Unterschiede zwischen Arm und Reich größer als erwartet: neue DIW-Studie

Nahm man bislang an, dass die obersten 1% der Bevölkerung, die 1% der reichsten Bundesbürger, über 21,6 % des Gesamtvermögens der Bundesrepublik verfügen, so weiß man jetzt, man hat es 50% zu niedrig eingeschätzt. Das reichste 1% der Bundesbürger verfügt über 35,3% des Gesamtvermögens.

Quelle: DIW

Nimmt man die die reichsten 10% Deutschlands, so gehört ihnen bereits 67,3% des Gesamtvermögens.

Hieraus ergibt sich etwa folgende Grafik (obige etwas abgewandelt):

Um diese Ungleichheit zu verringern, rät das DIW von einer Vermögenssteuer ab, eine Ansicht, die ich teile. Doch schlägt es vor, statt dessen das Erbe stärker zu besteuern.

Die dahinterstehenden Gedanken sind interessant:

“Ein […] Instrument zur Verringerung einer hohen Vermögenskonzentration ist die Erbschaftsteuer, denn ein großer Anteil der Vermögen wird vererbt – resultiert also weder aus selbst erzieltem Einkommen noch aus Konsumverzicht ‘heute’. Sie harmoniert mit dem meritokratischen Gedanken, dass sich Menschen ihren Wohlstand verdienen sollten. Sowohl die Verschonungsabschläge bei der Übertragung von Betriebsvermögen auf die Folgegeneration als auch die ansonsten relativ hohen Freibeträge für sonstiges Vermögen haben die Basis dieser Steuer weiter erodiert. Sind die Erbenden keine guten UnternehmerInnen, könnte eine stärkere Besteuerung bei der Übertragung von Betriebsvermögen auch einen Beitrag zur Stärkung des Standorts Deutschland und des Arbeitsplatzerhalts sein.” (DIW)

Der letzte Gedanke ist interessant: Ein guter Unternehmer braucht keine reiche Erbschaft, meint das DIW, denn wer sich nur durch eine Erbschaft über Wasser hält, ist ein schlechter Unternehmer und schwächt den Wirtschaftsstandort Deutschland. Es wäre also besser, ein schlechter Unternehmer ginge pleite.

Ein wichtiges Mittel zur Bekämpfung dieser Ungleichheit wäre sicherlich die Einkommensteuer.

Wenn man anfangen würde, alle Einkommen einheitlich zu versteuern, also alles, was jemand einnimmt zusammen zu zählen und zusammen als Einkommen zu betrachten, wäre schon viel gewonnen. Reiche werden nämlich deshalb reicher, weil sie ihr Geld nicht mit hoch versteuerter Lohnarbeit verdienen, sondern nicht selten mit niedrig versteuertem Aktiengewinn oder über niedrig versteuerten Gewinnausschüttungen. Würde man all das genauso versteuern müssen, wie die Lohnsteuer, würde eine gewisse Chancengleichheit bestehen. Alle Gewinne, die jemand macht, sollten dem Lohn hinzugerechnet werden. Es dürfen keine niedrigen Steuersätze für Gewinne existieren, die vor allem die wohlhabenderen 50% Deutschlands machen.

Zudem braucht es dringend eine hohe Geld-Transaktionssteuer, damit Gelder nicht mehr ohne Kosten ins Ausland verschoben werden können. Je mehr man Gelder hin und her schiebt, desto mehr Probleme haben die Finanzbehörden sie zu finden.

Aber für all das bräuchten wir eine fähige, nicht bestechbare Regierung und die ist noch in weiter Ferne.

Die Studie als PDF

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