Terre Des Femmes und die Liebe zum Faschismus

Einleitung

Ich zitiere weiter unten einen Text von ATME e.V. Ich werde auch meine Bemerkungen dazu machen, da mich das Papier von Terre Des Femmes doch sehr erstaunt. Hass gegen transsexuelle Menschen ist bei Terre Des Femmes nicht neu. Sie sind so etwas, wie die EMMA mit französischem Titel.

Man muss sich nicht wundern, dass bei diesen offen faschistoiden Haltungen sich viele Frauen nicht angesprochen fühlen. Dieses ständige Bilden von aufgezwungenen Identitäten und zu glauben zu wissen, was gut für andere ist, ist widerwärtig. Statt für Selbstbestimmung einzutreten, wollen sie Fremdbestimmung für alles und jeden, der nicht in ihr Weltbild passt.

Man kann Menschen nicht mögen, weil sie Arschlöcher sind, aber wenn jemand Menschen auf Grund ihrer Genetik ausschließen möchte, ist das Rassismus. Im Text von Terre Des Femmes werden transsexuellen Menschen Eigenschaften und Wirkungen unterstellt, die sie nicht haben, um so begründen zu können, warum sie psychiatrische Hilfe (Begutachtungen) benötigen und ausgeschlossen werden können.

Goebbels würde sagen:

“[…] An die Stelle dieser Auffassung setzte Terre Des Femmes das Prinzip der vollen Verantwortlichkeit. Es übernahm für sich und seine Interessensgruppe die Macht, aber nicht, um sich bei ihrem Vollzuge der Verantwortung zu entziehen, sondern um sie offen vor der eigenen Gefolgschaft und der gesamten Welt feierlich auf ihre Schultern zu legen. Das bedingte den Kampf gegen jene falsche Art von Humanität, die wir alle in der liberal- demokratischen Geisteswelt zur Genüge kennen lernten. Man ist human gegen den Schwachen, human gegen jedes Kranke und Transsexuelle und wird damit inhuman gegen die Stärke und jede Gesundheit. Man ist human gegen den Einzelmenschen, um inhuman zu werden gegen die Frauen, wie sie durch Terre Des Femmes und EMMA vertreten werden. Man predigt eine falsche, gleisnerische Menschlichkeit und eine aus lügnerischen Einstellungen heraus entstandene Haltung der Gesellschaft gegenüber, ohne dabei die Humanität zu besitzen, die Fehler auch an sich zu überwinden.
EMMA und Terre Des Femmes haben das getan. […]. Mit Stumpf und Stiel hat man das falsche Humanitätsideal der liberalen Demokratie vernichtet und ersetzt durch einen weiblichen Heroismus […]. Vor allem aber seinen besten Teil: die faschistische Frauenorganisation.”

Ich denke, so hätte er sich etwa geäußert und wäre sehr sehr stolz auf Terre Des Femmes und die EMMA gewesen. Wenn alte Ideale die Zeiten überdauern ist man als Vater dieser Gedanken meist sehr stolz.

Was ist faschistoides Gedankengut?

Es gibt Flüchtlinge. Wenn ich aber von “den Flüchtlingen” als einer Gruppe spreche und so tue, als wären “die” alle gleich, darin sogar eine Bedrohung sehe, bin ich ein Faschist.

Es gibt Muslime. Wenn ich aber “Islamisten” erfinde und behaupte, von ihnen als Gruppe würde eine Gefahr ausgehen, bin ich Faschist.

Es gibt transsexuelle Menschen. Wenn ich sie jedoch als einheitliche Gruppe ansehe und ihnen nicht zugestehe, ganz normale Männer und Frauen zu sein und glaube, von ihnen würde für irgend jemanden eine Gefahr ausgehen, bin ich Faschist.

Wenn ich die israelische Regierung (Netanjahu) lobe und es gut finde, was momentan in Israel geschieht, wie die Verdrängung der ursprünglichen Einwohner Palästinas, das Zurückzudrängen alles Nichtjüdischen und die “Heimholung ins Reich”- Kampagne durch völkerrechtswidrige Siedlungspolitik, dann bin ich Faschist.

Wenn ich Einschränkungen von Menschenrechten und Grundrechten für vertretbar halte, weil “Führungskräfte des Staates” dieses anordnen, dann bin ich Faschist.

Wenn ich Menschen nach dem beurteile, was ich über sie denke und nicht nach dem, was ihre Handlungen über sie aussagen, dann bin ich Faschist.

“Die Schwachen” und “die Anderen” sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Sie bedürfen eines besonderen Schutzes, manchmal, und besonderer Rücksichtnahme. Wer das Ziel hat, alle Minderheiten zu verdrängen und ihnen “ihren Platz zuzuweisen”, wie dies Terre Des Femmes klar tun, ist ein Faschist. Es geht Faschisten immer darum zu sagen, wer die anderen sind und ihnen Eigenschaften und Absichten zu unterstellen, die sie als Gemeinschaft nie hatten und auch nie haben können. Es wird die Individualität und individuelle Entscheidungsfähigkeit von Menschen verneint. Wenn man einer bestimmten, von ihnen bestimmten, Gruppe angehört, ist man automatisch so und so und deshalb eine Bedrohung, meinen sie.

Das klappt in Israel bei Palästinensern, in Deutschland bei Muslimen und Flüchtlingen und bei Terre Des Femmes bei transsexuellen Menschen.

Hier nun der Text von ATME e.V.:

Terre des Femmes veröffentlicht Manifest gegen Selbstbestimmung

Verfasst am 16. September 2020.

Es gibt einen Verein, der sich “Terre des Femmes” nennt, sich aber besser in “Terre des Vaginas” umbenennen sollte. Am 12. September hat dieser Vagina-Verein ein Positionspapier zu “zu Transgender, Selbstbestimmung und Geschlecht” verabschiedet, welches offen verdeutlicht, was Feindlichkeit gegenüber Menschen mit vom Geschlecht abweichenden Körpermerkmalen (Transsexualität und Intersexualität) bedeutet.

So heisst es in dem Papier:
“Ein Eintritt durch Transition in fest definierte Geschlechterrollen mit den ihnen entsprechenden Stereotypen ändert allerdings nichts an Binarität oder Hierarchisierung innerhalb des Systems. Er kann im Gegenteil dazu beitragen, das Patriarchat fortzusetzen, zu bekräftigen und sogar dazu führen, patriarchale Logik, Sozialisation und Strukturen in Frauenräume, hineinzutragen. Wir unterstützen das Recht, das empfundene Geschlecht auszudrücken, setzen aber dort Grenzen, wo dieser Ausdruck das Recht von Frauen auf eigene Räume (z.B. Frauenhäuser) und Selbstorganisation auch unter Bezug auf den Körper betrifft.”
Damit positioniert sich “Terre des Vaginas” offen gegen Frauen und Mädchen, deren Körper nicht der Vorstellung von Normkörpern entspricht und auf Grund ihrer Körperbeschaffenheit in dieser Gesellschaft stereotypen Gender-Schubladen zugeordnet werden. Frauen ohne Normkörper werden von Terre des Vaginas ausgeschlossen. Zudem versteht der Verein den Körperzustand von Menschen offenbar als klaren Marker der sozialen Zuordnung.
Dieses Weltbild, in welchem Geschlecht anhand körperlicher Merkmale von aussen begutachtet und eine soziale Unterscheidung anhand dieser begutachteten Körpermerkmale getroffen wird (Prozess der Einteilung zu Gender-Identitäten), wird ergänzt durch die Annahme, dass Menschen, deren Wissen über ihr eigenes Geschlecht von der Zuteilung abweicht, nicht selbstständig in der Lage sind, sich zu ihrem Geschlecht zu äussern:
“Keinesfalls darf dem Wunsch zur Transition einer Minderjährigen undifferenziert und ohne fachkundige Prüfung und Beratung über Ursachen und Folgen ihres Wunsches nachgegeben werden. Das gilt ganz besonders, wenn mit der Transition körperliche Eingriffe (Hormonbehandlung und operative Eingriffe) verbunden werden.”
Feindlichkeit gegenüber Menschen mit Variationen des Körpers (Inter- oder Transsexualität) zeigt sich deutlich in der Paradoxie, einerseits zu behaupten, gegen “fest definierte Geschlechterrollen” zu sein, aber andererseits genau diese “Geschlechterrollen” dadurch zu konstruieren, indem Menschen auf Grund ihrer Körpermerkmale sozialen Gruppen zugeordnet werden.
Prinzipien der Einteilung der Geschlechter anhand körperlicher Merkmale zu befürworten, welche immer auf einer stereotypen Vorstellung von Geschlecht (einer Idee von Gender) basiert, und sich zu einem einem Prinzip geschlechtlicher Übergriffe – einem “Du bist”, anstatt einem “Wer bist Du?” – zu bekennen, erachten wir als Unterstützung eines patriarchalen Prinzips, welches weltweit Frauen schadet, da es den Kern aller geschlechtlichen Übergriffe darstellt.
Mit dem “Du bist” wird Besitztum und Gewalt über andere Menschen legitimiert. Es handelt sich um patriarchale Komplizenschaften.

Was ist Feminismus eigentlich?

Zumindest nicht das, was EMMA und Terre Des Femmes vertreten.

Als die Mutter des Feminismus, Simone de Beauvoir, ihr berühmtes Buch verfasste, ging es ihr darum aufzuzeigen, dass wenn wir von “Frauen” sprechen, wir eigentlich nur über unsere “Vorstellung von Frauen” sprechen. Deshalb schrieb sie, Frauen würden zu Frauen gemacht werden. Das, was als “Frau” bezeichnet wurde, war nur eine Vorstellung, ein Stereotyp. Es ging nicht um den Menschen, sondern um die Rolle.

Doch genau dieses Rollenverständnis wollte man durchbrechen. Frauen sollten sie selbst sein können und nicht mehr nur das sein müssen, was der Rolle der Frau in der Vorstellung der Gesellschaft angemessen war. Der ursprüngliche Feminismus wollte eine Befreiung von Rollen und Stereotypen. Es ging um das Recht anders zu sein. Frauen sollten nicht einer Vorstellung über Frauen entsprechen müssen. Sie sollten sie selbst sein können und die Bildung, den Beruf, die Ansichten, Hobbys und so weiter haben dürfen, die sie sich selbst aussuchten.

Doch worum geht es heute?

Laut Terre des Femmes geht es um “fest definierte Geschlechterrollen mit den ihnen entsprechenden Stereotypen”, die es zu schützen gilt. Auf keinen Fall dürfen sie dadurch in Frage gestellt werden, dass in “Frauenräumen” diese Rollenvorstellungen und Stereotypen vom Frausein in Frage gestellt werden. Transsexuelle Menschen jedoch stellen genau diese stereotypen Vorstellungen vom Frausein in Frage.

Um Ihnen das Frausein abzusprechen, wird transsexuellen Menschen unterstellt, sie hätten ein “Befinden” und kein Sein. Sie würden sich nur als etwas “empfinden”, würden es aber nicht sein. Dies dient als Berechtigung, sie von den wahren, “geborenen Frauen”, zu trennen und als “das andere Geschlecht” darzustellen. Damit begehen sie genau die Zuschreibung, die einst Simone de Beauvoir kritisierte. Es gibt nun das wahre Geschlecht und das andere Geschlecht. Und was das andere Geschlecht fühlt, denkt, welche Rollen es zu leben hat, das wird von Terre Des Femmes, der EMMA und allen die über das einzig wahre Geschlecht verfügen, bestimmt.

Der so genannte “Feminismus” ist zu dem geworden, was er einst bekämpfte. Nur ist die “Herrenrasse” eher eine “Frauenrasse” geworden und wer ihr nicht angehört, wird von den selbst ernannten Führer*innen dieser Frauenrasse bestimmt, wird zum anderen Geschlecht.

Transsexuelle Menschen werden, laut Terre Des Femmes, nicht als transsexuelle Menschen geboren, sonder sie haben eine psychiatrische Störung und deshalb darf “keinesfalls […] dem Wunsch […] ohne fachkundige Prüfung und Beratung über Ursachen” nachgegeben werden. Fachkundig meint hier: Durch Psychiater, weil diese Menschen ja geistig krank sind, laut Terre Des Femmes. Sie können nicht über sich selbst entscheiden und müssen fremdbestimmt werden. Zumindest sind die “Fachkundigen” nicht transsexuell.

Das ist einfach nur widerwärtig und erinnert doch sehr an die Haltung zur Homosexualität im Dritten Reich, wo auch diese nur ein “Wunsch” war, dem man ja widerstehen konnte, dank fachkundiger Beratung. Nur wer beratungsresistent war, galt als abartig und hatte bei den wahren Männern nichts zu suchen.

Alles kommt wieder, leider auch der Faschismus. Und der war schon immer weiblich. Egal, ob Mussolini oder Hitler, ihre größten Anhänger hatten sie unter den Frauen. Ändert sich das irgendwann einmal?

Das Frauenrechtsabkommen (CEDAW)

Auf der Seite der Vereinten Nationen lesen wir:

Unter Diskriminierung im Sinne von Artikel 1 versteht man ‘jede Unterscheidung, Ausgrenzung oder Einschränkung, die auf der Grundlage des Geschlechts … auf politischer, wirtschaftlicher, sozialer, kultureller, ziviler oder anderer Ebene vorgenommen wird’ […]

Der dritte allgemeine Schwerpunkt der Konvention zielt darauf ab, unser Verständnis des Menschenrechtsbegriffs zu erweitern, da der Einfluss von Kultur und Tradition auf die Einschränkung der Wahrnehmung der Grundrechte […] formal anerkannt wird. Diese Kräfte nehmen Gestalt an in Stereotypen, Bräuchen und Normen, die zu einer Vielzahl von rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Zwängen […] führen. In Anbetracht dieser Wechselbeziehung wird in der Präambel des Konvents betont, ‘dass eine Änderung der traditionellen Rolle von Männern sowie der Rolle von Frauen in der Gesellschaft und in der Familie erforderlich ist, um die volle Gleichstellung von Männern und Frauen zu erreichen’. Die Vertragsstaaten sind daher verpflichtet, auf die Veränderung sozialer und kultureller Verhaltensmuster des Einzelnen hinzuarbeiten, um Vorurteile und übliche und alle anderen Praktiken zu beseitigen, die auf der Idee der Minderwertigkeit oder Überlegenheit eines der Geschlechter oder auf Stereotypen beruhen […]’ (Artikel 5). Und Artikel 1O.c. schreibt die Überarbeitung von Lehrbüchern, Schulprogrammen und Unterrichtsmethoden vor, um stereotype Konzepte im Bildungsbereich zu beseitigen.”

Und in den Recommendations1 (Bemerkungen) des Menschenrechtskomitees für das Frauenrechtsabkommen, steht:

3. Die Konvention ist Teil eines umfassenden internationalen Menschenrechtsrahmens, der darauf abzielt, die Wahrnehmung aller Menschenrechte zu gewährleisten und alle Formen der Diskriminierung von Frauen aufgrund des Geschlechts, von Sex und Gender, und von Geschlechterrollen zu beseitigen. […]

18. Intersektionalität ist ein Grundkonzept für das Verständnis des Umfangs der allgemeinen Verpflichtungen der Vertragsstaaten in Artikel 2. Die Diskriminierung von Frauen aufgrund von Geschlecht und Geschlecht (Sex and Gender) ist untrennbar mit anderen Faktoren verbunden, die Frauen betreffen, wie Rasse, ethnische Zugehörigkeit, Religion oder Glaube, Gesundheit, Status, Alter, Klasse, Kaste und sexuelle Orientierung sowie Geschlechtsidentität (gender-identity). Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder des Geschlechts (Sex or Gender) kann Frauen, die solchen Gruppen angehören, in unterschiedlichem Maße oder auf unterschiedliche Weise gegenüber Männern betreffen. Die Vertragsstaaten müssen solche sich überschneidenden Formen der Diskriminierung und ihre negativen Auswirkungen auf die betroffenen Frauen rechtlich anerkennen und verbieten. Sie müssen auch Strategien und Programme verabschieden und verfolgen, um solche Vorkommnisse zu beseitigen […]

22. Dem Grundsatz der Gleichstellung von Männern und Frauen oder der Gleichstellung der Geschlechter (gender equality) liegt das Konzept zugrunde, dass alle Menschen, unabhängig vom Geschlecht (sex), frei sind, ihre persönlichen Fähigkeiten zu entwickeln, ihre berufliche Laufbahn fortzusetzen und Entscheidungen zu treffen, ohne die durch Stereotypen festgelegten Einschränkungen, starre Geschlechterrollen (gender roles) und Vorurteile. […]

Das Besondere an diesen Recommendations ist, dass sie ausdrücklich “sex and gender” erwähnen und auch “gender identity”. Damit möchte das Menschenrechtskomitee, das für das Frauenrechtsabkommen zuständig ist (Committee on the Elimination of Discrimination against Women), betonen, dass es nicht auf den “sex”, also das rein “biologische” Geschlecht ankommt, sondern auch auf das “gender”, auf das “soziale” Geschlecht. Es möchte betonen, dass man Geschlecht sehr weit gefasst sehen kann und wendet sich damit eindeutig gegen die Engstirnigkeit von Terre Des Femmes oder der EMMA (muss ich immer wieder erwähnen, damits niemand vergisst oder übersieht. Die Emma ist mein Karthago).

Stereotypen sind auch für das Komitee der Vereinten Nationen ein zentrales Werkzeug zur Diskriminierung. Interessant, dass vor allem selbst ernannte Feminist*innen von EMMA und Terre Des Femmes genau diese Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren und Stereotypen aufbauen, um ihre menschenverachtenden Haltungen zu rechtfertigen.

Doch dieses Vorgehen ist nicht zu rechtfertigen. Mit nichts auf der Welt. Es ist einfach nur faschistisch und widerwärtig.

Und damit voll im Trend der Zeit.

Fußnoten

1General recommendation No. 28 on the core obligations of States parties under article 2 of the Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women

Den kompletten Text des Frauenrechtsabkommens auf Deutsch findet ihr hier.

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