Wie man Propaganda betreibt (Teil 1)

Folgende Bilder, wie auch das Titelbild (etwas überarbeitet von mir), stammen aus dem Heft 63, Sommer 2017 des Fluter, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung. das Originalheft kann hier heruntergeladen werden.

Warum wirkt Propaganda?

Menschen sind sehr sehr leichtgläubig. Sehen sie ein Bild und sagt man etwas dazu, glauben sie es meist.

Kommt man ihnen mit Wissenschaft und irgendwelchen Schaubildern, hat man schnell ihren Respekt und kann ihnen alles verkaufen. Das lässt sich u.a. auch mit dem Milgram Experiment erklären, aber nicht nur.

Menschen sind autoritätsgläubig. Sie glauben, Titel hätten etwas mit Wissen und Bildung zu tun. Hat man also den richtigen Titel, ist alles richtig, was man behauptet (aus der Sicht vieler Menschen).

Hinzu kommt – bei guter Propaganda – dass diese Behauptungen scheinbar von vielen geteilt werden (siehe Asch). Je mehr Menschen (scheinbar) einem Schwachsinn zustimmen, desto mehr wird er geglaubt.

Sobald man also die Medien kontrolliert, kann man Menschen fast alles als wahr verkaufen. Wenn es nur noch eine Meinung in den Medien gibt – z.B. die Maßnehmen bezogen auf Corona sind richtig – ist es schwierig zu widersprechen, auch, weil es schwierig ist, Gegenargumente zu finden. Nicht jeder Mensch weiß, wie man in Google sucht und wo.

Nun ein paar Regeln, frei nach “Fluter”

a: Alternativlosigkeit

Ja, das erleben wir gerade: Alternativlosigkeit. Dabei wissen wir doch alle, dass andere Länder es anders machen.

Doch: Sofort wird behauptet, sie machen es schlechter. Bei uns ist alles gut, woanders ist es schlimmer.

Dabei nimmt man immer die als Vergleich, die einen besonders gut aussehen lassen. In der Psychologie nennt man das den abwärtsgerichteten Vergleich.

b: Übertreibung

Der Coronavirus SARS-Cov-2 ist ganz schlimm und es werden ganz viele Menschen sterben, wenn wir nicht das oder das tun.

Die Möglichkeit, dass genau die gleichen Menschen sterben, wenn wir nichts tun, wird als “unwissenschaftlich” oder mit anderen dämlichen Behauptungen zurückgewiesen. Wir wissen es aber nicht. Wir wissen nicht, wer gestorben wäre, wenn wir etwas nicht getan hätten.

Wenn ich sage: Weil ich heute nicht aus dem Haus ging, starben fünf Menschen in der Nachbarschaft nicht. Wenn also niemand starb, habe ich recht.

Und noch besser ist es, wenn man äußert, man befürchte 100.000 Tote, wenn man diese Maßnahmen nicht ergreife. Je absurder und größer, desto mehr Angst erzeugt eine Behauptung, desto eher folgt man ihr. Niemand traut sich dann mehr zu sagen: “Machen wir es anders!”, denn was ist, wenn der Mensch recht hat und es 100.000 Tote gibt? Wer übernimmt dann die Verantwortung?

Also besser: Mitmachen, Verantwortung abgeben. Egal, wie viel Tote es gibt, ich bin nicht schuldig. Das funktionierte schon früher in Deutschland und bei Milgram, um nochmals darauf hinzuweisen.

c: Angst schüren – irgendetwas ist immer bedroht

Da erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

d: Die Scheinkorrelation:

Diese funktioniert immer: “Weil ihr alle zuhause bleibt, sterben weniger!”

Ja? Würden alte und kranke Menschen nun nicht sterben, wenn sie zuhause blieben – oder wären sie auch sonst gestorben?

Wenn man einen Zusammenhang wissenschaftlich nicht belegen kann, behauptet man ihn einfach.

Wissenschaftlich betrachtet kann man übrigens maximal 37,5% Todesfälle verhindern in einer Pandemie – interessiert aber nicht. Die Kleinigkeit lässt man weg.

Oder diese Grafik bei Lesch:

Hier wird ein Zusammenhang zwischen Maßnahmen und Sterberaten hergestellt. Es wird behauptet: Die Ausgangssperren in St. Louis hätten die Sterberaten gesenkt.

Man könnte auch sagen: In Philadelphia hats geregnet, in St. Louis schien die Sonne.

oder: In Philadelphia leben mehr Menschen pro Quadratmeter, als in St. Louis.

oder: Philadelphia hat mehr öffentliche Bäder als St. Louis.

Sagt man aber nicht, denn man möchte ja Ausgangssperren rechtfertigen.

Dabei vergisst man zu erwähnen: Sowohl Philadelphia als auch St. Louis verhängten umfassende Ausgangssperren. Würde man dieses Detail mit erwähnen, hätte man argumentative Probleme. Und: Die Anzahl der Toten ergibt sich aus den Flächeninhalten unter den Kurven, nicht aus den Spitzen. Vergisst man einfach, würde die Geschichte zerstören.

Das nennt man: Mit der Unwissenheit spielen. Wissenschaftliche Schaubilder sind vielen zu schwierig. Sie haben nie gelernt sie zu lesen. Sie freuen sich, wenn sie ihnen jemand erklärt. Und wenn man dann noch ein Wesen hat, wie aus einer Fernsehwerbung…

e: Den Gegner schlecht reden – nobody’s perfect

Es gibt einen sehr renommierten Arzt, der immer wieder warnt. Doch es ist falsch was er sagt, weil…
“Wodarg seine Thesen über „radikale Medien“ wie KenFM, Rubikon, Geolitico oder in einem Interview mit Eva Herman geäußert habe, ‘die regelmäßig mit Verschwörungstheorien, mit antidemokratischen sowie teils antisemitischen Vorurteilen arbeiten.'” (Wikipedia)

Und auf was sich Die Anstalt stürzte: “1982/83 war Wodarg der Vorgesetzte des Hochstaplers Gert Postel, der sich als Psychiater ausgab und eine Stelle als stellvertretender Amtsarzt erhielt, diese aber nach wenigen Monaten wieder kündigte”

Wenn man die Argumente schon nicht aushebeln kann, dann findet man etwas anderes. Jeder Mensch hat eine Vergangenheit, jeder sprach vielleicht einmal mit dem Falschen oder traf einmal eine falsche Entscheidung. Irgendetwas lässt sich immer gegen jemanden verwenden, wenn man keine stichhaltigen Argumente findet.

Oderv man erfindet welche: Die Welt schreibt zu Wodarg: “Diese Behauptungen widersprechen den Erkenntnissen von Forschern weltweit.”

Nun wissen wir – hoffentlich ihr auch – dass es keine Forschungen gibt. Gerade das wird ja allgemein bemängelt, wie hier zum Beispiel. Also behauptet man einfach, es gäbe welche, nennt sie aber nicht, wie z.B. “Die Welt”. Diese Forschungen würden wir alle gerne kennen.

Wie auch immer: Irgendwas bleibt immer hängen und die Person wird unglaubwürdig.

f: Irgendwas bleibt immer haften

Schlussbetrachtung

Schaut genau hin. Glaubt nur den Untersuchungen, die ihr selbst gefälscht habt.

Es hilft nichts: Wir müssen unser Gehirn einschalten und mitdenken. Und wenn wir etwas nicht verstehen: Ignorieren oder so lange sich damit beschäftigen, bis man es versteht. Nicht alles glauben, tut ihr doch sonst auch nicht.

Es gibt interessante Untersuchungen zur Wahrnehmung von reellen Gefahren. Je weniger Menschen von Massenmedien beeinflusst werden, desto realistischer schätzen sie es ein. Medien wollen meist nur, dass man sie kauft oder anklickt – und das geht nur, wenn man Sensationen bringt, Ängste schürt, etc. Niemand zahlt für Realität. Deshalb werden uns auch immer nur Ausnahmesituationen gezeigt, oder Ereignisse, die künstlich hochgespielt werden.

Alles muss gefährlich sein, sensationell – doch in Wirklichkeit ist das Leben recht unspannend. Nur will das niemand sehen, hören oder lesen.

Literaturangaben

Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), ed. “Propaganda,” Fluter, 43, no. Sommer 2017 (2017). https://www.fluter.de/sites/default/files/magazines/pdf/fluter_heft_63_propaganda.pdf.
WELT. “Corona-Experte Christian Drosten Zerlegt Aussagen von Wodarg.” DIE WELT, March 19, 2020. https://www.welt.de/vermischtes/article206651673/Corona-Experte-Christian-Drosten-zerlegt-Aussagen-von-Wodarg.html.
“Pandemie H1N1 2009/10.” In Wikipedia, April 4, 2020. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pandemie_H1N1_2009/10&oldid=198471447.
“Wolfgang Wodarg.” In Wikipedia, April 2, 2020. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wolfgang_Wodarg&oldid=198402257.