Warum Arschlöcher erfolgreich sind – neue Studie

Toxische Persönlichkeiten

Arschlöcher nennt man wissenschaftlich “toxische Persönlichkeiten”, also giftige Menschen.

Der Umgang mit ihnen schadet uns, dennoch bekommen sie nicht selten die guten Jobs. Warum eigentlich? Was können sie, das wir nicht können? Die Universität Bonn hat eine neue Studie dazu veröffentlicht.

Erst mal, damit ich nicht so viel schreiben muss, Ausschnitte aus der Pressemitteilung der Universität Bonn1 vom 16.03.2020 zu ihrer Untersuchung:

“Als toxische Persönlichkeiten bezeichnet man Personen, die sich habgierig, unbescheiden und unfair verhalten und es mit der Wahrheit sehr locker nehmen.”

Die Bezeichnung trifft auf viele Menschen zu, wie z.B. Donald Trump, J.R. Ewing usw. Gerade wenn man letzteren kennt, wundert einen das Ergebnis der Studie nicht so sehr. Warum sind Arschlöcher also erfolgreich, warum werden sie befördert, obwohl sie es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen und eigentlich Gift für uns sind?

Nochmals die Uni-Bonn:

“Soziales Geschick ist an sich eine gute Sache im Berufsleben. Es kann verschlossene Türen öffnen und hilft, den täglichen Stress zu bewältigen. Es kann jedoch auch dazu eingesetzt werden, um andere zu täuschen, Vertrauen auszunutzen oder eine Fassade der Harmlosigkeit aufzubauen, hinter der sich in Wirklichkeit Arglist versteckt. Dr. Mareike Kholin und das Forscherteam fanden herausi, dass toxische Persönlichkeiten, die bei ihren Kollegen als sozial geschickt gelten, von ihren Vorgesetzten als tüchtiger eingeschätzt wurden und eine höhere hierarchische Position einnehmen. ‘Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass soziales Geschick ein zweischneidiges Schwert sein kann’, sagt Kholin. […] ‘Solche Persönlichkeiten neigen dazu, sich ständig in den Mittelpunkt zu stellen’, sagt Blickle. ‘Gute soziale Fähigkeiten ermöglichen ihnen, andere zu täuschen.’ Wer dagegen ausgeprägt ehrlich und bescheiden ist, beschert seinem Team eine wahre Freude: Solche Persönlichkeiten sind fair im Umgang und lassen an Erfolgen auch Kollegen ihren Anteil.
[…] Bastian Kückelhaus: ‘Tricksen, Tarnen und Täuschen gehören zur dunklen Seite der sozialen Kompetenz.'”

Toxische Persönlichkeiten wissen, dass sie dann aufsteigen, wenn sie andere gut manipulieren können, weil sie über hervorragende zwischenmenschliche Fähigkeiten verfügen, die sie jedoch nicht ehrlich einsetzen. Ihr Streben nach Macht sorgt dafür, dass sie sich mehr um soziale Fähigkeiten (political skills) bemühen, weil sie wissen, dass sie das in der Karrierekleiter nach oben bringt. Menschen hingegen, die Ehrlichkeit und Anstand in den Fördergrund stellen, haben eine andere Wertehierarchie und entwickeln deshalb weniger soziale Fähigkeiten im Umgang mit anderen am Arbeitsplatz. Bei Menschen nur auf soziale Fähigkeiten (political skills) zu achten, kann also täuschen.

Wie schützen wir uns vor giftigen Menschen?

In ihrer Forschung erwähnen Kholin et alii, dass vor allem Erwartungen in Stellenausschreibungen, dass Mitarbeiter mit anderen übereinstimmen, bzw. deren Meinung teilen, unter anderem solch geartete Persönlichkeiten begünstigen, da sie hervorragend vortäuschen können, mit anderen übereinzustimmen, ihnen zuzustimmen. Ehrliche Menschen widersprechen häufiger und es fällt ihnen schwerer zuzustimmen, wenn sie andere Ansichten haben.

Aber gerade widerstreitende Ansichten bringen uns weiter. Ja-Sager ermöglichen keine Veränderungen, keine Auseinandersetzung und damit auch keinen Fortschritt.

Die Forscher der Uni-Bonn schlagen vor:

  • Ehrlichkeit und Bescheidenheit als besonders wichtige Fähigkeiten zu betrachten, die das Fehlen anderer “politischer Fähigkeiten” (z.B. Kompromisse schließen etc.) ausgleichen können und sie sollten nicht mit anderen Fähigkeiten gegengerechnet werden. Sie sollten als besondere Merkmale respektiert und wertgeschätzt werden. Vielleicht sogar anderen erwarteten Fähigkeiten bevorzugt werden.
  • Menschen, die als sozial klug, zwischenmenschlich versiert und als gute Netzwerker gelten, sollten als gute Teamplayer wahrgenommen werden und von ihren Vorgesetzten höhere Bewertungen in der Teamleistung bekommen. Zusammenarbeit sollte höher bewertet werden, als Einzelkämpfertum.
  • In diesem Zusammenhang sollte man darauf achten, ob bei einem Menschen die Leistungsbereitschaft höher ist, wenn dieser alleine arbeitet oder im Team. Dies könnte anzeigen, ob es einem Menschen eher darum geht, dass alle (also die Firma und deren Mitarbeiter) weiterkommen, oder ob es der Person nur darum geht, dass sie selbst Erfolg hat.
  • Untersuchungen haben gezeigt, dass hohe Werte für Ehrlichkeit und Bescheidenheit mit einer höheren Integrität (Rechtschaffenheit) zusammenhängen. Eine Untersuchung von de Vries und van Gelderiii konnte zeigen, dass Ehrlichkeit und Bescheidenheit zu niedrigen bis keinen Pflichtverletzungen (delinquency) am Arbeitsplatz führen, welche auch ein wichtiger Kostenfaktor sind (Es werden Kosten von bis zu 18 Milliarden US-Dollar durch unrechtmäßiges Verhalten am Arbeitsplatz geschätzt).

Man sollte somit Menschen, die einem zu häufig zustimmen, genauer in Augenschein nehmen. Stimmen sie wirklich zu, oder versuchen sie nur gefällig zu sein?

Die Forscher der Uni-Bonn empfehlen, man solle doch stärker die tatsächlichen Leistungen und Ergebnisse beurteilen und weniger den “Eindruck” den man von jemandem hat. Wobei toxische Persönlichkeiten natürlich allgemein erfolgreich sind, weil sie alle täuschen, also auch Kunden, Chefs, Mitarbeiter etc., weshalb der Vorschlag vielleicht nicht ganz so zielführend ist. Denkt an J.R. Ewing!

Es hilft wohl nichts: Wir müssen selbst entscheiden in welcher Welt wir leben wollen und von wem wir regiert werden wollen: Von Arschlöchern oder von anständigen Menschen. Man kann giftige Menschen am Aufstieg hindern, wenn man möchte.

Doch habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen vor sehr selbstbewussten toxischen Typen Angst haben und sie eher gewähren lassen, ganz nach dem Motto: “Lass sie doch, dann haben wir weniger Stress.” Doch wir sollten uns den Stress machen und ihnen Steine in den Weg legen. Ohne sie und ihre Gier, hätten aktuell Krankenhäuser mehr Betten, es würden mehr Pflegekräfte eingestellt werden und die Arbeitsbedingungen wären auch besser. Doch das kostet Geld und gierige Menschen wollen uns das Geld wegnehmen – oder auf neudeutsch: Wirtschaftlich arbeiten. Doch gerade im sozialen Sektor ist das fehl am Platze, wie wir jetzt zu spüren bekommen.

Menschen, die das Gemeinwohl im Auge haben, sollten wir mehr bevorzugen, ich hoffe, wir lernen aus der Corona-Krise.

Falsche Freunde – Das Gift im privaten Bereich

Toxische Persönlichkeiten erklimmen nicht nur Karriereleitern und werden Präsidenten in Russland, USA, Türkei und so weiter, nein, es gibt sie auch als “falsche Freunde”.

Falsche Freunde erkennt man daran, dass …

  • sie uns immer wieder enttäuschen, aber durch Wortgewandtheit uns doch wieder überzeugen können, ihnen zu verzeihen. Meist ist es ihre Ich-Bezogenheit, die immer wieder dazu führt, dass sie z.B. uns versetzen und dann gute Gründe und Entschuldigungen dafür finden, weil sie wissen, wie sie uns überzeugen können und anschließend wieder gut dastehen.
  • sie meist von sich reden. Denn das Soziale, das Miteinader, ist ihnen nicht so wichtig, wie eigene Interessen.
  • Toxische Persönlichkeiten sind schlechte Teamplayer. Doch gibt es auch Menschen, die sich mit anderen zusammen nicht so wohl fühlen (z.B. Menschen mit einen Autismus) und dann eher Probleme haben, sich sozial richtig zu verhalten. Sie sind nicht toxisch, toxische Menschen wissen hervorragend, wie soziales Verhalten funktioniert und erscheinen sozial, auch wenn sie es faktisch nicht sind.
  • sie wenig Anstand zeigen. Manches Verhalten tut man einfach nicht. Toxische Persönlichkeiten wissen das zwar, doch fehlt ihnen ein Unrechtsbewusstsein. Andere mal zu belügen oder ihnen zu schmeicheln ist für sie nicht so schlimm, erfüllt es doch den richtigen Zweck. Doch im zwischenmenschlichen Umgang ist dies eher ein Zeichen dafür, dass man jemandem nicht trauen sollte. Etwas Nettes zu sagen, ist oft wichtig, doch sollte es nicht mit Manipulationen, Zielen und Absichten in Verbindung stehen.
  • wir uns bei ihnen nicht immer wohl fühlen. Etwas in uns, Carl Rogers nannte es “organismisches Erleben”, manche nennen es auch ihr “Bauchgefühl”, sagt uns, wenn etwas nicht stimmt, was wir aber nicht wahrnehmen wollen. Dann sollten wir genau hinschauen und analysieren, warum wir uns bei einem Menschen unwohl fühlen. Neben Freunden sollte man sich zu Hause und aufgehoben fühlen. Man muss ihnen vertrauen können, sonst sind es keine Freunde.

Schlussbetrachtung: Die meisten sind toxische Persönlichkeiten

Ob es 90% sind oder nur 60% weiß ich nicht, es ist auf jeden Fall die Mehrheit und jemanden zu finden, der anders ist, ist schwierig.

Toxische Menschen kann man einfach erkennen, es sind die, die die Unterschiede zwischen uns stärker wahrnehmen, als die Gemeinsamkeiten. “Du bist anders” bedeutet für sie meist: “Etwas stimmt bei dir nicht.” Ich schrieb es schon in meinem Text “Man trägt wieder Stern“: Es sind Menschen, die uns erklären, wie wir sind und die wissen was wir brauchen. Für sie gibt es “die Anderen”. Natürlich versuchen sie so zu tun, als würden sie andere respektieren, nach dem Motto: “Ich akzeptiere dich, du Minderheit!” Sofort machen sie klar: Sie sind so und die anderen sind anders, die sie aber “großzügig” “akzeptieren”.

Ich nannte sie Gutmenschen, weil sie – in Abwandlung eines Mephistopheles-Zitates – stets das Gute tun und doch das Böse schaffen. Sie verstehen es hervorragend “auf unserer Seite” zu sein, uns doch “zu verstehen”, aber in Wirklichkeit dient dieses Verstehen nur dazu, sich über uns zu erheben, zu verachten und selbst besser dazustehen, bzw. sich besser darzustellen.

Deshalb sind es auch die klassischen falschen Freunde, falschen Nachbarn, etc. Sie sind “die Versteher”, die einen einlullen, wissen, wie man sich sozial hervorragend benimmt um andere für sich einzunehmen und dann einem das Messer in den Rücken jagen.

Faust ist solch eine toxische Persönlichkeit. Ihm geht es nur um sein Wohl, seine Interessen. Er möchte Gretchen flach legen, was aus ihr wird, ist ihm nur scheinbar von Interesse, sonst hätte er sie erst gar nicht geschwängert oder ihr kein Mittel gegeben, das ihm der Teufel (Mephistopheles) gab. Deshalb auch mein Bezug auf Faust. Ich mag dieses Drama, es zeigt mehr von unserer falschen Menschlichkeit, es zeigt, wie Unmenschen wirklich sind.

Vielleicht mag ich deshalb auch koreanische Serien. Der Anstand darin wirkt für uns manchmal etwas altmodisch, vor allem wenn sich Mädels wegdrehen weil Jungs ein T-Shirt ausziehen, doch schaut man deutsche Serien, z.B. Dark, dann wird da zuerst gefickt – und dann überlegt, ob man sich mag. Das ist typisch Faust. Zuerst wird das Gretchen geschwängert und dann fallen gelassen. Gleichzeitig beteuert man die Unschuld und dass man es doch nicht so wollte. Doch hätte man es nicht gewollt, hätte man es nicht getan.

Gift ist etwas Gemeines. Es ist schleichend, manchmal geruchslos und plötzlich sind wir vergiftet.

Dabei hätten sie es doch nur “gut gemeint” und wir hätten sie falsch verstanden oder wären “undankbar”. Verlogenes Gesindel.

Fußnoten

1https://www.uni-bonn.de/neues/065-2020. Zugegriffen 18.03.2020

Literaturangaben

iMareike Kholin, Bastian Kückelhaus, und Gerhard Blickle, „Why Dark Personalities Can Get Ahead: Extending the Toxic Career Model“, Personality and Individual Differences 156 (April 2020): 109792,

iiKholin, Kückelhaus, und Blickle.

iiiReinout E. de Vries und Jean-Louis van Gelder, „Explaining Workplace Delinquency: The Role of Honesty–Humility, Ethical Culture, and Employee Surveillance“, Personality and Individual Differences 86 (November 2015): 112–16,