Die Philosophie von Karl Marx

“Sollte die Welt zu der Tradition des Humanismus zurückkehren und die Entartung der westlichen Kultur sowohl in ihrer sowjetischen wie in ihrer kapitalistischen Form überwinden, wird sie entdecken, dass Marx weder ein Fanatiker noch ein Opportunist war, sondern dass er die Blüte der westlichen Humanität darstellt.” (Fromm 1982, 79)

Vorwort

Ich habe viel geschrieben von der Angst der Linken vor dem Sozialismus; Ich habe einen Text geteilt, der beschreibt, dass nicht überall, wo links drauf steht, auch links drin ist und wie man dies besonders an den Verbrechen der AntiFa sehen kann. Inzwischen sind die Begriffe “links” und “rechts” bedeutungslos geworden. Sie dienen nur noch zur Abgrenzung, nach dem Motto: “Ich bin gut, ich bin links. Du bist ein Arsch, du bist rechts!” Entsprechend werden inzwischen auch alle, die mit der aktuellen Politik nicht einverstanden sind als “Rechtsextrem” bezeichnet, als Verschwörungstheoretike und als Corona-Leugner. Die Abwertung des Anderen, dessen, der die eigne Meinung nicht teilt, ist ein beliebter Propaganda-Trick.

Es ist schade. Früher hatten die Begriffe “links” und “rechts” noch eine Bedeutung. So musste ich selbst miterleben, wie im Kreisvorstand der Linken in Ludwigsburg, dem ich angehörte, ein Mitglied unverschämt behandelt wurde, weil er einen Marx-Workshop anbieten wollte. Sogar Vorstände der linken wollen nichts mehr mit Karl Marx und seiner Philosophie zu tun haben. Alle sind plötzlich in der Mitte, sogar die Linken.

Es findet eine Verdrehung der Begriffe statt, wie jemand auf Facebook so schön bemerkte, weil es nur noch um Abgrenzung geht, nicht mehr um Inhalte. Die Philosophie von Karl Marx wird absichtlich falsch wiedergegeben und beschmutzt.

Deshalb im Folgenden ein etwas älterer Text von mir: Eine Zusammenfassung der Philosophie von Karl Marx. Karl Marx war vielleicht der größte Philosoph, den Deutschland je hatte, zusammen mit Friedrich Nietzsche, und über beide redet man nur noch schlecht. Inzwischen sogar über den Dritten im Bunde, über Immanuel Kant. Alle wollen, dass wir uns bewusst werden, wer wir sind, dass wir die Entfremdung des Menschen von der Natur (Marx), von seiner eignen Geschichte (Nietzsche), oder dass wir gar unseren Verstand befreien (Kant). Doch was wollen wir?

Vielleicht tut ein bisschen philosophische Bildung ganz gut, um eine echte Entscheidung treffen zu können.

Zum Ursprung dieses Textes

Diesen Text schrieb ich etwa 1992. Damals noch per Hand und meine Mutter tippte ihn für mich auf der Schreibmaschine ab. Ich hatte einen Marx-Fan als Professor, was ich zum Anlass nahm, mich einmal mit Marx und Engels zu beschäftigen. Ich machte dann auch meine Soziologie-Prüfung über die Geschichts-, Familien- und Rechtssoziologie des Marxismus. Die einzige Prüfung, in der ich wirklich gut war. Das beste Buch über Marx ist meines Erachtens “Rius – Marx für Anfänger”, ein ultra genialer Comic, den es leider nur noch im Antiquariat gibt. Ansonsten kommt man um die Originalschriften nicht herum. Die wichtigsten sind meiner Ansicht nach die “ökonomisch philosophischen Manuskripte” auch “Pariser Manuskripte” genannt, darin vor allem “Die Entfremdung der Arbeit”. Außerdem sollte man das “Manifest der Kommunistischen Partei” lesen um zumindest grundsätzlich zu verstehen, um was es Marx und Engels ging. Und auch “Lohnarbeit und Kapital” zeigt sehr gut auf, was immer noch gilt. Marx war nicht einfach ein Philosoph, er hat versucht wissenschaftlich Soziologie zu betreiben und hat in diesem Rahmen Zusammenhänge zwischen dem Menschsein, der Bedeutung der Arbeit und der damit zusammenhängenden Entlohnung, bzw. Abhängigkeit, erforscht. Man mag mit seinen Schlussfolgerungen nicht immer einverstanden sein, aber seine Analysen sind wichtig und lesenswert – und keinesfalls überholt.

A: Der Mensch als Naturwesen

Der Mensch Karl Marx nennt den Menschen ein “Naturwesen”. Dies bedeutet, dass der Mensch ein Teil der Natur (5) und diese ein Teil des Menschen ist. Marx schreibt: “Die Natur ist der unorganische Leib des Menschen, nämlich die Natur, soweit sie nicht selbst menschlicher Körper ist [?]. Die Natur ist sein Leib, mit dem er in ständigem Prozeß bleiben muß, um nicht zu sterben. dass das physische und geistige Leben mit der Natur zusammenhängt, hat keinen anderen Sinn, als dass die Natur mit sich selbst zusammenhängt, denn der Mensch ist ein Teil der Natur”. (Marx, Engels, und Institut für Marxismus-Leninismus (Berlin 1968), 516). Und nicht nur das, sondern der Mensch “tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eigenes Leben brauchbaren Form anzueignen”. (MEW, 23, 192) Diesen Vorgang nennt Marx “produzieren.” Durch die Produktion u.a. unterscheidet sich der Mensch vom Tier: “[…] wodurch sie sich von den Tieren unterscheiden, ist nicht, dass sie denken, sondern dass sie ihre Lebensmittel selbst produzieren”, (MEW, 3, 20) um so Nahrung, Obdach Natürlich produziert auch das Tier (z.B. Höhlen, Nester etc.), jedoch “nur unter der Herrschaft des unmittelbar physischen Bedürfnisses, während der Mensch selbst frei vom physischen Bedürfnis produziert und erst wahrhaft produziert in der Freiheit von demselben,

[Das Tier] [?] produziert nur sich selbst, während der Mensch die ganze Natur reproduziert.” (MEW, EB 1, 517) “In dem er… auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigene Natur. Er entwickelt die in ihr schlummernden Potenzen und unterwirft das Spiel ihrer Kräfte seiner eigenen Botmäßigkeit.” (MEW, 23, 192) Dadurch sind Mensch und Tier ihre eigenen Schöpfer (beide produzieren sich selbst), jedoch nur der Mensch macht die Selbst-Produktion (und Reproduktion der Natur) bewusst, wodurch sein eigenes Leben zum Gegenstand seines Wollens und Bewusstseins, zum “Lebensmittel”, wird. Das Tier hin gegen bleibt eins mit seiner Lebenstätigkeit (da es diese nicht bewusst tut), (vgl.: MEW, EB 1, 516). Die Selbsterschaffung von Mensch und Tier macht diese jedoch nicht frei, sondern stellt sie erst einmal “auf eigene Füße” (vgl. MEW, EB q, 544). Um wirklich frei zu sein, muss man sich der Abhängigkeit von der Natur (als Teil der Natur) bewusst sein, genauso wie der eigenen Macht den Status Quo zu ändern, zu produzieren. Marx schreibt hierzu: “Freiheit besteht also in der auf Erkenntnis der Naturnotwendigkeiten begründeten Herrschaft über uns selbst und über die äußere Natur … . Die ersten, sich vom Tierreich sondernden Menschen waren in allem wesentlichen so unfrei, wie die Tiere selbst; also jeder Fortschritt in der Kultur war ein Schritt zur Freiheit.” (MEW, 20, 106) Wie schon weiter oben angesprochen, produziert der Mensch nicht nur um “unmittelbar physische Bedürfnisse” zu befriedigen, sondern weil es in seinem Wesen liegt zu produzieren, sich auszudrücken, sich selbst zu verwirklichen, d.h. seine Fähigkeiten auszubilden, sich ihnen (und ihren Grenzen) bewusst zu werden, um frei zu werden. Durch seine Taten zeigt der Mensch somit, was er ist und die Grenzen seiner taten zeigen ihm, was er sein kann. “Wie die Individuen ihr Leben äußern, so sind sie. Was sie sind, fällt also zusammen mit ihrer Produktion, sowohl damit, was …. als auch damit, wie sie produzieren.” (MEW, 3, 21) “Erst in der Gemeinschaft existieren für jedes Individuum die Mittel, seine Anlagen nach allen Seiten hin auszubilden, erst in der Gemeinschaft wird also die persönliche Freiheit möglich.” (MEW, 3, 423) Zu diesen “Anlagen” gehören nicht nur physische, sondern auch seelische (Liebe, Achtung, etc.) und geistige Anlagen (logisches Denken, Fantasie, etc.). Die Gesellschaft verhilft nicht nur zur Freiheit, sondern auch zu einer neuen Abhängigkeit (das Bewusstsein dieser Abhängigkeit und das bewusste eingehen derselbigen ist ein freier Akt und macht wiederum frei, frei sich auch gegen diese zu entscheiden).

B: Der Arbeiter/Proletarier

Wenn Marx vom “Arbeiter” spricht, so meint er meist den Proletarier, also den Arbeiter, der Kein Eigentumsrecht an den Produktionsmitteln (mit Hilfe derer er selbst produziert) hat. Von Natur aus ist jeder Mensch ein Arbeiter (im wahrsten Sinne dieses Wortes), da er arbeiten muss, um seine Lebensmittel zu produzieren, ja um überhaupt (über-)leben zu können. In seiner Arbeit, bzw. Produktion, kann der Mensch sich selbst verwirklichen, zeigen und tun, was er ist. Jedoch in der heutigen (Marx’schen) Zeit ist dies nicht mehr so, zumindest für einen großen Teil der Bevölkerung, nämlich für den Proletarier, also für die Arbeiterklasse Da sie selbst keine Produktionsmittel als Eigentum haben, müssen sie (um überleben zu können) ihre Arbeitskraft verkaufen. Der Kapitalist (= der Eigentümer der Produktionsmittel) setzt diese Arbeitskraft zu seinem eigenen Nutzen und nach eigenen Vorstellungen ein. Für den Arbeiter ist somit das von ihm (mit seiner Arbeitskraft) Produzierte nicht mehr ein Ausdruck seiner selbst, da er sich nicht mehr mit dem Produkt seiner Arbeit identifizieren kann. Marx nennt dies “entfremdete Arbeit”. Durch diese entfremdet der Arbeiter sich selbst (von sich), denn der Mensch ist, was er tut. Der Verkauf der Arbeitskraft bringt mit sich, dass der Arbeiter sich dieser Arbeit, in welcher er sich selbst ausdrückt und damit selbst erkennt und somit verwirklichen kann “nur mit der größten Anstrengung und mit den unregelmäßigen Unterbrechungen [?] bemächtigen kann”. (MEW, EB 1, 512) Er hat also immer weniger Zeit für sich selbst, immer weniger Möglichkeiten sich in der Arbeit selbst zu verwirklichen. “Der Arbeiter wird umso ärmer, je mehr Reichtum er produziert, je mehr seine Produktion an Macht und Umfang zunimmt. Der Arbeiter wird eine um so wohlfeilere Ware, je mehr Waren er schafft. Mit der Verwertung der Sachwelt nimmt die Entwertung der Menschenwelt in direktem Verhältnis zu. Die Arbeit produziert nicht nur Waren; sie produziert sich selbst und den Arbeiter als eine Ware. [?] Das Produkt der Arbeit [?] ist die Vergegenständlichung der Arbeit. Die Verwirklichung der Arbeit ist ihre Vergegenständlichung. Die Verwirklichung [?] erscheint [?] als Entwirklichung der Arbeit, die Vergegenständlichung als Verlust der Knechtschaft des Gegenstandes, die Aneignung als Entfremdung, als Entäußerung. Die Verwirklichung der Arbeit erscheint so sehr als Entwirklichung, dass der Arbeiter bis zum Hungertod entwirklicht wird.” (MEW, EB 1, 511 f) Nicht nur von seiner Arbeit wird der Mensch entfremdet, von seiner eigenen Natur, sondern von der Natur selbst. “Der Arbeiter kann nichts schaffen ohne die Natur, ohne die sinnliche Außenwelt. Sie ist der Stoff, an welchem sich seine Arbeit verwirklicht, in welchem sie tätig ist, aus welchem und mit welchem sie produziert. Wie aber die Natur das Lebensmittel der Arbeit darbietet [?], so bietet sich andererseits auch die Lebensmittel in dem engeren Sinne dar, nämlich die Mittel der physischen Subsistenz des Arbeiters selbst. Je mehr also der Arbeiter sich die Außenwelt, die sinnliche Natur, durch seine Arbeit aneignet, um so mehr entzieht er sich Lebensmittel nach der doppelten Seite hin, erstens, dass immer mehr die sinnliche Außenwelt aufhört, [?] ein Lebensmittel seiner Arbeit zu sein; zweitens, dass sie immer mehr aufhört, Lebensmittel [?] für die physische Subsistenz des Arbeiters zu sein.” (MEW, EB 1, 513) Der. Entzug dieser Lebensmittel, entzieht dem Arbeiter die Grundlage des menschlichen Lebens; der Arbeiter wird “entmenschlicht”. Der Verkauf der eigenen Arbeitskraft als Ware bedeutet den Verkauf der eigenen Produktionsfähigkeit, somit den Verlust der Möglichkeit sich in der Arbeit auszudrücken und sich selbst zu verwirklichen. Der Arbeiter ist sich selbst fremd geworden, dem Tiere näher, als dem Menschen. “Es kommt daher zum Resultat, dass der Mensch (der Arbeiter) nur mehr in seinen tierischen Funktionen, Essen, Trinken und Zeugen, höchstens noch Wohnung, Schmuck etc., sich als freitätig fühlt, und in seinen menschlichen Funktionen nur mehr als Tier. Das Tierische wird das Menschliche und das Menschliche das Tierische”. (MEW, EB 1, 514 f) Damit diese aufgezeigte Entwicklung der Entfremdung, Entwirklichung und Entmenschlichung nicht “bis zum Hungertod” weitergeht, fordert Marx am Ende des Manifests der kommunistischen Partei auf: “Proletarier aller Länder, vereinigt euch!” (MEW, 4, 493) um dann durch eine Revolution die bestehende Gesellschaft zu ändern.

C: Das Gesellschaftsideal

Das Gesellschaftsideal ist nicht der Kommunismus, wie vielfach missverstanden. “Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben (wird). Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.” (MEW,3, 35) An anderer Stelle nennt Marx den Kommunismus nicht nur eine Bewegung, sondern auch einen Zustand, welcher der idealen Gesellschaft (bzw. Gemeinschaft) vorangeht und bereits die meisten Merkmale dieser besitzt. Er versteht den Kommunismus auch “als positive Aufhebung des Privateigentums als menschlicher Selbstentfremdung und damit, als wirkliche Aneignung des menschlichen Wesens durch und für den Menschen; darum als vollständige, bewusst und innerhalb des ganzen Reichtums der bisherigen Entwicklung gewordene Rückkehr des Menschen für sich als eines gesellschaftlichen, d.h. menschlichen Menschen. Dieser Kommunismus ist als vollendeter Naturalismus = Humanismus, als vollendeter Humanismus = Naturalismus, er ist die wahrhafte Auflösung des Streits zwischen Existenz und Wesen, zwischen Vergegenständlichung und Selbstbestätigung, zwischen Freiheit und Notwendigkeit, zwischen Individuum und Gattung.” (MEW, EB1, 536) Das Ziel ist eine staats- und klassenlose Gesellschaft, in welcher es kein Privateigentum an Produktionsmitteln gibt, also eine sozialistische Gesellschaft ohne Unterdrückung jedweder Art (auch keine geschlechts- oder altersbedingte). Der Gegensatz zwischen geistiger und körperlicher Arbeit und ihr unterschiedliches Ansehen existieren in der idealen Gesellschaft nicht mehr. Die Menschen haben eine neue Moral, welche nicht Geld, Macht und Prestige als erstrebenswert erachtet, sondern die Selbstverwirklichung in einer brüder- (und schwester)1ichen menschlichen Gemeinschaft. Es wird eine Gesellschaft sein, “wo jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit hat, sondern sich in jedem beliebigen Zweige ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirte oder Kritiker zu werden.” (MEW, 3, 33) An einer anderen Stelle bringt Marx dies auf die kurze “Formel”: “Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!” (MEW,19, 21) ” [da] die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.” (MEW, 4, 482)

Schluss

Marx sieht “den Menschen in seiner vollen Wirklichkeit als Mitglied einer gegebenen Klasse, als ein Wesen, das in seiner Entwicklung von der Gesellschaft gestützt wird und zugleich ihr Gefangener ist. Die volle Verwirklichung des Menschen und seine Befreiung von den gesellschaftlichen Kräften, die ihn gefangen halten, ist für Marx verbunden mit der Anerkennung dieser Kräfte und mit einem gesellschaftlichen Wandel, der auf eben dieser Anerkennung basiert. Marx Philosophie ist eine Protestphilosophie; ein Protest der getragen ist von dem Glauben an den Menschen, an seine Fähigkeit, sich selbst zu befreien und seine innewohnenden Möglichkeiten zu verwirklichen.” (Fromm, S. 7) Jedoch gibt sich Karl Marx keinen Illusionen hin. Er weiß, dass der jetzt lebende Mensch noch nicht reif und genügend gewachsen ist, um seine Ideale zu verwirklichen. “Das jetzige Geschlecht gleicht den Juden, die Moses durch die Wüste führte. Es hat nicht nur eine neue Welt zu erobern, es muß untergehen, um den Menschen Platz zu machen, die einer neuen Welt gewachsen sind.” (MEW,7,79)

Literaturverzeichnis

Fromm, Erich. 1982. Das Menschenbild bei Marx: mit den wichtigsten Teilen der Frühschriften von Karl Marx. Frankfurt am Main: Ullstein.

Marx, Karl, Friedrich Engels, und Ost Institut für Marxismus-Leninismus (Berlin Universität, Berlin, Ost). 1968. Werke [40,1] [40,1. Berlin: Dietz.

Das Buch der Zitate 1: Maslow, Seattle, Hikmet, Gandhi, Millay

In einer düster scheinenden Welt, können manche Aussagen die Hoffnung sein, die man gerade braucht.

Die Zeit des Hasses

Misstrauen ist das eigentliche Gift in unserem Herzen, vielleicht so gar das einzig existierende.

“Jeder Glaube, der die Menschen dazu bringt, dass sie einander und sich selbst unnötig misstrauen und in einer unrealistischen Weise pessimistisch hinsichtlich der menschlichen Möglichkeiten sind, ist zum Teil für jeden Krieg verantwortlich zu machen, der je geführt wurde, für jeden rassischen Antagonismus und für jedes religiöse Massaker” (Abraham Maslow)1

Wir leben in einer schrecklichen Zeit des Hasses, der Intoleranz und Denunziation. Es fällt mir schwer mir vorzustellen, dass es noch schlimmer kommen könnte, doch Angst davor habe ich.

Schon seit vielen Jahren sehe ich diese Entwicklung zur sozialen Isolation, zur Verantwortungslosigkeit und die zuzunehmende Distanz. Das habe ich in meinem Text “Das „Hallo!“, das Erkennen und die Liebe versucht auszudrücken. Der Corona-Wahn ist nur die Spitze des Eisbergs, die Folge, nicht die Ursache.

Der zunehmende Hass gegen Menschen, die anders sind und der Wunsch, sie aus unserem Denken zu tilgen, ist schon lange bemerkbar und gipfelt darin, dass man Sterne verwendet um Minderheiten zu markieren, um sie besser aus dem Denken löschen zu können. Wenn jeder mitgenannt ist, muss man niemanden mehr nennen, an niemanden mehr denken und kann alle vergessen. Auch darüber habe ich hier bereits geschrieben.

Nun brennen LKWs von Menschen, die friedlich für Grundrechte demonstrieren wollen.

Und niemand fühlt sich schuldig.

Das Buch der Zitate

Ich habe ein Buch mit Zitaten. Ich habe es schon sehr lange und immer wenn ich etwas Schönes finde, das ich nicht vergessen möchte, schreibe ich es auf. Es hilft diese Zitate zu lesen um zu wissen: Nicht die ganze Welt ist verrückt. Es gab schon einmal Menschen, die anders dachten, und es gibt sie wahrscheinlich noch immer

Es gibt Hoffnung. Vielleicht träumen doch mehr, als man denkt.

Die Fragen des Häuptlings

Von Häuptling Seattle, dem Häuptling der Suquamish, ist eine sehr lange Rede erhalten. Die berühmtesten Zeilen daraus sind wohl:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann“

Diesen Text gibt es als Aufkleber (leider oft falsch betitelt als Weissagung der Cree) und dient als Mahnung vor Kapitalismus und Umweltzerstörung.

Doch er sagte noch viel mehr. Wie gesagt, es ist eine sehr lange Rede gewesen.

„Der große Häuptling in Washington sendet Nachricht, dass er unser Land zu kaufen wünscht […].
Wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen?
Diese Vorstellung ist uns fremd. Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers nicht besitzen, wie könnt ihr sie dann von uns kaufen?
[…] Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig. […]
Unsere Toten vergessen diese wunderbare Erde nie, denn sie ist des roten Mannes Mutter. Wir sind ein Teil der Erde und sie ist ein Teil von uns. […]
Wenn also der große Häuptling in Washington uns Nachricht sendet, dass er unser Land zu kaufen wünscht, so verlangt er viel von uns […].“2

Mein Eindruck ist, dass uns heute nur noch wenig heilig ist: Die Erde schon lange nicht mehr, die Menschen inzwischen auch nicht mehr. Wer anders ist, passt nicht, bekommt ein Sternchen oder „d“, für „divers“, nur um zu zeigen: „Du gehörst nicht zu uns und um das klar zu machen, bekommst du eine eigene Bezeichnung“. Aber in Wirklichkeit geht es darum, den „Anderen“, die „Abartigen“ besser erkennen zu können. Und das nennt man dann „Identität“.

„Denn vor allem schätzen wir das Recht eines jeden Menschen, so zu leben, wie er selbst es wünscht, gleich wie verschieden von seinen Brüdern er ist“ (Häuptling Seattle)3

Wir schätzen weder die Verschiedenartigkeit, noch das Glitzern des Wassers oder die frische der Luft. Wir verpesten die Luft, das Wasser und das Denken über unsere Mitmenschen.

Aber „wir“ sind nicht alle. Es scheint vielleicht so zu sein, als würden dies „die Menschen“ machen, aber es machen nicht alle. Sie fallen nicht auf, denn es sind wenige, die sich an der Vielfalt der Menschen erfreuen, die die Schönheit in allem und jedem sehen können. Aber es gibt sie noch und sie sind die Hoffnung.

Vielleicht lesen wir einmal von ihnen, vielleicht, eines Tages, bekommen wir sogar einen Brief.

Der Optimismus des Dichters

Ich schreibe Gedichte,
sie werden nicht gedruckt,
aber man wird sie noch drucken.

Ich warte auf einen Brief mit einer frohen Botschaft.
Er kommt vielleicht an dem Tag, an dem ich sterbe,
aber er wird sicher kommen.

Nicht der Staat, nicht das Geld
haben den Menschen im Griff, sondern der Mensch,
hunder Jahre später vielleicht,
mag sein,
aber es wird sicher so kommen.

(Nazim Hikmet „Optimismus“, 1957)4

Nazim Hikmet ist ein türkischer Dichter. Sein Geburtsland hat es immer noch schwer, gebeutelt von Machtübernahme, Flüchtlingen und dem Corona-Wahn liegt es am Boden und man befürchtet, dass es demnächst zum zweiten Griechenland wird. Alles, wegen unserer Gier, unserem Drang zur Vorherrschaft, auch in diesen Zeiten. Und unserem Misstrauen in den Anderen.

Nazim Hikmets Leben bestand aus Flucht und viel Gefängnis. Egal, wo er sich aufhielt, er schaffte es doch immer wieder die falschen Ansichten zu vertreten (er war Kommunist). 1963 starb er und bis 1965 waren seine Werke in der Türkei verboten.

Bücher zu verbieten bedeutet eigentlich immer, dass man Angst vor deren Inhalt hat. Man traut der Sprache so viel Macht zu, dass man versucht, geschriebene Worte an der Weiterverbreitung zu hindern.

Vielleicht hätte Seattle dazu gesagt, dass sein Volk gut sprechen und erzählen könne. Wie der weiße Mann glauben könne, man könne Worte einsperren?

Manches soll nicht gesagt werden, weil es uns Angst macht. Angst, es könne etwas Schreckliches verursachen.

Wir haben verlernt zu vertrauen.

Und Misstrauen ist das eigentliche Gift in unserem Herzen.

Wenn wir uns weniger begegnen, wie sollen wir dann wissen, ob wir uns trauen können?

Distanz schafft Angst, Angst schafft Hass und Denunziation.

Begegnungen schaffen jedoch Vertrauen. Da, wo sich Menschen begegnen, können Worte getauscht werden und Reaktionen auf Worte erlebt werden. Denn der Mensch begegnet uns in der Sprache und am stärksten und unmittelbarsten im gesprochenen Wort.

Wenn wir uns wirklich begegnen, ohne Masken, offen und ehrlich, merken wir, dass wir keine Angst haben müssen.

Wir haben es im Griff, wir bestimmen letzten Endes und das können wir gemeinsam.

Die Hoffnung des Anarchisten

„Wenn einmal das Leben der Menschen so vollkommen sein wird, dass es sich von selbst regelt, sind keine Repräsentanten mehr nötig. Wir werden sodann eine aufgeklärte Anarchie haben. In einem solchen Staat wird jeder sein eigener Herrscher sein. Jeder wird sich dann so regieren, dass er seinem Nachbarn niemals im Wege steht. Im idealen Staat wird also keine politische Macht vorhanden sein, weil überhaupt kein Staat mehr besteht.
Doch das Ideal ist im Leben niemals voll zu verwirklichen. Daher der klassische Satz Henry Thoreau‘s, wonach jene Regierung die beste ist, die am wenigsten regiert.“ (Gandhi)5

Regieren muss man, wenn man Angst hat, was passiert, wenn man die Zügel aus der Hand gibt, wenn man Angst vor den Menschen hat. Man muss ihnen dann Regeln, Gesetze und Strafen geben, damit sie sich daran halten und wir uns vor ihnen sicher fühlen.

Noch sicherer: Distanz, keinen Kontakt. Ein „Hallo!“ muss reichen und die Maske auf!

Menschen, die nach Regierungen und Regelungen schreien, sind Menschen, die Angst vor sich selbst haben – und dadurch auch Angst vor den Mitmenschen. Die Schlechten benötigen den Staat, die Guten sich selbst und ihre Mitmenschen.

Es war herrlich in Stuttgart an drei Samstagen auf den Wasen6 zu gehen, zu einer großen Demonstration und zu erleben: Es ist okay, ich muss keine Angst haben. Es gibt sie noch, diejenigen, die reden wollen – und keine Distanz.

Es gibt ihn noch, den Keim, der vielleicht wächst. Soziales Verhalten kann man so wenig aufhalten, wie das Glitzern des Wassers. Vielleicht kurzfristig, doch nicht auf Dauer. Der Keim wird es schwer haben, aber er wird sicher wachsen und ich werde ihn sehen. Wir werden wieder aufeinander zugehen, vorsichtig, weil Hass und Misstrauen immer noch als Gift in den Herzen vieler sind.

Und vielleicht schaffen es dann immer mehr Menschen, wieder Verantwortung für sich und ihre Mitmenschen zu übernehmen, aufeinander zuzugehen, einfach, aus sich selbst heraus, ohne Regeln, ohne Zwang, weil wir tief in uns wissen, dass dies richtig ist und soziale Distanz falsch.

Es gibt sie bereits, die es tun, die sich begegnen, gleich und gleich, in der Sprache, in der Nähe, doch gehen sie noch in der Menge unter, sind unsichtbar.

Ich denke, ich werde es sehen, das Aufgehen des Keims, doch bezweifle ich, dass ich noch zu Lebzeiten ein wirklich vertrauensvolles Miteinader der Mehrheit der Menschen erleben werde. Doch wer weiß. Wir kennen die Zukunft nicht und das ist auch gut so. So gibt es immer Hoffnung.

My candle burns at both ends;
It will not last the night;
But ah, my foes, and oh, my friends–
It gives a lovely light!

(Edna St. Vincent Millay, “First Fig”)7

Fußnoten und Anmerkungen

1Abraham H. Maslow, Motivation und Persönlichkeit (Reinbek: Rowohlt, 2008).

2Rene Bardet und Poesie & Musik, Vielleicht, weil ich ein Wilder bin : Worte des indianischen Häuptling Seattle an den amerikanischen Präsidenten im Jahre 1855, Vinyl, LP (Wundertüte (Sony), 1997).

3Bardet und Poesie & Musik.

4Leider konnte ich die genaue Quelle nicht mehr finden.

5Gnaue Quelle habe ich mir leider nicht notiert. Bis auf den ersten Satz befindet sich dieses Zitat jedoch auch in: Mohandas Karamchand Gandhi und Richard Attenborough, Ausgewählte Texte, Dt. Erstveröff., 6. Aufl, Goldmann-Taschenbücher 6577 (München: Goldmann, 1984), 37.

6Große Veranstaltungsfläche in Stuttgart-Bad Cannstatt. Auf ihr findet u.a. das Volksfest statt.

7Harriet Monroe, Hrsg., Poetry. A Magazine of Verse, Bd. 11, Poetry. A Magazine of Verse 3 (Chicago, 1918), 130, https://www.poetryfoundation.org/poetrymagazine/browse?contentId=14095.

Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat

Civil Disobedience” ist die wichtigste Schrift zum gewaltfreien Widerstand und über unsere Verantwortung als Bürger.

Statt eines Vorwortes: Gandhi und M.L. King

Mohandas K. Gandhi über diese Schrift:

“[…] ich habe ‘Walden’ [von Henry David Thoreau] zuerst 1906 in Johannesburg in Südafrika gelesen, und seine Ideen haben mich stark beeinflusst. Ich übernahm einige davon und empfahl das Studium von Thoreau allen meinen Freunden, die an der Sache der indischen Unabhängigkeit mitarbeiteten. Das ist der Grund, warum ich den Namen meiner Bewegung eigentlich von Thoreaus Essay ‘Über die Pflicht des [zivilen] Ungehorsams’ übernommen habe, der vor etwa achtzig Jahren geschrieben wurde. Bis ich diesen Aufsatz las, habe ich nie eine passende englische Übersetzung für mein indisches Wort Satyagraha gefunden. Sie erinnern sich, dass Thoreau die Idee des zivilen Ungehorsams in Concord, Massachusetts, erfunden und praktiziert hat, als er sich aus Protest gegen die Regierung der Vereinigten Staaten weigerte, seine Kopfsteuer zu zahlen. Er ging auch ins Gefängnis. Es besteht kein Zweifel, dass Thoreaus Ideen meine Bewegung in Indien stark beeinflusst haben”. (Quelle: University of North Florida, Thoreau’s Table)

“Thoreau war ein großer Schriftsteller, Philosoph, Dichter und gleichzeitig ein sehr praktischer Mann, das heißt, er lehrte nichts, was er nicht selbst zu tun bereit war. Er war einer der größten und moralischsten Männer, die Amerika hervorgebracht hat. Zur Zeit der Abschaffung der Sklavenbewegung schrieb er seinen berühmten Essay “Über die Pflicht des zivilen Ungehorsams”. Er ging um seiner Prinzipien und der leidenden Menschheit Willen ins Gefängnis1. Sein Essay ist daher durch das Leiden geweiht2 worden. Mehr noch, ist es zeitlos geworden3. Seine einschneidende Logik ist unbeantwortbar”. (Agyei und “For Passive Resisters” von Mahandas K. Gandhi; 1907)

Martin Luther King über diese Schrift:

“Hier, in der Weigerung dieses mutigen Neuengländers seine Steuern zu zahlen, und das Gefängnis zu wählen, anstatt einen Krieg zu unterstützen, der das Gebiet der Sklaverei bis nach Mexiko ausdehnen würde, kam ich zum ersten Mal mit der Theorie des gewaltlosen Widerstands in Berührung. Fasziniert von der Idee, die Zusammenarbeit mit einem bösen System zu verweigern, war ich so tief bewegt, dass ich das Werk mehrmals wieder las.
Ich kam zu der Überzeugung, dass die Nicht-Zusammenarbeit mit dem Bösen ebenso eine moralische Verpflichtung ist, wie die Zusammenarbeit mit dem Guten. Kein anderer hat sich so wortgewandt und leidenschaftlich dafür eingesetzt, diese Idee zu vermitteln, wie Henry David Thoreau.

Aufgrund seiner Schriften und seines persönlichen Zeugnisses sind wir die Erben eines Vermächtnisses des kreativen Protests. Die Lehren von Thoreau wurden in unserer Bürgerrechtsbewegung lebendig; sie sind sogar lebendiger als je zuvor. Ob sie sich an einem Sitzstreik bei der Essenstheke4, einer Freiheitsfahrt nach Mississippi5, einem friedlichen Protest in Albany, Georgia6, einem Busboykott in Montgomery, Alabama7, äußern – dies sind Auswüchse von Thoreaus Beharren darauf, dass man dem Bösen widerstehen muss und dass kein moralischer Mensch sich geduldig an Ungerechtigkeit anpassen kann.” (M. L. King, Autobiographie)

Anmerkungen

1Original: “He went to gaol for the sake of his principles and suffering humanity. “

2Original: “sanctified”. Bedeutet auch “geheiligt”. Durch seine Tat zeigte Thoreau, wie ernst es ihm mit dem, was er sagte, war. Deshalb war es eine Art “Weihe” seines Werkes, nach meinem Verständnis.

3Original: “Moreover, it is written for all time.”

4Hier ist das “Greensboro sit-in” gemeint. So genannte “Afroamerikaner” weigerten sich bei Woolworth ihre Plätze an der Theke zu verlassen, nachdem sie ihr Mittagessen bekommen hatten.

5Original: “freedom ride into Mississippi”. Der “Freedom Ride” nach Mississippi fand am 25. Mai 1961 statt, als eine Gruppe von elf “Schwarzen” und einem “Weißen” mit dem Bus von Montgomery (in Alabama) nach Jackson (in Mississippi) fuhren und dort ins Wartezimmer für Weiße gingen.

6Seit etwa 1. November 1961 gab es regelmäßig friedliche Proteste in Albany durch das “Albany Movement”, also die Albany-Bwegung.

7Nachdem Rosa Parks sich am 1. Dezember 1955 geweigert hatte, sich im Bus nach hinten zu sitzen, auf die Plätze für “Schwarze”, kam es in Montgomery am 5. Dezember zum Boykott der Busse, also des öffentlichen Nahverkehrs.

Weiterlesen…

Systemtheorie: Definitionen und Erklärungen

Bei den nicht von mir stammenden Definitionen/Erklärungen geben die Namen hinter den Definition/Erklärung den/die jeweiligen Autor(en) wieder. Eine ausführlichere Schilderung der Systemtheorie findet sich auch der Seite “Die Systemtheorie nach Humberto Maturana”.

Autopoiese

„griech.: autos = selbst; poiein = machen.“ (Maturana/Varela)1

„Die Autopoiese ist der Mechanismus, der Lebewesen zu autonomen Systemen macht. Sie kennzeichnet Lebewesen als autonom.“ (Maturana/Varela)2

„Autopoiese ist die Organisation, welche ein Lebewesen als Lebewesen definiert.“ (Maturana)3

„Ein autopoietisches System ist ein homöostatisches System, das als ein Netzwerk von Prozessen der Produktion (Transformation und Destruktion) von Bestandteilen organisiert (als Einheit definiert) ist, das die Bestandteile erzeugt, welche 1. aufgrund ihrer Interaktionen und Transformationen kontinuierlich eben dieses Netzwerk an Prozessen (Relationen), das sie erzeugte, neu generieren und verwirklichen, und die 2. dieses Netzwerk (das System) als eine konkrete Einheit in dem Raum, in dem diese Bestandteile existieren, konstituieren, indem sie den topologischen Bereich seiner Verwirklichung als Netzwerk bestimmen.“ (Maturana)4

„Die Tätigkeiten autopoietischer Systeme stehen im Dienst der Autopoiese, andernfalls zerfallen solche Systeme.“ (Maturana)5

Autopoietische Systeme:

Siehe: Autopoiese

Driften:

Driften bezeichnet das durch die Ontogenese (und strukturelle Koppelung) erzeugte “Treiben” der Lebewesen im Wasser des Lebens in eine durch die Erhaltung der Autopoiese „vorgeschriebene“ (nicht determinierte) Richtung.

(Zu Gendrift findet man hier ausführlichere Angaben)

Einheit:

„Eine Einheit (Entität, Wesen, Objekt) ist durch einen Akt der Unterscheidung definiert. Anders herum: immer dann, wenn wir in unseren Beschreibungen auf eine Einheit Bezug nehmen, implizieren wir eine Operation der Unterscheidung, die die Einheit definiert und möglich macht.“ (Maturana/Varela)6

Einheiten erster, zweiter und dritter Ordnung

siehe: Strukturelle Koppelung erster, zweiter und dritter Ordnung

Erkennen und (Er)Kenntnis:

„Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun.“ (Maturana/Varela), Oder etwas komplexer ausgedrückt: „Erkennen ist effektive Handlung, das heißt, operationale Effektivität im Existenzbereich des Lebewesens.“ (Maturana/Varela) Dies bedeutet u.a., „dass jeder Akt des Erkennens eine Welt hervorbringt.“ (Maturana/Varela)9

„Wir sprechen dann von (Er)Kenntnis, wenn wir ein effektives (oder angemessenes) Verhalten in einem bestimmten Kontext beobachten, das heißt in einem Bereich, den wir durch eine (explizite oder implizite) Frage umreißen, die wir als Beobachter formulieren.“ (Maturana/Varela)10

Großsysteme, soziale

siehe: soziale Großsysteme

Gruppe:

Die Gruppe ist eine Sonderform eines sozialen Systems. Wo sich mehrere (mindestens drei) Menschen mehr oder weniger stark dauerhaft strukturell koppeln, haben wir eine Gruppe vor uns. Eine Gruppe ist also ein soziales Kleinsystem.

Interaktion:

Ein wechselseitiger Austausch von Mitteilungen ( Kommunikationen) zwischen zwei oder mehreren Personen wird als Interaktion bezeichnet. 11

siehe auch: Kommunikation.

Kommunikation:

a) Allgemeine Bezeichnung eines Wissensgebietes.

b) Eine einzelne Kommunikation heißt Mitteilung (message), im Gegensatz zum englischen communication (Verständigung, Austausch von Informationen), das eher dem Begriff der Interaktion entspricht. 12

(Anmerkung: meine Definition weicht etwas von der Maturanas/Varelas ab. Vgl Maturana/Varela 1987, S. 210)

Konsensueller Bereich:

„Ich (nenne) … den Bereich ineinandergreifender Verhaltensweisen, der sich aus der ontogenetischen reziproken Koppelung der Strukturen strukturell plastischer Organismen ergibt, einen konsensuellen Bereich … .“ (Maturana)13

Ko-Ontogenese:

siehe: Ontogenese

Lernen:

Strukturelle Veränderungen eines autopoietischen Systems aufgrund von Perturbationen durch das Milieu, ohne Verlust der (autopoietischen) Organisation, um die Viabilität in dem Milieu aufrecht zu erhalten, wird als Lernen bezeichnet.

Ontogenetische Koppelung:

„Dass sich zwei (oder mehr) autopoietische Einheiten in ihrer Ontogenese gekoppelt haben, sagen wir, wenn ihre Interaktionen einen rekursiven oder sehr stabilen Charakter erlangt haben.“ (Maturana/Varela)14.

Organisation:

„Unter Organisation sind die Relationen zu verstehen, die zwischen den Bestandteilen von etwas gegeben sein müssen, damit es als Mitglied einer bestimmten Klasse erkannt wird.“ (Maturana/Varela)15

Ontogenese:

„Die Ontogenese ist die Geschichte des strukturellen Wandels einer Einheit ohne Verlust ihrer Organisation.“ (Maturana/Varela)16

Pädagogik:

Pädagogik ist die Wissenschaft, welche sich mit dem Zustandekommen von strukturellen Koppelungen zwischen Menschen und zwischen Mensch und Milieu, so wie den Möglichkeiten der Aufrechterhaltung dieser strukturellen Koppelungen beschäftigt. Ihr Ziel ist die Ermöglichung der vollen Persönlichkeitsentfaltung des einzelnen Menschen (die allseitige Entwicklung des Menschen), damit er wird, was er werden kann (= wozu ihn seine Struktur determiniert).

Ein sich selbst verwirklichender Mensch, “verwirklicht” seine Struktur-determiniertheit, er wird, zu was ihn seiner Struktur (er sich selbst) determiniert/bestimmt.

Paradigma:

„Eine Konstellation von Begriffen, Wahrnehmungen, Werten und Handlungen, welche von einer Gemeinschaft geteilt wird und zu einer gewissen Weltsicht führt, die die Grundlage für eine soziale Ordnung dieser Gemeinschaft bildet. Ein einzelner Mensch kann also kein Paradigma vertreten.“ (Capra)17

Phänomene, soziale

siehe: soziale Phänomene

Der Radikale Konstruktivismus

(ausführlicher: hier)

Kernthesen des Radikalen Konstruktivismus nach E. v. Glasersfeld.18

  • Menschliches Wissen ist eine menschlich Konstruktion.
  • Der Radikale Konstruktivismus verleugnet keineswegs eine äußere Realität. Er befasst sich jedoch nur mit dem kognitiven Aspekt und nicht mit dem, was „in der Tat“ oder „tatsächlich“ vorhanden ist.
  • Es ist nicht vernünftig, etwas die Existenz zu bescheinigen, was nicht (irgendwann einmal) wahrgenommen werden kann (könnte).
  • Es gibt keine objektive Realität, Wahrheit, welche durch Erkenntnis erkannt werden könnte. Wissen kann nur viabel sein – d.h. in die Erlebnis- und Erfahrungswelt des Wissenden passen – nicht jedoch wahr sein.
  • Kein Wissen kann Einzigartigkeit beanspruchen. So viabel eine Problemlösung auch sein mag, sie darf nie als die einzig mögliche betrachtet werden.
  • Eine Theorie sollte immer auf sich selbst angewendet werden, d.h.: auch der Radikale Konstruktivismus kann nur eine mögliche/viable Antwort auf das Problem des Erkennens sein.
  • „Was wir „Wissen“ nennen repräsentiert keineswegs eine Welt, die jenseits unseres Erfahrungskontaktes mit ihr existiert. … [„Wissen“ bezieht sich] auf die Art und Weise, wie wir unsere Erfahrungswelt organisieren.“
    (Glasersfeldt)19

Realitätstunnel:

„Eine durch Sprache, Gedanken, Gefühle und scheinbare Sinneseindrücke mittels eines Kodesystems oder einer Struktur von Metaphern entstandene Realität, welche durch Sprache, Kunst, Mathematik oder ein anderes Symbolsystem vermittelt wird.“ (Wilson)20

Der Begriff wurde von Timophy Leary “erfunden”.

Soziale Phänomene:

„Unter sozialen Phänomenen verstehen wir Phänomene, die mit dem Zustandekommen von Koppelungen dritter Ordnung21 einhergehen, und unter sozialen Systemen die Einheiten dritter Ordnung, die so entstehen……(Die) soziale Phänomenologie beruht darauf, dass die beteiligten Organismen im wesentlichen ihre individuellen Ontogenesen als Teil eines Netzwerkes von Ko-Ontogenesen verwirklichen, das sie bei der Bildung von Einheiten dritter Ordnung hervorbringen.“ (Maturana/Varela)22

Soziale Großsysteme

Unter sozialen Großsystemen verstehe ich unüberschaubare soziale Systeme, deren Grenzen meist nicht genau bestimmbar sind. Sie werden auch Kulturen oder Gesellschaften genannt. Ich selbst z.B. gehöre u.a. zu den sozialen Großsystemen: „die Schwaben“, „die Deutschen“; „die Europäer“; „die Menschheit“. Menschliche soziale (Groß-)Systeme sind durch eine menschliche Struktur und sprachliche Organisation (d.h. die Relationen werden durch Verhalten im sprachlichen Bereich bestimmt) charakterisierbar. Deshalb ist z.B. „Deutschland“ kein soziales (Groß-) System, da zu Deutschland auch Landfläche, Luftraum, Natur, etc. gehören.

Soziales Kleinsystem

ist ein soziales System, welchem man beitreten oder es verlassen kann, ohne es dabei zu bilden oder aufzulösen.

Soziales Minisystem

Ein soziales Minisystem besteht aus zwei Menschen. Es zerfällt, wenn einer der beiden das System verlässt.

Soziale Systeme:

Ein Soziales System sind mindestens zwei Menschen mit einer dauerhaften strukturellen Koppelung, also mit einer Ko-Ontogenese.

Sprache:

„Wir operieren in der Sprache, wenn ein Beobachter feststellen kann, daß die Objekte unserer sprachlichen Unterscheidungen Elemente unseres sprachlichen Bereichs sind. Sprache ist ein fortdauernder Prozess, der aus dem in-der-Sprache-Sein besteht und nicht in isolierten Verhaltenseinheiten.“ (Maturana/Varela)23

„Das Wort „Sprache“ bezeichnet primär die Fähigkeit zu sprechen, das gesprochene Wort bzw. die gesprochene Rede, und in verallgemeinerter Weise jedes konventionelle Symbolsystem, das zu Zwecken der Kommunikation verwendet wird.“ (Maturana)24

Sprachlicher Bereich:

Angeborenes Verhalten ist abhängig von den Strukturen, die im Verlauf der Entwicklung des Organismus unabhängig von seiner individuellen Ontogenese entstehen. Erworbenes kommunikatives Verhalten ist abhängig von der individuellen Ontogenese des Organismus und von seiner besonderen Geschichte von sozialen Interaktionen. … Solches erlerntes kommunikatives Verhalten nennen wir einen sprachlichen Bereich, da es die Grundlage der Sprache darstellt, mit dieser aber noch nicht identisch ist.“ (Maturana/Varela)25

Struktur:

„Unter der Struktur von etwas werden die Bestandteile und die Relationen verstanden, die in konkreter Weise eine bestimmte Einheit konstituieren und ihre Organisation verwirklichen.“ (Maturana/Varela)26

Strukturdeterminiertheit:

„Eine Interaktion kann eine Strukturveränderung nicht determinieren, da diese Veränderung von dem vorangegangenen Zustand der betroffenen Einheit determiniert ist und nicht durch die Struktur des perturbierenden Agens.“ (Maturana/Varela)27

„Zwei Systeme können vom Standardbeobachter … deshalb unterschieden werden, weil sie aufgrund von als identisch aufgefassten Einwirkungen unterschiedliche Zustände einnehmen und daher nicht-instruierbare Systeme sind. Die wissenschaftliche Methode gestattet uns lediglich die Bearbeitung von Systemen, deren Strukturveränderungen auf die Relationen und Interaktionen ihrer Bestandteile zurückgeführt werden können und die daher als strukturdeterminierte Systeme operieren. Strukturdeterminierte Systeme kennen keine instruktiven Interaktionen. Angesichts dieser Tatsache ist jede Beschreibung einer Interaktion als Instruktion (oder als Informationsübertragung) bestenfalls metaphorisch; sie gibt keinesfalls das tatsächliche Operieren der Systeme wieder, die Gegenstand wissenschaftlicher Beschreibung und Untersuchung sind. …

Aus epistemologischen Gründen sind wissenschaftliche Vorhersagen daher Berechnungen der Zustandsabfolgen von strukturdeterminierten Systemen.“ (Maturana)28

Strukturelle Koppelung:

„Da wir die autopoietische Einheit (z.B. den Menschen, Anm. d. Verf.) als mit einer besonderen Struktur ausgestettet beschreiben, erscheint es uns offenkundig, dass die Interaktionen zwischen Einheit und Milieu (z.B. die Umwelt, Mitmenschen, etc.; Anm.d.Verf.), solange sie rekursiv sind, für einander reziproke Perturbationen bilden. Bei diesen Interaktionen ist es so, dass die Struktur des Milieus in den autopoietischen Einheiten Strukturveränderungen nur auslöst, diese also weder determiniert noch instruiert (vorschreibt), was auch umgekehrt für das Milieu gilt. Das Ergebnis wird – solange sich Einheit und Milieu nicht aufgelöst haben – eine Geschichte wechselseitiger Strukturveränderungen sein, also das, was wir strukturelle Koppelung nennen.“ (Maturana/Varela)29

Strukturelle Koppelung erster, zweiter und dritter Ordnung:

„Im Kontext lebender Systeme unterscheidet Maturana zuweilen zwischen strukturellen Koppelungen erster, zweiter und dritter Ordnung. Die Einteilung bezieht sich auf die entsprechend klassifizierte Bildung lebender Einheiten. Einheiten 1. Ordnung (Zellen) entstehen durch eine entsprechende Verkoppelung (1. Ordnung) ihre Bestandteile im Prozess der Autopoiese. Metazeller (Pflanzen, Tiere) werden durch reziproke Koppelung (2. Ordnung) aus Einheiten 1. Ordnung gebildet. Soziale Phänomene gehen schließlich einher mit Koppelungen dritter Ordnung, die auf der Ko-Ontogenese der beteiligten Organismen (Einheiten 2. Ordnung) beruhen. Interaktionen zwischen menschlichen Individuen (Einheiten 2. Ordnung) sind damit als Koppelungen dritter Ordnung zu betrachten (soziale Systeme).“ (Böse/Schiepek, nach: Maturana)30

System

„Unter einem System wird eine Ganzheit [Einheit] verstanden, die aus einzelnen Elementen besteht, welche untereinander in einer wechselseitigen Beziehung stehen und sich gegenseitig beeinflussen.“ (Hobmair 2012, S. 397)

Systeme erster, zweiter und dritter Ordnung:

siehe: Strukturelle Koppelung erster, zweiter und dritter Ordnung

Systeme, soziale

siehe: soziale Systeme

Team:

Ein Team ist eine Sonderform eines Sozialen Systems. Es besteht aus mindestens zwei Menschen. Zwischen den Mitgliedern eines Teams ist die strukturelle Koppelung besonders stark. Seine Größe ist also durch die maximal mögliche Anzahl von starken strukturellen Koppelungen, welche ein Mensch „eingehen“ kann, beschränkt.

Verhalten, kommunikatives und angeborenes:

siehe: Sprachlicher Bereich

viabel/Viabilität:

viabel: gangbar, funktionierend, lebensfähig.31

„Viabilität“ ist die substantivierte Form von „viabel“.

Viabel ist eine „Eindeutschung“ des englischen Wortes viable, was etwa „lebensfähig“ bedeutet, von E. v. Glasersfeld. E. v. Glasersfeld übersetzt den Begriff „viabel“ teilweise mit „passend“. Dieser Begriff ist mir zu statisch, wohingegen „gangbar“ ein dynamischer Begriff ist, der sagt, dass man „auf dem Weg“ ist.

Fußnoten

1 Maturana/Varela 1987, S. 51

2 vgl. Maturana/Varela 1987, S. 55

3 Maturana 1987a, S. 290

4 Maturana 1985, S. 184/185

5 Maturana 1987b, S. 95

6 Maturana/Varela 1987, S. 46

7 Maturana/Varela 1987, S. 31

8 Maturana/Varela 1987, S. 35

9 Maturana/Varela 1987, S. 31

10 Maturana/Varela 1987, S. 189

11 Watzlawick u.a. 1990, S 50f

12 vgl. Watzlawick u.a. 1990, S 50 und Duden 1989, S. 367

13 Maturana 1985, S. 256

14 Maturana/Varela 1987, S. 85

15 Maturana/Varela 1987, S. 54

16 Maturana/Varela 1987, S. 84

17 Fritjof Capra (1988b) in einem Vortrag in der “Teleakademie” (1988 im Hospitalhof des ev. Bildungswerkes in Stuttgart gehalten). Eine Veröffentlichung (schriftlich oder visuell) ist mir nicht bekannt.

18 nach Glasersfeld 1992, S. 30/31. Vgl. auch: Glasersfeld 1987

19 Glasersfeld 1992, S. 30

20 vgl. Wilson 1992, S. 10/11

21 Strukturelle Koppelung erster bis dritter Ordnung: siehe Definition

22 Maturana/Varela 1987, S. 209

23 Maturana/Varela 1987, S.226

24 Maturana 1985, S. 258

25 Maturana/Varela 1987, S. 223. Hervorhebungen von mir, M.S.

26 Maturana/Varela 1987, S. 54

27 Maturana/Varela 1987, S. 111

28 Maturana 1985, S. 243, vgl. auch hierzu: Maturana/Varela 1987, S. 105 – 110.

29 Maturana/Varela 1987, S. 85

30 Böse/Schiepek 1989, S. 176

31(vgl. hierzu: Glasersfeld 1992, S. 30-33, Glasersfeld 1992b, S. 22-31, sowie Kösel 1993, S. 384.)

Literaturangaben

Altenthan, Sophia, Sylvia Betscher-Ott, Wilfried Gotthardt, Hermann Hobmair, Reiner Höhlein, Wilhelm Ott, und Rosmaria Pöll. Pädagogik, Psychologie für das berufliche Gymnasium in Baden-Württemberg. 1. Aufl. Köln: Bildungsverl. EINS.

Böse, Reimund/Schiepek, Günter (1989): Systemische Theorie und Therapie. Heidelberg (Asanger)

Foerster, Heinz von (1992): Entdecken oder Erfinden. In: Gumin, Heinz/Meier, Heinrich (Hg.): Einführung in den Konstruktivismus. München, Zürich (Piper), S. 41 – 88.

Foerster, Heinz von (1985): Das Konstruieren einer Wirklichkeit. in: Watzlawick, Paul (Hg.): Die erfundene Wirklichkeit. München (Piper), S. 294 – 319

Glasersfeld, Ernst von (1987): Siegener Gespräche über Radikalen Konstruktivismus. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 401 – 440.

Glasersfeld, Ernst von (1992): Aspekte des Konstruktivismus: Vico. Berkeley, Piaget. in: Rusch, Gebhard/Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Konstruktivismus: Geschichte und Anwendung. (DELFIN 1992) Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 20 – 33.

Glasersfeld, Ernst von (1992b): Konstruktion der Wirklichkeit und des Begriffs der Objektivität. In: Gumin, Heinz/Meier, Heinrich (Hg.): Einführung in den Konstruktivismus. München, Zürich (Piper), S. 9 – 40.

Hofstätter, P. R. (1972): Gruppendynamik. Kritik der Massenpsychologie. Hamburg (Rowolt)

Krohn, Wolfgang/Küppers, Günther/Paslack, Rainer (1987): Selbstorganisation – Zur Genese und Entwicklung einer wissenschaftlichen Revolution. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1987, S. 441 – 465.

Laudse (Lao Zi) (1978): Daudedsching (Dao de jing). Leipzig (dtv)

Lieb, Hans. 2014. Störungsspezifische Systemtherapie: Konzepte und Behandlung. 1. Aufl. Störungen systemisch behandeln. Heidelberg: Auer.

Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. 1.Aufl., Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1997, ISBN 3-518-58240-2

Luhmann, Niklas (2002): Das Erziehungssystem der Gesellschaft. 1.Aufl., Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2002, ISBN 3-518-29193-9

Maturana, Humberto (1985): Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit. Braunschweig, Wiesbaden (Vieweg), 2. durchges. Aufl.

Maturana, Humberto (1987a): Biologie der Sozialität. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 287 – 302.

Maturana, Humberto (1987b): Kognition. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 89 – 118.

Maturana, Humberto (1994): Was ist erkennen? München (Piper)

Maturana, Humberto/Varela, Francisco (1987): Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Bern, München (Goldmann)

„Rekursion“. 2019. In Wikipedia. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rekursion&oldid=184511491

Riegas, Volker/Vetter, Christian (1990): Gespräch mit Humberto R. Maturana. in: dies. (Hg.): Zur Biologie der Kognition: ein Gespräch mit Humberto R. Maturana und Beiträge zur Diskussion seines Werkes. Frankfurt/Main (Suhrkamp), S. 11 – 90

Roth, Gerhard (1987): Autopoiese und Kognition. Die Theorie H. R. Maturanas und die Notwendigkeit ihrer Weiterentwicklung. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 256 – 286.

Roth, Gerhard (1987b): Erkenntnis und Realität: Das reale Gehirn und seine Wirklichkeit. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 229 – 255

Roth, Gerhard (1992): Das konstruktive Gehirn.: Neurobiologische Grundlagen von Wahrnehmung und Erkenntnis. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Kognition und Gesellschaft. Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus 2. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 277 – 336.

Schmidt, Siegfried J. (1987): Der Radikale Konstruktivismus: Ein neues Paradigma im interdisziplinären Diskurs. in: ders. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 11 – 88.

Die Systemtheorie nach Humberto Maturana

Systeme

“Systeme sind von der Umwelt abgrenzbare, strukturierte Ganzheiten, deren Elemente in Wechselwirkungen miteinander stehen.” (Lieb 2014)

“Systemtheorien untersuchen den Aufbau von Systemen, ihre Dynamik und ihr Verhalten im Zeitablauf, wobei zunehmend dem Konzept der Selbstorganisation eine zentrale Rolle zukommt.
Es werden verschiedene Systemebenen unterschieden, die ihrerseits in Wechselwirkung miteinander stehen (z.B. Zellsystem, psychisches System, Familiensystem, Rechtssystem). […] In der Psychologie spielt systemisches Denken vor allem auf den Gebieten der Familienpsychologie und -therapie (Familie, Psychotherapie, Systemische Therapie), der Arbeits- und Organisationspsychologie und der Ökologischen Psychologie (Umweltpsychologie) eine wichtige Rolle.
Auf gesellschaftlicher Ebene ist insbesondere die Systemtheorie von Niklas Luhmann von Bedeutung. Verwandte Denkrichtungen sind der Radikale Konstruktivismus, die Kybernetik und die Chaostheorie.” (Lieb 2014)

Kognitive Systeme

Nach Humberto Maturana1 sind kognitive Systeme (z.B. das menschliche Gehirn) energetisch offen, aber semantisch/informell geschlossen. D.h.: Sie nehmen keine Informationen aus der Umwelt/dem Milieu auf, oder können willentlich bestimmte (determinierbare) Informationen an das Milieu abgeben. Das Milieu wirkt lediglich durch Perturbationen (Störungen) auf das kognitive System ein, aus welchen sich dieses eine viable (lebbare) Umwelt errechnet2. Gleichfalls kann auch das kognitive System seine Umwelt lediglich „stören“, jedoch nicht absichtsvoll auf eine bestimmte Art und Weise beeinflussen.

Hierzu Gerhard Roth:

„Dabei ist es für das kognitive System nicht immer möglich, zwischen internen und externen Perturbationen/Erregungen des Nervensystems zu unterscheiden.
Das Gehirn ist […] ein […] selbstreferentielles System. Seine neuralen Zustände sind zirkulär angeordnet, sie interagieren in unendlich rekursiver Weise miteinander. Es kann über die Sinnesorgane von Ereignissen der Umwelt beeinflusst werden, aber die Art und Weise dieser Beeinflussung wird von ihm selbst (durch seine funktionale Organisation) festgelegt. Zugleich ist das Gehirn ein semantisch selbstreferentielles oder ein selbstexplikatives System: Es weist seinen eigenen Zuständen Bedeutung zu, die nur aus ihm selbst genommen sind. So kann es nur nach inneren Kriterien entscheiden, ob die Erregungszustände, die es in sich erfährt, Ereignisse der äußeren Welt, des Körpers oder des psychischen-geistigen Bereichs sind und welche speziellen Bedeutungen diese Ereignisse haben.“ (Roth)3

Die bloße Annahme der Existenz einer Außenwelt/eines Milieus, ist eine Konstruktion unseres Gehirns (siehe: Konstruktivismus). Dieses erhält lediglich durch die Vermittlung der Sinne Signale aus der Umwelt, kann jedoch diese Signale nicht von internen Signalen unterscheiden, da es ja nur intern Signale „empfangen“ kann (da es selbst ja keine direkte Verbindung mit der Außenwelt hat).

Hierzu noch einmal Gerhard Roth:

„Befremdlich muss die Aussage klingen, dass das Gehirn … keinen direkten Kontakt mit der Welt hat; … Ebenso schwierig ist es zu verstehen oder auch emotional zu verstehen, dass alles, was wir wahrnehmen und was wir sind, ein Konstrukt unseres Gehirns ist und dass es keinerlei gesicherte Beziehung zwischen diesen Konstrukten und den Dingen und Ereignissen der bewusstseinsunabhängigen Welt gibt.“ (Roth)4

Struktur und Organisation

Um den Begriff der strukturellen Koppelung zu verstehen, ist es wichtig die Bedeutung der Begriffe „Struktur“ und „Organisation“ zu kennen. Sie werden von Maturana/Varela folgendermaßen definiert:

Struktur:

Unter der Struktur von etwas werden die Bestandteile und die Relationen verstanden, die in konkreter Weise eine bestimmte Einheit konstituieren und ihre Organisation verwirklichen.“ (Maturana/Varela)5

Organisation:

Unter Organisation sind die Relationen zu verstehen, die zwischen den Bestandteilen von etwas gegeben sein müssen, damit es als Mitglied einer bestimmten Klasse erkannt wird.“ (Maturana/Varela)6

Um die Begriffe Struktur und Organisation näher zu verdeutlichen, hier nun ein Text aus dem “Dao de jing”:

dreißig speichen umringen die nabe
wo nichts ist
liegt der nutzen des rades“
(LaoZi)7

Mantel, Felge, Speichen und Nabe, sowie die Materialien, aus welchen sie jeweils hergestellt sind, bilden die Struktur des Rades. Erst ihre Organisation (Anordnung, Verhältnis und Beziehung der einzelnen Teile zueinander) “macht” aus ihnen ein Rad. Dabei gehört zur Organisation auch, dass an bestimmten Stellen nichts ist. Auch “Nicht-Seiendes” ist Teil einer Organisation.

“Strukturveränderung” ohne Änderung der Organisation würde im Beispiel bedeuten, z.B. die Speichen aus Aluminium herzustellen, oder aus den dreißig einzelnen Speichen zusammen mit der Felge – wie es heutzutage bei fast allen Autorädern der Fall ist – eine einzige große Felge zu machen. Die Struktur des Rades hätte sich dann verändert, nicht jedoch die Organisation, welche das Rad zum Rad macht8.

(Es ist natürlich möglich, zwischen der Organisation z.B. eines Fahrradrades und der Organisation eines Autorades zu unterscheiden.)

Rekursivität:

Als Rekursion (lateinisch recurrere ‚zurücklaufen‘) bezeichnet man den abstrakten Vorgang, dass Regeln auf ein Produkt, das sie hervorgebracht haben, von neuem angewandt werden. Hierdurch entstehen potenziell unendliche Schleifen. Regeln bzw. Regelsysteme heißen rekursiv, wenn sie die Eigenschaft haben, Rekursion im Prinzip zuzulassen.“ (Wikipedia)9

Autopoietische Gebilde erhalten sich durch ständige Herstellung ihrer Komponenten durch sich selbst.

Autopoiese

Autopoiese:

griech.: autos = selbst; poiein = machen.“ (Maturana/Varela)10

Die Autopoiese ist der Mechanismus, der Lebewesen zu autonomen Systemen macht. Sie kennzeichnet Lebewesen als autonom.“ (Maturana/Varela)11

Autopoiese ist die Organisation, welche ein Lebewesen als Lebewesen definiert.“ (Maturana)12

Ein autopoietisches System (z.B. der Mensch) ist ein sich selbstständig hervorbringendes und erzeugendes System, d.h. es erzeugt

durch sein Operieren fortwährend seine eigene Organisation … , und zwar als ein System der Produktion seiner eigenen Bestandteile … .”(Maturana)13

Dabei zeigt sich der Einfluss der Umwelt als auf das autopoietische System einwirkende Perturbationen (Störungen), welche das autopoietische System verändern, jedoch können diese Veränderungen vom Handelnden nicht determiniert (bestimmt) werden, auf Grund der Strukturdeterminiertheit des perturbierten Systems.

Die Autopoiese ist die Organisationsform der Lebewesen, oder anders gesagt: jedes Lebewesen ist ein autopoietisches System.

Autopoiese und operationale Geschlossenheit

Systeme „machen sich selbst” (griechisch: auto = selbst; poiein = erzeugen, erschaffen) und sie reagieren auch nur auf sich selbst. Systeme können auch nicht aufhören, sich zu erschaffen und auf sich selbst zu reagieren, solange sie leben. Für sie gibt es nur Weiterleben oder Sterben. Solange sie leben, reproduzieren sie sich nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten.

Eine Ableitung daraus auf dem Gebiet der psychischen Störungen: Wenn eine Person sich selbst als depressiv beschreibt, folgt aus dieser Theorie, dass „die Depression” von der Psyche dieser Person selbst erzeugt wird und nicht von außen in sie hineingetragen werden kann. Die Frage ist dann, wie und mit welchen Operationen die Psyche das in Interaktion mit ihrer Umwelt tut. Diese Operationen sind dann qualitativ von gleicher Art wie die Operationen der Psyche aller anderen Menschen.

Die Operationen eines Systems schließen immer nur an eigene Operationen und nicht an die anderer Systeme an. Die Umwelt ist das, was sich das System als Umwelt konstruiert. Insofern reagiert ein System nicht auf die Umwelt, sondern darauf, wie es sich diese Umwelt erzeugt. Welche Ereignisse oder welche „Botschaften” von außen (z. B. von einer anderen Person) für ein System relevant sind, bestimmt es selbst dadurch, ob und wie es auf diese Umwelt reagiert.” (Lieb 2014)

Dynamisches Gleichgewicht von Systemen

Betrachten wir das zeitliche Verhalten von Systemen. Wenn sich im Laufe der Zeit nichts ändert, so spricht man von einem statischen bzw. stabilen System. Das Gegenteil ist eine ständige Veränderung im Laufe der Zeit. Dann spricht man von Dynamik bzw. vom dynamischen System. Wichtig ist dabei, dass beides (Stabilität/Dynamik) notwendige Gegenpole in funktionierenden Systemen sind. Nur das eine oder das andere ist das Ende jeden Systems. In der Mischung von beidem kann sich erst ein System entwickeln. Ohne Stabilität hat ein System schließlich keinen Bestand. Aber eben auch der Wandel ist ein notwendiges Merkmal aller Systeme, denn dazu führen nämlich die Beziehungen untereinander. In den Griff bekommt man diesen Wandel z. B. durch Steuer- und Regelmechanismen.

Da ein selbstorganisierendes, operational geschlossenes System sich ständig selbst erzeugen und wieder ins Gleichgewicht bringen muss, spricht man von einem dynamischen, also sich ständig veränderndem, aber dennoch im Gleichgewicht seienden System.

Ein solches System befindet sich dann im dynamischen Gleichgewicht, wenn die Häufigkeit der Reaktionen in beiden Richtungen gleich groß ist. Hin- und Rückreaktion heben sich in ihrer Auswirkung gegenseitig auf, da die Prozesse rekursiv und zirkulär sind. Das System ist dynamisch, da die Hinreaktion und die Rückreaktion ständig ablaufen.

Operationale Geschlossenheit

Die “operationale Geschlossenheit” besagt nicht, dass die Systeme in Isolation voneinander existieren. Im Gegenteil: Sie benötigen ihre Umwelt “wie der Fisch das Wasser” benötigt, wie die Kognition (Bewusstsein oder Psyche) die soziale Kommunikation benötigt, wie die Kommunikation auf die Psyche bzw. das kognitive System angewiesen ist. Die operationale Geschlossenheit lässt informationelle Störungen (Perturbationen) oder “strukturelle Kopplungen” zu. Das meint, dass es in der aufeinander bezogenen Interaktion autonomer Systeme zu Mustern der Interaktion kommen kann. Man kennt sich, weiß, wie man miteinander umzugehen hat, verwendet bestimmte Unterscheidungen, gefällt sich in Ritualen. “Strukturell” bedeutet, dass die jeweils eigenen “Betriebssysteme” Formen entwickeln, die den Kontakt mit anderen Betriebssystemen erwartbar werden lassen.

“Beschreibt man die Gesellschaft als System, so folgt aus der allgemeinen Theorie autopoietischer Systeme, dass es sich um ein operativ geschlossenes System handeln muss. Auf der Ebene der eigenen Operationen gibt es keinen Durchgriff in die Umwelt, und ebenso wenig können Umweltsysteme an den autopoietischen Prozessen eines operativ geschlossenen Systems mitwirken. […] Operative Geschlossenheit hat zur Konsequenz, dass das System auf Selbstorganisation angewiesen ist. […] Die eigenen Strukturen können nur durch eigene Operationen aufgebaut und geändert werden – also zum Beispiel Sprache nur durch Kommunikation und nicht unmittelbar durch Feuer, Erdbeben, Weltraumstrahlungen oder Wahrnehmungsleistungen des Einzelbewusstseins.”14 (Luhmann)

Operative Schließung ist gleichbedeutend mit autopoietischer Reproduktion, Systeme, die sich auf diesem Evolutionsniveau etablieren, können sich nur aus eigenen Produkten reproduzieren. Sie können keine Elemente, keine unverarbeiteten Partikel aus der Umwelt importieren.“ (Luhmann)15

Die eigenen Strukturen können nur durch eigene Operationen aufgebaut und geändert werden: Z.B. Sprache nur durch Kommunikation (Sprache).

Strukturdeterminiertheit

HumbertoMaturana:

Wäre der von einem System aufgrund einer Interaktion eingenommene Zustand durch die Eigenschaften der Entität bedingt, mit der das System interagiert, dann wäre die Interaktion eine „instruktive“ Interaktion. … Alle instruierbaren Systeme würden … aufgrund gleicher Einwirkung denselben Zustand einnehmen und notwendigerweise für den Standardbeobachter ununterscheidbar sein.
Zwei Systeme können vom Standardbeobachter nämlich deshalb unterschieden werden, weil sie aufgrund von als identisch aufgefassten Einwirkungen unterschiedliche Zustände einnehmen und daher nicht-instruierbare Systeme sind.“ (Maturana)16

Nach Humberto Maturana sind Menschen (autopoietische Systeme) strukturdeterminiert, nicht umweltdeterminiert. In der strukturellen Koppelung/Interation mit der Umwelt wird ein autopoietisches System lediglich perturbiert und „verarbeitet“ diese Perturbation auf Grund und nach Art und Weise seiner eigenen Struktur. Deshalb konstruiert jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit.

Strukturdeterminiertheit bedeutet nichts weiter, als dass etwas nicht einfach durch etwas anderes verändert werden kann, denn sonst existiert es nicht mehr. Nehmen wir einmal an, wir würden uns ständig verändern, je nachdem, was uns gerade beeinflusst, wären wir ein Spielball unserer Umwelt. Um wir selbst sein zu können, müssen wir uns gegen verschiedene Umwelteinflüsse behaupten und wir selbst bleiben.

Soziale Systeme

Strukturelle Koppelung

Der Begriff der strukturellen Koppelung wird von Humberto Maturana und Francisco Varela17 folgendermaßen definiert:

Strukturelle Koppelung :

„Da wir die autopoietische Einheit als mit einer besonderen Struktur ausgestattet beschreiben, erscheint es uns offenkundig, dass die Interaktionen zwischen Einheit und Milieu, solange sie rekursiv sind, für einander reziproke Perturbationen bilden. Bei diesen Interaktionen ist es so, dass die Struktur des Milieus in den autopoietischen Einheiten Strukturveränderungen nur auslöst, diese also weder determiniert noch instruiert (vorschreibt), was auch umgekehrt für das Milieu gilt. Das Ergebnis wird – solange sich Einheit und Milieu nicht aufgelöst haben – eine Geschichte wechselseitiger Strukturveränderungen sein, also das, was wir strukturelle Koppelung nennen.“ (Maturana/Varela) 18

Strukturelle Koppelung findet also immer statt, wenn z.B Mensch und Umwelt, oder zwei Menschen lange genug miteinander interagieren, um von einer „Geschichte wechselseitiger Strukturveränderungen“ sprechen zu können. Hierbei beeinflussen sie sich gegenseitig derart, dass sie gegenseitig Strukturveränderungen (durch Perturbationen) auslösen. Dabei können diese Strukturveränderungen weder vom beeinflussenden, noch vom beeinflussten System (Mensch, Umwelt) determiniert (bestimmt) werden19.

Bei diesem Theoriebaustein geht es um die Beschreibung von Interaktionen zwischen einem System und seiner Umwelt bzw. zwischen einem System und einem anderen: Z. B. zwischen Körper und Psyche, zwischen einer Einzelperson (Psyche + Körper) mit einem sozialen System oder auch zwischen einer Organisation und seiner Umwelt (z. B. Kunden).
Mit diesem Konzept wird theoretisch kombiniert, dass ein System gleichzeitig autonom und von seiner Umwelt/von anderen Systemen abhängig ist.
Was das einzelne System betrifft, gilt das Prinzip der ‘operationalen Geschlossenheit’. Diese besagt, dass jedes System aufgrund seiner Eigenstruktur selbst bestimmt, was es aus der Umwelt aufnimmt und wie es darauf reagiert. Auf dem Gebiet der Kommunikation: ‘Der Empfänger bestimmt die Botschaft.'” Strukturelle Koppelung bedeutet auch, “dass sich das … System auf Dauer auf… Ereignisse in seiner Umwelt… einstellt und seine eigene Struktur daran ausrichtet” (Hoegl 2012, S. 223).

Struktur und Organisation der Gruppe

Die Organisation der Gruppe ist das, was eine Gruppe zu einer Gruppe, zu einer Einheit und einem System 3. Ordnung macht. Die Organisation der Gruppe, das sind die “Relationen”, die zwischen den Gruppenmitgliedern gegeben sein müssen, um die Organisation “Gruppe” zu erzeugen. Diese “Relationen” werden durch rekursive Interaktionen gebildet und existieren innerhalb des sprachlichen Bereichs/der Sprache der Gruppe, also in den, bzw. durch die FInteraktionen20 zwischen den Mitgliedern der Gruppe.21

Stabile, andauernde Interaktionen werden auch „Strukturelle Koppelungen“ genannt.

“Strukturveränderung” der Gruppe bedeutet demnach z.B.:

Eintritt neuer oder Austritt alter Gruppenmitglieder, Änderungen in den Interaktionen zwischen den Mitgliedern (z.B. Änderungen der Sprache, Regeln oder der Häufigkeit der Interaktionen.). Aber auch Strukturänderungen der einzelnen Mitglieder (Menschen) bedeuten Strukturänderungen der Gruppe.

Soziale Systeme und Phänomene

… werden von Maturana/Varela folgendermaßen definiert:

Soziale Phänomene :

„Unter sozialen Phänomenen verstehen wir Phänomene, die mit dem Zustandekommen von Koppelungen dritter Ordnung einhergehen, und unter sozialen Systemen die Einheiten dritter Ordnung, die so entstehen. … (Die) soziale Phänomenologie beruht darauf, dass die beteiligten Organismen im wesentlichen ihre individuelle Ontogenesen als Teil eines Netzwerkes von Ko-Ontogenesen verwirklichen, das sie bei der Bildung von Einheiten dritter Ordnung hervorbringen.“ (Maturana/Varela)22

Da Soziale Systeme als Einheiten (Systeme) dritter Ordnung definiert sind, welche sich durch strukturelle Koppellungen dritter Ordnung bilden23, können wir bereits bei nur zwei beteiligten Menschen (Systemen) von einem Sozialen System sprechen.

Soziales System:

Ein Soziales System sind mindestens zwei Menschen mit einer dauerhaften strukturellen Koppelung, also mit einer Ko-Ontogenese.

Bereits zwei strukturell gekoppelte Menschen bilden ein soziales System
Abbildung 1: Bereits zwei strukturell gekoppelte Menschen bilden ein soziales System. (gezeichnet nach: Maturana/Varela)

Ein Soziales System lässt sich also bereits folgendermaßen, als strukturelle Koppellung von mindestens zwei autopoietischen Systemen/Menschen darstellen (wobei die Anzahl der beteiligten Systeme/Menschen soweit erweiterbar ist, wie es die oberen Definitionen zulassen.):

Die Gruppe – Begriffsbestimmung

Von Peter R. Hofstätter stammt folgende Definition:

Wo sich die Lebens- und Erlebens-Linien mehrerer Wesen miteinander mehr oder minder fest und dauerhaft verknoten, haben wir eine Gruppe vor uns.“ (Hofstätter)24

Versteht man unter „Lebens- und Erlebenslinien miteinander verknoten“ eine andere Beschreibung der strukturellen Koppelung, so erhält man eine systemische Definition für „Gruppe“:

Gruppe:

Die Gruppe ist ein soziales System. Wo sich mehrere Menschen (mindestens drei). mehr oder weniger stark und dauerhaft strukturell koppeln, haben wir eine Gruppe vor uns.

Drei miteinander strukturell gekoppelte Menschen bilden bereits eine Gruppe
Abbildung 2: Drei miteinander strukturell gekoppelte Menschen bilden bereits eine Gruppe. (gezeichnet und entworfen von mir, unter Zuhilfenahme von Symbolen von Maturana/Varela)

Als Schaubild lässt sich die Gruppe folgendermaßen (siehe Abbildung 2) darstellen, wobei die Anzahl der beteiligten Systeme/Menschen soweit erweiterbar ist, wie es die o.g. Definitionen zulässt:

Strukturelle Koppelung der Gruppenmitglieder bezieht sich in den oben genannten Definitionen jedoch nicht nur auf Lebens- und Erlebens-Linien, sondern auf den ganzen Menschen, mit all seinem Handeln, Denken, Fühlen, etc., sowie auf den „Körper“ des Menschen selbst. Der ganze Mensch ist Teil der Struktur der Gruppe. (Die Theorie der strukturellen Koppelung und die dieser zugrundeliegenden Systemtheorie sind also holistische/ganzheitliche Theorien.)

Die Gruppe als Einheit

Eine Gruppe muss, um als solche gelten zu können, auch als solche erkannt, d.h. von einer Nicht-Gruppe unterschieden werden können (Gruppenmitglieder und Nicht-Gruppen-Mitglieder müssen von einander unterschieden werden können). Die Gruppe muss also als Einheit erkannt werden können. Diese wird von Maturana/Varela folgendermaßen definiert:

Einheit:

„Eine Einheit (Entität, Wesen, Objekt) ist durch einen Akt der Unterscheidung definiert. Anders herum: immer dann, wenn wir in unseren Beschreibungen auf eine Einheit Bezug nehmen, implizieren wir eine Operation der Unterscheidung, die die Einheit definiert und möglich macht.“ (Maturana/Varela)25

Eine Gruppe (ein soziales System) ist als Einheit v.a. durch folgende Punkte erkennbar:

  • Emotionale Bindung an und emotionale Abhängigkeit von der Gruppe. Die Gruppe wird zu einer (weiteren) „Familie“, deren man sich zugehörig fühlt. Zusammenhalt, Freundschaft, Kameradschaftlichkeit gehören hierzu.
  • Gemeinsame Interessen.
  • Gemeinsames Ziel, gemeinsames zielgerichtetes Handeln.
  • Gemeinsame Sprache, d.h. die Gruppe lebt in der Gruppensprache26, welche so gestaltet sein muss, dass eine Verständigung möglich ist und neue Wörter und Begriffe sofort jedem bekannt werden (soweit sie für die Gruppe wichtig sind).
  • Gruppenspezifische Handlungsabläufe und Zeitstrukturierung, z.B.:
  • „Ritual“ des Zusammentreffens (Begrüßens) und des Auseinandergehens (Verabschiedung) strukturiert z.B. bestimmte Handlungen, Sätze (Sprache), Zeiteinteilung, usw..
  • „Ablaufsrituale“ (Strukturierung des Beisammenseins in der Zeit und im Tun)
  • Benimmregeln (z.B. mitmenschlicher Umgang, TZI-Regeln, etc.)
  • Autoritäteneinteilung (Wer ist für was zuständig? Wer kennt sich wo aus?)
  • Selbstverständnis als Gruppe (“Wir sind eine Gruppe, weil ….”, “Wir gehören zusammen, weil ….”).

Schwellensituationen in Systemen / Systemübergänge

Mit der Metapher der Schwelle werden im sozialen Leben Systemübergänge bezeichnet. Der bisherige „Way of live” kann nicht in alter Form fortgesetzt werden. Man kann das auch als Krisenzeit ansehen, die ein System zu Veränderungen herausfordert.(Lieb 2014)

Es gibt typische Varianten von systeminternen Schwellensituationen:
Bei einem Paar die Ankunft des ersten Kindes, bei Familien der Austritt des erwachsenen Kindes aus dem familiären Zusammenleben oder ein Mitglied hat sich verändert und steigt aus einer alten Rolle aus (z. B. aus der Krankenrolle oder aus der, bei Konflikten immer nachzugeben). In Organisationen wären Beispiele von Schwellensituationen die Fusion zweier Abteilungen, die Veränderung der Produktpalette, die Veränderung der Rechtsform eines Unternehmens oder das Ausscheiden tragender Figuren.

Varianten externer Veränderungen, auf die ein System reagieren muss, sind entweder erwartete („Normalkrisen”) oder unerwartete („Traumakrisen”). Schwellensituationen oder Phasenübergänge erfordern auf vielen Ebenen Anpassungsprozesse – im Denken, in Interaktionen, auf der Ebene der sozialen Regeln und oft auf der strukturellen Ebene.” (Lieb 2014)

Fußnoten

1 vgl. Maturana/Varela 1987, S. 133 – 151, sowie Maturana 1985, S. 32- 80 und S. 297 – 318. darauf aufbauend vgl. auch v.a. Roth 1987b, sowie Roth 1992

2 vgl. Foerster 1985

3 Roth 1987b, S. 241. Hervorhebungen im Original.

4 Roth 1992, S. 319

5 Maturana/Varela 1987, S. 54

6 Maturana/Varela 1987, S. 54

7 Laudse (Lao Zi) 1978, Kapitel 11

8 Ein weiteres, sehr anschauliches Beispiel über die Struktur und Organisation eines Spülkastens findet sich bei Maturana/Varela 1987, S. 54 und auf S. 49 über Struktur und Organisation eines Stuhles.

9 „Rekursion“ 2019

10 Maturana/Varela 1987, S. 51

11 Maturana/Varela 1987, S. 51

12 Maturana 1987a, S. 290

13 Maturana 1985, S. 185

14 Luhmann, Niklas (1997), S.92

15 Luhmann, Niklas (2002), S.22f

16 Maturana 1985, S. 243, vgl. auch hierzu: Maturana/Varela 1987, S. 105 – 110.

17 Maturana/Varela 1987

18 Maturana/Varela 1987, S. 85

19 vgl. Kapitel „Strukturdeterminiertheit “, Seite 29

20 vgl. hierzu die Definition der Strukturellen Koppelung.

21 vgl. dazu auch: Böse/Schiepek 1989, S. 176

22 Maturana/Varela 1987, S. 209, Hervorhebungen von mir, M. S..

23 so bei Maturana/Varela 1987, S. 196ff

24 Hofstätter 1972, S. 192

25 Maturana/Varela 1987, S. 46

Literaturangaben

Altenthan, Sophia, Sylvia Betscher-Ott, Wilfried Gotthardt, Hermann Hobmair, Reiner Höhlein, Wilhelm Ott, und Rosmaria Pöll. Pädagogik, Psychologie für das berufliche Gymnasium in Baden-Württemberg. 1. Aufl. Köln: Bildungsverl. EINS.

Böse, Reimund/Schiepek, Günter (1989): Systemische Theorie und Therapie. Heidelberg (Asanger)

Foerster, Heinz von (1992): Entdecken oder Erfinden. In: Gumin, Heinz/Meier, Heinrich (Hg.): Einführung in den Konstruktivismus. München, Zürich (Piper), S. 41 – 88.

Foerster, Heinz von (1985): Das Konstruieren einer Wirklichkeit. in: Watzlawick, Paul (Hg.): Die erfundene Wirklichkeit. München (Piper), S. 294 – 319

Glasersfeld, Ernst von (1987): Siegener Gespräche über Radikalen Konstruktivismus. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 401 – 440.

Glasersfeld, Ernst von (1992): Aspekte des Konstruktivismus: Vico. Berkeley, Piaget. in: Rusch, Gebhard/Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Konstruktivismus: Geschichte und Anwendung. (DELFIN 1992) Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 20 – 33.

Glasersfeld, Ernst von (1992b): Konstruktion der Wirklichkeit und des Begriffs der Objektivität. In: Gumin, Heinz/Meier, Heinrich (Hg.): Einführung in den Konstruktivismus. München, Zürich (Piper), S. 9 – 40.

Hofstätter, P. R. (1972): Gruppendynamik. Kritik der Massenpsychologie. Hamburg (Rowolt)

Krohn, Wolfgang/Küppers, Günther/Paslack, Rainer (1987): Selbstorganisation – Zur Genese und Entwicklung einer wissenschaftlichen Revolution. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1987, S. 441 – 465.

Laudse (Lao Zi) (1978): Daudedsching (Dao de jing). Leipzig (dtv)

Lieb, Hans. 2014. Störungsspezifische Systemtherapie: Konzepte und Behandlung. 1. Aufl. Störungen systemisch behandeln. Heidelberg: Auer.

Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. 1.Aufl., Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1997, ISBN 3-518-58240-2

Luhmann, Niklas (2002): Das Erziehungssystem der Gesellschaft. 1.Aufl., Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2002, ISBN 3-518-29193-9

Maturana, Humberto (1985): Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit. Braunschweig, Wiesbaden (Vieweg), 2. durchges. Aufl.

Maturana, Humberto (1987a): Biologie der Sozialität. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 287 – 302.

Maturana, Humberto (1987b): Kognition. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 89 – 118.

Maturana, Humberto (1994): Was ist erkennen? München (Piper)

Maturana, Humberto/Varela, Francisco (1987): Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Bern, München (Goldmann)

„Rekursion“. 2019. In Wikipedia. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rekursion&oldid=184511491

Riegas, Volker/Vetter, Christian (1990): Gespräch mit Humberto R. Maturana. in: dies. (Hg.): Zur Biologie der Kognition: ein Gespräch mit Humberto R. Maturana und Beiträge zur Diskussion seines Werkes. Frankfurt/Main (Suhrkamp), S. 11 – 90

Roth, Gerhard (1987): Autopoiese und Kognition. Die Theorie H. R. Maturanas und die Notwendigkeit ihrer Weiterentwicklung. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 256 – 286.

Roth, Gerhard (1987b): Erkenntnis und Realität: Das reale Gehirn und seine Wirklichkeit. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 229 – 255

Roth, Gerhard (1992): Das konstruktive Gehirn.: Neurobiologische Grundlagen von Wahrnehmung und Erkenntnis. in: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Kognition und Gesellschaft. Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus 2. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 277 – 336.

Schmidt, Siegfried J. (1987): Der Radikale Konstruktivismus: Ein neues Paradigma im interdisziplinären Diskurs. in: ders. (Hg.): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Frankfurt/M. (Suhrkamp), S. 11 – 88.

Noch mehr Begriffe und Erklärungen zur Systemtheorie:

Fritjof Capra: Was heißt Tiefenökologie? Teilnehmendes Erkennen als neues Paradigma

Den vorliegenden Text schrieb ich 1988. Ich entdeckte ihn heute beim Äufräumen und war erstaunt, wie aktuell er immer noch ist. Vor über 30 Jahren sprach Fritjof Capra davon, dass sich unser Weltbild ändern müsste, damit wir nicht unsere Umwelt weiter zerstören.

Es hat sich nicht geändert, wir werden sie weiter zerstören. Darin sind wir unschlagbar – in der Zerstörung und der Ignoranz.

Doch nun meine Zusammenfassung des Vortrages von Fritjof Capra, 1988 in Stuttgart:

I. Ausgangspunkt:

Die dringendsten Probleme unserer Zeit sind globale Probleme, die miteinander verknüpft sind und von einander abhängen.

Diese sind:

  • Drohung eines Atomkriegs
  • Zerstörung der Umwelt
  • Armut und Hunger der dritten Welt

Alle diese (und alle anderen) Probleme sind Facetten ein und derselben Krise: einer Krise der Wahrnehmung; eines überholten Weltbildes.

=> Alles Alte muss angezweifelt werden.

II. Wandel

In vielen Wissenschaften wird bereits an einem neuen Weltbild gearbeitet. Der sich abzeichnende Wandel beinhaltet vor allem zwei Aspekte:

  • Wandel der Denkvorgänge: vom mechanistisch zersplitterten Denken zum ganzheitlich vernetzten Denken.
  • Wandel der Werte:
    • – Vom übertriebenen Wettbewerb zu größerer Kooperation
    • – von Quantität zu Qualität
    • – von Expansion zu Bewahrung
    • – von Beherrschung zu Partnerschaft
    • => Von der Selbstbehauptung zur Integration.

Es ist zwar beides lebensnotwendig, jedoch nur vernünftig in einem angemessenem Maße.

=> neues Denken ist ganzheitlich, tiefenökologisch.

III. Was ist Tiefenökologie?

 

seichte Ökologie

tiefe Ökologie

Weltbild

-anthropozentrisch

-Welt als Netzwerk von Phänomenen, welche miteinander verknüpft und voneinander abhängig sind

.

Mensch

-steht über oder außerhalb der Natur

-als besondere Faser im lebendigen Gewebe

.

Natur

-nur Nutzwert, also nur wertvoll, wenn jie dem Menschen nützt

-tiefe Ökologie erkennt den inneren Wert allen Lebens, aller Existenz, Natur als ein Netzwerk, ein Gewebe.

Spirituell

-Trennung von Geist und Materie.

Seelenlose Natur.

=> nicht spirituell

-Mensch fühlt sich mit dem Kosmos verbunden.

=>spirituelles, religiöses Bewußtsein.

Neue Sicht der Wirklichkeit, seht mit vielen spirituellen Sichten im Einklang. (z.B. mit fernöstlich, taoistischer Sicht; Spiritualität eines Franz von Assissi; oder mit der nordamerikanisch-indianischen Tradition).

IV. Wissenschaft und Ethik

Die alte Ethik ist nicht mehr zeitgemäß

Der alte ethische Rahmen ist nicht mehr fähig mit den ethischen Problemen unserer Zeit fertig zu werden. Z.B. mit Physikern, die Kernwaffen entwickeln, mit Chemikern, die die Umwelt vergiften, mit Biologen, die ohne völlige Kenntnis der Folgen, Mikroorganismen freisetzen oder mit Psychologen, die im Namen der Wissenschaft Tiere quälen, etc.

=> MASSIVER ANGRIFF AUF DAS LEBEN

Mit der bisherigen Ethik kann man mit den neuen Problemen nicht fertig werden, da sie

  1. anthropozentrisch ist und den Mensch als Ursprung aller Werte betrachtet und der restlichen Natur lediglich einen Nutzwert zuschreibt.
  2. die Wissenschaft als wertfrei betrachtet.

Seit Descartes, Galilei und Bacon glauben wir, dass wissenschaftliche Fakten unabhängig vom menschlichen Bewusstsein und unabhängig vom menschlichen Wertvorstellungen sind. Diese Wertvorstellungen gelangen jedoch schon dadurch in die Wissenschaft, dass die Wissenschaftler nur Projekte durchführen können, die auch finanziert werden, d.h. die irgendwelchen wirtschaftlichen Interessen dienen.

Von einer neuen Ethik

HEUTE wissen wir, dass wissenschaftliche Fakten aus einer ganzen Konstellation von menschlichen Begriffen, Wahrnehmungen, Werten und Handlungen erwachsen, die von einer Gemeinschaft (z.B. der, der Wissenschaftler) geteilt werden. D.h. wissenschaftliche Fakten erwachsen aus dem ihm zugrunde liegenden Paradigma.

Das neue ganzheitliche Denken braucht eine neue ökologische Ethik, die auch den nicht-menschlichen Leben (innere) Werte zuerkennt, was unsere bisherige Ethik nicht tut (und deshalb ungeeignet ist).

Das heißt nicht, dass eine christliche Ethik grundsätzlich ungeeignet ist. Es ist wohl eher so, dass wir unser christliches Wissen aus der “Kindheit” haben. Wir sind “erwachsen” geworden und unsere religiösen Ansichten sind nicht mitgewachsen.

Warum sind nicht-menschliche Lebewesen als solche wertvoll?

Der Mensch ist Mitglied einer lebenden Gemeinschaft (einer biosphärischen Gemeinschaft), die durch ein Netzwerk von wechselseitigen Beziehungen verknüpft ist. Die Zuneigungen und Sympathien, die wir in einer menschlichen Gemeinschaft (Familie, Freundeskreis, etc.) für einander hegen, werden mit diesem Weltbild auf die gesamte Lebensgemeinschaft ausgedehnt. Sie bleiben keine zwischenmenschliche Angelegenheit.

Die Biosphäre selbst (=Gaia) wird Gegenstand der Zuneigung.

In der tiefenökologischen Ethik gilt:

ICH UND NATUR SIND EINS.

Deshalb handle ich immer in meinem Interesse, wenn ich im Interesse der Natur handle.

V. Wissenschaftliche Formulierung des ökologisch-ganzheitlichen Denkens.

Die Theorie lebender Systeme

Die Theorie lebender Systeme (mit ihrem Ursprung in der Kybernetik der 40er Jahre) bildet den idealen Rahmen für ein neues tiefen-ökologisches Denken:

  1. Lebende Systeme sind integrierte Ganzheiten, deren Eigenschaften sich nicht auf die kleineren Teile zurückführen lässt.
  2. Alle natürlichen Systeme sind Ganzheiten, deren spezifische Strukturen sich aus den wechselseitigen Beziehungen und Abhängigkeiten ihrer Teile ergeben.
  3. Natürliche/lebende Systeme sind wiederum Teile natürlicher/lebender Systeme (z.B. Mensch als Teil eines Sozial-Systems; Erde als Teil des Kosmos oder bei einem Biotop sind alle Teile, z.B. Wasser, Pflanzen, Tiere, Erde, etc. Systeme und auch Teil eines Ökosystems).
  4. Zerlegt man ein System in von einander, isolierte Teile, so zerstört man es (das Ganze ist mehr, als die Summe seiner Teile; siehe auch a) ).

Prinzip der Selbstorganisation

Jedes lebende System organisiert sich selbst. Seine Ordnung wird ihm nicht von der (“äußeren”) Natur vorgeschrieben.

=>Selbstorganisierte Systeme haben eine gewisse Autonomie ihrer Umwelt gegenüber, jedoch sind sie auch mit ihrer Umwelt in ständiger Wechselwirkung (die keinen Einfluss auf die innere Ordnung hat).

Eine neue Theorie des Erkennens:

  1. Der Erkenntnisprozess ist ein wesentlicher Teil der Selbstorganisation
    => Gleichsetzung des Erkenntnisprozesses mit dem Prozess des Lebens selbst (-> Bateson, Maturana/ Varela)
    => Erkennen ist ständiges Hervorbringen einer Welt durch den Lebensprozess selbst
    => teilnehmendes Erkennen.
  2. Der geistige Aspekt des Lebens ist der Prozess, der materielle ist die Struktur. Das heißt also, es verhält sich Geist zu Materie wie Prozess zu Struktur: Geist und Materie sind demzufolge komplementäre Aspekte des Lebens, d.h. sie bedingen sich gegenseitig (kein Prozess ohne Struktur und umgekehrt).

    => hier haben wir erstmals eine wissenschaftliche Theorie, welche Körper, Geist und Materie als eine Einheit betrachtet.

  3. Das Selbstbewusstsein hängt eng mit der Sprache zusammen (Maturana/Valera1)
    Sprache: ist Koordination von Verhalten zweier Lebewesen durch fortlaufende Wechselwirkung, nicht so sehr zur Übertragung von Informationen und Beschreibung einer unabhängig existierenden Welt, sondern vielmehr zur Koordinierung von Verhalten.

    = > “Die Welt,, die wir sehen, ist nicht die Welt schlechthin, sondern eine Welt, die wir mit anderen hervorbringen.” (Maturana u. Valera, 1987)
    Das Selbstbewusstsein steht also über die Sprache mit dem ganzen lebenden System in Bezug. D.h.: menschliches Bewusstsein ist immer ein soziales Phänomen.

VI Das Neue Denken führt zu einem neuen Menschenbild.

ALTES MENSCHENBILD:

Geist und Materie sind getrennt. Der Mensch identifiziert sich nicht mit seinem ganzen Organismus. Er sagt: “ich habe einen Körper “, ich habe eine Seele”, nicht: “ich bin ein Körper, Geist und Seele”, er glaubt ein entkörpertes Selbst zu haben.

NEUES MENSCHENBILD

  1. Geist und Körper sind nicht getrennt, sie sind komplementär.
    Der Mensch ist Körper (Geist).
    => jede körperliche Erkrankung ist auch geistig und seelisch bedingt und umgekehrt.
  2. Mensch als selbstorganisiertes Ganzes (→ humanistische Psychologie)
    Was wir aus Selbsterfahrungsgruppen lernen können:
    Unsere Menschlichkeit erwächst aus den Beziehungen zu anderen Menschen und wird umso tiefer und reicher, je tiefer und reicher diese Beziehungen sind.

  3. Auch die Erfahrung unseres Selbst können wir nur mit anderen hervorbringen.
  4. => wir erfahren unser Selbst in unserer Verbundenheit mit dem Kosmos. Unsere Menschlichkeit ist unsere Verbundenheit mit anderen Menschen und anderen Lebewesen.
  5. => Unser wahres Wesen liegt in der Beziehung zu anderen. Dies ist auch auf verschiedene Phänomene der “toten” Materie anwendbar (und erfahrbar):
  6. Das Wesen eines Teils leitet sich von seinen Verknüpfungen mit anderen Teilen her.

Bibliografische Angaben

Dieser Vortrag wurde von Fritjof Capra 1988 im Hospitalhof des ev. Bildungswerkes in Stuttgart gehalten. Der vorliegende Text ist ein Mitschrieb, eine Zusammenfassung, von mir, Christina Schieferdecker.

Zu Fritjof Capra

Fritjof Capra ist Kernphysiker. Er arbeitet in Berkeley/Kalifornien.

Mehr zu ihm findet man auf seiner eigenen Website.

Capras Definition eines PARADIGMAs:

Eine Konstellation von Begriffen, Wahrnehmungen, Werten und Handlungen, welche von einer Gemeinschaft geteilt wird und zu einer gewissen Weitsicht führt, die die Grundlage für eine soziale Ordnung dieser Gemeinschaft bildet.

=> Ein einzelner Mensch kann kein Paradigma vertreten!

Anmerkungen

1 Hier bezieht sich Capra auf: Humberto R Maturana und Francisco J Varela, Der Baum der Erkenntnis: die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens (Bern; München u.a.: Scherz, 1987).

Der Radikale Konstruktivismus

Warum „radikal“?

Der Begriff „Radikaler Konstruktivismus“ stammt von Ernst von Glasersfeld. Dieser nennt den vom ihm vertretenen Konstruktivismus „radikal“, …

  1. um ihn von anderen Konstruktivismen, wie dem russischen Konstruktivismus in der Kunst („Plastik“ und „Malerei“) und Literatur oder dem (deutschen) Erlanger Konstruktivismus zu unterscheiden;
  2. weil er wirklich radikal ist und alle Wahrnehmung meinerseits als meine Konstruktion bezeichnet.

Die Wirklichkeitskonstruktion des Konstruktivismus

Der Konstruktivismus behauptet in seiner Kernaussage, wie er u.a. von P. Watzlawick, E.v. Glasersfeld, H.v. Foerster vertreten wird, dass die Wirklichkeit, die wir zu entdecken und zu erforschen glauben, unsere eigene Konstruktion ist, ohne dass wir uns des Aktes der Erfindung bewusst sind.

E.v. Glasersfeld entwickelt in seinem Aufsatz “Einführung in den Konstruktivismus” eine These, die unsere bisherigen Denkgewohnheiten radikal in Frage stellt, nämlich

“… dass wir von der Wirklichkeit immer und bestenfalls nur wissen, was sie nicht ist.”1

Der Konstruktivismus steht mit seinen Einsichten im radikalen Gegensatz zum bisherigen traditionellen Denken, wonach etwas als wahr ist, “wenn es mit einer als absolut unabhängig konzipierten, objektiven Wirklichkeit übereinstimmt.”2

Das erkenntnistheoretische Problem besteht jedoch darin, wie wir wissen können, ob das Bild, das unsere Sinne uns von der Wirklichkeit vermitteln, der objektiven Wirklichkeit entspricht.

V. Glasersfeld bringt das anschauliche Beispiel eines Apfels, den wir glatt, duftend, süß … etc. wahrnehmen. Doch wie können wir wissen, ob der Apfel diese Eigenschaften wirklich besitzt? Diese Frage sei unbeantwortbar, so meint v. Glasersfeld, da wir unsere Wahrnehmungen von dem Apfel lediglich mit anderen Wahrnehmungen, aber niemals mit dem Apfel selbst vergleichen können, so wie er wäre, bevor wir ihn wahrnehmen. Die Vorstellung einer objektiven Realitätserkenntnis ist damit in Frage gestellt.

Doch wie kommt es dazu, dass wir in einer stabilen und verlässlichen Welt leben, an der wir uns ausrichten und orientieren, die unser Wissen und Handeln bestätigt, obwohl wir irgendwelche wahrgenommenen Eigenschaften der objektiven Welt nicht mit Sicherheit vorschreiben können?

Die Antwort des Konstruktivismus macht die Frage sinnlos.

“Wenn …. die Welt, die wir erleben und erkennen, notwendigerweise von uns selbst konstruiert wird, dann ist es kaum erstaunlich, dass sie uns relativ stabil erscheint.”3

Die Welt, die wir konstruieren, ist eine Welt des Erlebens, die aus Erlebtem besteht und keinen Anspruch auf Wahrheit im Sinne einer Übereinstimmung mit der Wirklichkeit an sich erhebt.

“Die Erkenntnislehre wird so zu einer Untersuchung der Art und Weise, wie der Intellekt operiert, um aus dem Fluss des Erlebens eine einigermaßen dauerhafte, regelmäßige Welt zu konstruieren.”4

V. Glasersfeld führt weiter aus, dass jegliches Bewusstsein, nur auf Grund eines Vergleichs, durch ein in Beziehung setzen von Erlebtem, Wiederholung, Konstanz und Regelmäßigkeit erkennen, mit anderen Worten, eine verlässliche und stabile Wirklichkeit erleben kann, wobei schon vor dem eigentlichen Vergleich entschieden werden muss,

  • was als existierende Einheit und
  • was als Beziehung zwischen Gegenständen betrachtet wird.

 Auf diese Weise schafft sich der Mensch “Struktur im Fluss des Erlebens”5.

“Diese Struktur ist, was der bewusste kognitive Organismus als Wirklichkeit erlebt – und weil sie (bisher) fast ausschließlich unwillkürlich geschaffen wurde und wird, erscheint sie als Gegebenheit einer unabhängigen selbständig existierenden Welt”6

“Die wirkliche Welt erschließt sich uns nur da, wo unsere Konstruktionen scheitern.”7

Dieses Modell der Erkenntnis in kognitiven Lebewesen, die sich auf Grund ihres eigenen Erlebens eine mehr oder weniger verlässliche Welt bauen, hat ethische Konsequenzen.

Konstruktivistisches Denken führt dazu,

  • uns Menschen selbst für unser Denken und Tun verantwortlich zu machen,
  • für die Wirklichkeit,

die wir selbst schaffen und die wir in eigener Verantwortung und in Zusammenhang verändern können.

Dies gibt uns einen Schlüssel in die Hand, uns selbst nicht mehr als hilflose Opfer von schicksalshaften Ereignissen zu sehen, sondern als handelnde, kreative und lebendige Menschen zu erleben.

Zur Konstruktion von Wirklichkeit und Sprache

Jeder Mensch konstruiert seine eigene Wirklichkeit, jedoch nur im Rahmen einer im gesellschaftlichen Diskurs (im Austausch mit anderen) hergestellten möglichen Wirklichkeit.

Eine dieser Wirklichkeiten ist das Reich der Sprache. Ich kann nur im Reich der Sprache denken und mich anderen Menschen mitteilen. Wenn ich denke, so bin ich im „Diskurs“ mit mir selbst.

Meine Wirklichkeitskonstruktion enthält Elemente, welche sprachlich nicht ausdrückbar sind. Z.B.: Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich an meinem Schreibtisch und schaue ab und zu von der Arbeit auf, in Richtung Fenster. Die Sonne scheint herein und erzeugt am „weißen“ Vorhang mannigfaltige Farbnuancen der Farbe „weiß“, für welche ich keine Wörter oder passende Umschreibungen kenne, so dass ich Ihnen meine Wahrnehmung/Erfahrung nicht beschreiben kann, jedoch kann ich davon erzählen oder darüber nachdenken.

Kernthesen des Radikalen Konstruktivismus

(nach E. v. Glasersfeld. 1992, S.30/318)

  • Menschliches Wissen ist eine menschliche Konstruktion. Es gibt keine Wahrnehmung (Beobachtung), die nicht abhängig von einem Wahrnehmenden (Beobachter) ist. Es gibt also nur Fakten (= „Gemachtes“).
  • Der Radikale Konstruktivismus leugnet keineswegs eine äußere Realität. Er befaßt sich jedoch nur mit dem kognitiven Aspekt und nicht mit dem, was „in der Tat“ oder „tatsächlich“ vorhanden ist.
  • Es ist nicht vernünftig, etwas die Existenz zu bescheinigen, was nicht (irgendwann einmal) wahrgenommen werden kann (könnte). Damit schließt sich der Radikale Konstruktivismus George Berkeleys Aussage: „esse est percipi“ [„Sein ist wahrgenommen werden!“9] an.
  • Es gibt keine objektive Realität, oder Wahrheit, welche als solche erkannt werden könnte. Wissen kann nur viabel sein – d.h. in die Erlebnis- und Erfahrungswelt des Wissenden passen und darin „funktionieren“- nicht jedoch wahr sein.
    „Was wir „Wissen“ nennen repräsentiert keineswegs eine Welt, die jenseits unseres Erfahrungskontaktes mit ihr existiert. … [„Wissen“ bezieht sich] auf die Art und Weise, wie wir unsere Erfahrungswelt organisieren.“(Glasersfeld10)
  • Kein Wissen kann Einzigartigkeit beanspruchen.
    „So viabel eine Problemlösung auch sein mag, sie darf nie als die einzig mögliche betrachtet werden.“ (Glasersfeld11)
  • Eine Theorie sollte immer auf sich selbst angewendet werden, d.h.: auch der Radikale Konstruktivismus kann nur eine mögliche/viable Antwort auf das Problem des Erkennens sein.

Wichtige Ahnen des Radikalen Konstruktivismus sind nach Ernst von Glasersfeld: Giambattista Vico, George Berkeley, Jean Piaget, Immanuel Kant.

viabel/Viabilität:

viabel: gangbar, funktionierend, lebensfähig.

„Viabilität“ ist die substantivierte Form von „viabel“.

Viabel ist eine „Eindeutschung“ des englischen Wortes viable, was etwa „lebensfähig“ bedeutet, von E. v. Glasersfeld. E. v. Glasersfeld, übersetzt den Begriff „viabel“ teilweise mit „passend“. Dieser Begriff ist mir zu statisch, wohingegen „gangbar“ ein dynamischer Begriff ist, der sagt, dass man „auf dem Weg“ ist.

Anmerkungen

1Ernst v. Glasersfeld, „Einführung in den Konstruktivismus“, in Die erfundene Wirklichkeit, hg. von Paul Watzlawick, 4. Aufl. (München: Piper, 1986), 14.

2v. Glasersfeld, 18.

3v. Glasersfeld, 28.

4v. Glasersfeld, 30.

5v. Glasersfeld, 31 ff.

6v. Glasersfeld, 36.

7v. Glasersfeld, 37.

8Ernst v. Glasersfeld, „Aspekte des Konstruktivismus: Vico. Berkeley, Piaget.“, in Konstruktivismus: Geschichte und Anwendung, hg. von Gebhard Rusch und Siegfried Schmiedt (Frankfurt/M: Suhrkamp, 1992), 20–32.

9Siehe auch: „Das Sein der Dinge besteht in ihrer Wahrnehmbarkeit.“ „Esse est percipi“, zugegriffen 8. September 2019, https://www.spektrum.de/lexikon/philosophie/esse-est-percipi/631.

10v. Glasersfeld, „Aspekte des Konstruktivismus: Vico. Berkeley, Piaget.“, 30.

11v. Glasersfeld, 31.

Quellenangaben

Literatur

„Esse est percipi“. Zugegriffen 8. September 2019. https://www.spektrum.de/lexikon/philosophie/esse-est-percipi/631.

Glaserfeld, Ernst v. „Einführung in den Konstruktivismus“. In Die erfundene Wirklichkeit, herausgegeben von Paul Watzlawick, 4. Aufl., 13–37. München: Piper, 1986.

Glasersfeld, Ernst v. „Aspekte des Konstruktivismus: Vico. Berkeley, Piaget.“ In Konstruktivismus: Geschichte und Anwendung, herausgegeben von Gebhard Rusch und Siegfried Schmiedt, 20–32. Frankfurt/M: Suhrkamp, 1992.

Bilder

© Christina Schieferdecker, unter Verwendung eines Apfelbildes von pixabay

On the Duty of Civil Disobedience

by Henry David Thoreau (die deutsche Übersetzung finden Sie hier)

[1849, original title: Resistance to Civil Government]

I heartily accept the motto, “That government is best which governs least”; and I should like to see it acted up to more rapidly and systematically. Carried out, it finally amounts to this, which also I believe—”That government is best which governs not at all”; and when men are prepared for it, that will be the kind of government which they will have. Government is at best but an expedient; but most governments are usually, and all governments are sometimes, inexpedient. The objections which have been brought against a standing army, and they are many and weighty, and deserve to prevail, may also at last be brought against a standing government. The standing army is only an arm of the standing government. The government itself, which is only the mode which the people have chosen to execute their will, is equally liable to be abused and perverted before the people can act through it. Witness the present Mexican war, the work of comparatively a few individuals using the standing government as their tool; for in the outset, the people would not have consented to this measure.

This American government—what is it but a tradition, though a recent one, endeavoring to transmit itself unimpaired to posterity, but each instant losing some of its integrity? It has not the vitality and force of a single living man; for a single man can bend it to his will. It is a sort of wooden gun to the people themselves. But it is not the less necessary for this; for the people must have some complicated machinery or other, and hear its din, to satisfy that idea of government which they have. Governments show thus how successfully men can be imposed upon, even impose on themselves, for their own advantage. It is excellent, we must all allow. Yet this government never of itself furthered any enterprise, but by the alacrity with which it got out of its way. It does not keep the country free. It does not settle the West. It does not educate. The character inherent in the American people has done all that has been accomplished; and it would have done somewhat more, if the government had not sometimes got in its way. For government is an expedient, by which men would fain succeed in letting one another alone; and, as has been said, when it is most expedient, the governed are most let alone by it. Trade and commerce, if they were not made of india-rubber, would never manage to bounce over obstacles which legislators are continually putting in their way; and if one were to judge these men wholly by the effects of their actions and not partly by their intentions, they would deserve to be classed and punished with those mischievous persons who put obstructions on the railroads.

But, to speak practically and as a citizen, unlike those who call themselves no-government men, I ask for, not at once no government, but at once a better government. Let every man make known what kind of government would command his respect, and that will be one step toward obtaining it.

After all, the practical reason why, when the power is once in the hands of the people, a majority are permitted, and for a long period continue, to rule is not because they are most likely to be in the right, nor because this seems fairest to the minority, but because they are physically the strongest. But a government in which the majority rule in all cases can not be based on justice, even as far as men understand it. Can there not be a government in which the majorities do not virtually decide right and wrong, but conscience?—in which majorities decide only those questions to which the rule of expediency is applicable? Must the citizen ever for a moment, or in the least degree, resign his conscience to the legislator? Why has every man a conscience then? I think that we should be men first, and subjects afterward. It is not desirable to cultivate a respect for the law, so much as for the right. The only obligation which I have a right to assume is to do at any time what I think right. It is truly enough said that a corporation has no conscience; but a corporation of conscientious men is a corporation with a conscience. Law never made men a whit more just; and, by means of their respect for it, even the well-disposed are daily made the agents on injustice. A common and natural result of an undue respect for the law is, that you may see a file of soldiers, colonel, captain, corporal, privates, powder-monkeys, and all, marching in admirable order over hill and dale to the wars, against their wills, ay, against their common sense and consciences, which makes it very steep marching indeed, and produces a palpitation of the heart. They have no doubt that it is a damnable business in which they are concerned; they are all peaceably inclined. Now, what are they? Men at all? or small movable forts and magazines, at the service of some unscrupulous man in power? Visit the Navy Yard, and behold a marine, such a man as an American government can make, or such as it can make a man with its black arts—a mere shadow and reminiscence of humanity, a man laid out alive and standing, and already, as one may say, buried under arms with funeral accompaniment, though it may be,

“Not a drum was heard, not a funeral note,
As his corse to the rampart we hurried;
Not a soldier discharged his farewell shot
O’er the grave where our hero was buried.”

The mass of men serve the state thus, not as men mainly, but as machines, with their bodies. They are the standing army, and the militia, jailers, constables, posse comitatus, etc. In most cases there is no free exercise whatever of the judgment or of the moral sense; but they put themselves on a level with wood and earth and stones; and wooden men can perhaps be manufactured that will serve the purpose as well. Such command no more respect than men of straw or a lump of dirt. They have the same sort of worth only as horses and dogs. Yet such as these even are commonly esteemed good citizens. Others—as most legislators, politicians, lawyers, ministers, and office-holders—serve the state chiefly with their heads; and, as they rarely make any moral distinctions, they are as likely to serve the devil, without intending it, as God. A very few—as heroes, patriots, martyrs, reformers in the great sense, and men—serve the state with their consciences also, and so necessarily resist it for the most part; and they are commonly treated as enemies by it. A wise man will only be useful as a man, and will not submit to be “clay,” and “stop a hole to keep the wind away,” but leave that office to his dust at least:

“I am too high born to be propertied,
To be a second at control,
Or useful serving-man and instrument
To any sovereign state throughout the world.”

He who gives himself entirely to his fellow men appears to them useless and selfish; but he who gives himself partially to them is pronounced a benefactor and philanthropist.

How does it become a man to behave toward the American government today? I answer, that he cannot without disgrace be associated with it. I cannot for an instant recognize that political organization as my government which is the slave’s government also.

All men recognize the right of revolution; that is, the right to refuse allegiance to, and to resist, the government, when its tyranny or its inefficiency are great and unendurable. But almost all say that such is not the case now. But such was the case, they think, in the Revolution of ’75. If one were to tell me that this was a bad government because it taxed certain foreign commodities brought to its ports, it is most probable that I should not make an ado about it, for I can do without them. All machines have their friction; and possibly this does enough good to counter-balance the evil. At any rate, it is a great evil to make a stir about it. But when the friction comes to have its machine, and oppression and robbery are organized, I say, let us not have such a machine any longer. In other words, when a sixth of the population of a nation which has undertaken to be the refuge of liberty are slaves, and a whole country is unjustly overrun and conquered by a foreign army, and subjected to military law, I think that it is not too soon for honest men to rebel and revolutionize. What makes this duty the more urgent is that fact that the country so overrun is not our own, but ours is the invading army.

Paley, a common authority with many on moral questions, in his chapter on the “Duty of Submission to Civil Government,” resolves all civil obligation into expediency; and he proceeds to say that “so long as the interest of the whole society requires it, that is, so long as the established government cannot be resisted or changed without public inconvenience, it is the will of God . . . that the established government be obeyed—and no longer. This principle being admitted, the justice of every particular case of resistance is reduced to a computation of the quantity of the danger and grievance on the one side, and of the probability and expense of redressing it on the other.” Of this, he says, every man shall judge for himself. But Paley appears never to have contemplated those cases to which the rule of expediency does not apply, in which a people, as well as an individual, must do justice, cost what it may. If I have unjustly wrested a plank from a drowning man, I must restore it to him though I drown myself. This, according to Paley, would be inconvenient. But he that would save his life, in such a case, shall lose it. This people must cease to hold slaves, and to make war on Mexico, though it cost them their existence as a people.

In their practice, nations agree with Paley; but does anyone think that Massachusetts does exactly what is right at the present crisis?

“A drab of stat,
a cloth-o’-silver slut,
To have her train borne up,
and her soul trail in the dirt.”

Practically speaking, the opponents to a reform in Massachusetts are not a hundred thousand politicians at the South, but a hundred thousand merchants and farmers here, who are more interested in commerce and agriculture than they are in humanity, and are not prepared to do justice to the slave and to Mexico, cost what it may. I quarrel not with far-off foes, but with those who, near at home, co-operate with, and do the bidding of, those far away, and without whom the latter would be harmless. We are accustomed to say, that the mass of men are unprepared; but improvement is slow, because the few are not as materially wiser or better than the many. It is not so important that many should be good as you, as that there be some absolute goodness somewhere; for that will leaven the whole lump. There are thousands who are in opinion opposed to slavery and to the war, who yet in effect do nothing to put an end to them; who, esteeming themselves children of Washington and Franklin, sit down with their hands in their pockets, and say that they know not what to do, and do nothing; who even postpone the question of freedom to the question of free trade, and quietly read the prices-current along with the latest advices from Mexico, after dinner, and, it may be, fall asleep over them both. What is the price-current of an honest man and patriot today? They hesitate, and they regret, and sometimes they petition; but they do nothing in earnest and with effect. They will wait, well disposed, for other to remedy the evil, that they may no longer have it to regret. At most, they give up only a cheap vote, and a feeble countenance and Godspeed, to the right, as it goes by them. There are nine hundred and ninety-nine patrons of virtue to one virtuous man. But it is easier to deal with the real possessor of a thing than with the temporary guardian of it.

All voting is a sort of gaming, like checkers or backgammon, with a slight moral tinge to it, a playing with right and wrong, with moral questions; and betting naturally accompanies it. The character of the voters is not staked. I cast my vote, perchance, as I think right; but I am not vitally concerned that that right should prevail. I am willing to leave it to the majority. Its obligation, therefore, never exceeds that of expediency. Even voting for the right is doing nothing for it. It is only expressing to men feebly your desire that it should prevail. A wise man will not leave the right to the mercy of chance, nor wish it to prevail through the power of the majority. There is but little virtue in the action of masses of men. When the majority shall at length vote for the abolition of slavery, it will be because they are indifferent to slavery, or because there is but little slavery left to be abolished by their vote. They will then be the only slaves. Only his vote can hasten the abolition of slavery who asserts his own freedom by his vote.

I hear of a convention to be held at Baltimore, or elsewhere, for the selection of a candidate for the Presidency, made up chiefly of editors, and men who are politicians by profession; but I think, what is it to any independent, intelligent, and respectable man what decision they may come to? Shall we not have the advantage of this wisdom and honesty, nevertheless? Can we not count upon some independent votes? Are there not many individuals in the country who do not attend conventions? But no: I find that the respectable man, so called, has immediately drifted from his position, and despairs of his country, when his country has more reasons to despair of him. He forthwith adopts one of the candidates thus selected as the only available one, thus proving that he is himself available for any purposes of the demagogue. His vote is of no more worth than that of any unprincipled foreigner or hireling native, who may have been bought. O for a man who is a man, and, as my neighbor says, has a bone in his back which you cannot pass your hand through! Our statistics are at fault: the population has been returned too large. How many men are there to a square thousand miles in the country? Hardly one. Does not America offer any inducement for men to settle here? The American has dwindled into an Odd Fellow—one who may be known by the development of his organ of gregariousness, and a manifest lack of intellect and cheerful self-reliance; whose first and chief concern, on coming into the world, is to see that the almshouses are in good repair; and, before yet he has lawfully donned the virile garb, to collect a fund to the support of the widows and orphans that may be; who, in short, ventures to live only by the aid of the Mutual Insurance company, which has promised to bury him decently.

It is not a man’s duty, as a matter of course, to devote himself to the eradication of any, even to most enormous wrong; he may still properly have other concerns to engage him; but it is his duty, at least, to wash his hands of it, and, if he gives it no thought longer, not to give it practically his support. If I devote myself to other pursuits and contemplations, I must first see, at least, that I do not pursue them sitting upon another man’s shoulders. I must get off him first, that he may pursue his contemplations too. See what gross inconsistency is tolerated. I have heard some of my townsmen say, “I should like to have them order me out to help put down an insurrection of the slaves, or to march to Mexico—see if I would go”; and yet these very men have each, directly by their allegiance, and so indirectly, at least, by their money, furnished a substitute. The soldier is applauded who refuses to serve in an unjust war by those who do not refuse to sustain the unjust government which makes the war; is applauded by those whose own act and authority he disregards and sets at naught; as if the state were penitent to that degree that it hired one to scourge it while it sinned, but not to that degree that it left off sinning for a moment. Thus, under the name of Order and Civil Government, we are all made at last to pay homage to and support our own meanness. After the first blush of sin comes its indifference; and from immoral it becomes, as it were, unmoral, and not quite unnecessary to that life which we have made.

The broadest and most prevalent error requires the most disinterested virtue to sustain it. The slight reproach to which the virtue of patriotism is commonly liable, the noble are most likely to incur. Those who, while they disapprove of the character and measures of a government, yield to it their allegiance and support are undoubtedly its most conscientious supporters, and so frequently the most serious obstacles to reform. Some are petitioning the State to dissolve the Union, to disregard the requisitions of the President. Why do they not dissolve it themselves—the union between themselves and the State—and refuse to pay their quota into its treasury? Do not they stand in same relation to the State that the State does to the Union? And have not the same reasons prevented the State from resisting the Union which have prevented them from resisting the State?

How can a man be satisfied to entertain an opinion merely, and enjoy it? Is there any enjoyment in it, if his opinion is that he is aggrieved? If you are cheated out of a single dollar by your neighbor, you do not rest satisfied with knowing you are cheated, or with saying that you are cheated, or even with petitioning him to pay you your due; but you take effectual steps at once to obtain the full amount, and see to it that you are never cheated again. Action from principle, the perception and the performance of right, changes things and relations; it is essentially revolutionary, and does not consist wholly with anything which was. It not only divided States and churches, it divides families; ay, it divides the individual, separating the diabolical in him from the divine.

Unjust laws exist: shall we be content to obey them, or shall we endeavor to amend them, and obey them until we have succeeded, or shall we transgress them at once? Men, generally, under such a government as this, think that they ought to wait until they have persuaded the majority to alter them. They think that, if they should resist, the remedy would be worse than the evil. But it is the fault of the government itself that the remedy is worse than the evil. It makes it worse. Why is it not more apt to anticipate and provide for reform? Why does it not cherish its wise minority? Why does it cry and resist before it is hurt? Why does it not encourage its citizens to put out its faults, and do better than it would have them? Why does it always crucify Christ and excommunicate Copernicus and Luther, and pronounce Washington and Franklin rebels?

One would think, that a deliberate and practical denial of its authority was the only offense never contemplated by its government; else, why has it not assigned its definite, its suitable and proportionate, penalty? If a man who has no property refuses but once to earn nine shillings for the State, he is put in prison for a period unlimited by any law that I know, and determined only by the discretion of those who put him there; but if he should steal ninety times nine shillings from the State, he is soon permitted to go at large again.

If the injustice is part of the necessary friction of the machine of government, let it go, let it go: perchance it will wear smooth—certainly the machine will wear out. If the injustice has a spring, or a pulley, or a rope, or a crank, exclusively for itself, then perhaps you may consider whether the remedy will not be worse than the evil; but if it is of such a nature that it requires you to be the agent of injustice to another, then I say, break the law. Let your life be a counter-friction to stop the machine. What I have to do is to see, at any rate, that I do not lend myself to the wrong which I condemn.

As for adopting the ways of the State has provided for remedying the evil, I know not of such ways. They take too much time, and a man’s life will be gone. I have other affairs to attend to. I came into this world, not chiefly to make this a good place to live in, but to live in it, be it good or bad. A man has not everything to do, but something; and because he cannot do everything, it is not necessary that he should be doing something wrong. It is not my business to be petitioning the Governor or the Legislature any more than it is theirs to petition me; and if they should not hear my petition, what should I do then? But in this case the State has provided no way: its very Constitution is the evil. This may seem to be harsh and stubborn and unconcilliatory; but it is to treat with the utmost kindness and consideration the only spirit that can appreciate or deserves it. So is all change for the better, like birth and death, which convulse the body.

I do not hesitate to say, that those who call themselves Abolitionists should at once effectually withdraw their support, both in person and property, from the government of Massachusetts, and not wait till they constitute a majority of one, before they suffer the right to prevail through them. I think that it is enough if they have God on their side, without waiting for that other one. Moreover, any man more right than his neighbors constitutes a majority of one already.

I meet this American government, or its representative, the State government, directly, and face to face, once a year—no more—in the person of its tax-gatherer; this is the only mode in which a man situated as I am necessarily meets it; and it then says distinctly, Recognize me; and the simplest, the most effectual, and, in the present posture of affairs, the indispensablest mode of treating with it on this head, of expressing your little satisfaction with and love for it, is to deny it then. My civil neighbor, the tax-gatherer, is the very man I have to deal with—for it is, after all, with men and not with parchment that I quarrel—and he has voluntarily chosen to be an agent of the government. How shall he ever know well that he is and does as an officer of the government, or as a man, until he is obliged to consider whether he will treat me, his neighbor, for whom he has respect, as a neighbor and well-disposed man, or as a maniac and disturber of the peace, and see if he can get over this obstruction to his neighborlines without a ruder and more impetuous thought or speech corresponding with his action. I know this well, that if one thousand, if one hundred, if ten men whom I could name—if ten honest men only—ay, if one HONEST man, in this State of Massachusetts, ceasing to hold slaves, were actually to withdraw from this co-partnership, and be locked up in the county jail therefor, it would be the abolition of slavery in America. For it matters not how small the beginning may seem to be: what is once well done is done forever. But we love better to talk about it: that we say is our mission. Reform keeps many scores of newspapers in its service, but not one man. If my esteemed neighbor, the State’s ambassador, who will devote his days to the settlement of the question of human rights in the Council Chamber, instead of being threatened with the prisons of Carolina, were to sit down the prisoner of Massachusetts, that State which is so anxious to foist the sin of slavery upon her sister—though at present she can discover only an act of inhospitality to be the ground of a quarrel with her—the Legislature would not wholly waive the subject of the following winter.

Under a government which imprisons unjustly, the true place for a just man is also a prison. The proper place today, the only place which Massachusetts has provided for her freer and less despondent spirits, is in her prisons, to be put out and locked out of the State by her own act, as they have already put themselves out by their principles. It is there that the fugitive slave, and the Mexican prisoner on parole, and the Indian come to plead the wrongs of his race should find them; on that separate but more free and honorable ground, where the State places those who are not with her, but against her—the only house in a slave State in which a free man can abide with honor. If any think that their influence would be lost there, and their voices no longer afflict the ear of the State, that they would not be as an enemy within its walls, they do not know by how much truth is stronger than error, nor how much more eloquently and effectively he can combat injustice who has experienced a little in his own person. Cast your whole vote, not a strip of paper merely, but your whole influence. A minority is powerless while it conforms to the majority; it is not even a minority then; but it is irresistible when it clogs by its whole weight. If the alternative is to keep all just men in prison, or give up war and slavery, the State will not hesitate which to choose. If a thousand men were not to pay their tax bills this year, that would not be a violent and bloody measure, as it would be to pay them, and enable the State to commit violence and shed innocent blood. This is, in fact, the definition of a peaceable revolution, if any such is possible. If the tax-gatherer, or any other public officer, asks me, as one has done, “But what shall I do?” my answer is, “If you really wish to do anything, resign your office.” When the subject has refused allegiance, and the officer has resigned from office, then the revolution is accomplished. But even suppose blood should flow. Is there not a sort of blood shed when the conscience is wounded? Through this wound a man’s real manhood and immortality flow out, and he bleeds to an everlasting death. I see this blood flowing now.

I have contemplated the imprisonment of the offender, rather than the seizure of his goods—though both will serve the same purpose—because they who assert the purest right, and consequently are most dangerous to a corrupt State, commonly have not spent much time in accumulating property. To such the State renders comparatively small service, and a slight tax is wont to appear exorbitant, particularly if they are obliged to earn it by special labor with their hands. If there were one who lived wholly without the use of money, the State itself would hesitate to demand it of him. But the rich man—not to make any invidious comparison—is always sold to the institution which makes him rich. Absolutely speaking, the more money, the less virtue; for money comes between a man and his objects, and obtains them for him; it was certainly no great virtue to obtain it. It puts to rest many questions which he would otherwise be taxed to answer; while the only new question which it puts is the hard but superfluous one, how to spend it. Thus his moral ground is taken from under his feet. The opportunities of living are diminished in proportion as that are called the “means” are increased. The best thing a man can do for his culture when he is rich is to endeavor to carry out those schemes which he entertained when he was poor. Christ answered the Herodians according to their condition. “Show me the tribute-money,” said he—and one took a penny out of his pocket—if you use money which has the image of Caesar on it, and which he has made current and valuable, that is, if you are men of the State, and gladly enjoy the advantages of Caesar’s government, then pay him back some of his own when he demands it. “Render therefore to Caesar that which is Caesar’s and to God those things which are God’s”—leaving them no wiser than before as to which was which; for they did not wish to know.

When I converse with the freest of my neighbors, I perceive that, whatever they may say about the magnitude and seriousness of the question, and their regard for the public tranquility, the long and the short of the matter is, that they cannot spare the protection of the existing government, and they dread the consequences to their property and families of disobedience to it. For my own part, I should not like to think that I ever rely on the protection of the State. But, if I deny the authority of the State when it presents its tax bill, it will soon take and waste all my property, and so harass me and my children without end. This is hard. This makes it impossible for a man to live honestly, and at the same time comfortably, in outward respects. It will not be worth the while to accumulate property; that would be sure to go again. You must hire or squat somewhere, and raise but a small crop, and eat that soon. You must live within yourself, and depend upon yourself always tucked up and ready for a start, and not have many affairs. A man may grow rich in Turkey even, if he will be in all respects a good subject of the Turkish government. Confucius said: “If a state is governed by the principles of reason, poverty and misery are subjects of shame; if a state is not governed by the principles of reason, riches and honors are subjects of shame.” No: until I want the protection of Massachusetts to be extended to me in some distant Southern port, where my liberty is endangered, or until I am bent solely on building up an estate at home by peaceful enterprise, I can afford to refuse allegiance to Massachusetts, and her right to my property and life. It costs me less in every sense to incur the penalty of disobedience to the State than it would to obey. I should feel as if I were worth less in that case.

Some years ago, the State met me in behalf of the Church, and commanded me to pay a certain sum toward the support of a clergyman whose preaching my father attended, but never I myself. “Pay,” it said, “or be locked up in the jail.” I declined to pay. But, unfortunately, another man saw fit to pay it. I did not see why the schoolmaster should be taxed to support the priest, and not the priest the schoolmaster; for I was not the State’s schoolmaster, but I supported myself by voluntary subscription. I did not see why the lyceum should not present its tax bill, and have the State to back its demand, as well as the Church. However, at the request of the selectmen, I condescended to make some such statement as this in writing: “Know all men by these presents, that I, Henry Thoreau, do not wish to be regarded as a member of any incorporated society which I have not joined.” This I gave to the town clerk; and he has it. The State, having thus learned that I did not wish to be regarded as a member of that church, has never made a like demand on me since; though it said that it must adhere to its original presumption that time. If I had known how to name them, I should then have signed off in detail from all the societies which I never signed on to; but I did not know where to find such a complete list.

I have paid no poll tax for six years. I was put into a jail once on this account, for one night; and, as I stood considering the walls of solid stone, two or three feet thick, the door of wood and iron, a foot thick, and the iron grating which strained the light, I could not help being struck with the foolishness of that institution which treated me as if I were mere flesh and blood and bones, to be locked up. I wondered that it should have concluded at length that this was the best use it could put me to, and had never thought to avail itself of my services in some way. I saw that, if there was a wall of stone between me and my townsmen, there was a still more difficult one to climb or break through before they could get to be as free as I was. I did nor for a moment feel confined, and the walls seemed a great waste of stone and mortar. I felt as if I alone of all my townsmen had paid my tax. They plainly did not know how to treat me, but behaved like persons who are underbred. In every threat and in every compliment there was a blunder; for they thought that my chief desire was to stand the other side of that stone wall. I could not but smile to see how industriously they locked the door on my meditations, which followed them out again without let or hindrance, and they were really all that was dangerous. As they could not reach me, they had resolved to punish my body; just as boys, if they cannot come at some person against whom they have a spite, will abuse his dog. I saw that the State was half-witted, that it was timid as a lone woman with her silver spoons, and that it did not know its friends from its foes, and I lost all my remaining respect for it, and pitied it.

Thus the state never intentionally confronts a man’s sense, intellectual or moral, but only his body, his senses. It is not armed with superior wit or honesty, but with superior physical strength. I was not born to be forced. I will breathe after my own fashion. Let us see who is the strongest. What force has a multitude? They only can force me who obey a higher law than I. They force me to become like themselves. I do not hear of men being forced to live this way or that by masses of men. What sort of life were that to live? When I meet a government which says to me, “Your money or your life,” why should I be in haste to give it my money? It may be in a great strait, and not know what to do: I cannot help that. It must help itself; do as I do. It is not worth the while to snivel about it. I am not responsible for the successful working of the machinery of society. I am not the son of the engineer. I perceive that, when an acorn and a chestnut fall side by side, the one does not remain inert to make way for the other, but both obey their own laws, and spring and grow and flourish as best they can, till one, perchance, overshadows and destroys the other. If a plant cannot live according to nature, it dies; and so a man.

The night in prison was novel and interesting enough. The prisoners in their shirtsleeves were enjoying a chat and the evening air in the doorway, when I entered. But the jailer said, “Come, boys, it is time to lock up”; and so they dispersed, and I heard the sound of their steps returning into the hollow apartments. My room-mate was introduced to me by the jailer as “a first-rate fellow and clever man.” When the door was locked, he showed me where to hang my hat, and how he managed matters there. The rooms were whitewashed once a month; and this one, at least, was the whitest, most simply furnished, and probably neatest apartment in town. He naturally wanted to know where I came from, and what brought me there; and, when I had told him, I asked him in my turn how he came there, presuming him to be an honest man, of course; and as the world goes, I believe he was. “Why,” said he, “they accuse me of burning a barn; but I never did it.” As near as I could discover, he had probably gone to bed in a barn when drunk, and smoked his pipe there; and so a barn was burnt. He had the reputation of being a clever man, had been there some three months waiting for his trial to come on, and would have to wait as much longer; but he was quite domesticated and contented, since he got his board for nothing, and thought that he was well treated.

He occupied one window, and I the other; and I saw that if one stayed there long, his principal business would be to look out the window. I had soon read all the tracts that were left there, and examined where former prisoners had broken out, and where a grate had been sawed off, and heard the history of the various occupants of that room; for I found that even there there was a history and a gossip which never circulated beyond the walls of the jail. Probably this is the only house in the town where verses are composed, which are afterward printed in a circular form, but not published. I was shown quite a long list of young men who had been detected in an attempt to escape, who avenged themselves by singing them.

I pumped my fellow-prisoner as dry as I could, for fear I should never see him again; but at length he showed me which was my bed, and left me to blow out the lamp.

It was like traveling into a far country, such as I had never expected to behold, to lie there for one night. It seemed to me that I never had heard the town clock strike before, not the evening sounds of the village; for we slept with the windows open, which were inside the grating. It was to see my native village in the light of the Middle Ages, and our Concord was turned into a Rhine stream, and visions of knights and castles passed before me. They were the voices of old burghers that I heard in the streets. I was an involuntary spectator and auditor of whatever was done and said in the kitchen of the adjacent village inn—a wholly new and rare experience to me. It was a closer view of my native town. I was fairly inside of it. I never had seen its institutions before. This is one of its peculiar institutions; for it is a shire town. I began to comprehend what its inhabitants were about.

In the morning, our breakfasts were put through the hole in the door, in small oblong-square tin pans, made to fit, and holding a pint of chocolate, with brown bread, and an iron spoon. When they called for the vessels again, I was green enough to return what bread I had left, but my comrade seized it, and said that I should lay that up for lunch or dinner. Soon after he was let out to work at haying in a neighboring field, whither he went every day, and would not be back till noon; so he bade me good day, saying that he doubted if he should see me again.

When I came out of prison—for some one interfered, and paid that tax—I did not perceive that great changes had taken place on the common, such as he observed who went in a youth and emerged a gray-headed man; and yet a change had come to my eyes come over the scene—the town, and State, and country, greater than any that mere time could effect. I saw yet more distinctly the State in which I lived. I saw to what extent the people among whom I lived could be trusted as good neighbors and friends; that their friendship was for summer weather only; that they did not greatly propose to do right; that they were a distinct race from me by their prejudices and superstitions, as the Chinamen and Malays are; that in their sacrifices to humanity they ran no risks, not even to their property; that after all they were not so noble but they treated the thief as he had treated them, and hoped, by a certain outward observance and a few prayers, and by walking in a particular straight though useless path from time to time, to save their souls. This may be to judge my neighbors harshly; for I believe that many of them are not aware that they have such an institution as the jail in their village.

It was formerly the custom in our village, when a poor debtor came out of jail, for his acquaintances to salute him, looking through their fingers, which were crossed to represent the jail window, “How do ye do?” My neighbors did not thus salute me, but first looked at me, and then at one another, as if I had returned from a long journey. I was put into jail as I was going to the shoemaker’s to get a shoe which was mended. When I was let out the next morning, I proceeded to finish my errand, and, having put on my mended shoe, joined a huckleberry party, who were impatient to put themselves under my conduct; and in half an hour—for the horse was soon tackled—was in the midst of a huckleberry field, on one of our highest hills, two miles off, and then the State was nowhere to be seen.

This is the whole history of “My Prisons.”

I have never declined paying the highway tax, because I am as desirous of being a good neighbor as I am of being a bad subject; and as for supporting schools, I am doing my part to educate my fellow countrymen now. It is for no particular item in the tax bill that I refuse to pay it. I simply wish to refuse allegiance to the State, to withdraw and stand aloof from it effectually. I do not care to trace the course of my dollar, if I could, till it buys a man or a musket to shoot one with—the dollar is innocent—but I am concerned to trace the effects of my allegiance. In fact, I quietly declare war with the State, after my fashion, though I will still make use and get what advantages of her I can, as is usual in such cases.

If others pay the tax which is demanded of me, from a sympathy with the State, they do but what they have already done in their own case, or rather they abet injustice to a greater extent than the State requires. If they pay the tax from a mistaken interest in the individual taxed, to save his property, or prevent his going to jail, it is because they have not considered wisely how far they let their private feelings interfere with the public good.

This, then, is my position at present. But one cannot be too much on his guard in such a case, lest his actions be biased by obstinacy or an undue regard for the opinions of men. Let him see that he does only what belongs to himself and to the hour.

I think sometimes, Why, this people mean well, they are only ignorant; they would do better if they knew how: why give your neighbors this pain to treat you as they are not inclined to? But I think again, This is no reason why I should do as they do, or permit others to suffer much greater pain of a different kind. Again, I sometimes say to myself, When many millions of men, without heat, without ill will, without personal feelings of any kind, demand of you a few shillings only, without the possibility, such is their constitution, of retracting or altering their present demand, and without the possibility, on your side, of appeal to any other millions, why expose yourself to this overwhelming brute force? You do not resist cold and hunger, the winds and the waves, thus obstinately; you quietly submit to a thousand similar necessities. You do not put your head into the fire. But just in proportion as I regard this as not wholly a brute force, but partly a human force, and consider that I have relations to those millions as to so many millions of men, and not of mere brute or inanimate things, I see that appeal is possible, first and instantaneously, from them to the Maker of them, and, secondly, from them to themselves. But if I put my head deliberately into the fire, there is no appeal to fire or to the Maker of fire, and I have only myself to blame. If I could convince myself that I have any right to be satisfied with men as they are, and to treat them accordingly, and not according, in some respects, to my requisitions and expectations of what they and I ought to be, then, like a good Mussulman and fatalist, I should endeavor to be satisfied with things as they are, and say it is the will of God. And, above all, there is this difference between resisting this and a purely brute or natural force, that I can resist this with some effect; but I cannot expect, like Orpheus, to change the nature of the rocks and trees and beasts.

I do not wish to quarrel with any man or nation. I do not wish to split hairs, to make fine distinctions, or set myself up as better than my neighbors. I seek rather, I may say, even an excuse for conforming to the laws of the land. I am but too ready to conform to them. Indeed, I have reason to suspect myself on this head; and each year, as the tax-gatherer comes round, I find myself disposed to review the acts and position of the general and State governments, and the spirit of the people to discover a pretext for conformity.

“We must affect our country as our parents,
And if at any time we alienate
Out love or industry from doing it honor,
We must respect effects and teach the soul
Matter of conscience and religion,
And not desire of rule or benefit.”

I believe that the State will soon be able to take all my work of this sort out of my hands, and then I shall be no better patriot than my fellow-countrymen. Seen from a lower point of view, the Constitution, with all its faults, is very good; the law and the courts are very respectable; even this State and this American government are, in many respects, very admirable, and rare things, to be thankful for, such as a great many have described them; seen from a higher still, and the highest, who shall say what they are, or that they are worth looking at or thinking of at all?

However, the government does not concern me much, and I shall bestow the fewest possible thoughts on it. It is not many moments that I live under a government, even in this world. If a man is thought-free, fancy-free, imagination-free, that which is not never for a long time appearing to be to him, unwise rulers or reformers cannot fatally interrupt him.

I know that most men think differently from myself; but those whose lives are by profession devoted to the study of these or kindred subjects content me as little as any. Statesmen and legislators, standing so completely within the institution, never distinctly and nakedly behold it. They speak of moving society, but have no resting-place without it. They may be men of a certain experience and discrimination, and have no doubt invented ingenious and even useful systems, for which we sincerely thank them; but all their wit and usefulness lie within certain not very wide limits. They are wont to forget that the world is not governed by policy and expediency. Webster never goes behind government, and so cannot speak with authority about it. His words are wisdom to those legislators who contemplate no essential reform in the existing government; but for thinkers, and those who legislate for all time, he never once glances at the subject. I know of those whose serene and wise speculations on this theme would soon reveal the limits of his mind’s range and hospitality. Yet, compared with the cheap professions of most reformers, and the still cheaper wisdom an eloquence of politicians in general, his are almost the only sensible and valuable words, and we thank Heaven for him. Comparatively, he is always strong, original, and, above all, practical. Still, his quality is not wisdom, but prudence. The lawyer’s truth is not Truth, but consistency or a consistent expediency. Truth is always in harmony with herself, and is not concerned chiefly to reveal the justice that may consist with wrong-doing. He well deserves to be called, as he has been called, the Defender of the Constitution. There are really no blows to be given him but defensive ones. He is not a leader, but a follower. His leaders are the men of ’87. “I have never made an effort,” he says, “and never propose to make an effort; I have never countenanced an effort, and never mean to countenance an effort, to disturb the arrangement as originally made, by which various States came into the Union.” Still thinking of the sanction which the Constitution gives to slavery, he says, “Because it was part of the original compact—let it stand.” Notwithstanding his special acuteness and ability, he is unable to take a fact out of its merely political relations, and behold it as it lies absolutely to be disposed of by the intellect—what, for instance, it behooves a man to do here in American today with regard to slavery—but ventures, or is driven, to make some such desperate answer to the following, while professing to speak absolutely, and as a private man—from which what new and singular of social duties might be inferred? “The manner,” says he, “in which the governments of the States where slavery exists are to regulate it is for their own consideration, under the responsibility to their constituents, to the general laws of propriety, humanity, and justice, and to God. Associations formed elsewhere, springing from a feeling of humanity, or any other cause, have nothing whatever to do with it. They have never received any encouragement from me and they never will.”1

They who know of no purer sources of truth, who have traced up its stream no higher, stand, and wisely stand, by the Bible and the Constitution, and drink at it there with reverence and humanity; but they who behold where it comes trickling into this lake or that pool, gird up their loins once more, and continue their pilgrimage toward its fountainhead.

No man with a genius for legislation has appeared in America. They are rare in the history of the world. There are orators, politicians, and eloquent men, by the thousand; but the speaker has not yet opened his mouth to speak who is capable of settling the much-vexed questions of the day. We love eloquence for its own sake, and not for any truth which it may utter, or any heroism it may inspire. Our legislators have not yet learned the comparative value of free trade and of freedom, of union, and of rectitude, to a nation. They have no genius or talent for comparatively humble questions of taxation and finance, commerce and manufactures and agriculture. If we were left solely to the wordy wit of legislators in Congress for our guidance, uncorrected by the seasonable experience and the effectual complaints of the people, America would not long retain her rank among the nations. For eighteen hundred years, though perchance I have no right to say it, the New Testament has been written; yet where is the legislator who has wisdom and practical talent enough to avail himself of the light which it sheds on the science of legislation.

The authority of government, even such as I am willing to submit to—for I will cheerfully obey those who know and can do better than I, and in many things even those who neither know nor can do so well—is still an impure one: to be strictly just, it must have the sanction and consent of the governed. It can have no pure right over my person and property but what I concede to it. The progress from an absolute to a limited monarchy, from a limited monarchy to a democracy, is a progress toward a true respect for the individual. Even the Chinese philosopher was wise enough to regard the individual as the basis of the empire. Is a democracy, such as we know it, the last improvement possible in government? Is it not possible to take a step further towards recognizing and organizing the rights of man? There will never be a really free and enlightened State until the State comes to recognize the individual as a higher and independent power, from which all its own power and authority are derived, and treats him accordingly. I please myself with imagining a State at last which can afford to be just to all men, and to treat the individual with respect as a neighbor; which even would not think it inconsistent with its own repose if a few were to live aloof from it, not meddling with it, nor embraced by it, who fulfilled all the duties of neighbors and fellow men. A State which bore this kind of fruit, and suffered it to drop off as fast as it ripened, would prepare the way for a still more perfect and glorious State, which I have also imagined, but not yet anywhere seen.

(This English text is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this text or online at www.gutenberg.net)

1 These extracts have been inserted since the lecture was read -HDT

Henry David Thoreau

(Vorbemerkung: Dies ist ein Text von meiner alten Website. Damals vergaß ich Quellenangaben zu machen. Sorry. Einen Kommentar zu Thoreau habe ich auch verfasst, sowie die Texte “On the Duty of Civil Disobedience” und “Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat”, für alle, deren Interesse ich hoffentlich durch folgenden Text geweckt habe)

    “Ich habe so oft den Frühling, Sommer, Herbst und Winter durchlebt, als hätte ich nichts anderes zu tun, als zu leben. Ich hätte den ganzen Herbst damit zubringen können, die sich wandelnde Färbung des Laubes zu beobachten.”

Henry David Thoreau wurde am 12. Juli 1817 im amerikanischen Städtchen Concord im Staat Massachusetts geboren. Damals, 1817, hatte Concord etwa 2000 Einwohner. Henry David Thoreau sollte – abgesehen von ein paar Reisen – sein ganzes Leben lang in Concord verbleiben. Der Vater von Henry David Thoreau, sein Name war John Thoreau, scheiterte etwa im Geburtsjahr von Henry David mit einem Krämerladen und versuchte sich von da an als Bleistiftfabrikant. Zusätzliche Einnahmen bekam die Familie Thoreau durch die Aufnahme von Pensionsgästen. Concord war damals zwar nur ein kleines Städtchen, aber historisch berühmt. In Concord und in einem Städtchen in der Nähe davon, hatte es den ersten bewaffneten Widerstand gegen die damalige Kolonialmacht England gegeben. Am 19. April 1775, also etwa 30 Jahre vor Henry Davids Geburt, hatten amerikanische Milizen ein britisches Strafbataillon in die Flucht geschlagen, das Munitionsvorräte und Proviant in Concord beschlagnahmen sollte. Dieser Sieg amerikanischer Milizen galt landesweit als ein Signal für den Beginn des Kampfes um die Unabhängigkeit. Vielleicht hatte ja auch Henry David Thoreau etwas von diesem Geiste des Widerstands und des Bestrebens nach Unabhängigkeit aufgesogen.

Henry David Thoreau hatte eine glückliche Kindheit im Städtchen Concord.

    »Mein Leben war Seligkeit. In der Jugend, als ich noch keinen meiner Sinne eingebüßt hatte, so erinnere ich mich, war ich voller Leben, mein Leib war von unaussprechlichem Vergnügen erfüllt; Müdigkeit und Erholung, beides erschien mir süß. Diese Erde war das herrlichste Musikinstrument, und ich war ganz Ohr für seine Weisen.«

Die Erde sollte ihm auch im weiteren Leben ein herrliches Musikinstrument sein. Immer wieder zog es Henry David Thoreau in die Einsamkeit zurück und immer wieder schwärmte er in seinem Leben von den Klängen der Natur. Er führte ein Leben als Einzelgänger, unverheiratet, Querkopf und Querdenker, Gesellschaftskritiker und Naturbeobachter. Henry David Thoreau war unangepasst, weil er nicht anders konnte, bedürfnislos, was Geld und Besitz angeht, sensibel und geduldig. Seine Sehnsucht nach der unberührten Natur, seine Neugier und sein Forscherdrang brachten ihn immer wieder dazu der Arbeit zu entfliehen um in der Natur zu sich zu finden.

    “Solange ich die Freundschaft der Jahreszeiten genieße, vertraue ich darauf, dass mir das Leben nicht gänzlich zur Last werden kann.”,

schrieb er in sein Tagebuch. Und diese Haltung war charakteristisch für sein ganzes Leben.

Von 1833 bis 1837, also von seinem 16 bis 19. Lebensjahr, studierte Henry David Thoreau an der Harvard University. Er studierte Rhetorik, Philosophie, Mathematik und Wissenschaften, wie man es damals nannte.

Bereits während seines Studiums war Henry David Thoreau kurze Zeit als Lehrer tätig und setzte diese Arbeit auch nach dem Beenden seines Studiums zunächst fort. Da Henry David Thoreau sich jedoch weigerte, die Prügelstrafe an zu wenden, überwarf er sich mit der Leitung seiner Schule und verließ diese. Zunächst half er seinem Vater in dessen kleiner Bleistiftfabrik. Henry David war ein geschickter Handwerker und Tüftler. Aber er merkte schnell, dass die Laufbahn als Arbeiter  nicht seine Sache war. Nachdem alle Versuche, eine Stelle im öffentlichen Dienst oder als Hauslehrer zu finden,  gescheitert waren, machte Henry David Thoreau aus der Not eine Tugend und gründete 1838, also im Alter von 21 Jahren, eine eigene Schule, gemeinsam mit seinem Bruder John. John hatte zwar einen Job, .gab diesen jedoch auf und wirkte an der Privatschule mit. Den Brüdern Thoreau war es schon damals wichtig, dass Unterricht nicht nur aus Theorie, sondern auch aus Anschauung und Erfahrung besteht. So gehörten zum Unterricht bei den Thoreau-Brüdern auch Spaziergänge in der Natur und Besuche der ortsansässigen Geschäfte und Betriebe.

»Wer macht am Ende eines Monats die größeren Fortschritte: der Junge, der sich sein eigenes Taschenmesser aus dem Erz herstellt, das er selbst ausgegraben und geschmolzen und nur das hierfür Notwendigste gelesen hat – oder derjenige, der sich Vorlesungen über Metallurgie an der Hochschule anhört und dann von seinem Vater ein teures Taschenmesser geschenkt bekommt?«

Als John, der Bruder von Henry David Thoreau 1941 an Tuberkulose erkrankte und nicht mehr unterrichten konnte, musste die Schule nach nicht ganz 3 jahren geschlossen werden. 1942 starb schließlich Henry Davids Bruder an Tuberkulose.

Henry David Thoreau hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt etwa dreimal verliebt – um immer endete es in einer Enttäuschung. Schließlich entschied er sich, dass Verliebtheit nur zur Geistesträgheit führe und entschloss sich fortan als Junggeselle zu leben.

“Keuschheit ist die Blüte des Menschen, und was Genius, Heroismus, Heiligkeit und dergleichen genannt wird, sind nur die verschiedenen Früchte, die daraus folgen… Es gibt nur eine Sinnlichkeit, mag sie auch viele Formen annehmen, und es gibt nur eine Reinheit. Es ist dasselbe, ob ein Mensch in lüsterner Weise ißt, trinkt, Geschlechtsverkehr hat oder schläft. Dies alles entspringt derselben Begehrlichkeit, und wir brauchen einem Menschen nur bei einer dieser Handlungen zuzusehen, um zu wissen, wie sinnlich er ist… Für den Schüler ist Sinnlichkeit gleichbedeutend mit Geistesträgheit.”

Bereits während seines Studiums lernte Henry David Thoreau den Dichter und Philosophen Ralph Waldo Emerson kennen, der ebenfalls in Concord wohnte. Ralph Waldo Emerso war beeindruckt von Henry David Thoreau und machte ihn mit einem Kreis von Schriftstellern und Intellektuellen bekannt. Zwischen den beiden, Thoreau und Emmerson, entwickelte sich eine enge Freundschaft. 1941 nach der Schließung der Privatschule, war Henry David Thoreau wieder auf Jobsuche. Emerson stellte ihn ein. Und so kam es, Dass Henry David Thoreau die nächsten 2 Jahre für Ralph Waldo Emerson arbeitete, wo er als Gärtner, Hausmeister, Bibliothekar, Erzieher und Redakteur der von Ralph Waldo Emerson herausgegebenen Zeitschrift Dial wirkte. Ralph Waldo Emerson, war zudem sehr froh, einen so begabten und geschickten Menschen, wie Henry David Thoreau, in seinem Domizil nach dem Rechten sehen zu lassen, zumal sich seine Vortragsreisen häuften. Es hätte eine glückliche Zeit im Hause Emerson sein können, doch oft genug stieß Henry David Thoreau seine Freunde absichtlich durch ungehöriges Benehmen vor den Kopf.

»Die Menschen sind gemeinhin verdorben durch ihr Wohlwollen und ihre Höflichkeit. Sie sind so konziliant und entschlossen, mit dir übereinzustimmen, dass sich ein Gespräch mit ihnen nicht lohnt. In einer kurzen Unterhaltung legen sie eine solche Langmut und Freundlichkeit an den Tag. Ich möchte jemandem begegnen, der provoziert und befremdet, so dass wir Gast und Wirt sein können und einander erfrischen. Es kann geschehen, dass ein Mensch völlig in seinen Umgangsformen verschwindet, sich in ihnen auflöst. Den tausendundein Gentlemen, die ich treffe, begegne ich mit Verzweiflung und nur, um mich wieder von ihnen zu trennen, denn sie wecken in mir keinerlei Hoffnung auf eine Ungehörigkeit. Ein ärgerlicher, grober, exzentrischer Mensch, ein Schweigsamer, ein Mensch, der sich nicht gut drillen lässt – der gibt zur Hoffnung Anlass. Eure feinen Herren sind alle gleich.«

So konnten Unstimmigkeiten  im Zusammenleben mit Henry David Thoreau auf die Dauer  nicht ausbleiben. Da es immer häufiger zu Auseinandersetzungen kam, konnte und wollte Henry David Thoreau nicht länger bei Ralph Waldo Emerson wohnen. Dieser verschaffte ihm daraufhin einen anderen Job in Staten Island. Doch Staten Island war so gar nicht nach Henry David Thoreaus Geschmack. Es waren ihm zu viele verschiedene Menschen an einem Ort. Er sehnte sich zurück nach seinem kleinen Städtchen Concord und den Wäldern und Seen seiner Heimat. Schon nach kurzer Zeit kam er wieder zurück.

Wir haben das Jahr 1943. Henry David ist jetzt 26 Jahre alt. Zurück in Concord half er seinem Vater wieder in der kleinen Bleistiftmanufaktur. Auch wenn es nicht die Arbeit war, für die sich Henry David Thoreau geboren fühlte, entwickelte er den Ehrgeiz, eine noch bessere Bleistiftmine zu entwickeln, eine Mine, die weniger häufig bricht. Und er schaffte es. Henry David Thoreau entwickelte in dieser Zeit ein Verfahren, bei dem feine Löcher ins Holz gebohrt wurden, durch welche sich, die Minenmasse hineinpressen ließ. Die Folge davon: Die Stifte waren jetzt nur noch aus einem Stück und zerbrachen nicht mehr so leicht, wie bisher. Mit diesem neuen Verfahren und den nun hervorragenden Bleistiften, schaffte es die kleine Bleistiftmanufaktur der Thoreaus eine Landesweit erfolgreiche Bleistiftfirma zu werden.

Doch Henry David Thoreau hielt es nie lange an einem Ort aus und Dinge wie Erfolg oder Geld bedeuteten ihm nicht viel. Als Sohn eines jetzt erfolgreichen Bleistiftfabrikanten hätte sich Henry David einiges leisten können, zumal er der Alleinerbe nach dem Tode seines Bruders war. Doch Henry David Thoreau war es nach anderem, als daran Geld auszugeben, um sich dem Mühsal und den Vergnügungen hin zu geben. Henry David Thoreau wollte leben, das Leben erfahren und sich selbst erfahren. Nach diesem Erfolg mit der Erfindung einer neuen Bleistiftherstellung erfüllte er sich deshalb einen schon lange gehegten Traum.

Am 4. Juli 1845, am amerikanischen Unabhängigkeitstag, bezog Henry David Thoreau eine selbstgebaute Blockhütte am Walden-See, in der Nähe seines Wohnortes Concord. Das Gründstück, auf welchen die Blockhütte stand, gehörte Ralph Waldo Emerson.

“Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.”

Im Film Der Club der toten Dichter wird dieses Zitat als Eröffnungsspruch zu jeder “Sitzung” des Clubs von allen Mitgliedern gemeinsam rezitiert.

In der Blockhütte am Walden-See lebte er dann etwa zwei Jahre. Henry David Thoreau lebte dort zwar alleine und selbständig, aber nicht abgeschieden. Das Städtchen Concord war in der Nähe, das er regelmäßig besuchte und Ralph Waldo Emerson, versorgte ihn, wenn nötig, mit Nahrungsmitteln oder einfachen Arbeiten, um etwas Geld zu verdienen. Über sein Leben am Walden-See führte Henry David Thoreau Tagebuch. Aus diesen Tagebucheinträgen machte er später ein Buch, das unter dem Titel: “Walden – oder ein Leben in den Wäldern” erschien. In seinem Werk Walden beschrieibt Henry David Thoreau sein einfaches Leben am See und seine Erlebnisse in und mit der Natur, aber er schreibt auch über Themen, wie Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Hier einmal ein paar Ausschnitte aus seinem Buch Walden:

“Ein Farmer erklärte mir: ‘Sie können nicht von Pflanzenkost allein leben, denn sie enthält nichts für den Knochenbau’, …; und während er mir vordoziert, geht er hinter seinen Ochsen her, die mit ihren vegetarisch aufgebauten Knochen ihn mitsamt seinem wackeligen Pflug über alle Hindernisse hinwegziehen.”

“Ein See ist der schönste und ausdrucksvollste Zug einer Landschaft. Er ist das Auge der Erde. Wer hineinblickt, ermisst an ihm die Tiefe seiner eigenen Natur. Die Bäume dicht am Ufer, welche sein Wasser saugen und in ihm zerfließen, sind die schlanken Wimpern, die es umsäumen, und die waldigen Hügel und Felsen die Augenbrauen, die es überschatten.”

“Die unaufhörliche Aufregung und Sorge vieler Menschen ist eine fast unheilbare Krankheitsform. Wir übertreiben die Wichtigkeit von allen, was wir tun, und wie vieles geschieht doch ohne uns!”

“So heftig fühlen wir den Drang zu leben, dass wir das Leben anbeten und die Möglichkeit einer Änderung leugnen.”

Und dennoch, so beeindruckend Walden auch ist, Henry David Thoreau machte dieses Experiment ganz alleine für sich. Er wollte es nicht als Beispiel für andere tun oder als Rat, wie man leben solle.

“Ich möchte um keinen Preis, dass irgend jemand meine Lebensweise befolge; denn abgesehen davon, dass ich, ehe er sie ordentlich erlernt hat, schon wieder eine andere für mich gefunden haben kann, wünsche ich auch, dass es soviel verschiedene Menschen als möglich in der Welt geben möge; ich möchte nur, dass jeder recht sorgfältig trachtete, seinen eigenen Weg zu finden und nicht statt dessen den seines Vaters, seiner Mutter oder seines Nachbarn.”

Am 6. September 1847, nach über zwei Jahren, brach Henry David Thoreau sein Experiment am Walden-See einfach ab. Wie wir schon vorher erfahren haben, hielt er es nie lange irgendwo aus, machte keine Arbeit für länger, stets zog es ihn weiter, weiter zu neuem, zu neuen Erfahrungen.

Schon etwas früher, im Sommer 1846, während er noch in Walden lebte, weigerte er sich, die  sogenannte “Kopfsteuer” zu entrichten, die dazu diente, den Krieg der Vereinigten Staaten gegen Mexiko zu finanzieren.

“Muss der Bürger auch nur einen Augenblick, auch nur ein wenig, sein Gewissen dem Gesetzgeber überlassen? Wozu hat denn dann jeder Mensch ein Gewissen? Ich finde, wir sollten erst Menschen sein, und danach Untertanen. Man sollte nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit”

Die konsequente Verweigerung der  Zahlung der Kopfsteuer, brachte Henry David Thoreau ins Gefängnis.

“Ich wurde ins Gefängnis gesteckt, als ich gerade auf dem Weg zum Schuster war, um eine geflickten Schuh dort abzuholen. Als ich am nächsten Morgen herauskam, setzte ich diesen Gang fort, zog meine geflickten Schuh an und stieß zu einer Gruppe von Heidelbeersammlern, die schon darauf warteten, von mir angeführt zu werden.”

Die Nacht im Gefängnis, das Erlebnis eingesperrt zu werden, brachte ihn zu folgender Erkenntnis:

“Da sie mich nicht fassen konnten, beschlossen sie, meinen Körper zu bestrafen. Mit dem inneren Wesen, sei es intellektuell oder moralisch, kann der Staat sich also niemals auseinandersetzen, sonder nur mit dem Körper, mit den Sinnen. Er verfügt weder über größere Vernunft noch Ehrlichkeit, sondern nur über größere physische Gewalt.”

Doch Henry David Thoreau kam bereits nach einer Nacht wieder frei, weil sein alter Freund Ralph Waldo Emerson die Steuern für ihn bezahlte. Doch die eine Nacht im Gefängnis hatte tiefgreifende Folgen. Inspiriert durch die Nacht im Gefängnis verfasste Henry David Thoreau den Essay Resistance to Government, welcher unter dem späteren Titel Civil Disobedience bekannt wurde und in Deutschland unter dem Titel “Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat” veröffentlicht wurde. Die Schrift wurde zum Standardwerk und Namensgeber des Zivilen Ungehorsams vor allem durch Mahatma Gandhi und Martin Luther King. Mahatma Gandhi und Martin Luther King lasen beide die Schrift “Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat”. Sie gab ihnen den Mut und die Gewissheit das Richtige zu tun.

“Es gibt Tausende, die im Prinzip gegen Krieg und Sklaverei sind und die doch praktisch nichts unternehmen, um sie zu beseitigen…”

“Ein kluger Mensch wird die Frage der Gerechtigkeit nicht dem Zufall überlassen, er wird auch nicht wollen, dass sie durch die Macht der Mehrheit wirksam werde. Denn in den Handlungen von Menschenmassen ist die Tugend selten zu Hause.”

“Eine Minderheit ist machtlos, wenn sie sich der Mehrheit anpasst; sie ist dann noch nicht einmal eine Minderheit; unwiderstehlich aber ist sie, wenn sie ihr ganzes Gewicht einsetzt.”

Henry David Thoreau stellt den Menschen über den Staat. Ein Gesetz und ein Staat muss dem Menschen dienen, nicht umgekehrt.

“Die Mehrzahl der Menschen dient also dem Staat mit ihren Körpern nicht als Menschen, sondern als Maschinen. Sie bilden das stehende Heer und die Miliz, die Gefängniswärter, die Konstabler, Gendarmen etc. In den meisten Fällen bleibt kein Raum mehr für Urteil oder moralisches Gefühl.”

Sind Gesetze falsch, dann muss man sich nicht an sie halten, sondern sollte sie sogar bewusst brechen.

“Wenn das Gesetz dich zum Arm des Unrechts macht, dann, sage ich, brich das Gesetz”.

Mit diesen Sätzen legitimiert er jeden gewaltfreien Widerstand gegen Staat und Gesetz. Henry david Thoreau mistraut einem Staat, der sich zu sehr in ihm lebenden menschen zu sehr bevormunden will. Denn Wie gesagt, ein Staat und seine Regierung muss für die Bürger da sein, nicht umgekehrt.

“Die beste Regierung ist die, welche gar nicht regiert”; und wenn die Menschen einmal reif dafür sein werden, wird dies die Form ihrer Regierung sein.”

“Ich will sachlich reden, und nicht wie die Leute, die sich überhaupt gegen jede Regierung erklären. Ich sage nicht: von jetzt an keine Regierung mehr, sondern von jetzt an eine bessere Regierung.”

“Ich mache mir das Vergnügen, mir einen Staat vorzustellen, der es sich leisten kann, zu allen Menschen gerecht zu sein, und der das Individuum achtungsvoll als Nachbarn behandelt; einen Staat, der es nicht für unvereinbar mit seiner Stellung hielte, wenn einige ihm fernblieben, sich nicht mit ihm einließen und nicht von ihm einbezogen würden, solange sie nur alle nachbarlichen, mitmenschlichen Pflichten erfüllten. Ein Staat, der solche Früchte trüge, und sie fallen ließe, sobald sie reif sind, würde den Weg für einen vollkommeneren und noch ruhmreicheren Staat freigeben – einen Staat, den ich mir auch vorstellen kann, den ich bisher aber noch nirgends gesehen habe.”

Nach der Beendigung seines Aufenthaltes 1947 am Waldensee verbrachte Henry David Thoreau zunächst wieder ein Jahr in Ralph Waldo Emersons Haus. Da dieser für ein Jahr ins Ausland ging, sollte Henry David Thoreaur ihn als Hausherrn vertreten. 1948 las er zum ersten Mal öffentlich aus seinem Werk “ziviler Ungehorsam” vor. Ab 1849 verdiente H.D. Thoreau seinen Lebensunterhalt als Landvermesser, Gelegenheitsarbeiter und Vortragsreisender. Damals konnte man mit Vorträgen sogar Geld verdienen Bei seinen Vorträgen wetterte er immer wieder gegen soziale Ungerechtigkeit und Sklaverei. 1854 wurde Walden veröffentlich, mit 1000 Exemplaren, die sich gut verkauften. Henry David Thoreau hatte sein erstes Buch verkauft. Außerdem schrieb er 1854, er war jetzt 37 Jahre alt, seinen Essay Leben ohne Prinzipien. Dieser Essay “Leben ohne Prinzipien” handelte von der Armut der Reichen, von ihrem moralischen Bankrott und der Selbstausbeutung der meisten Menschen. Auch Henry David Thoreau klagte, wie Karl Marx später, dass die Menschen ihre Arbeitskraft zu einer Ware haben verkommen lassen.

“Wenn ich der Gesellschaft meine Vormittage und meine Nachmittage verkaufte, wie es offenbar die meisten tun, würde für mich gewiss nichts mehr übrigbleiben, für das es sich zu leben lohnt.”

1854 kam es zu einem Gesetz, das die Duldung der Sklaverei den einzelnen Staaten überließ.  So wurde es jetzt auch möglich, dass nicht nur in den so genannten Südstaaten Sklaven gehalten werden konnten, sondern in der ganzen heutigen USA.

Nur einen Tag nach der Verabschiedung dieses Gesetzes ereignete sich in Boston ein schwerer Zwischenfall. Ein entflohener Sklave, Anthony Burns, war in Boston von seinem Herrn wiedererkannt worden und wurde unter gewaltigem militärischen Schutz auf ein Schiff verschleppt. Eine aufgebrachte Menschenmenge wurde Zeuge dieser »Zwangseintreibung«, konnte aber angesichts des großen Aufgebots der Staatsmiliz nichts unternehmen. Allerdings wurde Burns später von Bostoner Bürgern freigekauft.

Spätestens von diesem Tage an begann Henry David Thoreau, sich konkret in die Politik – und vor allem in die Sklavenpolitik – einzumischen. Sein Engagement hatte sich bereits drei Jahre zuvor bei einem ähnlichen Fall gezeigt. Der siebzehnjährige entflohene Sklave Thomas Sims war damals an Georgia ausgeliefert worden. In Georgia wurde er zur Strafe beinahe zu Tode ausgepeitscht. Der Fall dieser Abschiebung hatte Henry David Thoreau ungemein erregt und ihn veranlasst, in Wort und Tat die Sache der Sklavereigegner zu unterstützen. Es muss ein schwerer Schock für Henry David gewesen sein, von dieser Geschichte zu hören. Er, der stets das Einzelgängertum liebte, schloss sich plötzlich einer Gruppe an. So unterstützte er die Abolitionisten, wie sich die Sklavereigegner damals nannten und beteiligte sich am Ausbau ihres Fluchthilfe-Netzwerks. Am 1. Oktober 1851 verhalf er persönlich einem Sklaven mit Namen Henry Williams zur Flucht.

Nach den vorher geschilderten Ereignissen um Anthony Burns hielt Henry David Thoreau am 4. Juli 1854, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, eine scharfe Anklagerede, die unter dem Titel “Sklaverei in Massachusetts” angekündigt war. Auf dieser Protestversammlung verbrannte der damalige Abolitionistenführer William Lloyd Garrison öffentlich ein Exemplar der amerikanischen Verfassung, mit der sich die Sklavenhaltung ja legitimieren ließ. Henry David Thoreau ging es in seinem Vortrag darum, seine Mitbürger zum Widerstand gegen die Beteiligung der eigenen Regierung an der Sklavenauslieferung auf zu fordern. Gleichzeitig kritisierte er gleichermaßen die sklavischen Arbeitsbedingungen der weißen Fabrikarbeiter im Norden; vor allem aber stellte er schonungslos jeden einzelnen Menschen an den Pranger. Der »selbstverschuldeten Unmündigkeit« galt Henry David Thoreaus schärfste Kritik.

“Es ist hart, einen Aufseher aus dem Süden zu haben; es ist schlimmer, einen nordstaatlichen zu haben; am schlimmsten von allem ist es jedoch, wenn du dein eigener Sklaventreiber bist.”

Und in sein Tagebuch schreibt er:

“Geschwätz von Sklaverei! Sie ist keineswegs die besondere Einrichtung des Südens. Sie existiert vielmehr überall dort, wo Menschen gekauft und verkauft werden, wo immer ein Mensch es zulässt, dass er wie ein bloßes Ding oder Instrument behandelt wird, und seine unveräußerlichen Rechte der Vernunft und des Gewissens aufgibt. Diese Art von Sklaverei ist in der Tat umfassender als diejenige, die allein den Körper versklavt.”

Schon in seiner Schrift zum zivilen Ungehorsam schrieb er:

“Dieses Volk muss aufhören Sklaven zu halten und gegen Mexiko Krieg zu führen, auch wenn es seine Existenz als Volk kosten sollte”

Am 3. Februar 1957 starb Henry Davids Vater und Henry David Thoreau musste die Bleistiftfabrik übernehmen.

Im März 1957 hielt John Brown einen Vortrag in Concord. So lernte Henry David Thoreau 1857 den Guerillakämpfer für die Sklavenbefreiung John Brown kennen. John Brown kämpfte gegen Ungerechtigkeit und war, als Widerstandskämpfer, in vielen Dingen ein Mensch im Sinne Thoreaus.

“Darf der Bürger auch nur einen Augenblick und im geringsten Grad sein Gewissen dem Gesetzgeber überlassen? Wozu hat denn jeder Mensch ein Gewissen?”

John Brown ordnete sein Gewissen eindeutig nicht dem Gesetz unter. John Brown handelte, nach eigenem Gewissen um ein besseres Leben für andere zu erreichen. Seit 1834 kämpfte John Brown unerbittlich gegen die Sklaverei. Seinen ersten ihn bekannter machenden Auftritt hatte er in der Nacht vom 24. auf den 25. Mai 1856 als er mit acht Männern fünf Sklavereibefürworter überfiel und tötete. Eine größere Bekanntheit erlangte er drei Jahre später, am 16. Oktober 1859, als er mit 21 Männern eine Stadt in Virginia überfiel. Sein Plan war es, durch die Eroberung des dort befindlichen Waffenarsenals der US-Armee, einen Sklavenaufstand zu ermöglichen. Mit den eroberten Waffen hätte John Brown eine Revolutionsarmee zur Sklavenbefreiung aufstellen können. Doch der Plan scheiterte. Insgesamt starben zehn von John Browns Anhängern und zwei seiner Söhne. John Brown selbst wurde verwundet und festgenommen und zwei Monate später, am 2. Dezember, wegen Mordes, Anzettelung eines Sklavenaufstandes und Landesverrats gehenkt. Die sieben Wochen zwischen seiner Verhaftung und seiner Hinrichtung waren überall in Amerika von aufgewühlten Emotionen beherrscht. Die so genannte öffentliche Meinung verurteilte John Brown als Staatsfeind und Gewalttäter; auch viele Sklavereigegner distanzierten sich von John Brown.

Ganz anders Henry David Thoreau. Wie kaum ein anderer verteidigte er John Brown von Anfang an, feierte ihn als tapferen Streiter wider das Böse und bewunderte seine Bereitschaft, märtyrerhaft »für eine ewige Wahrheit auf dem Schafott zu sterben«. Auch Henry David Thoreau äußerte seine Bereitschaft, für Gerechtigkeit und Menschenrechte auch zu sterben.

»Wenn es jetzt notwendig ist, dass ich mein Leben hingebe, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun, dass ich mein Blut vermische mit dem meiner Kinder und dem von Millionen von Wesen, deren Rechte durch die Sklaverei grausam verletzt sind, so füge ich mich. Möge es geschehen!«

Am 30. Oktober 1859, also einen Monat vor der Hinrichtung John Browns, hielt Henry David Thoreau eine seiner heftigsten und packendsten Reden in Concords Stadthalle. Die Stadtväter hatten ihm von einer Veranstaltung zugunsten John Browns abgeraten, da sie zum damaligen Zeitpunkt ein öffentliches Ärgernis war und mit Gegendemonstrationen zu rechnen war. Auch die offiziellen Sklavereigegner sprachen sich gegen eine öffentliche Rede von Henry David Thoreau aus, weil sie befürchteten, eine Verteidigung John Browns würde ihrer Sache schaden. Doch Henry David Thoreau hielt noch nie sehr viel von Gesellschaftlicher Bevormundung. Er sprach nicht nur von Zivilcourage, er lebte sie auch. In dieser Rede, Ende Oktober 1859, würdigte Henry David Thoreau John Brown als einen Menschen, der seinen Weg ging. Henry David Thoreau war schon immer ein Gegner der Gewalt, doch angesichts eines derart barbarischen Staates, der kein Problem damit hat, Millionen von Menschen auf grausamste Art und weise zu töten, konnte auch er sich vorstellen zur Waffe zu greifen.

»Ich will nicht töten oder getötet werden, aber ich kann Umstände vorhersehen, unter denen diese beiden Dinge für mich unvermeidlich wären.«

Laut Ralph Waldo Emerson gelang es Henry David Thoreau erstaunlicherweise die Vorurteile der zahlreichen Zuhörer in Nachdenklichkeit und Sympathie für John Browns zu wandeln. Henry David Thoreau wiederholte sein Plädoyer noch mehrfach auch in anderen Städten, doch hatte er dort meist nicht so viel Erfolg.

Am 2. Dezember 1859 wurde John Brown schließlich hingerichtet. Wenige Monate nach seiner Hinrichtung wurde John Brown zu einer mythischen Figur; im Bürgerkrieg sangen die Soldaten des Nordens “John Browns Body”. Während des Bürgerkrieges avancierte der bald nach seiner Hinrichtung komponierte Marsch John Browns body schnell zum beliebtesten Kampflied der Unionstruppen.

Die Menschen und wie sie miteinander umgingen, machten Henry David Thoreau krank. Er verstand nicht, wie man nur mit derart wenig Achtung vor der Würde des Anderen leben konnte. Nach seinem starken Engagement für John Brown und für die Sklavenbefreiung brauchte er etwas Erholung von den Menschen und es zog ihn wieder für längere Zeit in die Natur, in die Wälder. Henry David Thoreau wollte eine Naturgeschichte seiner Heimatstadt verfassen und trug alles zusammen, was er an Literatur über Indianer fand. Doch Henry David wollte nicht Wissenschaftler sein. Er wollte sein Wissen vermehren, aber er wollte auch nicht müde werden, die Natur wahrlich in sich auf zu saugen.

»Mein Verlangen nach Wissen setzt zeitweilig aus, dagegen habe ich ein unentwegtes, beständiges Verlangen danach, meinen Kopf in der frischen Luft einer Gegend zu baden, in die mich meine Füße bisher nicht getragen haben. Das Höchste, was wir erreichen können, ist nicht Wissen, sondern Einklang, verbunden mit Einsicht. Ich weiß nicht, ob sich aus diesem höheren Wissen etwas Bestimmteres ergeben wird als die neue, große Überraschung, die plötzliche Offenbarung, wie unzulänglich all das ist, was wir zuvor Wissen nannten, die Entdeckung, dass es zwischen Himmel und Erde mehr Dinge gibt, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt. Es ist, wie wenn das Sonnenlicht den Nebel erhellt.«

Der Wissenschaftler war für ihn oft “ein Wurm, der es sich im Keim einer Frucht gemütlich gemacht hat, sie aber lediglich verdirbt und zerfrisst, ohne sie jemals wirklich zu schmecken.” Auch die Tötung zu Forschungszwecken lehnte er ab, das Skelett eines Eichhörnchens in Spiritus galt ihm als Absurdität, pulsierendes Leben war ihm heilig. Als er einmal gefragt wurde, ob er jemals einen Vogel abgeschossen habe, um ihn zu untersuchen, gab er zur Antwort:

»Meinen Sie, ich sollte Sie erschießen, wenn ich vorhätte, Sie zu untersuchen?«

Henry David Thoreau respektierte den Indianer, den Fischer und Jäger, zu deren Leben auch das Töten von Tieren gehörte – aber er empfand es als unnötig grausam, wenn ein Tier aus purer Lust am Töten umgebracht wurde.

1861 verschlimmerte sich Henry David Thoreaus Lungenleiden, das er schon seit längerem mit sich herumschleppte. Auch die politische Situation in Amerika verschlimmerte sich. Im April 1961 begann der Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten.

Am 6. Mai 1862 stirbt Henry David Thoreau an den Folgen der Tuberkulose. Henry David Thoreau wurde 44 Jahre alt. Einen Monat seinem Tode, am 19. Juni 1862 wird die Sklaverei in den USA offiziell abgeschafft.

“Das eine wenigstens lernte ich bei meinem Experimente: Wenn jemand vertrauensvoll in der Richtung seiner Träume vorwärts schreitet und danach strebt, das Leben, das er sich einbildete, zu leben, so wird er Erfolge haben, von denen er sich in gewöhnlichen Stunden nichts träumen ließ. Er wird mancherlei hinter sich lassen, wird eine unsichtbare Grenze überschreiten. Neue, allgemeine und freiere Gesetze werden sich um ihn und in ihm bilden oder die alten werden ausgedehnt und zu seinen Gunsten in freierem Sinne ausgelegt werden.”