von Traugott König, hrsg. von Vincent von Wroblewsky; [4] Bd. 4 (Reinbek bei Hamburg: Rowohlt-Taschenbuch-Verl, 2012), 118.

3Franz Simon, Angst, Wut & Schmerz: eine Expedition zu den verflixten Gründen, 6. Aufl (Fellbach: Körner, 1994).

4Sartre, Der Existentialismus ist ein Humanismus, 116.

5Das Zitat stammt aus dem ersten Brief an Lucilius (Epistulae morales), Satz 2. Man findet es u.a. in: Lucius Annaeus Seneca, Vom glückseligen Leben und andere Schriften, hg. von Peter Jaerisch, Nachdr. (Stuttgart: Reclam, 2015), 134.

Literaturangaben

Seneca, Lucius Annaeus. Vom glückseligen Leben und andere Schriften. Edited by Peter Jaerisch. Nachdr. Stuttgart: Reclam, 2015.
Simon, Franz. Angst, Wut & Schmerz: eine Expedition zu den verflixten Gründen. 6. Aufl. Fellbach: Körner, 1994.
Sartre, Jean-Paul. Der Existentialismus ist ein Humanismus: und andere philosophische Essays 1943 - 1948. Translated by Werner Bökenkamp, Traugott König, and Vincent von Wroblewsky. 6. Aufl. Gesammelte Werke in Einzelausgaben Philosophische Schriften, Jean-Paul Sartre. In Zusammenarbeit mit dem Autor und Arlette Elkaïm-Sartre begr. von Traugott König, hrsg. von Vincent von Wroblewsky; [4] Bd. 4. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt-Taschenbuch-Verl, 2012.
Sartre, Jean-Paul. Paris unter der Besatzung: Artikel, Reportagen, Aufsätze 1944 - 1945. Translated by Hanns Grössel, Traugott König, and Vincent von Wroblewsky. Dt. Erstausgabe, 19.-20. Tsd. Gesammelte Werke in Einzelausgaben Politische Schriften, Jean-Paul Sartre. In Zusammenarbeit mit dem Autor und Arlette Elkaïm-Sartre begr. von Traugott König, hrsg. von Vincent von Wroblewsky; [5] Bd. 1. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1997.

Weitere Texte dazu von mir:

http://tinaland-blog.de/2020/04/10/verantwortung-und-das-leben/
http://tinaland-blog.de/2020/01/15/das-gebaehren-eines-sterns/
http://tinaland-blog.de/2019/07/29/eine-vorrede-zu-thoreaus-civil-disobedience-ueber-die-pflicht-zum-ungehorsam-gegen-den-staat/

Verantwortung und das Leben

Das Ich und die Anderen

Es ist vielleicht nicht so geschickt mit einem Bibelzitat zu beginnen, aber dennoch: Es ist mir wichtig. Jesus beschreibt einmal, was geschehen wird, wenn wir vor das letzte Gericht kommen und Gott entscheiden wird, ob wir das ewige Leben verdient haben, oder nicht. Und da fällt ein für das Folgende bedeutender Satz: Was ihr für einen meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan. […] Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.

Die christlichen Werte sind bei uns schon lange am Arsch, auch in den Kirchen, weshalb sie sich leider keiner großen Popularität mehr erfreuen. Dennoch: Es gibt auch weltliche Regeln, die Ähnliches ausdrücken, wie z.B. „Was du nicht willst, das man die tu, das füg auch keinem andern zu.“ oder „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück!“ Und der Kantsche Imperativ lautet: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Eigentlich wissen wir es alle: Wenn wir wollen, dass wir anständig behandelt werden, müssen wir andere anständig behandeln. Wenn wir in einer Welt voller Freundlichkeit leben wollen, müssen wir freundlich sein. Wenn wir Verständnis wollen, müssen wir für andere Verständnis haben und wenn wir eine Demokratie wollen, müssen wir auch mitbestimmen wollen und die Meinungsfreiheit achten und wertschätzen.

Doch was tun wir?

Wir gehen aneinander vorbei und ignorieren uns. Wenn wir andere verarschen können, z.B. mit Schaubildern, verarschen wir sie. Was geht, geht.

Wenn wir Löhne und Honorare drücken können, tun wir das. Es ist uns egal, ob die, die wir bezahlen, davon anständig leben können oder nicht. Dabei meine ich nicht nur den Erntehelfer/die Erntehelferin, sondern auch den Nachhilfelehrer/die Nachhilfelehrerin, den Paketboten/die Paketbotin, usw.

Unsere Verantwortungslosigkeit schieben wir dann auf den Markt, den Marktwert dieser Menschen(leben). Aber es ist immer unsere Entscheidung, immer.

Doch gehen wir wieder weg vom Geld.

Der Umgang miteinander kostet uns nichts. Es kostet uns nichts jemanden anzulächeln und „Guten Tag!“ zu sagen. Auch Rücksicht kostet uns meist nichts oder anderen zu zeigen, dass uns ihre Meinung wichtig ist – außer vielleicht etwas Zeit.

Dabei können wir uns immer fragen: Was wünsche ich mir von meinen Mitmenschen, von dieser Gesellschaft in der ich lebe? Und dann sollte ich vor einen Spiegel gehen und mich einmal fragen, was tue ich dafür? Würde ich mich als Mitmensch wollen? Kann es anderen egal sein, ob ich da bin, oder nicht? Spielt das eine Rolle?

Sollte es eine Rolle spielen?

Der Sinn und die Belanglosigkeit

Vor langer Zeit rief mich einmal die Tagesklinik an. Eine junge Frau, die wie eine Schwester für mich war, war nicht erschienen. Sie hatte Schizophrenie und ich immer Angst, sie könnte sich etwas antun. Also rief ich sie an, geing bei ihrer Wohnung vorbei, aber sie meldete sich nicht. Da es etwas schwierig ist zu erklären, dass man die Familie ist, auch wenn man nicht verwandt ist, wusste ich, mit den Institutionen (Polizei etc.) wirds etwas schwierig, also brach ich die Wohnungstüre auf.

Und da lag sie, tatsächlich wie in einem Film: Auf dem Rücken, um sie verstreut jede Menge Tabletten. Ich rief den Notarzt.

Manchmal ist es wichtig, Dinge zu tun. Durch solche Taten, hat unser Leben einen Sinn. Es ist nicht mehr egal, ob wir leben, ob wir da sind. Es wird wichtig, dass es uns gibt.

Dabei muss es nicht immer so etwas Dramatisches sein. Manchmal helfen wir schon, einfach weil wir freundlich sind und Menschen das Gefühl geben, dass es gut ist, dass es sie gibt.

Wegschauen und andere nicht beachten, sich nie für etwas verantwortlich zu fühlen, das ist es, was unser Leben belanglos macht. Wenn meine Taten belanglos werden, wird auch meine Existenz belanglos.

Es sollte nicht egal sein, ob ich lebe, ob ich da bin, finde ich.

Der Sinn des Lebens besteht letzten Endes darin, meiner Existenz einen Sinn zu geben. Wenn die Welt durch meine Existenz eine andere ist, wenn ich für andere wichtig bin, dann macht mein Leben einen Sinn.

Wenn meine Handlungen belanglos sind, bin ich belanglos. Mein Leben ist aber dann von Bedeutung, wenn mein Dasein für jemanden von Bedeutung ist.

Man merkt vielleicht, wie wichtig Liebe ist.

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Das Gebähren eines Sterns

Gerade saß ich am Esszimmertisch (genau genommen ist es eine Essküche in meiner Wohnung), trank den ersten Kaffee aus der zweiten Kanne, sah auf die Uhr. 13 Uhr und ich frühstücke immer noch. Dabei hatte ich schon viel getan heute: Ich dachte nach, las einige Artikel im Internet, schrieb geistig mehrere Artikel und streifte mit meinen Gedanken zu Nietzsche.

Wir linken Philosophinnen lieben Nietzsche. Es ist, glaube ich, unsere Art, uns Schmerzen zuzufügen um uns lebendig zu fühlen.

Früher lebte ich einmal acht Jahre lang in einem einsamen Hochhaus, voll “Deutscher”. Was “Deutsche” wollen, ist: Ruhe. Kinder dürfen nicht herum rennen und schreien und schon gar nicht auf der schönen Wiese über der Tiefgarage spielen. Für mich war das immer wie ein Leben im Sarg. So, als würden sich diese Menschen wünschen, endlich unter der Erde zu liegen und absolute Stille zu haben und übten schon mal, begraben im Betonbunker.

Ruhe, Stille verbunden mit dem Fehlen jeder Auseinandersetzung ist der Tod.

Das Leben besteht aber aus sich widerstreitenden Dingen, Verhalten und so weiter. Liebe und Hass, laut und leise, hell und dunkel, das ist es, was anzeigt, dass Leben existiert. Wer diesen Widerstreit aufgibt, gibt das Leben auf.

Wenn wir zu glücklich sind, müssen wir wieder hassen und wenn wir zu sehr hassen, benötigen wir wieder etwas Glück um am Leben zu sein.

Auch die Dialektik, das Lieblingsphilosphie-Spielzeug der Linken Philosophie, funktioniert so. Die Dialektik ist ein ewiger Streit zwischen These und Antithese, dessen Ende das Ende der Philosophie bedeutet. Schaffen wir es, “die Frage” (im Wittgensteinschen Sinne) zu lösen, sterben alle Fragen.

Nietzsche schrieb solch wundervolle Dinge, dass man darin versinken möchte, um im nächsten Augenblick schmerzlich aufzuschreien, mit einem Dolch im Rücken. Es ist schwierig, sich nicht lebendig zu fühlen, wenn man ihn liest – und manchmal muss man sich taumelnd irgendwo festhalten um nicht in den Strudel der widerstreitenden Gefühle hinein gezogen zu werden.

Wir wollen “Ja!” und “Nein!” gleichzeitig schreien – und taumeln.

Vielleicht provoziere ich deshalb gern. Wenn Menschen nur zustimmen, weiß man nicht, ob sie es gelesen haben. Manchmal muss man sie verstören, um sie aufzuwecken oder um zu erreichen, dass sie nachdenken. Wobei die meisten leider nur zu zwei Zuständen fähig sind: Zustimmung oder Ablehnung. Das Konzept des “Denkens” ist noch nicht sehr weit verbreitet.

Oder wie Thoreau schreibt:

“Die Menschen sind gemeinhin verdorben durch ihr Wohlwollen und ihre Höflichkeit. Sie sind so konziliant und entschlossen, mit dir übereinzustimmen, dass sich ein Gespräch mit ihnen nicht lohnt. In einer kurzen Unterhaltung legen sie eine solche Langmut und Freundlichkeit an den Tag. Ich möchte jemandem begegnen, der provoziert und befremdet, so dass wir Gast und Wirt sein können und einander erfrischen. Es kann geschehen, dass ein Mensch völlig in seinen Umgangsformen verschwindet, sich in ihnen auflöst. Den tausendundein Gentlemen, die ich treffe, begegne ich mit Verzweiflung und nur, um mich wieder von ihnen zu trennen, denn sie wecken in mir keinerlei Hoffnung auf eine Ungehörigkeit. Ein ärgerlicher, grober, exzentrischer Mensch, ein Schweigsamer, ein Mensch, der sich nicht gut drillen lässt – der gibt zur Hoffnung Anlass. Eure feinen Herren sind alle gleich.”

Früher bekämpften die Linken political correcness, weil es ihnen Denkverbote auferlegte – heute sind sie die Vertreter dieser Denkverbote und die Rechten wehren sich dagegen. “Linkes” Denkverbot trifft auf rechten Hass.

Da es zwei verschiedene Ebenen sind, es zudem nur um Zustimmung oder Ablehnung geht, ist nicht einmal eine Auseinandersetzung möglich. Keine Synthese, keine Philosophie, keine Änderung in Aussicht.

Das Linke ist tot.

Feste Fronten aufzubauen verhindert links sein zu können. Linke brauchen widerstreitende Ansichten, müssen schreien vor Glück und weinen vor Schmerz.

Sie müssen Feuer in sich haben, um einen Stern zu gebären.

Wenn man sich nicht an seinen eigenen Gedanken verbrennen kann, was sind sie dann wert?

Wir „freien Geister“ leben einzeln und hier und dort auf Erden — daran ist nichts zu ändern; wir sind Wenige — und so ist es billig. Es gehört zu unserem Stolze zu denken, daß unsere Art eine seltne und seltsame Art ist; und wir drängen uns nicht zu einander, wir „sehnen“ uns vielleicht nicht einmal nach einander. Freilich: treffen wir einmal zusammen, wie heute, so giebt es ein Fest! Wenn wir das Wort „Glück“ im Sinne unserer Philosophie gebrauchen, so denken wir dabei nicht wie die Müden, Geängstigten und Leidenden unter den Philosophen vorallererst an äußeren und inneren Frieden, an Schmerzlosigkeit, Unbewegtheit, Ungestörtheit, an einen „Sabbat der Sabbate“, an etwas, das dem tiefen Schlafe im Werthe nahe kommen mag. Das Ungewisse vielmehr, das Wechselnde Verwandlungsfähige Vieldeutige ist unsere Welt, eine gefährliche Welt —: mehr noch sicherlich als das Einfache, Sich-selbst- Gleich-Bleibende, Berechenbare, Feste, dem bisher die Philosophen, als Erben der Heerden-Instinkte und Heerden-Werth- schätzungen, die höchste Ehre gegeben haben. In vielen Ländern des Geistes bekannt und umhergetrieben usw.

Friedrich Nietzsche, Giorgio Colli, und Friedrich Nietzsche, Nachgelassene Fragmente: 1884 – 1885, Neuausg. 2005 der 2., durchges. Aufl, Bd. 11, Sämtliche Werke, kritische Studienausgabe in 15 Einzelbänden / Friedrich Nietzsche. Hrsg. von Giorgio Colli und Mazzimo Montinari ; 11 (München: Dt. Taschenbuch-Verl. [u.a.], 2005), 658.

Identität 2: Maslow und die Identitätszuschreibung

Abraham Maslow ist ein berühmter Psychologe, der die humanistische Psychologie (mit) begründete und die Psychologie der Gesundheit erfand. Seine Bedürfnispyramide, erstmals 1943 veröffentlicht1, kennen alle, die sich jemals mit Psychologie beschäftigten. Wie alle Humanisten erkannte auch er, dass seine psychologischen Erkenntnisse weitreichende Folgen haben und ein Umdenken erfordern. Die folgenden Zitate sind vor allem aus seinem 1968 erstmals auf Englisch erschienenem Buch “Psychologie des Seins”2. Wir sehen, dass Fremdbestimmung über Fremd-Zuschreibung und Identitäts-Verordnung kein neues Problem darstellt.

Identität und Gruppenzuordnung

Was ich immer wieder feststellen muss, ist, dass viele glauben, eine Identität zu haben würde bedeuten, sich mit einer Gruppe zu identifizieren. Doch schauen wir uns Marcias Theorie an, sehen wir, dass dies nicht unbedingt als eine “gesunde” Entwicklung gesehen werden kann.

Rolf Oerter schreibt in “Entwicklung der Identität”:

“Der Begriff Identität bezieht sich zunächst in einem allgemeinen Sinn auf die einzigartige Kombination von persönlichen, unverwechselbaren Daten des Individuums wie Name, Alter, Geschlecht und Beruf, durch die das Individuum gekennzeichnet ist und von allen anderen Personen unterschieden werden kann.”3

Identität ist also etwas sehr Individuelles. Was auch Sinn macht. Bedeutet doch Identität “identisch sein”, als “mit etwas übereinstimmen”. Habe ich meine Identität gefunden, so habe ich mich selbst gefunden. Ich bin ganz ich und weiß wer und was ich bin. Ich empfinde mich als stimmig.

Folglich kann ich mich nicht mit einem Fußballverein identifizieren, denn sonst würde ich ja mit diesem übereinstimmen. Ich kann ihn aber mögen, leidenschaftlich unterstützen und deshalb leiden, wenn er verliert und mich freuen, wenn er gewinnt. Genauso wenig, kann ich mich mit anderen Menschen “identifizieren”, denn dies würde bedeuten, ich glaubte, ich wäre sie. Natürlich kann ich nachmachen, was sie tun oder sie mögen und für sie schwärmen, ich kann sie aber nicht sein.

Meist begegnet uns jedoch diese Vorstellung der Identität mit einer Gruppe oder einem Star als Fremdzuschreibung. Am Beispiel Transsexualität würde das so aussehen: “Du bist so und so, weil du doch transsexuell bist!” Wobei man das Wort “transsexuell” auch durch irgend etwas anderes ersetzen könnte.

Menschen werden dann häufig, auf Grund von Vorurteilen und Wunschvorstellungen der “Zuschreiber” und Katalogisierer, weitere Eigenschaften zugesprochen, meist auch Wünsche und Verhaltensweisen, die sie auf Grund der zugeschriebenen Gruppe (in diesem Falle transsexuellen Menschen), haben sollen, obwohl sie doch nur diese die diese winzig kleine Gemeinsamkeit haben: transsexuell, eine Diagnose. Es interessiert dann nicht mehr, welche Eigenschaften das Individuum genau hat. Es wird von ihm erwartet, unsere Vorstellungen über seine Gruppe zu erfüllen.

Abraham H. Maslow dazu:

„Ich habe […] das Einordnen als eine billige Form des Erkennens beschrieben, die in Wirklichkeit eine Form des Nicht-Erkennens ist, eine rasche, mühelose Katalogisierung, deren Funktion es ist, die durch sorgfältigeres, idiographisches Wahrnehmen oder Denken geforderte Anstrengung überflüssig zu machen. Jemanden in ein System einzuordnen erfordert weniger Energie, als ihn in seiner eigenen Wesensform zu erkennen […].

Was beim Einordnen betont wird, ist die Kategorie, in die der Mensch gehört, von der er ein Beispiel ist, nicht der Mensch als solcher – Ähnlichkeiten überwiegen Unterschiede.

In derselben Publikation wurde auf die sehr wichtige Tatsache hingewiesen, dass eingeordnet zu werden im allgemeinen beleidigend für den Eingeordneten ist, da es seine Individualität negiert oder seiner Persönlichkeit, seiner differentialen, einzigartigen Identität keine Aufmerksamkeit schenkt.“ (Abraham Maslow)4

Identität und Gruppenzugehörigkeit

Finde ich meine „Identität“ nur über eine Gruppenzugehörigkeit, so könnte man dies als „krankhaft“ bezeichnen, bzw. man hätte laut Marcia eine „diffuse Identität“. Man klammert sich an das, was andere sagen, weil man selbst damit überfordert ist zu sich selbst zu stehen, bzw. sich selbst zu erkennen. Sich über eine Gruppe zu identifizieren bedeutet, dass man sein Identität noch nicht gefunden hat, aber auch nicht weiter suchen möchte. Man möchte nicht wahrhaben oder erfahren, dass man ist, wer man ist.

Menschen, die einen hohen Selbstwert und ein gesundes Selbstwertgefühl haben, die danach streben sich selbst zu verwirklichen, haben es nicht nur nicht nötig, sich über eine Gruppe zu definieren, sie möchten es auch nicht. Sie wissen, dass sie nicht nur diese eine Eigenart sind, die sie mit einer Gruppe gemeinsam haben, sie wissen, sie sind mehr als das und einzigartig. Und das lieben sie. “Es ist schön, ich zu sein!”

Deshalb mögen sie auch keinen Nationalismus, die Vorstellung von Rassen, Klassen, Kasten, etc. und anderen Arten der zugewiesenen Gruppenidentität:

“Ich habe in meinen Beschreibungen von selbstverwirklichenden Personen erwähnt, daß sie den Nationalismus transzendieren. Ich hätte hinzufügen können, daß sie auch Klassen und Kasten transzendieren.”5

Und weil sie diese Schubladen nicht mögen, wehren sie sich dagegen, wenn man sie einer Gruppe zuweist und ihnen unterstellt, sich eine Identität über eine Gruppe zulegen zu müssen:

„Menschen haben oft eine Abneigung dagegen, eingeordnet oder klassifiziert zu werden, und sie betrachten es als eine Negierung ihrer Individualität (ihres Selbst, ihrer Identität). […]
[…] [Man] muss […] solchen Reaktionen mit sympathischem Verständnis begegnen; sie sind eine Bestätigung der persönlichen Würde […] [und es] sollten solche Selbstschutz-Reaktionen nicht »Widerstand« genannt werden (im Sinne eines Manövers zum Schutz der Krankheit) […]. Es wird des weiteren darauf hingewiesen, dass solche Widerstände äußerst wertvollen Schutz gegen schlechte Psychotherapie bieten.“ (Maslow)6

„Solch ein Widerstand [gegen den Versuch, eingeordnet zu werden] kann deshalb als Selbstbehauptung und Schutz der eigenen Einzigartigkeit, Identität oder Selbstheit gegen Angriff oder Vernachlässigung betrachtet werden. Solche Reaktionen dienen nicht nur dazu, die Würde des Individuums aufrechtzuerhalten; sie schützen es auch gegen schlechte Psychotherapie, Lehrbuch-Interpretationen, »wilde Psychoanalyse«, überintellektuelle oder verfrühte Interpretationen oder Erklärungen, bedeutungslose Abstraktionen oder Konzeptualisierungen, die alle für den Patienten mangelnde Achtung implizieren […].“ (Abraham Maslow)7

Die Kritik Maslows richtet sich zwar besonders gegen Psychologen, die dies tun, aber natürlich sollten es alle unterlassen.

Kritik am und Furcht vorm Widerstand

„Therapie-Novizen in ihrem Eifer, rasch zu heilen; »Lehrbuchmenschen«, die ein Begriffssystem auswendig lernen und dann die Therapie betrachten, als bestünde sie nur aus der Verteilung von Begriffen; Theoretiker ohne klinische Erfahrung; Studenten der Psychologie, die gerade Fenichel8 auswendig gelernt haben und bereitwillig allen Kommilitonen erzählen, zu welcher Kategorie sie gehören – das sind alles Katalogisierer, gegen die sich die […] [Menschen] schützen müssen.“

„Die legitime, als Selbstschutz verstandene Reaktion auf solches Einordnen »Widerstand« im klassischen Sinne zu nennen, ist also nur ein weiteres Beispiel des Missbrauchs eines Begriffs. […]“ (Maslow)9

Dieser Zwangszuordnung können leider oft nur Menschen gut widerstehen, die sich selbst gefunden haben, die eher zu den selsbtverwirklichenden Menschen gehören. Verunsicherte, orientierungslose Menschen und solche, die noch auf der Suche nach sich selbst sind, lassen es eher zu, sich unter solche Gruppierungen unterzuordnen. Manchmal empfinden sie es auch als angenehm, nimmt es ihnen doch die Last ab sich zu fragen, wer sie sind.

Leider ist es auch so, dass Äußerungen von Autoritäten, wie im Text von Maslow, von den Psychologen, eine besondere Bedeutung beigemessen wird. Sich von der Meinung von Autoritäten zu lösen, ist ein Schritt, der für viele wahrscheinlich der schwierigste ist. Viele haben gelernt, dass, wenn ein “Fachmann” etwas sagt, es richtig sein muss. Es bedarf eines extrem positiven Selbstbildes und Selbstbewusstseins, um der Ansicht von Experten zu widersprechen und sich zu widersetzen, noch dazu, wenn der “Fachmann” diesen gesunden Widerstand als etwas Krankhaftes oder Ähnlichem beschreibt.

Das berühmte Milgram-Experiment zeigte auf, dass wir zu wahren Grausamkeiten bereit sind, wenn nur eine Autorität hinter uns steht und uns sagt, wir sollten etwas tun. Dabei genügt es, dass der betreffende Mensch als Autorität wahrgenommen wird. Er muss uns nicht zwingen oder Gewalt über uns haben, damit wir tun, was er möchte.

Doch immer dann., wenn unser “Bauchgefühl”, oder ein Gewissen, sich meldet, sollten wir hellhörig werden. Unser Denken ist leichter zu überrumpeln, als unser “organismisches Erleben”, wie es Rogers nennt. Wenn ich mich bei etwas unwohl fühle, sollte ich es nicht tun. Wenn sich etwas “falsch” anfühlt, ist es das auch und wir sollten ganz besonders “hellhörig” werden und genau überdenken, was gerade passiert.

Jetzt wäre der Zeitpunkt, “sapere aude!10” zu rufen und mich meines eigenen Verstandes zu bedienen – und meinem Gewissen erlauben, seinen Dienst machen zu lassen.

Wir müssen nicht dazugehören!

„Man weiß heute, dass man sich dem […] [Menschen] als einem einzigartigen Menschen und nicht als einem Mitglied einer Klasse nähern muss […]. Einen Menschen zu verstehen, heißt nicht, ihn zu klassifizieren oder einzuordnen. Und ihn zu verstehen, ist die Conditio sine qua non der Therapie.” (Maslow)

Und nicht zuletzt: Ein „Nein!” bedeutet “Nein!“

Gerade die Unterscheidung von anderen, das Widersprechen und eine-eigene-Meinung-haben, macht uns zu Individuen – und macht uns auch lebendig.

Die Individualität, das Einzigartig-Sein, ist das, was uns ausmacht. Je mehr wir unsere Identität gefunden haben, desto mehr wissen wir, wer wir sind. Wir werden uns unserer Einzigartigkeit bewusst. Einzigartig zu sein, ist etwas Wertvolles.

Es ist wichtig zu erkennen, dass das Einsortieren in Gruppen, anderen zu sagen, was sie sind oder wann sie sich angesprochen fühlen müssen und wann nicht, das Böse schlecht hin ist (auch wenn uns dieser Begriff misshagt), weil es uns davon abhalten möchte, unsere wahre Identität, unsere Einzigartigkeit, Individualität und Unverwechselbarkeit zu finden und uns frei zu entwickeln.

Eingeordnet zu werden, und damit die Einordnung an sich, ist der natürliche Feind von Freiheit und Emazipation.

Literaturangaben

Maslow, Abraham H. A Theory of Human Motivation. WWW.BNPUBLISHING.COM, 2012.

Maslow, Abraham H. Motivation und Persönlichkeit. Reinbek: Rowohlt, 2008.

———. Psychologie des Seins: ein Entwurf. Ungekürzte Ausg., 12.-13. Tsd. Fischer-Taschenbücher Geist und Psyche 42195. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verl, 1997.

Oerter, Rolf. „Entwicklung der Identität“. Herausgegeben von H. J. Möller, Harald Kächele, Serge K. D. Sulz, Thomas Bronisch, und Willi Butollo. Psychotherapie 11 Heft 2 (2006): 175–91.

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Fußnoten

1Abraham H Maslow, A Theory of Human Motivation (WWW.BNPUBLISHING.COM, 2012).

2Abraham H. Maslow, Psychologie des Seins: ein Entwurf, Ungekürzte Ausg., 12.-13. Tsd, Fischer-Taschenbücher Geist und Psyche 42195 (Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verl, 1997).

3Rolf Oerter, „Entwicklung der Identität“, hg. von H. J. Möller u. a., Psychotherapie 11 Heft 2 (2006): 175.

4Abraham H. Maslow und Paul Kruntorad, Psychologie des Seins: ein Entwurf, Ungekürzte Ausg., 12.-13. Tsd, Fischer-Taschenbücher Geist und Psyche 42195 (Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verl, 1997), 134–38.

5Abraham H. Maslow, Motivation und Persönlichkeit (Reinbek: Rowohlt, 2008), 19.

6Maslow, Psychologie des Seins, 134–38.

7Abraham H. Maslow und Paul Kruntorad, Psychologie des Seins: ein Entwurf, Ungekürzte Ausg., 12.-13. Tsd, Fischer-Taschenbücher Geist und Psyche 42195 (Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verl, 1997), 134–38.

8Damit ist wahrscheinlich Otto Fenichel: The Psychoanalytic Theory of Neurosis. gemeint, ein Buch das weit verbreitet war und einen großen Einfluss auf das Denken der damaligen zeit hatte.

9Maslow: “Die Tendenz, einzuordnen (anstatt eine konkrete, idiographische, auf den Patienten bezogene Erfahrungssprache zu benützen), tendiert fast mit Sicherheit dazu, stärker zu werden, auch bei den besten Therapeuten, wenn sie müde, krank, geistesabwesend, ängstlich, uninteressiert, ohne Achtung für ihre Patienten und in Eile sind. Unsere Betrachtungen mögen also auch als Hilfe für die ständige Selbstanalyse der Gegenübertragung des Psychoanalytikers dienen.”

10Wage es, weise zu sein!

Verantwortung und Anstand

Eine Vorrede zu Thoreaus Civil Disobedience

Die Texte “Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat” (Deutsch) und “On the Duty of Civil Disobedience” (Englisch) finden Sie beim Klicken auf die jeweiligen Titel. Eine kurze Geschichte über Henry David Thoreau gibt es hier.

In Thoreaus „Civil Disobedience“ habe ich einiges aus meinem Leben wiedergefunden, vor allem das Unverständnis darüber, wie man einfach nur gehorchen kann, ohne sein Gehirn einzuschalten oder sein Gewissen.

„Darf ein Bürger auch nur für einen Moment oder auch nur um ein Jota sein Gewissen dem Gesetzesgeber übereignen? Warum hat jeder Mensch dann überhaupt ein Gewissen? Ich glaube, wir sollten zuerst Menschen sein, und dann erst Untertanen.“ (Thoreau)

Unsere Welt ist durchgeplant mit Verboten und Erlaubnissen. Kinder sollen nicht mehr selbst denken, wenn sie über eine Straße gehen, nicht mehr nach rechts und links schauen, sondern nur noch dämlich ein Lichtlein anblicken, das ihnen das Denken abnimmt. Autofahrer sollen sich nach Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, die niemand nachvollziehen kann – gerade beim Autofahren fällt es mir immer wieder auf, wie sich Menschen stur an eine völlig unsinnige Geschwindigkeitsbegrenzung halten aus Angst vor Strafe.

„Es ist hart, einen Aufseher aus dem Süden zu haben; es ist schlimmer, einen nordstaatlichen zu haben; am schlimmsten von allem ist es jedoch, wenn du dein eigener Sklavenhalter bist.“
(Thoreau)

Henry David Thoreau hinterfragt diese Welt der Schranken und der Folgsamkeit und setzt ihr ein Gewissen und eine Verantwortung gegenüber. Sein Buch beeindruckte nicht umsonst Martin Luther King oder Mohandas K. Ghandi. Es erzählt vom notwendigen Widerstand wenn Recht zu Unrecht wird und wenn Menschen zu Maschinen werden, die nur noch das tun, was ein Gesetz, ein Verkehrsschild oder eine Autorität möchte. Es erzählt davon, was es bedeutet Mensch zu sein. Man kann manchmal nur ein Mensch sein, statt einer folgsamen Maschine, wenn man sich widersetzt und „Nein!“ sagt.

Das ist nicht immer einfach. Es bedeutet Verantwortung zu übernehmen und das macht manchen Angst. Viele wollen „damit“ nichts zu tun haben. Sicherlich ist es meist einfacher kein Gewissen zu haben oder es auszuschalten. Lieber folgsame Maschine zu sein, statt ein denkender Mensch mit einem Gewissen. Man kann sich etwas vormachen, wie Martin Niemöller, der als Pfarrer wegschaute und die bekannten Zeilen sprach:

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“1

Man kann sich herausreden, das wäre zu einer anderen Zeit gewesen, doch zeigt es ein wichtiges Problem: Wer steht hinter mir, wenn ich Probleme habe, wenn ich nicht hinter anderen stehe?

Doch zurück zum Thema Verantwortung. Wenn ich da bin für andere und Verantwortung übernehme für mein Handeln, für die Welt, die ich gemeinsam mit anderen hervorbringe, denn wir alle gemeinsam sind die Welt, werde ich frei. Verantwortung zu übernehmen, nicht einfach wegzusehen, bedeutet Freiheit, weil es etwas bedeutet, wie ich mich entscheide. Es ist nicht belanglos, denn meine Entscheidung ändert etwas. Wahre Freiheit ist immer Entscheidungsfreiheit, die umso bedeutungsloser ist, je bedeutungsloser die Entscheidung ist. Bedeutungslose Freiheit ist keine Freiheit.

Doch nicht nur die Freiheit wird bedeutungslos, wenn wir nicht bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Ein Mensch, der nur bedeutungslose Entscheidungen fällt, wird bedeutungslos. Wenn es egal ist, was er tut, wenn es „keine Rolle spielt“, wird er selbst egal, spielt er selbst keine Rolle mehr im Spiel des Lebens. Es wird egal, ob er lebt oder tot ist.

Doch das Leben gehört uns, diese Welt gehört uns und es macht keinen Sinn, hier nicht mitreden zu wollen.

„Wenn ich in einen Krieg einberufen werde, ist dieser Krieg mein Krieg, weil ich jederzeit mich ihm hätte entziehen können, durch Selbstmord oder Fahnenflucht: Diese äußersten Möglichkeiten sind diejenigen, die uns immer gegenwärtig sein müssen, wenn es darum geht, eine Situation ins Auge zu fassen. Da ich mich ihm nicht entzogen habe, habe ich ihn gewählt.“
(Sartre)2

Gerade jetzt sehen wir, dass wir manchmal nicht wählen können. Wir befinden uns inmitten der größten Klimakatastrophe seit dem Aussterben der Saurier. Wir können sie leugnen, aber egal, was wir tun, wir sind mitten drin, verursachen sie. Wir sind immer verantwortlich – egal, wie wir uns entscheiden. Ob wir wollen oder nicht. Wer sich enthält, stimmt dem Status Quo zu.

Doch es geht noch weiter: Die Klimakatastrophe sorgt für Wassermangel, Missernten, hungernde Menschen und Flüchtlingsströme.

Die gleichzeitige Sorge ums Öl und Erdgas sorgt für Kriege und Umsturzversuche in den Ländern, die viel davon haben, wie Venezuela oder dem Iran.

Reiche werden reicher, Arme ärmer. Noch nie gab es so viele Superreiche.

Menschenverachtende Gesinnungen nehmen zu, Hetze, Lügen.

Und wir sind mittendrin, sind ein Teil davon.

Man kann sich nicht gerade beklagen über einen Mangel an Möglichkeiten Verantwortung zu übernehmen, Anstand zu zeigen, sich gegen den Strom zu stellen, ein Mensch zu sein und „Nein!“ zu sagen.

Tun wirs!

„Wage es, dich aus deiner selbst verschuldeten Unmündigkeit zu befreien!“

Es ist unsere Welt und wir sollten bestimmen, wie wir darin leben wollen. Bestimmen wir nicht mit, so sind wir belanglos, machen wir mit, so können wir sie gemeinsam gestalten.

Christina Schieferdecker

Fußnoten

1„‚Als die Nazis die Kommunisten holten…..‘ – Martin Niemöller Stiftung“.

2Guinebert, Hörigkeit als Selbstboykott.

On the Duty of Civil Disobedience

by Henry David Thoreau (die deutsche Übersetzung finden Sie hier)

[1849, original title: Resistance to Civil Government]

I heartily accept the motto, “That government is best which governs least”; and I should like to see it acted up to more rapidly and systematically. Carried out, it finally amounts to this, which also I believe—”That government is best which governs not at all”; and when men are prepared for it, that will be the kind of government which they will have. Government is at best but an expedient; but most governments are usually, and all governments are sometimes, inexpedient. The objections which have been brought against a standing army, and they are many and weighty, and deserve to prevail, may also at last be brought against a standing government. The standing army is only an arm of the standing government. The government itself, which is only the mode which the people have chosen to execute their will, is equally liable to be abused and perverted before the people can act through it. Witness the present Mexican war, the work of comparatively a few individuals using the standing government as their tool; for in the outset, the people would not have consented to this measure.

This American government—what is it but a tradition, though a recent one, endeavoring to transmit itself unimpaired to posterity, but each instant losing some of its integrity? It has not the vitality and force of a single living man; for a single man can bend it to his will. It is a sort of wooden gun to the people themselves. But it is not the less necessary for this; for the people must have some complicated machinery or other, and hear its din, to satisfy that idea of government which they have. Governments show thus how successfully men can be imposed upon, even impose on themselves, for their own advantage. It is excellent, we must all allow. Yet this government never of itself furthered any enterprise, but by the alacrity with which it got out of its way. It does not keep the country free. It does not settle the West. It does not educate. The character inherent in the American people has done all that has been accomplished; and it would have done somewhat more, if the government had not sometimes got in its way. For government is an expedient, by which men would fain succeed in letting one another alone; and, as has been said, when it is most expedient, the governed are most let alone by it. Trade and commerce, if they were not made of india-rubber, would never manage to bounce over obstacles which legislators are continually putting in their way; and if one were to judge these men wholly by the effects of their actions and not partly by their intentions, they would deserve to be classed and punished with those mischievous persons who put obstructions on the railroads.

But, to speak practically and as a citizen, unlike those who call themselves no-government men, I ask for, not at once no government, but at once a better government. Let every man make known what kind of government would command his respect, and that will be one step toward obtaining it.

After all, the practical reason why, when the power is once in the hands of the people, a majority are permitted, and for a long period continue, to rule is not because they are most likely to be in the right, nor because this seems fairest to the minority, but because they are physically the strongest. But a government in which the majority rule in all cases can not be based on justice, even as far as men understand it. Can there not be a government in which the majorities do not virtually decide right and wrong, but conscience?—in which majorities decide only those questions to which the rule of expediency is applicable? Must the citizen ever for a moment, or in the least degree, resign his conscience to the legislator? Why has every man a conscience then? I think that we should be men first, and subjects afterward. It is not desirable to cultivate a respect for the law, so much as for the right. The only obligation which I have a right to assume is to do at any time what I think right. It is truly enough said that a corporation has no conscience; but a corporation of conscientious men is a corporation with a conscience. Law never made men a whit more just; and, by means of their respect for it, even the well-disposed are daily made the agents on injustice. A common and natural result of an undue respect for the law is, that you may see a file of soldiers, colonel, captain, corporal, privates, powder-monkeys, and all, marching in admirable order over hill and dale to the wars, against their wills, ay, against their common sense and consciences, which makes it very steep marching indeed, and produces a palpitation of the heart. They have no doubt that it is a damnable business in which they are concerned; they are all peaceably inclined. Now, what are they? Men at all? or small movable forts and magazines, at the service of some unscrupulous man in power? Visit the Navy Yard, and behold a marine, such a man as an American government can make, or such as it can make a man with its black arts—a mere shadow and reminiscence of humanity, a man laid out alive and standing, and already, as one may say, buried under arms with funeral accompaniment, though it may be,

“Not a drum was heard, not a funeral note,
As his corse to the rampart we hurried;
Not a soldier discharged his farewell shot
O’er the grave where our hero was buried.”

The mass of men serve the state thus, not as men mainly, but as machines, with their bodies. They are the standing army, and the militia, jailers, constables, posse comitatus, etc. In most cases there is no free exercise whatever of the judgment or of the moral sense; but they put themselves on a level with wood and earth and stones; and wooden men can perhaps be manufactured that will serve the purpose as well. Such command no more respect than men of straw or a lump of dirt. They have the same sort of worth only as horses and dogs. Yet such as these even are commonly esteemed good citizens. Others—as most legislators, politicians, lawyers, ministers, and office-holders—serve the state chiefly with their heads; and, as they rarely make any moral distinctions, they are as likely to serve the devil, without intending it, as God. A very few—as heroes, patriots, martyrs, reformers in the great sense, and men—serve the state with their consciences also, and so necessarily resist it for the most part; and they are commonly treated as enemies by it. A wise man will only be useful as a man, and will not submit to be “clay,” and “stop a hole to keep the wind away,” but leave that office to his dust at least:

“I am too high born to be propertied,
To be a second at control,
Or useful serving-man and instrument
To any sovereign state throughout the world.”

He who gives himself entirely to his fellow men appears to them useless and selfish; but he who gives himself partially to them is pronounced a benefactor and philanthropist.

How does it become a man to behave toward the American government today? I answer, that he cannot without disgrace be associated with it. I cannot for an instant recognize that political organization as my government which is the slave’s government also.

All men recognize the right of revolution; that is, the right to refuse allegiance to, and to resist, the government, when its tyranny or its inefficiency are great and unendurable. But almost all say that such is not the case now. But such was the case, they think, in the Revolution of ’75. If one were to tell me that this was a bad government because it taxed certain foreign commodities brought to its ports, it is most probable that I should not make an ado about it, for I can do without them. All machines have their friction; and possibly this does enough good to counter-balance the evil. At any rate, it is a great evil to make a stir about it. But when the friction comes to have its machine, and oppression and robbery are organized, I say, let us not have such a machine any longer. In other words, when a sixth of the population of a nation which has undertaken to be the refuge of liberty are slaves, and a whole country is unjustly overrun and conquered by a foreign army, and subjected to military law, I think that it is not too soon for honest men to rebel and revolutionize. What makes this duty the more urgent is that fact that the country so overrun is not our own, but ours is the invading army.

Paley, a common authority with many on moral questions, in his chapter on the “Duty of Submission to Civil Government,” resolves all civil obligation into expediency; and he proceeds to say that “so long as the interest of the whole society requires it, that is, so long as the established government cannot be resisted or changed without public inconvenience, it is the will of God . . . that the established government be obeyed—and no longer. This principle being admitted, the justice of every particular case of resistance is reduced to a computation of the quantity of the danger and grievance on the one side, and of the probability and expense of redressing it on the other.” Of this, he says, every man shall judge for himself. But Paley appears never to have contemplated those cases to which the rule of expediency does not apply, in which a people, as well as an individual, must do justice, cost what it may. If I have unjustly wrested a plank from a drowning man, I must restore it to him though I drown myself. This, according to Paley, would be inconvenient. But he that would save his life, in such a case, shall lose it. This people must cease to hold slaves, and to make war on Mexico, though it cost them their existence as a people.

In their practice, nations agree with Paley; but does anyone think that Massachusetts does exactly what is right at the present crisis?

“A drab of stat,
a cloth-o’-silver slut,
To have her train borne up,
and her soul trail in the dirt.”

Practically speaking, the opponents to a reform in Massachusetts are not a hundred thousand politicians at the South, but a hundred thousand merchants and farmers here, who are more interested in commerce and agriculture than they are in humanity, and are not prepared to do justice to the slave and to Mexico, cost what it may. I quarrel not with far-off foes, but with those who, near at home, co-operate with, and do the bidding of, those far away, and without whom the latter would be harmless. We are accustomed to say, that the mass of men are unprepared; but improvement is slow, because the few are not as materially wiser or better than the many. It is not so important that many should be good as you, as that there be some absolute goodness somewhere; for that will leaven the whole lump. There are thousands who are in opinion opposed to slavery and to the war, who yet in effect do nothing to put an end to them; who, esteeming themselves children of Washington and Franklin, sit down with their hands in their pockets, and say that they know not what to do, and do nothing; who even postpone the question of freedom to the question of free trade, and quietly read the prices-current along with the latest advices from Mexico, after dinner, and, it may be, fall asleep over them both. What is the price-current of an honest man and patriot today? They hesitate, and they regret, and sometimes they petition; but they do nothing in earnest and with effect. They will wait, well disposed, for other to remedy the evil, that they may no longer have it to regret. At most, they give up only a cheap vote, and a feeble countenance and Godspeed, to the right, as it goes by them. There are nine hundred and ninety-nine patrons of virtue to one virtuous man. But it is easier to deal with the real possessor of a thing than with the temporary guardian of it.

All voting is a sort of gaming, like checkers or backgammon, with a slight moral tinge to it, a playing with right and wrong, with moral questions; and betting naturally accompanies it. The character of the voters is not staked. I cast my vote, perchance, as I think right; but I am not vitally concerned that that right should prevail. I am willing to leave it to the majority. Its obligation, therefore, never exceeds that of expediency. Even voting for the right is doing nothing for it. It is only expressing to men feebly your desire that it should prevail. A wise man will not leave the right to the mercy of chance, nor wish it to prevail through the power of the majority. There is but little virtue in the action of masses of men. When the majority shall at length vote for the abolition of slavery, it will be because they are indifferent to slavery, or because there is but little slavery left to be abolished by their vote. They will then be the only slaves. Only his vote can hasten the abolition of slavery who asserts his own freedom by his vote.

I hear of a convention to be held at Baltimore, or elsewhere, for the selection of a candidate for the Presidency, made up chiefly of editors, and men who are politicians by profession; but I think, what is it to any independent, intelligent, and respectable man what decision they may come to? Shall we not have the advantage of this wisdom and honesty, nevertheless? Can we not count upon some independent votes? Are there not many individuals in the country who do not attend conventions? But no: I find that the respectable man, so called, has immediately drifted from his position, and despairs of his country, when his country has more reasons to despair of him. He forthwith adopts one of the candidates thus selected as the only available one, thus proving that he is himself available for any purposes of the demagogue. His vote is of no more worth than that of any unprincipled foreigner or hireling native, who may have been bought. O for a man who is a man, and, as my neighbor says, has a bone in his back which you cannot pass your hand through! Our statistics are at fault: the population has been returned too large. How many men are there to a square thousand miles in the country? Hardly one. Does not America offer any inducement for men to settle here? The American has dwindled into an Odd Fellow—one who may be known by the development of his organ of gregariousness, and a manifest lack of intellect and cheerful self-reliance; whose first and chief concern, on coming into the world, is to see that the almshouses are in good repair; and, before yet he has lawfully donned the virile garb, to collect a fund to the support of the widows and orphans that may be; who, in short, ventures to live only by the aid of the Mutual Insurance company, which has promised to bury him decently.

It is not a man’s duty, as a matter of course, to devote himself to the eradication of any, even to most enormous wrong; he may still properly have other concerns to engage him; but it is his duty, at least, to wash his hands of it, and, if he gives it no thought longer, not to give it practically his support. If I devote myself to other pursuits and contemplations, I must first see, at least, that I do not pursue them sitting upon another man’s shoulders. I must get off him first, that he may pursue his contemplations too. See what gross inconsistency is tolerated. I have heard some of my townsmen say, “I should like to have them order me out to help put down an insurrection of the slaves, or to march to Mexico—see if I would go”; and yet these very men have each, directly by their allegiance, and so indirectly, at least, by their money, furnished a substitute. The soldier is applauded who refuses to serve in an unjust war by those who do not refuse to sustain the unjust government which makes the war; is applauded by those whose own act and authority he disregards and sets at naught; as if the state were penitent to that degree that it hired one to scourge it while it sinned, but not to that degree that it left off sinning for a moment. Thus, under the name of Order and Civil Government, we are all made at last to pay homage to and support our own meanness. After the first blush of sin comes its indifference; and from immoral it becomes, as it were, unmoral, and not quite unnecessary to that life which we have made.

The broadest and most prevalent error requires the most disinterested virtue to sustain it. The slight reproach to which the virtue of patriotism is commonly liable, the noble are most likely to incur. Those who, while they disapprove of the character and measures of a government, yield to it their allegiance and support are undoubtedly its most conscientious supporters, and so frequently the most serious obstacles to reform. Some are petitioning the State to dissolve the Union, to disregard the requisitions of the President. Why do they not dissolve it themselves—the union between themselves and the State—and refuse to pay their quota into its treasury? Do not they stand in same relation to the State that the State does to the Union? And have not the same reasons prevented the State from resisting the Union which have prevented them from resisting the State?

How can a man be satisfied to entertain an opinion merely, and enjoy it? Is there any enjoyment in it, if his opinion is that he is aggrieved? If you are cheated out of a single dollar by your neighbor, you do not rest satisfied with knowing you are cheated, or with saying that you are cheated, or even with petitioning him to pay you your due; but you take effectual steps at once to obtain the full amount, and see to it that you are never cheated again. Action from principle, the perception and the performance of right, changes things and relations; it is essentially revolutionary, and does not consist wholly with anything which was. It not only divided States and churches, it divides families; ay, it divides the individual, separating the diabolical in him from the divine.

Unjust laws exist: shall we be content to obey them, or shall we endeavor to amend them, and obey them until we have succeeded, or shall we transgress them at once? Men, generally, under such a government as this, think that they ought to wait until they have persuaded the majority to alter them. They think that, if they should resist, the remedy would be worse than the evil. But it is the fault of the government itself that the remedy is worse than the evil. It makes it worse. Why is it not more apt to anticipate and provide for reform? Why does it not cherish its wise minority? Why does it cry and resist before it is hurt? Why does it not encourage its citizens to put out its faults, and do better than it would have them? Why does it always crucify Christ and excommunicate Copernicus and Luther, and pronounce Washington and Franklin rebels?

One would think, that a deliberate and practical denial of its authority was the only offense never contemplated by its government; else, why has it not assigned its definite, its suitable and proportionate, penalty? If a man who has no property refuses but once to earn nine shillings for the State, he is put in prison for a period unlimited by any law that I know, and determined only by the discretion of those who put him there; but if he should steal ninety times nine shillings from the State, he is soon permitted to go at large again.

If the injustice is part of the necessary friction of the machine of government, let it go, let it go: perchance it will wear smooth—certainly the machine will wear out. If the injustice has a spring, or a pulley, or a rope, or a crank, exclusively for itself, then perhaps you may consider whether the remedy will not be worse than the evil; but if it is of such a nature that it requires you to be the agent of injustice to another, then I say, break the law. Let your life be a counter-friction to stop the machine. What I have to do is to see, at any rate, that I do not lend myself to the wrong which I condemn.

As for adopting the ways of the State has provided for remedying the evil, I know not of such ways. They take too much time, and a man’s life will be gone. I have other affairs to attend to. I came into this world, not chiefly to make this a good place to live in, but to live in it, be it good or bad. A man has not everything to do, but something; and because he cannot do everything, it is not necessary that he should be doing something wrong. It is not my business to be petitioning the Governor or the Legislature any more than it is theirs to petition me; and if they should not hear my petition, what should I do then? But in this case the State has provided no way: its very Constitution is the evil. This may seem to be harsh and stubborn and unconcilliatory; but it is to treat with the utmost kindness and consideration the only spirit that can appreciate or deserves it. So is all change for the better, like birth and death, which convulse the body.

I do not hesitate to say, that those who call themselves Abolitionists should at once effectually withdraw their support, both in person and property, from the government of Massachusetts, and not wait till they constitute a majority of one, before they suffer the right to prevail through them. I think that it is enough if they have God on their side, without waiting for that other one. Moreover, any man more right than his neighbors constitutes a majority of one already.

I meet this American government, or its representative, the State government, directly, and face to face, once a year—no more—in the person of its tax-gatherer; this is the only mode in which a man situated as I am necessarily meets it; and it then says distinctly, Recognize me; and the simplest, the most effectual, and, in the present posture of affairs, the indispensablest mode of treating with it on this head, of expressing your little satisfaction with and love for it, is to deny it then. My civil neighbor, the tax-gatherer, is the very man I have to deal with—for it is, after all, with men and not with parchment that I quarrel—and he has voluntarily chosen to be an agent of the government. How shall he ever know well that he is and does as an officer of the government, or as a man, until he is obliged to consider whether he will treat me, his neighbor, for whom he has respect, as a neighbor and well-disposed man, or as a maniac and disturber of the peace, and see if he can get over this obstruction to his neighborlines without a ruder and more impetuous thought or speech corresponding with his action. I know this well, that if one thousand, if one hundred, if ten men whom I could name—if ten honest men only—ay, if one HONEST man, in this State of Massachusetts, ceasing to hold slaves, were actually to withdraw from this co-partnership, and be locked up in the county jail therefor, it would be the abolition of slavery in America. For it matters not how small the beginning may seem to be: what is once well done is done forever. But we love better to talk about it: that we say is our mission. Reform keeps many scores of newspapers in its service, but not one man. If my esteemed neighbor, the State’s ambassador, who will devote his days to the settlement of the question of human rights in the Council Chamber, instead of being threatened with the prisons of Carolina, were to sit down the prisoner of Massachusetts, that State which is so anxious to foist the sin of slavery upon her sister—though at present she can discover only an act of inhospitality to be the ground of a quarrel with her—the Legislature would not wholly waive the subject of the following winter.

Under a government which imprisons unjustly, the true place for a just man is also a prison. The proper place today, the only place which Massachusetts has provided for her freer and less despondent spirits, is in her prisons, to be put out and locked out of the State by her own act, as they have already put themselves out by their principles. It is there that the fugitive slave, and the Mexican prisoner on parole, and the Indian come to plead the wrongs of his race should find them; on that separate but more free and honorable ground, where the State places those who are not with her, but against her—the only house in a slave State in which a free man can abide with honor. If any think that their influence would be lost there, and their voices no longer afflict the ear of the State, that they would not be as an enemy within its walls, they do not know by how much truth is stronger than error, nor how much more eloquently and effectively he can combat injustice who has experienced a little in his own person. Cast your whole vote, not a strip of paper merely, but your whole influence. A minority is powerless while it conforms to the majority; it is not even a minority then; but it is irresistible when it clogs by its whole weight. If the alternative is to keep all just men in prison, or give up war and slavery, the State will not hesitate which to choose. If a thousand men were not to pay their tax bills this year, that would not be a violent and bloody measure, as it would be to pay them, and enable the State to commit violence and shed innocent blood. This is, in fact, the definition of a peaceable revolution, if any such is possible. If the tax-gatherer, or any other public officer, asks me, as one has done, “But what shall I do?” my answer is, “If you really wish to do anything, resign your office.” When the subject has refused allegiance, and the officer has resigned from office, then the revolution is accomplished. But even suppose blood should flow. Is there not a sort of blood shed when the conscience is wounded? Through this wound a man’s real manhood and immortality flow out, and he bleeds to an everlasting death. I see this blood flowing now.

I have contemplated the imprisonment of the offender, rather than the seizure of his goods—though both will serve the same purpose—because they who assert the purest right, and consequently are most dangerous to a corrupt State, commonly have not spent much time in accumulating property. To such the State renders comparatively small service, and a slight tax is wont to appear exorbitant, particularly if they are obliged to earn it by special labor with their hands. If there were one who lived wholly without the use of money, the State itself would hesitate to demand it of him. But the rich man—not to make any invidious comparison—is always sold to the institution which makes him rich. Absolutely speaking, the more money, the less virtue; for money comes between a man and his objects, and obtains them for him; it was certainly no great virtue to obtain it. It puts to rest many questions which he would otherwise be taxed to answer; while the only new question which it puts is the hard but superfluous one, how to spend it. Thus his moral ground is taken from under his feet. The opportunities of living are diminished in proportion as that are called the “means” are increased. The best thing a man can do for his culture when he is rich is to endeavor to carry out those schemes which he entertained when he was poor. Christ answered the Herodians according to their condition. “Show me the tribute-money,” said he—and one took a penny out of his pocket—if you use money which has the image of Caesar on it, and which he has made current and valuable, that is, if you are men of the State, and gladly enjoy the advantages of Caesar’s government, then pay him back some of his own when he demands it. “Render therefore to Caesar that which is Caesar’s and to God those things which are God’s”—leaving them no wiser than before as to which was which; for they did not wish to know.

When I converse with the freest of my neighbors, I perceive that, whatever they may say about the magnitude and seriousness of the question, and their regard for the public tranquility, the long and the short of the matter is, that they cannot spare the protection of the existing government, and they dread the consequences to their property and families of disobedience to it. For my own part, I should not like to think that I ever rely on the protection of the State. But, if I deny the authority of the State when it presents its tax bill, it will soon take and waste all my property, and so harass me and my children without end. This is hard. This makes it impossible for a man to live honestly, and at the same time comfortably, in outward respects. It will not be worth the while to accumulate property; that would be sure to go again. You must hire or squat somewhere, and raise but a small crop, and eat that soon. You must live within yourself, and depend upon yourself always tucked up and ready for a start, and not have many affairs. A man may grow rich in Turkey even, if he will be in all respects a good subject of the Turkish government. Confucius said: “If a state is governed by the principles of reason, poverty and misery are subjects of shame; if a state is not governed by the principles of reason, riches and honors are subjects of shame.” No: until I want the protection of Massachusetts to be extended to me in some distant Southern port, where my liberty is endangered, or until I am bent solely on building up an estate at home by peaceful enterprise, I can afford to refuse allegiance to Massachusetts, and her right to my property and life. It costs me less in every sense to incur the penalty of disobedience to the State than it would to obey. I should feel as if I were worth less in that case.

Some years ago, the State met me in behalf of the Church, and commanded me to pay a certain sum toward the support of a clergyman whose preaching my father attended, but never I myself. “Pay,” it said, “or be locked up in the jail.” I declined to pay. But, unfortunately, another man saw fit to pay it. I did not see why the schoolmaster should be taxed to support the priest, and not the priest the schoolmaster; for I was not the State’s schoolmaster, but I supported myself by voluntary subscription. I did not see why the lyceum should not present its tax bill, and have the State to back its demand, as well as the Church. However, at the request of the selectmen, I condescended to make some such statement as this in writing: “Know all men by these presents, that I, Henry Thoreau, do not wish to be regarded as a member of any incorporated society which I have not joined.” This I gave to the town clerk; and he has it. The State, having thus learned that I did not wish to be regarded as a member of that church, has never made a like demand on me since; though it said that it must adhere to its original presumption that time. If I had known how to name them, I should then have signed off in detail from all the societies which I never signed on to; but I did not know where to find such a complete list.

I have paid no poll tax for six years. I was put into a jail once on this account, for one night; and, as I stood considering the walls of solid stone, two or three feet thick, the door of wood and iron, a foot thick, and the iron grating which strained the light, I could not help being struck with the foolishness of that institution which treated me as if I were mere flesh and blood and bones, to be locked up. I wondered that it should have concluded at length that this was the best use it could put me to, and had never thought to avail itself of my services in some way. I saw that, if there was a wall of stone between me and my townsmen, there was a still more difficult one to climb or break through before they could get to be as free as I was. I did nor for a moment feel confined, and the walls seemed a great waste of stone and mortar. I felt as if I alone of all my townsmen had paid my tax. They plainly did not know how to treat me, but behaved like persons who are underbred. In every threat and in every compliment there was a blunder; for they thought that my chief desire was to stand the other side of that stone wall. I could not but smile to see how industriously they locked the door on my meditations, which followed them out again without let or hindrance, and they were really all that was dangerous. As they could not reach me, they had resolved to punish my body; just as boys, if they cannot come at some person against whom they have a spite, will abuse his dog. I saw that the State was half-witted, that it was timid as a lone woman with her silver spoons, and that it did not know its friends from its foes, and I lost all my remaining respect for it, and pitied it.

Thus the state never intentionally confronts a man’s sense, intellectual or moral, but only his body, his senses. It is not armed with superior wit or honesty, but with superior physical strength. I was not born to be forced. I will breathe after my own fashion. Let us see who is the strongest. What force has a multitude? They only can force me who obey a higher law than I. They force me to become like themselves. I do not hear of men being forced to live this way or that by masses of men. What sort of life were that to live? When I meet a government which says to me, “Your money or your life,” why should I be in haste to give it my money? It may be in a great strait, and not know what to do: I cannot help that. It must help itself; do as I do. It is not worth the while to snivel about it. I am not responsible for the successful working of the machinery of society. I am not the son of the engineer. I perceive that, when an acorn and a chestnut fall side by side, the one does not remain inert to make way for the other, but both obey their own laws, and spring and grow and flourish as best they can, till one, perchance, overshadows and destroys the other. If a plant cannot live according to nature, it dies; and so a man.

The night in prison was novel and interesting enough. The prisoners in their shirtsleeves were enjoying a chat and the evening air in the doorway, when I entered. But the jailer said, “Come, boys, it is time to lock up”; and so they dispersed, and I heard the sound of their steps returning into the hollow apartments. My room-mate was introduced to me by the jailer as “a first-rate fellow and clever man.” When the door was locked, he showed me where to hang my hat, and how he managed matters there. The rooms were whitewashed once a month; and this one, at least, was the whitest, most simply furnished, and probably neatest apartment in town. He naturally wanted to know where I came from, and what brought me there; and, when I had told him, I asked him in my turn how he came there, presuming him to be an honest man, of course; and as the world goes, I believe he was. “Why,” said he, “they accuse me of burning a barn; but I never did it.” As near as I could discover, he had probably gone to bed in a barn when drunk, and smoked his pipe there; and so a barn was burnt. He had the reputation of being a clever man, had been there some three months waiting for his trial to come on, and would have to wait as much longer; but he was quite domesticated and contented, since he got his board for nothing, and thought that he was well treated.

He occupied one window, and I the other; and I saw that if one stayed there long, his principal business would be to look out the window. I had soon read all the tracts that were left there, and examined where former prisoners had broken out, and where a grate had been sawed off, and heard the history of the various occupants of that room; for I found that even there there was a history and a gossip which never circulated beyond the walls of the jail. Probably this is the only house in the town where verses are composed, which are afterward printed in a circular form, but not published. I was shown quite a long list of young men who had been detected in an attempt to escape, who avenged themselves by singing them.

I pumped my fellow-prisoner as dry as I could, for fear I should never see him again; but at length he showed me which was my bed, and left me to blow out the lamp.

It was like traveling into a far country, such as I had never expected to behold, to lie there for one night. It seemed to me that I never had heard the town clock strike before, not the evening sounds of the village; for we slept with the windows open, which were inside the grating. It was to see my native village in the light of the Middle Ages, and our Concord was turned into a Rhine stream, and visions of knights and castles passed before me. They were the voices of old burghers that I heard in the streets. I was an involuntary spectator and auditor of whatever was done and said in the kitchen of the adjacent village inn—a wholly new and rare experience to me. It was a closer view of my native town. I was fairly inside of it. I never had seen its institutions before. This is one of its peculiar institutions; for it is a shire town. I began to comprehend what its inhabitants were about.

In the morning, our breakfasts were put through the hole in the door, in small oblong-square tin pans, made to fit, and holding a pint of chocolate, with brown bread, and an iron spoon. When they called for the vessels again, I was green enough to return what bread I had left, but my comrade seized it, and said that I should lay that up for lunch or dinner. Soon after he was let out to work at haying in a neighboring field, whither he went every day, and would not be back till noon; so he bade me good day, saying that he doubted if he should see me again.

When I came out of prison—for some one interfered, and paid that tax—I did not perceive that great changes had taken place on the common, such as he observed who went in a youth and emerged a gray-headed man; and yet a change had come to my eyes come over the scene—the town, and State, and country, greater than any that mere time could effect. I saw yet more distinctly the State in which I lived. I saw to what extent the people among whom I lived could be trusted as good neighbors and friends; that their friendship was for summer weather only; that they did not greatly propose to do right; that they were a distinct race from me by their prejudices and superstitions, as the Chinamen and Malays are; that in their sacrifices to humanity they ran no risks, not even to their property; that after all they were not so noble but they treated the thief as he had treated them, and hoped, by a certain outward observance and a few prayers, and by walking in a particular straight though useless path from time to time, to save their souls. This may be to judge my neighbors harshly; for I believe that many of them are not aware that they have such an institution as the jail in their village.

It was formerly the custom in our village, when a poor debtor came out of jail, for his acquaintances to salute him, looking through their fingers, which were crossed to represent the jail window, “How do ye do?” My neighbors did not thus salute me, but first looked at me, and then at one another, as if I had returned from a long journey. I was put into jail as I was going to the shoemaker’s to get a shoe which was mended. When I was let out the next morning, I proceeded to finish my errand, and, having put on my mended shoe, joined a huckleberry party, who were impatient to put themselves under my conduct; and in half an hour—for the horse was soon tackled—was in the midst of a huckleberry field, on one of our highest hills, two miles off, and then the State was nowhere to be seen.

This is the whole history of “My Prisons.”

I have never declined paying the highway tax, because I am as desirous of being a good neighbor as I am of being a bad subject; and as for supporting schools, I am doing my part to educate my fellow countrymen now. It is for no particular item in the tax bill that I refuse to pay it. I simply wish to refuse allegiance to the State, to withdraw and stand aloof from it effectually. I do not care to trace the course of my dollar, if I could, till it buys a man or a musket to shoot one with—the dollar is innocent—but I am concerned to trace the effects of my allegiance. In fact, I quietly declare war with the State, after my fashion, though I will still make use and get what advantages of her I can, as is usual in such cases.

If others pay the tax which is demanded of me, from a sympathy with the State, they do but what they have already done in their own case, or rather they abet injustice to a greater extent than the State requires. If they pay the tax from a mistaken interest in the individual taxed, to save his property, or prevent his going to jail, it is because they have not considered wisely how far they let their private feelings interfere with the public good.

This, then, is my position at present. But one cannot be too much on his guard in such a case, lest his actions be biased by obstinacy or an undue regard for the opinions of men. Let him see that he does only what belongs to himself and to the hour.

I think sometimes, Why, this people mean well, they are only ignorant; they would do better if they knew how: why give your neighbors this pain to treat you as they are not inclined to? But I think again, This is no reason why I should do as they do, or permit others to suffer much greater pain of a different kind. Again, I sometimes say to myself, When many millions of men, without heat, without ill will, without personal feelings of any kind, demand of you a few shillings only, without the possibility, such is their constitution, of retracting or altering their present demand, and without the possibility, on your side, of appeal to any other millions, why expose yourself to this overwhelming brute force? You do not resist cold and hunger, the winds and the waves, thus obstinately; you quietly submit to a thousand similar necessities. You do not put your head into the fire. But just in proportion as I regard this as not wholly a brute force, but partly a human force, and consider that I have relations to those millions as to so many millions of men, and not of mere brute or inanimate things, I see that appeal is possible, first and instantaneously, from them to the Maker of them, and, secondly, from them to themselves. But if I put my head deliberately into the fire, there is no appeal to fire or to the Maker of fire, and I have only myself to blame. If I could convince myself that I have any right to be satisfied with men as they are, and to treat them accordingly, and not according, in some respects, to my requisitions and expectations of what they and I ought to be, then, like a good Mussulman and fatalist, I should endeavor to be satisfied with things as they are, and say it is the will of God. And, above all, there is this difference between resisting this and a purely brute or natural force, that I can resist this with some effect; but I cannot expect, like Orpheus, to change the nature of the rocks and trees and beasts.

I do not wish to quarrel with any man or nation. I do not wish to split hairs, to make fine distinctions, or set myself up as better than my neighbors. I seek rather, I may say, even an excuse for conforming to the laws of the land. I am but too ready to conform to them. Indeed, I have reason to suspect myself on this head; and each year, as the tax-gatherer comes round, I find myself disposed to review the acts and position of the general and State governments, and the spirit of the people to discover a pretext for conformity.

“We must affect our country as our parents,
And if at any time we alienate
Out love or industry from doing it honor,
We must respect effects and teach the soul
Matter of conscience and religion,
And not desire of rule or benefit.”

I believe that the State will soon be able to take all my work of this sort out of my hands, and then I shall be no better patriot than my fellow-countrymen. Seen from a lower point of view, the Constitution, with all its faults, is very good; the law and the courts are very respectable; even this State and this American government are, in many respects, very admirable, and rare things, to be thankful for, such as a great many have described them; seen from a higher still, and the highest, who shall say what they are, or that they are worth looking at or thinking of at all?

However, the government does not concern me much, and I shall bestow the fewest possible thoughts on it. It is not many moments that I live under a government, even in this world. If a man is thought-free, fancy-free, imagination-free, that which is not never for a long time appearing to be to him, unwise rulers or reformers cannot fatally interrupt him.

I know that most men think differently from myself; but those whose lives are by profession devoted to the study of these or kindred subjects content me as little as any. Statesmen and legislators, standing so completely within the institution, never distinctly and nakedly behold it. They speak of moving society, but have no resting-place without it. They may be men of a certain experience and discrimination, and have no doubt invented ingenious and even useful systems, for which we sincerely thank them; but all their wit and usefulness lie within certain not very wide limits. They are wont to forget that the world is not governed by policy and expediency. Webster never goes behind government, and so cannot speak with authority about it. His words are wisdom to those legislators who contemplate no essential reform in the existing government; but for thinkers, and those who legislate for all time, he never once glances at the subject. I know of those whose serene and wise speculations on this theme would soon reveal the limits of his mind’s range and hospitality. Yet, compared with the cheap professions of most reformers, and the still cheaper wisdom an eloquence of politicians in general, his are almost the only sensible and valuable words, and we thank Heaven for him. Comparatively, he is always strong, original, and, above all, practical. Still, his quality is not wisdom, but prudence. The lawyer’s truth is not Truth, but consistency or a consistent expediency. Truth is always in harmony with herself, and is not concerned chiefly to reveal the justice that may consist with wrong-doing. He well deserves to be called, as he has been called, the Defender of the Constitution. There are really no blows to be given him but defensive ones. He is not a leader, but a follower. His leaders are the men of ’87. “I have never made an effort,” he says, “and never propose to make an effort; I have never countenanced an effort, and never mean to countenance an effort, to disturb the arrangement as originally made, by which various States came into the Union.” Still thinking of the sanction which the Constitution gives to slavery, he says, “Because it was part of the original compact—let it stand.” Notwithstanding his special acuteness and ability, he is unable to take a fact out of its merely political relations, and behold it as it lies absolutely to be disposed of by the intellect—what, for instance, it behooves a man to do here in American today with regard to slavery—but ventures, or is driven, to make some such desperate answer to the following, while professing to speak absolutely, and as a private man—from which what new and singular of social duties might be inferred? “The manner,” says he, “in which the governments of the States where slavery exists are to regulate it is for their own consideration, under the responsibility to their constituents, to the general laws of propriety, humanity, and justice, and to God. Associations formed elsewhere, springing from a feeling of humanity, or any other cause, have nothing whatever to do with it. They have never received any encouragement from me and they never will.”1

They who know of no purer sources of truth, who have traced up its stream no higher, stand, and wisely stand, by the Bible and the Constitution, and drink at it there with reverence and humanity; but they who behold where it comes trickling into this lake or that pool, gird up their loins once more, and continue their pilgrimage toward its fountainhead.

No man with a genius for legislation has appeared in America. They are rare in the history of the world. There are orators, politicians, and eloquent men, by the thousand; but the speaker has not yet opened his mouth to speak who is capable of settling the much-vexed questions of the day. We love eloquence for its own sake, and not for any truth which it may utter, or any heroism it may inspire. Our legislators have not yet learned the comparative value of free trade and of freedom, of union, and of rectitude, to a nation. They have no genius or talent for comparatively humble questions of taxation and finance, commerce and manufactures and agriculture. If we were left solely to the wordy wit of legislators in Congress for our guidance, uncorrected by the seasonable experience and the effectual complaints of the people, America would not long retain her rank among the nations. For eighteen hundred years, though perchance I have no right to say it, the New Testament has been written; yet where is the legislator who has wisdom and practical talent enough to avail himself of the light which it sheds on the science of legislation.

The authority of government, even such as I am willing to submit to—for I will cheerfully obey those who know and can do better than I, and in many things even those who neither know nor can do so well—is still an impure one: to be strictly just, it must have the sanction and consent of the governed. It can have no pure right over my person and property but what I concede to it. The progress from an absolute to a limited monarchy, from a limited monarchy to a democracy, is a progress toward a true respect for the individual. Even the Chinese philosopher was wise enough to regard the individual as the basis of the empire. Is a democracy, such as we know it, the last improvement possible in government? Is it not possible to take a step further towards recognizing and organizing the rights of man? There will never be a really free and enlightened State until the State comes to recognize the individual as a higher and independent power, from which all its own power and authority are derived, and treats him accordingly. I please myself with imagining a State at last which can afford to be just to all men, and to treat the individual with respect as a neighbor; which even would not think it inconsistent with its own repose if a few were to live aloof from it, not meddling with it, nor embraced by it, who fulfilled all the duties of neighbors and fellow men. A State which bore this kind of fruit, and suffered it to drop off as fast as it ripened, would prepare the way for a still more perfect and glorious State, which I have also imagined, but not yet anywhere seen.

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1 These extracts have been inserted since the lecture was read -HDT