Verantwortung und das Leben

Das Ich und die Anderen

Es ist vielleicht nicht so geschickt mit einem Bibelzitat zu beginnen, aber dennoch: Es ist mir wichtig. Jesus beschreibt einmal, was geschehen wird, wenn wir vor das letzte Gericht kommen und Gott entscheiden wird, ob wir das ewige Leben verdient haben, oder nicht. Und da fällt ein für das Folgende bedeutender Satz: Was ihr für einen meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan. […] Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.

Die christlichen Werte sind bei uns schon lange am Arsch, auch in den Kirchen, weshalb sie sich leider keiner großen Popularität mehr erfreuen. Dennoch: Es gibt auch weltliche Regeln, die Ähnliches ausdrücken, wie z.B. „Was du nicht willst, das man die tu, das füg auch keinem andern zu.“ oder „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück!“ Und der Kantsche Imperativ lautet: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Eigentlich wissen wir es alle: Wenn wir wollen, dass wir anständig behandelt werden, müssen wir andere anständig behandeln. Wenn wir in einer Welt voller Freundlichkeit leben wollen, müssen wir freundlich sein. Wenn wir Verständnis wollen, müssen wir für andere Verständnis haben und wenn wir eine Demokratie wollen, müssen wir auch mitbestimmen wollen und die Meinungsfreiheit achten und wertschätzen.

Doch was tun wir?

Wir gehen aneinander vorbei und ignorieren uns. Wenn wir andere verarschen können, z.B. mit Schaubildern, verarschen wir sie. Was geht, geht.

Wenn wir Löhne und Honorare drücken können, tun wir das. Es ist uns egal, ob die, die wir bezahlen, davon anständig leben können oder nicht. Dabei meine ich nicht nur den Erntehelfer/die Erntehelferin, sondern auch den Nachhilfelehrer/die Nachhilfelehrerin, den Paketboten/die Paketbotin, usw.

Unsere Verantwortungslosigkeit schieben wir dann auf den Markt, den Marktwert dieser Menschen(leben). Aber es ist immer unsere Entscheidung, immer.

Doch gehen wir wieder weg vom Geld.

Der Umgang miteinander kostet uns nichts. Es kostet uns nichts jemanden anzulächeln und „Guten Tag!“ zu sagen. Auch Rücksicht kostet uns meist nichts oder anderen zu zeigen, dass uns ihre Meinung wichtig ist – außer vielleicht etwas Zeit.

Dabei können wir uns immer fragen: Was wünsche ich mir von meinen Mitmenschen, von dieser Gesellschaft in der ich lebe? Und dann sollte ich vor einen Spiegel gehen und mich einmal fragen, was tue ich dafür? Würde ich mich als Mitmensch wollen? Kann es anderen egal sein, ob ich da bin, oder nicht? Spielt das eine Rolle?

Sollte es eine Rolle spielen?

Der Sinn und die Belanglosigkeit

Vor langer Zeit rief mich einmal die Tagesklinik an. Eine junge Frau, die wie eine Schwester für mich war, war nicht erschienen. Sie hatte Schizophrenie und ich immer Angst, sie könnte sich etwas antun. Also rief ich sie an, geing bei ihrer Wohnung vorbei, aber sie meldete sich nicht. Da es etwas schwierig ist zu erklären, dass man die Familie ist, auch wenn man nicht verwandt ist, wusste ich, mit den Institutionen (Polizei etc.) wirds etwas schwierig, also brach ich die Wohnungstüre auf.

Und da lag sie, tatsächlich wie in einem Film: Auf dem Rücken, um sie verstreut jede Menge Tabletten. Ich rief den Notarzt.

Manchmal ist es wichtig, Dinge zu tun. Durch solche Taten, hat unser Leben einen Sinn. Es ist nicht mehr egal, ob wir leben, ob wir da sind. Es wird wichtig, dass es uns gibt.

Dabei muss es nicht immer so etwas Dramatisches sein. Manchmal helfen wir schon, einfach weil wir freundlich sind und Menschen das Gefühl geben, dass es gut ist, dass es sie gibt.

Wegschauen und andere nicht beachten, sich nie für etwas verantwortlich zu fühlen, das ist es, was unser Leben belanglos macht. Wenn meine Taten belanglos werden, wird auch meine Existenz belanglos.

Es sollte nicht egal sein, ob ich lebe, ob ich da bin, finde ich.

Der Sinn des Lebens besteht letzten Endes darin, meiner Existenz einen Sinn zu geben. Wenn die Welt durch meine Existenz eine andere ist, wenn ich für andere wichtig bin, dann macht mein Leben einen Sinn.

Wenn meine Handlungen belanglos sind, bin ich belanglos. Mein Leben ist aber dann von Bedeutung, wenn mein Dasein für jemanden von Bedeutung ist.

Man merkt vielleicht, wie wichtig Liebe ist.

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